Das Haupt der Welt

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Ehrenwirth, 2013, Titel: 'Das Haupt der Welt', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Der steinige Weg Ottos, der Grosse zu werden

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2013

Beim Sturm auf Brandenburg im Jahr 929 unter König Heinrich I. werden von seinem Sohn Otto auch der slawische Fürstensohn Tugomir und dessen Schwester Dragomira gefangen genommen. Otto findet Gefallen an Dragomira und behandelt sie nicht wie eine Gefangene, und auch Tugomir hat Glück und wird gut behandelt. Gerade als sich bei Otto und auch bei König Heinrich Schmerzen einstellen, zeigt es sich, dass Tugomir heilerische Fähigkeiten besitzt, was ihm eine Art Ausnahmestellung am Hof verschafft. Doch immer wieder wiest er darauf hin, dass sein slawisches Volk der Heveller unterdrückt wird und er nicht bereit ist, gegenüber den Sachsen klein beizugeben.

Als feststeht, dass Otto heiraten soll, wird die unstandesgemässe und zudem schwangere Dragomira in ein Kloster abgeschoben und Otto schließlich mit Editha verheiratet, eine Prinzessin aus Wessex, die zudem ihre lebefreudige Schwester Egvina mitbringt, die sofort Gefallen bei Thankmar findet, Ottos älterem Bruder aus einer früheren Ehe König Heinrichs. Zwar ist Thankmar der ältere Bruder, doch bestimmt König Heinrich Otto als seinen Nachfolger, was Thankmar zunächst auch nichts ausmacht, sieht er doch in Otto mehr Führungsstärken als bei sich selbst.

Doch formieren sich um das fränkische Reich zahlreiche Gegner gegen Otto, und er muss versuchen, an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen, und wie sich herausstellt, auch gegen seine eigene Familie. Denn nicht nur Thankmar wendet sich gegen ihn, sondern auch sein jüngerer Bruder Henning, der von seiner Mutter angestachelt wird, die Krone zu erobern. Otto wehrt sich gegen alle Feinde und versucht, auch Tugomir auf seine Seite zu bringen, der inzwischen die Tochter seines grössten Feindes geheiratet hat. Als über Otto alle Fronten zusammenzubrechen drohen, kann ihm nur noch ein Wunder helfen.

Familienfehde

Mit ihrem neuen Roman widmet sich die Erfolgsautorin Rebecca Gablé nicht den englischen Waringhams, sondern bleibet in deutschen Landen. Die Geschichte König Ottos I., der später einmal Otto der Große sein wird, ist das Thema ihres Romans Das Haupt der Welt, in der sie auf gut 850 Seiten ein Panoramabild der deutschen Lande im 10. Jahrhundert malt. Dabei beginnt sie auf der Brandenburg im Jahr 929. Ottos Vater Heinrich I. ist König, Otto soll unangefochten sein Nachfolger werfen, und die Franken und Sachsen kämpfen gegen die Slawen, darunter auch die Heveller, deren Anführer, Prinz Tugomir, bei der Schlacht gefangen genommen wird.

Obwohl man bei all den Völkern, die es in dieser mittelalterlichen Zeit gab, leicht den Überblick verlieren kann, zumal es sie heutzutage unter diesen Namen größtenteils gar nicht mehr gibt oder sie woanders als damals zu finden sind, schafft es die Autorin, immer den Überblick zu behalten und den Leser auch nicht unnötig zu verwirren. Hilfreich hierbei ist auch die Karte, die dem Roman vorangestellt bzw. nachgestellt ist und wohin mal der Orientierung halber immer wieder gerne zurückblättert. Auch dies ist ein Teil der Erzählkunst der Autorin, die den Leser nicht mit unbekannten Begriffen, Namen und Völkern allein lässt.

Zeit

Gablé lässt sich Zeit, die handelnden Figuren einzuführen und tut dies auch anhand der komplizierten Geschichte Drumherum. Wer da warum gegen wen kämpft und eine Allianz mit wem anderen bildet, wer sein Fähnchen nach dem Wind dreht und wer wen mit wem betrügt, das alles wird logisch und nachvollziehbar erzählt und erklärt, zumal es in diesen Zeiten durchaus vorkommen konnte, dass die Machtverhältnisse am folgenden Tag schon wieder ganz anders aussahen. Ein kleiner Schwerthieb hier, eine unerwartete Hochzeit dort, eine Geburt drüben, und schon ist alles verschoben. Ottos Familie bildet da keine Ausnahme, im Gegenteil. Gerade Ottos Mutter Mathildis, die lieber Ottos jüngeren Bruder Henning auf den Thron holen würde, spinnt im Hintergrund eine Intrige nach der anderen.

Nachdem König Heinrich gestorben ist und Otto sein Nachfolger geworden ist, scheinen sich die Machtverhältnisse zunächst zu klären, da alle Fürsten zu ihm kommen müssen, um ihm den Treueeid zu leisten. Doch mancher Eid hält nicht länger als bis zum Rückweg zur Tür, und so hat Otto es nicht leicht, sein Reich zusammenzuhalten. Wer Freund ist und wer Feind, das ist nicht immer leicht zu ergründen.

Buntes Spektrum an Charakteren

Neben Otto hat Gablé mit Tugomir, dem Prinzen der Slawen, eine zweite Hauptfigur installiert und deren Weg der Leser mit Spannung verfolgt. Der Bezwinger der Slawen ist Gero, Graf der Ostmark, ein brutaler Fürst, nicht nur gegen seine Feinde, sondern auch gegen seine eigene Familie, und so hat er von Beginn an Tugomir zum Feind, und beide können sich nicht ausstehen, nicht einmal, als Gero gezwungen ist, Tugomir als Heiler wegen der schweren Krankheit seiner Tochter aufzusuchen. Dass sich Tugomir dabei in seine Tochter Alveradis verliebt und umgekehrt, ist so mit das schlimmste was passieren, aber gottseidank erfährt Gero erst sehr spät davon.

Überhaupt hat Gablé ein buntes Spektrum an Charakteren aufzubieten. Neben Otto und Tugomir, die beide versuchen, Freund und Feind zugleich zu sein und ihre Stellung als Herrscher und Gefangener klar zu behalten, stechen vor allem Thankmar und Egvina hervor, die Schwägerin von Otto. Thankmar ist zunächst Sympathieträger, doch entwickelt er sich auch langsam zum Gegner Ottos und macht damit die grösste Wandlung im Roman durch. Egvina ist eine lebenslustige, lebefreudige Dame, die amourösen Abenteuern nicht abgeneigt ist und für ordentlich Schwung in der Familie sorgt.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Charakter ist Henning, Ottos jüngerer Bruder und nervig wie ein Floh im Pelz. Immer wieder versucht er, Otto zu stürzen und durch Intrigen zu beseitigen, und immer wieder scheitert er und wird von Otto mehr oder weniger begnadigt. Das ist bisweilen sogar nervig, aber da es sich ja nicht um fiktive Figuren, sondern um reale Geschehnisse handelt, kann man ja die Geschichte nicht umschreiben, nur damit man diese lästige Laus los wird. Allerdings findet Rebecca Gablé auch keine überzeugende Begründung dafür, warum Otto Henning nicht einfach wie auch immer endgültig aus dem Weg räumt, was sein gutes Recht wäre.

Über grosse Strecken spannend und packend

Insgesamt ist Das Haupt der Welt ein spannender, bisweilen packender Roman, den man streckenweise nicht aus der Hand legen kann. Das zahlreiche Personal wird nach und nach eingeführt und logisch aufgebaut, die Handlungsstränge werden sinnvoll miteinander verwoben, wenngleich man das Gefühl nicht los wird, dass ein ganz grosser, den kompletten Roman umspannender Bogen eigentlich fehlt und man nicht weiß, wohin der Roman am Ende hinführen will. Dennoch schafft die Autorin ein sinnvolles Ende, wobei durchaus Raum wäre für eine Fortsetzung, denn Otto fehlt noch der Titel "der Grosse", den er ja schon zu Lebzeiten bekam, und die historische Schlacht vom Lechfeld will auch noch irgendwann geschlagen werden.

Gablé schafft für den Leser ein saftiges Mittelalter und malt eine authentische Kulisse, in die man sich von der ersten Seite an leicht hineindenken kann. Kleinere Handlungsschwächen werden schnell und leicht überbrückt, und unterm Strich kann man froh sein, wenn die eigene Familie nicht so zerfahren und machtbesessen ist wie die hier beschriebenen. Gablé beschreibt intensiv und mit einer feinen Prise Humor, besonders dann, wenn es um die Nordgötter und den Christengott, wegen seiner hauptsächlichen Existenz in der Bibel auch "Buchgott" genannt, geht.

Empfehlenswert sind vor allem auch die historischen Anmerkungen der Autorin im Anhang, die so einiges aus dem Roman ins rechte Licht rücken, vor allem was die Quellenlage um die Ottonen angeht. Der Anhang sollte aber tatsächlich erst nach der Lektüre des Romane gelesen werden, da sonst zu viel aus der Handlung verraten werden könnte. Warum allerdings der Verlag den Titel Das Haupt der Welt gewählt hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben, denn er erschliesst sich nicht wirklich aus der Handlung.

Es geht also viel hin und her in dem Roman, aber die Autorin behält den Überblick und beschert dem geneigten Leser intensive Lesestunden, einen aufregenden Blick in das 10. Jahrhundert und im schlimmsten Fall eine Sehnenscheidenentzündung in der Hand vom Festhalten des aufwändig aufgemachten Buches. Ein Genuss für Histo-Fans, bei dem man bedenkenlos zugreifen kann.

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Letzte Kommentare:
30.07.2020 15:53:18
1492

Kann meinem Vorrezensenten nur zustimmen.

Die Waringham Saga wurde immer schwächer und wird es noch (Der neue Waringham, Teufelskrone, ist noch schlimmer als Der Palast der Meere und Der dunkle Thron).

RG kann auch deutsche Geschichte gut vermitteln, das zeigt dieses Buch wirklich und ich finde, sie sollte mit England aufhören und jetzt beim deutschen Mittelalter bleiben (das bietet ja Einiges, von 919 bis 1517).
Da ist wieder das Können da, das ich bei Das Lächeln der Fortuna bewundert habe und die Charaktere sind auch nicht zu ''modern'', so wie sie es in ihren letzten Waringham Büchern oft waren.
Wenn in Der dunkle Thron von 'Training' die Rede ist, oder in Hiobs Brüder von 'geölter Blitz', dann weiß ich, dass hier lediglich Personen des 21. Jhd ins Mittelalter versetzt werden und komme mir verar**** vor.
Hier läuft alles richtig und zeitgemäß!!
Teil 2 habe ich auch gelesen. Vielleicht könnte man da ja auch noch mehrere Teile anhängen, denn im 2. Teil wird Gaidemar ja zum Schluss ein Graf. Möglichkeiten bieten sich ...

Aber ich vermute es nicht, denn RG hat ja jetzt schon wieder diesen schrottigen Teil 6 der Waringhamreihe geschrieben. Na ja, wenn es jetzt wieder mit Waringham weitergeht, such ich mir andere Autoren.

16.05.2020 19:23:01
Dddddd

Dieses Buch kam mir durch Zufall ins Auge und ich dachte mir:
Endlich mal ein Roman von Rebecca Gable, der sich mit der deutschen Geschichte befasst.

Nachdem ich von ihrem Dunklen Thron schwer enttäuscht war, hatte ich sie schon fast abgeschrieben, doch die Tatsache, dass sie England mal verlassen hatte und jetzt über deutsches Mittelalter was geschrieben hatte interessierte mich dann doch und ich las es.

Und es ist gelungen.
Es kommen ein paar härtere Szenen vor als sonst in ihren Büchern (damit meine ich aber nicht diese Sache mit dem Hund ...), doch es ist neben Das Lächeln der Fortuna ihr bestes Buch.

Es kommt mir vor, als wär sie mit einem Ortswechsel wieder zu ihrem alten Stil zurückgekehrt, den sie in der Waringham Saga leider verloren hatte.
Der Protagonist Tugomir war mir zu Beginn eher unsympatisch, doch ich habe meine Meinung über ihn bald geändert, wie es auch einige Charaktere des Buches tun.
Gero von Merseburg ist und bleibt ein Schuft und ähnelt in seiner bematschten Art auch etwas Mortimer Dermond - stört aber nicht.
Gut gemachtes Buch.
Besser als die meisten anderen Bücher von ihr.
Waringham geht noch, aber die Helmsby und Die Siedler von Catan sind Schrott!

13.09.2018 22:28:07
Krissi CaribbeanSea

Lieber Claus Wilhelm-Bibi Blocksberg hat den großen Vorteil,dass dort keine Horrorbilder ermordeter Tiere beschworen werden. Frau Gable meint es vielleicht gar nicht mal so,aber für mich ist das kalter Kommerz,der den Interessen einer gefühllosen brutalisierten Gesellschaft entgegenkommt.Einer Gesellschaft,die,wie Sie ganz richtig bemerken,ohne Mitgefühl täglich Hunderttausende Tiere aufs entsetzlichste umbringt,Verbrechen an Wehrlosen nenne ich das, und nichts anderes.
Den anderen Teil Ihres Kommentares finde ich übrigens sehr gut und treffend:so wichtig genaue Recherche bei Historischen Romanen ist (sonst ist es eher Fantasy),es braucht auch Raum für Fiktion,und nicht unbedingt nur wissenschaftliche Korrektheit.Bernard Cornwell macht das sehr gut (kennen Sie "Stonehenge"?)
In dieser Hinsicht trifft Fr.Gable durchaus den richtigen Ton.

LG!!

12.09.2018 01:19:34
Claus Wilhelm

Und noch was zu den Romanen von Rebecca Gablé: Wir Deutschen müssen wohl IMMER, wirklich immer, Alles und Jedes in seine vermeintlichen Einzelteile zerlegen, um dann irgendetwas daran zu Kritteln zu haben.
Es handelt sich hier um ROMANE, nicht um Sachbücher!! Romane sind dazu da, um Geschichten zu erzählen! Sie sollen unterhalten, uns Kurzweil verschaffen und den Lesern Freude und Genuß bereiten.
Und was macht die geneigte Leserschaft daraus?
Eine "pseudo"wissenschaftliche Abhandlung über eine Kaiserkrone!! Geht es noch?
Mensch! Genießt doch einfach mal die Suppe, statt ständig nur Haare in derselben zu suchen.
Das, und nicht nur das, ist einer der Gründe
warum deutsche Autoren so gut wie nie zu interntionalem Ruhm gelangen. Britische z. B. sehr wohl. Muss ein Ken Follett sich denn auch ständig rechtfertigen? -.-.- Nein! Muss er nicht. Warum wohl?

12.09.2018 00:57:05
Claus Wilhelm

Liebe Krissi,

"das Bild eines hingerichteten Tieres ist zu
fruchtbar".
Selbst in unserer heutigen Zeit werden ständig
Millionen von Tieren "hingerichtet", damit die
Menscheit, ja, die Menscheit, was zu Essen hat. Isso! Es mag Dir persönlich grausam erscheinen, aber seit hunderttausenden von Jahren ist das nunmal so.
Und deshalb ist Dein persönlicher Wohfühlfaktor eines rundum gelungenen und äußerst gelungenen Romanes zerstört?!!
Hallo!!! Aufwachen!! In welcher Welt lebst Du eigentlich? Man/frau kann und darf gerne Vegetarier/in sein, aber schau Dir mal unser Gebiß an. Jawohl, "Gebiß". Dieses Wort kommt von beißen, nicht von kauen. Denn wir Menschen, und somit auch Du, haben weder Zähne, noch Magen um ausschließlich vegetarisch zu leben und zu existieren.
Und ganz abgesehen davon: ist ein erhängter
Hund wirklich das Einzige, was Dich an diesem
Roman so ganz furchtbar entsetzt hat? Diverse
menschliche Akteure haben hier noch ganz anders Leid erfahren müssen!
DAS waren keine Schreckensbilder für Dich?
Liebe Krissi, lies weiter Bibi Blocksberg und gehab Dich wohl.

11.09.2018 18:22:11
Krissi CaribbeanSea

Ein Freund stimmte mir zu,daß es problematisch ist, den Wohlfühlfaktor eines Romans durch Schreckensbilder zu zerstören. Und ein erhängter Hund ist mehr als ich persönlich ertragen kann.-Ich werde also die knapp 22 Euro für die 2 Bände Ottonengeschichte in den Wind schreiben, und die Bücher entsorgen.Ein sarkastisches Danke, Fr.Gable, für Ihre Gefühllosigkeit. Schade, denn ich finde,Sie schreiben gut,und ich wollte mich wirklich gerne in Ihre Romane versenken.-Aber das Bild eines hingerichteten Tieres ist zu furchtbar. Tschüss, und danke für nichts.Ich werde mich wieder Sarah Lark zuwenden.

Christiane aus HH

10.09.2018 03:14:19
Krissi CaribbeanSea

Ich war entsetzt,Hunde sind mir das liebste auf der Welt,und ich mag solche Stellen nicht lesen!!-aber vielleicht schaffe ich es,diesem ansich guten Roman noch eine Chance zu geben; die Internet-Recherchen bestätigen alle Fakten im Roman-interessant,die frühe Geschichte von Städten wie Brandenburg zu erfahren.Interessant auch für jemanden wie mich,die nur die Geschichte der britischen Inseln kennt,etwas über ostfränkische/frühe deutsche Geschichte zu erfahren--mit allen komplexen Verwandtschaften der Könige und Grafen.
Leider bleiben die Charaktere erstmal eindimensional. Tiefe fehlt-nicht der Handlung,aber den Personen.-Mein Gott,ich muß über das Bild von dem gequälten Hundchen hinwegkommen,sonst schaffe ich keine 2 Seiten mehr. Ein Buch kann einen sehr mitnehmen,auch ein so kommerzielles wie dieses.

09.09.2018 19:43:24
Krissi CaribbeanSea

ICH HATTE GEHOFFT, MAL EINEN HISTORISCHEN ROMAN OHNE GRAUSAMKEITEN AN TIEREN ZU FINDEN.
NUN SCHREIBEN SIE,FR.GABLE, ALVERADIS' HÜNDIN SIRA WURDE VON GERO "AUFGEHÄNGT".-Stellen Sie sich das mal schön lebhaft vor.Und glauben Sie nicht, daß ich noch einmal ein Buch von Ihnen kaufen werde. Sie geben wohl gar nichts auf die Gefühle ihrer oft weiblichen Leserschaft??

29.06.2017 05:37:06
Theres

Kleine Nachkorrektur: Der Satz lautet natürlich: ... "Der Titel "Das Haupt der Welt" und die Kaiserkrone am Cover wären auch für ein historisches, seriöses Fachbuch oder eine populärwissenschaftliche Studie passend gewesen; wenn ein Roman so vermarktet wird wie ein Sachbuch, wird die angebliche oder tatsächliche Seriösität des Buches noch betont. Ihm wird so auch unterstellt, dass es vom Niveau und den Fakten her an wissenschaftlichen Arbeiten heranreicht, also nicht leichte Berieselung, sondern seriöse Wissensvermittlung in unterhaltsamer Form bietet." ...

29.06.2017 05:31:33
Theres

Liebe Kitty Cesar: Ich halte es nicht für die Aufgabe eines Lesers oder einer Leserin, es sei denn, das Lesen und die Rezension werden ihm finanziell abgegolten, dass er oder sie für eine Rezension noch unbedingt recherchieren muss, was auf den Hardcover einer früheren Auflage dargestellt ist. Fakt ist nun einmal, dass auf dem jetzigen Cover eine Krone darstellt wird, die Albrecht Dürer im 16. Jahrhundert auf dem (idealisierten) Bild von Karl dem Großen dargestellt hat, mit dem er die Türe bemalte, die als Eingang zum damaligen Aufbewahrungsort der Reichskleinodien in der Folge gedient hat. (Sie kann heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg besichtigt werden. Ich vermute einmal, dass Sie dieses Bild meinen.
Dürers Darstellung von Gegenständen, die damals zu den Reichskleinodien zählten, gilt zwar als authentisch, da er diese wohl auch als Vorlage für seine Malerei zur Verfügung hatte, sein Porträt von Karl dem Großen ist aber eindeutig nicht authentisch. Wie ich in einem wissenschaftlichen Aufsatz gelesen haben, existieren jedoch Skizzen, auf denen Karl der Große eine andere Krone trägt, was zeigt, dass zu Dürers Zeit noch nicht einmal klar war, ob diese Krone (so großartig sie auch ist) (diese Originalkrone kann heute in der Schatzkammer in Wien besichtigt werden) tatsächlich zu Dürers Zeiten bereits die Kaiserkrone war, die bei Krönungen verwendet fand, wobei nicht geklärt ist, ob es damals mehrere Kronen gab, die als die Kaiserkronen galten oder eine andere Krone diesen Ruf hatte. Aus Berichten über die beiden letzten Kaiserkrönungen im 15. Jahrhundert, die von Sigismund und Friedrich III. (also aus der Zeit, unmittelbar bevor Dürer dieses Karlbild gemalt hat), in denen sich Details der verwendeten "Kaiserkronen" finden, lassen übrigens den Schluss zu, dass keiner der beiden mit der Krone, die eben heute als "die Kaiserkrone" gilt, gekrönt wurde. Wissenschaftlich ist außerdem inzwischen belegt, dass Karl der Große diese Krone und sämtliche andere Reichskleinodien sicher nicht getragen haben kann, da es sie zu seiner Zeit noch nicht gegeben hat.
Die Heilige Lanze soll zwar tatsächlich aus der Zeit von Otto dem Großen sein, allerdings gibt es auch kritische Gegenansichten, und gesichert ist jedenfalls, dass sie mehrmals umgearbeitet wurde.

Interessant wäre vielleicht noch die Frage, warum die Lanze, der immerhin nachgesagt wurde, dass sie aus der Zeit Ottos ist, durch die Krone, die allerdings seit Dürers Bildern als das Kaiserattribut schlechthin gilt (und tatsächlich eine großartige Arbeit ist), auf dem ursprünglichen Cover durch die Krone ersetzt wurde. Aus ihrer Rezension entnehme ich, dass nach ihren eigenen Recherchen Frau Gablé viel Mitspracherecht bei den Extras haben muss, wenn sie sogar selbst ihre Titel auswählen darf.

Abgesehen davon verrät der Umstand, dass ihr Buch unter einem Titel, der auf das Zitat eines Chronisten zurückgeht publiziert wurde und als Cover ein Dingsymbol zeigt, mehr über den Marktwert, mit die Autorin Gable (oder ist doch eher nur eine Texterstellerin) von ihrem Verlag bzw. ihrer Agentur "verkauft" wird, als über die tatsächliche Qualität des Buches.

Der Titel "Das Haupt der Welt" und die Kaiserkrone am Cover während auch für ein historisches, seriöse Fachbuch oder eine populärwissenschaftliche Studie passend gewesen, wenn ein Roman so vermarktet wird, wird so die angebliche oder tatsächliche Seriösität des Buches betont und ihm wird so auch unterstellt, dass es vom Niveau und den Fakten her an wissenschaftlichen Arbeiten heranreicht, also nicht leichte Berieselung, sondern seriöse Wissensvermittlung in unterhaltsamer Form bietet. (Also etwa dem entspricht, was in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die populärwissenschaftlichen Sachbücher boten.)

Zum Vergleich: Stellen wir uns vor, dieser Roman wäre nicht unter dem Titel "Das Haupt der Welt" (der auf ein anspruchsvolles Buch verweist), sondern als "Der Heiler des Kaisers" (verweist auf einen 08 / 15-Trivialroman) oder "Die slawischen Geschwister" (lässt die Einstufung noch relativ offen) publiziert worden. Beides sind Titel, die inhaltlich zutreffen, aber natürlich auch die angebliche Qualität des Buches als Roman und mit Blick auf die Historizität wesentlich reduzieren.

Nach der Rezension von Herrn Helmut Pachl hat ihn offensichtlich die Historizität des Romans nicht überzeugt, wobei es woh gerade die schöne "Verpackung" (und vielleicht auch das übrige Marketing) war, das Erwartungen erzeugt hat, die das Buch selbst (zumindest für ihn) nicht erfüllt hat.

26.06.2017 20:57:16
Kitty Cesar

Lieber Helmut Pachl: Auf der ersten Hardcoverausgabe des Romans befindet sich keineswegs eine Krone, sondern vielmehr die heilige Lanze, die ja durchaus den ein oder anderen Auftritt im Verlauf der Geschichte hat. Meines Wissens hat zwar Karl der Große schon diese Krone getragen, aber ich mag mich täuschen. Und ja, wenn man richtig recherchiert, dann findet man auch heraus, dass RG ihre Buchtitel niemals leichtfertig aussucht, und dieser hier tatsächlich an einen Ausdruck des Widukind von Corvey angelehnt ist. Und selbst wenn das Cover nur zu Verkaufszwecken so gestaltet worden wäre: jeder Schriftsteller hat immer ein bisschen Werbung und Marketing nötig. Das Berufsrisiko ist auch so schon hoch genug.

27.05.2017 18:02:32
rolandreis

"Das Haupt der Welt" ist der erste historische Roman von Rebecca Gablé mit deutschem Hintergrund und spielt im 10. Jahrhundert zur Zeit Otto des Großen. Da ich bisher nur Romane der Autorin, die auf englischem Boden gespielt haben gelesen hatte, war ich sehr gespannt was mich erwartet. Und auch diesmal wurden meine Erwartungen voll erfüllt. Die Protagonisten sind weitgehend historisch belegt und geschickt wurde dabei Geschichte mit Fiktion verbunden. Sowohl Otto als auch Tugomir haben mich auf Anhieb begeistert und es war schwer das Buch zur Seite zu legen um mich meinen täglichen Aufgaben zu widmen. Zu spannend waren die Intrigen am sächsischen Hof Otto des Großen und dem Schicksal von Tugomir dem Heiler. Aber auch die weiteren Protagonisten kommen bei der Autorin nicht zu kurz. So erfährt der Leser auch viel über die Widersacher Ottos, wie zum Beispiel seinem Bruder Henning und die Königsmutter. Damit ergibt sich ein sehr rundes Bild dieser Zeit und man sieht wie Otto der Große all sein Geschick benötigte um sein Reich zusammenzuhalten und zu verteidigen. Die Genauigkeit mit der historischen Personen beschrieben werden, kenne ich nur von ganz wenigen Autoren und Frau Gablé gehört zu Recht zu den Besten ihres Faches. Für mich war dieses Buch wieder ein Volltreffer, immer fesselnd und ohne Längen. Ich bin sehr gespannt auf den vor kurzem erschienenen zweiten Band "Die fremde Königin", der bei mir schon bereitliegt und die Geschichte zur Zeit Otto des Großen fortschreibt.

03.12.2016 18:35:00
Annette Walther

Zu Beginn mal ein Hinweis auf die in der Rezension gestellte Frage , warum der Titel "Das Haupt der Welt "vom Verlag gewählt wurde !---> Schon Widukind von Corvey nannte Otto " totius orbis caput", das „Haupt der ganzen Welt“.
Ich kann das Buch nur weiterempfehlen , es war spannend und vor allem der Teil der slawischen Geschichte war für mich sehr spannend !

10.11.2016 09:28:22
Horst Dieter Fischer

Das Buch ist gut und spannend. Ich habe es nur zum Schlafen aus der Hand gelegt. Die historischen Daten sind gut eingeflossen. Frage:Wann kommt die Fortsetzung. Ich warte mit ungeduld darauf. Sie sollten die Serie fortsetzen. Meiner Meinung nach gibt es über diesenThemenbereich zuwenigeBücher. Historisches Material gibt es in Hülle und Fülle. Am können und Wissen von Frau Gableliegt es sicher nicht

27.04.2016 11:45:13
Helmut Pachl

Wenn der Titel etwas zum Inhalt des Buches aussagen und das Bild der Reichskrone das noch unterstreichen sollen, heißt die Beurteilung: Thema verfehlt!
Es behandelt die Zeit Ottos I. dis zu seiner Krönung als Deutscher König, von der Kaiserwürde ist er am Ende des Buches noch weit entfernt.
Titel und Abbild der Krone, die es damals vermutlich noch nicht gab, sind reißerisch um den Verkauf anzuheizen. Ich hatte geglaubt, dass R. Gablé das nicht nötig hätte.

21.05.2015 19:04:22
Tadeusbe

Nach den umfangreichen und zweifellos guten Werken um die fiktive englische Adelsfamilie der Waringhams, zur wohltuenden Abwechslung ein Roman über die deutsche Geschichte des Frühmittelalters, dazu noch aus einer Gegend die einem aus geographischen Gründen näher liegt als Old England.
Soweit so positiv.Leider läßt das" Haupt der Welt" jegliche Spannung, jeden Überraschungsmoment außen vor.Die Geschichte plätschert, trotz dramatischer Ereignisse so vor sich hin.Die Figuren bleiben plakativ und ihre Handlungen voraussehbar.Die Tatsache, das viele der damaligen Ereignisse , Gründe für bestimmte Handlungen, Ansichten usw. im Dunkel der Geschichte liegen und das Bekannte nur subjektiv wahr genommen werden kann, bietet die Möglichkeit gut durchdachte und den realen Ereignissen weitestgehend entsprechende Handlungstränge zu generieren.Leider ist die gesamte Geschichte leicht vorhersehbar, die Funktion als Heiler für die Hauptfigur Tugomir erscheint mir in Anbetracht der Tatsache, das es schon einige Mittelalterromane mit heilenden Personen gibt, arg inflationär und zu konstruiert.Einen wirklichen Zugang zu den Figuren zu bekommen ist mir nicht gelungen.Durchgelesen habe ich das Buch nur aus Interesse an den geschichtlichen Hintergründen, die Brandenburg, das heutige Sachsen-Anhalt und den Berliner Raum betreffen.
Einige der vorhergehenden Kommentatoren kritisieren die Beschreibung der Bettszenen.Ich fand sie absolut harmlos und gemessen an dem von der heutigen Zeit andersartigen Umgang mit Nacktheit und Sexualität im Mittelalter durchaus berechtigt.Es gibt eine Menge guter Romane über das Mittelalter, dieser gehört eher ins gediegene Mittelfeld, ein noch unbekannter Autor hätte damit wohl Schiffbruch erlitten

07.05.2015 19:47:12
Hexenweib89

Endlich, endlich ein Roman, der es geschafft hat, mir auch einmal die Welt des mittelalterlichen deutschen Sprachraums näher zu bringen. Darauf hatte ich lange gewartet - und wer sonst hätte das auch schaffen können? Wieder findet man, was Rebecca Gablé's Romane so einzigartig macht: Farbenfrohe, menschliche, realistisch und zum Greifen nah gezeichnete Charaktere in einer mit großartiger Detailverliebtheit recherchierten und dem Leser zugänglich gemachten Handlung. Mystisch-religiöse Elemente haben mich an 'Hiobs Brüder' erinnert; die Perspektive eines Heilkundigen ist bei Gablé eher ungewohnt, nichtsdestotrotz gewohnt faszinierend und überzeugend gezeichnet.
Bleibt mir nur, zu hoffen, dass es nicht der letzte Roman war, der auf dem Kontinent spielt!

16.04.2015 17:50:08
Catie

Mit Verlaub, ich kann nicht feststellen, dass es in einem anderen Gablé-Roman nicht mindestens ebenso hoch hergeht (man denke an Julians und Janets Gewaltakt im "Spiel der Könige"...) Ich finde, sie wahrt sich in diesem Punkt eine gesunde Natürlichkeit- trotz aller Phantasien und sogenannter "Ausschmückungen". Es scheint mir nicht so, als sei sie bei diesem Thema auf besonderen "Zeitgeist" angewiesen.
Aber genug des Vorspiels ;P
Ich fand es interessant, auch einmal eine Roman von R.G. zu lesen, der nicht in England spielt, auch wenn ich jetzt, wo ich das "Haupt der Welt" gelesen habe, zu glauben meine, dass sie sich dort am Wohlsten fühlt. Bevor es mich ins Mittelalter zog, hatte ich eine Vorliebe für Slawen, außerdem bin ich ein Ostkind. Deswegen fiel es mir leicht, mich mit den beiden slawischen Hauptfiguren zu identifizieren, gegen Ende drohte mir die Geschichte aber zu entgleiten. Sicher nicht spannungsmäßig, aber ich steckte irgendwie nicht mehr mitten drin. Ich weiß nicht wieso, vielleicht lag es auch an mir. Schließlich kam es mir zu Beginn vom "König der Purpurnen Stadt" so vor, als spiele das Ganze im 18. Jahrhundert.
Jedenfalls kann ich auch dieses Buch nur empfehlen, es ist informativ, stellenweise amüsant, zeigt aber ebenso die Abgründe, deren die menschliche Seele fähig ist- das bewehrte Gablé'sche Erfolgsrezept.

16.03.2015 15:38:27
Hans Hoffmann

Als Fan von Rebecca Gablé lese ich z.Zt. " Das Haupt der Welt". Was mich an diesem Buch sind die Ausschmückungen der Sexszenen die Frau Gablé in den vorhergehenden Büchern tunlichst vermieden werden.
Ich bin nicht prüde, aber diese art zu schreiben sollte sie anderen überlassen.
Frau Gablé sollte nicht dem vermeintlichen Zeitgeist hinterher laufen.

18.07.2014 11:58:03
tvinnefossen

Momentan stecke ich mitten drin in diesem wirklich gelungener Roman aus der Frühgeschichte meiner Heimat. Was mich bei Frau Gablé aber immer wieder stört, ist, daß sie Probleme mit der Verneinung zu haben scheint. In diesem wie in anderen Büchern Frau Gablés bin ich des Öfteren verwirrt, weil das was dort steht, nicht das ist was die Autorin offensichtlich meinte.

Erst gestern laß ich im "Haupt der Welt":

"Kein schöner Gedanke, oder?"

Antwort: "Nein"

Aus dem folgenden Text geht aber hervor. Das die Befragte der These der Frage aber zustimmte, sie also mit "Richtig" oder "Ja" hätte antworten müssen. Da Frau Gablé ihren Figuren ziemlich oft verneinende Fragen in den Mund legt, finde ich den fehlerhaften Umgang mit den Antworten doch recht ärgerlich....

Dies ist für mich der Einzige Schatten auf den Werken Frau Gablés, die ich bisher las - und das waren einige.

12.06.2014 00:33:29
Mephistopheles

Mir hat das Buch im Großen und Ganzen sehr gut gefallen, auch wenn ich dem englischen Mittelalter doch ein bisschen mehr zugetan bin!
Gestört hat mich eigentlich nur, wie hier schon einmal erwähnt, die Ähnlichkeit zu "Das zweite Königreich". Ist irgendwie das gleiche Muster. Sohn aus Adelsfamilie reist (nicht ganz freiwillig) in Feindesland, hasst anfangs alles dort, verliebt sich aber dann in eine Frau aus diesem Land, usw. Ansonsten hat mir "Das Haupt der Welt" sehr unterhalten!

03.04.2014 09:15:23
Stefan83

So schön das Dasein als Vielleser und bibliophiler Sammler auch ist – es hat auch seine Schattenseiten. Im Wust der zahlreichen vielversprechend tönenden Novitäten schaffen es irgendwann nur noch wenige Titel, den Puls der Erwartung etwas höher schlagen zu lassen und uns den Veröffentlichungstermin als lang herbeigesehntes Ereignis zu kredenzen. Dies liegt nicht unbedingt am satten Leser, sondern an der so großen Menge hervorragender Bücher. (Ob es mehr sind als früher, ist fraglich. Wahrscheinlich haben sich einfach die Möglichkeiten, sie zu entdecken, verbessert) Und die werden, statt wie früher geduldig mit der Angel gefischt, inzwischen von mir in Schleppnetzen nach Hause gebracht, wo sie in Stapeln getürmt um meine knapp bemessene Lesezeit buhlen. Das hat zur Folge, dass nur wenige Novitäten sogleich gelesen werden. Aber es gibt Ausnahmen. Und die Romane aus der Feder der deutschen Schriftstellerin Rebecca Gablé gehören in diese Kategorie. Als sich mir also an meinem Geburtstag in der Geschenktüte „Das Haupt der Welt“ entgegen reckte, ward mal wieder jegliche Leseplanung über den Haufen geworfen, ist doch ein Ausflug in Gablés Geschichten in der Vergangenheit stets ein lohnenswerter gewesen. Aber auch diesmal?

„Das Haupt der Welt“ ist insofern schon ein bemerkenswerter Roman, da Rebecca Gablé erstmals ihrem üblichen Betätigungsfeld, dem englischen Mittelalter, den Rücken gekehrt hat, um sich stattdessen der deutschen Geschichte zuzuwenden. Dies ist, auch wenn viele Leser dies bereits länger gefordert haben, sicherlich ein Wagnis seitens der Autorin, welche die „Sicherheit“ des Schauplatzes Englands für eine Epoche preisgibt, die, und das ist eigentlich das merkwürdige, den meisten deutschen Lesern vielleicht sogar weit weniger bekannt ist. Im Mittelpunkt des wieder einmal in Umfang und Erzählung epischen Romans steht nämlich Otto I., später genannt „der Große“, der in vielen Geschichtsbüchern als Begründer des Deutschen Reiches angesehen wird. Eine Rolle, die er, auch von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda missbraucht, so nie verkörperte, denn wie Gablé im Nachwort treffend bemerkt: Eine nationale Identität in dem Sinne hat es zu diesem Zeitpunkt in keinster Weise gegeben. Das einzig „Deutsche“ am riesigen Reich Ottos war die Sprache. Und selbst hier hatten und haben bis heute die Bewohner, je nach Herkunft, so ihre Probleme einander zu verstehen.

Nichtsdestotrotz: Otto I. ist eine interessante Figur und eine noch interessantere Wahl für einen Roman, zumal sich Frau Gablé auf die ersten Jahre seiner Regentschaft konzentriert, was die Möglichkeiten in der Erzählung der Geschichte etwas limitiert. Ein Grund, weshalb auch hier wieder jemand anders die Rolle des Hauptprotagonisten verkörpert, der jedoch, uns das ist neu für Gablé, diesmal keine fiktive Figur ist, sondern wirklich gelebt haben soll.

Die Brandenburg im kalten Winter 929. Tugomir, slawischer Fürstensohn der Heveller, steht kurz vor dem Ende seiner Ausbildung zum Tempel-Priester, als die Belagerung durch den deutschen König Heinrich I. und dessen Sohn Otto ein blutiges Ende findet. Die Festung an der Havel fällt, und Prinz Tugomir und seine Schwester Dragomira werden als Geiseln nach Magdeburg verschleppt. Während sich letztere schnell an die Sachsen gewöhnt und sogar bald ein Kind von Otto erwartet, leidet Tugomir unter dem Verlust von Freiheit und Heimat. So rettet er zwar Otto – widerwillig – das Leben und macht sich einen Namen als Heiler am Hof, doch er bleibt gefangen zwischen zwei Welten. Ein Umstand, der sich noch verschlimmert, als er sich in die Tochter seines größten Feindes verliebt und fortan seines Lebens nicht mehr sicher ist. Geschützt wird Tugomir dabei zumeist von Ottos Halbbruder Thankmar, mit dem ihm eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet. Doch die Zeiten unter Ottos Regentschaft sind stürmisch und das Reich von allen Seiten bedroht. Und auch in der eigenen Familie gibt es Widerstand gegen den König der Ostfranken.

Als sich Ottos Gegner schließlich für seinen geplanten Sturz formieren, wendet sich dieser mit einer ungewöhnlichen Bitte an Tugomir – den Mann, der Freund und Feind zugleich ist und dem sich jetzt die einmalige Chance bietet: Das deutsche Reich, den großen Widersacher der slawischen Völker, zu Fall zu bringen. Wie wird er sich entscheiden?
So verheißungsvoll für eine gut erzählte Geschichte diese Ausgangslage auch ist – Gablé kopiert sich hier dennoch ein bisschen selbst, sind doch die Erfahrungen und der Lebenslauf des Hauptprotagonisten Cædmon in „Das zweite Königreich“ denen Tugomirs nicht unähnlich. Beide sind weitestgehend allein unter Feinden, beide fernab der eigentlichen Heimat. Und beide werden irgendwann vor die Wahl zwischen eben dieser und dem neu gefundenen Zuhause gestellt. Der einzige Unterschied dabei: Tugomir tut sich wesentlich schwerer, das sächsische Exil zu ertragen und weigert sich beharrlich Freundschaften mit den sächsischen Feinden zu schließen. Eine durchaus nachvollziehbare Einstellung angesichts dessen, was mit dem Rest seines Volkes nach Einnahme der Brandenburg passiert ist. Dennoch ist es gerade diese Zurückhaltung und der (vor allem zu Beginn) gänzliche Mangel an Freundlichkeit, welcher es dem Leser schwer macht, Sympathie für den slawischen Prinz zu entwickeln, der partout jeder ihm dargebotenen Hand entgegenspuckt.

Überhaupt tut sich Gablé hier überraschend schwer damit, einen schnellen Einstieg in die Geschichte zu gewährleisten und eine Brücke zwischen dem Jetzt und dem frühen Mittelalter zu bauen. Ungewöhnlich für eine Autorin, welche mich sonst bereits nach wenigen Seiten vollkommen in den Bann gezogen hat. Ob Robin of Waringham oder eben der bereits genannte Cædmon, die Lebendigkeit der Figuren, ihr Freud und ihr Leid, nahm sogleich automatisch gefangen. „Das Haupt der Welt“ kommt da wesentlich schwerer und schleppender in Fahrt und besonders Tugomir bleibt dem Leser seltsam fremd. Ob das dem ungewohnten Setting zuzuschreiben ist oder vielleicht gar der Tatsache, dass Gablé selbst nicht so wirklich mit ihrem „Helden“ warum geworden ist, vermag ich nicht zu sagen. Fakt ist jedenfalls: Der Roman lässt bereits an dieser Stelle das gewisse und vor allem gewohnte Herzblut vermissen, das die Vorgänger zu solchen Pageturnern hat werden lassen.

Dabei lässt sich der Autorin sonst nicht wirklich viel vorwerfen. Der bildgewaltige Erzählstil überzeugt einmal mehr und der historische Hintergrund, wieder sorgfältig recherchiert, regt zur Auseinandersetzung mit dieser Epoche der deutschen Geschichte an. So werde ich als gebürtiger Westfale dem ein oder anderen Ort meiner Heimat nun sicherlich mehr Aufmerksamkeit schenken bzw. diesen auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Aber das alles, nun ja, reicht mir irgendwie nicht. Vielleicht auch weil Rebecca Gablé die Messlatte durch ihr bisheriges Werk derart hoch gelegt hat, dass damit halt eine gewisse Erwartungshaltung einhergeht. „Das Haupt der Welt“ kommt zu schwer in Gang, die Figuren sehr hölzern daher. Gerade ihr Geschick, die historischen Persönlichkeiten mit Ecken, Kanten und vor allem mit Charisma zu füllen, habe ich doch schmerzlich vermisst. Die meisten, wie z.B. Ottos jüngerer Bruder Henning, genannt „Hasenfuß“, wirken unausgearbeitet, eindimensional. Einziger Lichtblick ist da Halbbruder Thankmar, der mich in seinen Ausschweifungen und dem hitzigen Temperament an Raymond of Waringham erinnert hat und welcher der Handlung, die sonst eher gemächlich dahinschreitet, ordentlich Feuer verleiht.

Woran es letztlich haargenau im Einzelnen liegt, warum der Funke nicht richtig übergesprungen ist – ich vermag es nicht zu sagen. Möglicherweise würde ich diesen Roman, wäre er der Feder eines bis dahin nicht bekannten Autors entsprungen, auch nicht derart pingelig beurteilen. So fehlt halt einfach das gewisse Etwas, dieser typische Schuss Gablé, der die meisten anderen ihrer Werke zu so großartigen und vor allem bewegenden Leseerlebnissen gemacht hat. Fast scheint es so, als hätte Gablé dies selbst gemerkt und versucht durch neue Elemente wettzumachen, womit sie aber gerade das Gegenteil erreicht. Waren sonst die Liebesgeschichten immer durchaus stilvoll mit der Geschichte verzahnt, wandelt hier die Autorin nun auf Folletts Spuren. Explizite Beschreibungen von Bettszenen verstören mich zwar genauso wenig wie ich sie grundsätzlich in jeglicher Literatur ablehne, so lange es passt – aber ein Gablé-Roman hatte das einfach nie nötig. Warum also jetzt die ständigen Einblicke in den menschlichen Genitalbereich?

Bevor ich Gefahr laufe, allzu kritisch zu erscheinen: „Das Haupt der Welt“ ist immer noch ein richtig guter historischer Roman, der in vielen Bereichen der Konkurrenz auch weiterhin davonläuft. Doch diese Liebe zum Detail, diese Leidenschaft für jede noch so kleine Figur im großen Konstrukt der Handlung, sie wird doch schmerzlich vermisst. Wo mich sonst z.B. Tode unheimlich bewegt und gerührt haben, verfolgte ich in diesem Roman die Schicksale eher aus der Distanz. Das Ableben wird nicht als Verlust empfunden, nur mit einem Nicken zur Kenntnis genommen. Auch weil die Schwarz-Weiß gezeichneten Protagonisten selbst kaum der richtigen Trauer fähig sind und man dadurch das Gefühl bekommt, dass einfach keine Zeit da ist, dass die Geschichte schnell ihrem Ende entgegen getrieben werden muss. Und gerade das Verweilen im Mittelalter, das alltägliche Leben, die kleinen Dinge am Rand des Weges, haben die Gablé-Bücher immer so hervorragend gemacht.

Müsste ich „Das Haupt der Welt“ mit einem Wort beschreiben, es wäre wohl „mühselig“. Bezogen nicht auf die Lektüre selbst, sondern auf den Prozess der Entstehung, da ich das Gefühl nicht loswerde, dass Rebecca Gablé hier einfach nicht richtig mit ganzem Herzen dabei gewesen ist. Das wünsche ich mir für eine mögliche Fortsetzung (das Ende deutet eine solche zumindest an), auf die ich mich auch sicher nicht weniger freuen werde, ändert mein Jammern auf hohem Niveau doch nichts an der Tatsache, dass diese Autorin im Genre weiterhin ihresgleichen sucht.

29.03.2014 21:11:10
Baumann Madeleine-C-

Gespannt griff ich also nach dem neeusten Gablé-Buch. Ein wenig Mühe hatte ich schon, so weit in der Geschichte zurück zu gehen. Die Eidgenossenschaft wurde ja auch erst 1291 (ahämmm...) gegründet. - Karl der Grosse, ein relativ nebulöses Phantom, Otto der Grosse (wer?). So liess ich mich ein auf eine Geschichte, die mir fremd war. Zwischendurch etwas langfädig, aber je mehr ich mich damit befasste, versucht zu begreifen, die Kulturen, die Glaubensrichtungen...umso mehr fesselte sie mich. Frau Gablé bringt es wieder aml fertig, dass man dran bleibt, dass man in der Geschichte forscht! Vielen Dank einmal mehr.!

Madeleine-C. Baumann, CH Lenzburg

23.03.2014 14:54:25
Mohnblume

Spannender und mitreißender Historischer Lesestoff

Mitten des 1000. Jahrhunderts überfällt der König Otto , die Slawen , viele werden brutal Abgeschlachtet, der Rest als Sklaven mitgenommen nach Magdeburg. Darunter auch der Fürstensohn Tugomir und seine Schwester Dragomira. Tugomir und Otto freunden sich an, er rettet Otto durch seine Heilkünste vor dem sicheren Tod. Dragomira wird Ottos Geliebte und schenkt ihm einen Sohn , sie wird ins Kloster verbannt um Ottos Ehe nicht im Wege zu stehen. Sie schenkt ihm einen Sohn , den zukünftigen Erzbischof von Mainz. Tugomirs Heilkünste sind gefragt , einen starken verbündeten findet er in Tankmar , Ottos Stiefbruder.
Es finden viele brutale Kriege und Schlachten statt , aber um seine Krone zu retten , braucht er wiedermal Tugomirs Hilfe. Intrigen, Ränke spiele , Eifersucht, Neid und Hass sind an der Tagesordnung, auch vor heimtückischen Morden wird nicht zurück geschreckt , solch einem Anschlag fällt auch Tankmar zum Opfer .
Otto hat viele Neider, die ihn am liebsten entmachtet oder Tod sähen. Darunter auch seine Mutter, sie gönnt ihm die Krone nicht, sähe sie doch lieber ihren Lieblingssohn Henning auf dem Thron.
Kraft und Unterstützung findet Otto in seiner Frau , sowie Tugomir und einigen anderen Getreuen.
Es geht hier aber aus Schlachten , aber auch um Wiedergutmachung Treue , Liebe ihrer Kraft und Verzeihung.
Die Autorin Rebecca Gable , hat mit ihrer Kraftvollen , klaren Sprache und mit viel Fingerspitzengefühl , das Leben Ottos in ihrem Roman erzählt. Wie immer sind ihre Geschichten Akribisch recherchiert. Großartig und spannend erzählt sie das damalige Leben am Hoffe Ottos.
Was es bedeutete ein Land und sein Volk zu regieren. Waren doch Revolten , Aufstände und das auf gebären der Fürsten an der Tagesordnung.Frieden zuhalten war nicht so einfach. Das alles hat sie wieder einmal sehr spannend und lehrreich in ihrem Roman verpackt.


„ Die Geschichte Ottos und vieler berühmten Häupter , geschickt und spannend verpackt.
Ein mitreißender Roman „

08.02.2014 20:46:22
Sven

Wie immer ein packender Roman, wenn er doch streckenweise stark dem Roman "das Zweite Königreich" erinnert und teilweise ähnliche Handlungsstränge besitzt. Außerdem sind die Charaktere sehr ähnlich Tugomir=Caedmon. Sie wirken zwischendurch auch wenig vielschichtig. Wen das nicht stört wird gut und spannend unterhalten. Der Roman ist wieder exzellent in die nicht überlieferten Passagen der Historie eingeflochten.

28.01.2014 18:26:51
Martin Jager-Degenhard

Wer wie ich die Gablé-Schinken mag und nach so viel England endlich auch seine Deutschland-Geschichtslücken äußerst unterhaltsam und anregend füllen möchte ist hier bestens bedient. Mehr davon! Leider fehlen dem Hörbuch zur Übersichtlichkeit (wieder) die erwähnten Gimmicks: Karte und historische Zusatzinformationen. "Empfehlenswert sind vor allem auch die historischen Anmerkungen der Autorin im Anhang, die so einiges aus dem Roman ins rechte Licht rücken..."
Da ja auch das Hörbuch seinen Preis hat, zwei Vorschläge: Booklet oder Zusatzinfos auf der Gablé-homepage.
Danke schon mal.

26.01.2014 19:46:57
Klaus Kröger

Wie üblich liefert Rebecca Gable einen Mix aus Historienroman und Abenteuer. Die Geschichte ist packend und die Figuren haben individuelle Charakterzüge. Der Leser lernt viel über die Unterschiede zwischen Sachsen und Slawen.

Leider offenbart Frau Gable die alten schriftstellerischen Schwächen. Kam die Formulierung "sei so gut" im "Dunklen Thron" 35 mal vor, wird dieser Wert diesmal mit 38 mal noch überschritten.

01.12.2013 14:57:48
annelein

"Das Haupt der Welt" ist ungeheuer spannend. Machtansprüche im Mittelalter wurden mit Gott begründet und mit Blut umgesetzt.
Nicht umsonst wird Otto's "Ostpolitik" häufig kritisiert. Aber was hat Karl der Grosse ca. 100 Jahre vorher mit den Sachsen gemacht???
Also wir sollten uns über die Grausamkeiten in dem Buch nicht aufregen; und ausserdem: Kriege sind immer grausam.Trotzdem bleibt das Buch spannend.
Es wäre schön wenn Rebecca Gable über die weiteren Ottonen bzw. Liudolfinger wie Otto II und Theophanu usw. eine Fortsetzung schreiben würde. Auch das ist eine spannende Geschichte

26.11.2013 14:38:41
Irina-die-Russin

Bin alte Leseratte und gerate nicht so leicht in Begeisterung. Aber von diesem Buch bin echt gefesselt, von der Schilderungskraft fasziniert, der Autorin herzlichst dankbar für den wahren Genuss des Lesens.
Habe alle historische Bücher von R. Gable gelesen, manche mehr als ein Mal. Doch scheint es mir, noch nie waren die Figuren so lebendig, die Geschehnisse so glaubwürdig und Dialogen so glänzend, wie in diesem Buch.

08.11.2013 20:38:55
Mik-

Habe vor kurzem endlich mit dem Buch angefangen (eigentlich wollte ich auf die günstigere TB warten) und bin wie bei fast allen historischen Romanen von Gable wieder sehr angetan.

"Für den Geschichtschreiber Widukind war Otto „das Haupt der ganzen Welt“ (totius orbis caput)", auch mit dem Titel ist Gable also historisch korrekt geblieben.

Ich würde mich freuen, wenn weitere Romane aus dem deutschen Mittelalter von dieser Autorin folgen sollten.
Nur:" (Zitat) ..und die historische Schlacht vom Lechfeld will auch noch irgendwann geschlagen werden. "-
mit der Schilderung von Schlachten und großen kriegerischen Ereignissen hat es Gable in meinen Augen nicht so, ihre Stärken liegen in der Charakterisierung der Figuren, der Motivation der Personen und der Schilderung von Land und Leuten.

04.11.2013 17:14:00
Markus Kemper

Der Titel des Buches bezieht sich m.E. auf eine Bezeichnung Ottos durch Widukind von Corvey, der ihn als "totius orbis caput", also als "Haupt der ganzen Welt" bezeichnet hat.
Widukind war ein sächsischer Chronist zur Zeit Otto des Großen.

Ich befinde mich zur Zeit noch im ersten Drittel des Buches und gebe zu, dass sich der Titel bisher nicht aus dem Roman erschließt. Dennoch, ein hervorragendes Gemälde des Mittelalters und wie immer bei Rebecca Gablé, gut recherchiert!

29.10.2013 19:03:33
PMelittaM

Beim Sturm des deutschen Königs Heinrich I auf die Burg des Slawenfürsten Vaclavic wird dessen Sohn Tugomir zusammen mit seiner Schwester Dragomira von Heinrich als Geiseln genommen. Vor allem Tugomir hat es nicht einfach am sächsischen Hof, zu viel Leid gab es auf beiden Seiten, zu lange schwelt der Konflikt schon. Doch es zeigt sich, dass Tugomir ein begnadeter Heiler ist und als er Otto, Heinrichs Sohn das Leben rettet, wird er dessen Leibarzt. Als Otto die Nachfolge seines Vaters antritt und mit zahlreichen Widersachern zu kämpfen hat, ist er auch auf Tugomirs Hilfe angewiesen und bietet diesem eine außergewöhnliche Chance …

Rebecca Gable hat die englische Geschichte verlassen und sich der deutschen zugewandt – und dieses Wagnis ist ihr wunderbar gelungen. Wie von ihr gewohnt, bietet sie auch hier bestes Lesevergnügen, besticht mit gut ausgearbeiteten Charakteren, einem bildgewaltigen Erzählstil und einer spannenden Geschichte. Im Nachwort erzählt sie, wo die Fakten enden und die Fiktion beginnt – und lässt einen auch hier staunen. Für mich war dies bislang eine Epoche, von der ich wenig wusste und die mich ehrlich gesagt auch nicht besonders interessierte. Durch diesen Roman habe ich nun auf sehr unterhaltsame Weise Neues und zum Teil für mich auch Erstaunliches (von den einzelnen slawischen Völkern hatte ich noch nie gehört – kennt jemand z. B. die Daleminzer und die Heveller?). Nun hoffe ich, dass die Autorin noch ein wenig mehr von dort, auch die weitere Geschichte erzählt und damit für den Leser begreifbarer macht.

Rebecca Gable berichtet nicht nur von den politischen Verhältnissen der damaligen Zeit sondern lässt uns auch teilhaben am Leben der Leute, seien es Könige, seien es deren Familie, seien es Sklaven oder das „einfache Volk“. Wie gewohnt treffen historische Persönlichkeiten auf fiktive Charaktere, wobei dieses Mal erstaunlich viele historisch belegte Personen vorkommen, die allerdings zum Teil viel Platz für Fiktion lassen, da von ihrem Leben nur wenig bekannt ist. Die Teile, die die Autorin mit Fiktion füllen musste, passen sich gut ein und wirken authentisch. Mir macht das Ganze zudem Lust darauf, selbst ein bisschen zu recherchieren.

Der Roman liest sich flüssig und ist an keiner Stelle langweilig. Am Anfang machen einem die sehr ungewohnten slawischen Namen etwas zu schaffen, aber zum Nachschlagen gibt es ein Personenregister und schneller als gedacht hat man sich an die Namen gewöhnt. Etwas ungewohnt ist vielleicht auch für manche Fans historischer Romane, dass sich ein Hauch Mystik im Roman verbirgt, Tugomir hat eine sogenannte Vila, ein Geistwesen, das ihm u. a. Visionen bringt. Dies ist aber einzuordnen in Tugomirs Religiosität, denn er ist zugleich Priester einer slawischen Gottheit. Daneben wird auch das Christentum thematisiert, denn wir haben es hier auch mit der Epoche der Christianisierung dieser Gegend zu tun – und auch hier erfahren wir einen Hauch Mystik, wenn z. B. die Heilige Lanze Wunder wirken soll. Für mich passte beides sehr gut in den Kontext des Romans.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, u. a. aus Tugomirs, Dragomiras oder der der Brüder Ottos, Thankmar und Henning. Das gibt dem Roman Dynamik und zusätzliche Spannung und beleuchtet auch verschiedene Gegebenheiten unter verschiedenen Aspekten.

Was mir gefehlt hat, war eine Karte, allerdings lag mir ein Leseexemplar vor, so dass möglicherweise in der Buchhandelsausgabe eine solche zu finden ist. Für historische Romane halte ich Karten eigentlich für unentbehrlich, da sie auch die politischen Gegebenheiten einer Epoche aufzeigen (Grenzen, Herrschaftsgebiete).

Wer gut recherchierte historische Romane sucht, ist bei Rebecca Gable immer richtig, wer auch ihre anderen Romane mochte, wird hier sowieso zugreifen. Ich empfehle das Buch uneingeschränkt.

15.10.2013 23:01:20
Michael Malkemus

Ich hatte kurz meine Mühe in das Buch reinzufinden - allerdings nicht, weil es schlecht geschrieben ist, nein, ich bin als Gable Fan einfach eine Story mit einem Waringham gewöhnt! Es war diesmal wirklich ungewohnt, das kein Englisches Königshaus zu retten war, die Grafschaft von Waringham nicht am Abgrund stand und die Pferdezucht brachlag.
Ich mag das Mittelalter und nochmehr die Deutsche Geschichte - ich hatte im letzten Jahr eine große Ausstellung zu Otto dem Großen (gut im Roman ist er dabei - groß zu werden) besucht und bin ein Fan von ihm. Für mich lag es auf der Hand, dass ein Roman über Otto dem Großen von meiner Lieblingsschriftstellerin unbedingt von mir gelesen werden sollte.
Kein Waringham hin und kein Englisches Königshaus her - der Roman hat mich von der ersten Seite an begeistert!
Klar gibt es, wie in jedem guten Roman Gute und Böse. Wobei, in diesem Roman, war das mit den Bösen so eine Sache - klar Henning und Gero waren ganz klar auf der Seite der Bösen, aber Thankmar? Es wurde auch in den Foren deutlich, das es irgendwie doch ziemlich "doof" ist, das man nicht in der Lage ist, gewesenes - und das trifft bei geschichtlichen Ereignissen nunmal zu 100% zu - nicht umschreiben kann, und so musste der gute Halbbruder von Otto so ziemlich in der Mitte des Romans das Zeitliche segnen. Schade, denn er hat so gut zu Togumir, dem Hauptprotagonisten neben Otto, gepasst.
Gut die Handlung ist mehr oder weniger bei einem Historischen Roman vorgegeben, aber ich finde es gut, wie Rebecca Gable die Lücken der Geschichtsschreibung mit Fiktion aufgefüllt hat (ohne das man das groß merkt). Man hat nie das Gefühl den Faden zu verlieren, wenngleich es auch eine ganze Menge handelnder Personen aus diversen Völkern in diesem Roman gibt. Die Erzählung ist flüssig vorgetragen und verliert sich nie in endlosen Kettensätzen oder in zähen Dialogen.
Die Charaktere sind sehr gut gewählt und protraitiert. Ich mag es, wenn ich aus einer kurzen Beschreibung sofort ein Bild der handelnden Person vor Augen haben, das ist mir in diesem Roman immer gelungen. Für mich ein Zeichen dass die Protagonisten hervorragend "gezeichnet" sind.
Mit dem Cover konnte ich lange Zeit nicht wirklich was anfangen - die "Heilige Lanze", welche zu den Deutschen Reichskleinodien gehört. Ja, sie stammt aus dieser Zeit - aber nachdem die Lanze vor der Schlacht von Birten angeblich den Sieg des Ottonischen Heeres gegen die Aufständischen herbei geführt haben soll und Tugomir daraufhin zu dem neuen "Buchgott" konvertiert, habe ich die Idee des Covers verstanden. Denn in dem Buch geht es auch um die Bekehrung der Slawischen Völker von ihrem Vielgötterglauben - eigentlich das gleiche, was mehr als 100 Jahre zuvor Karl der Große mit den Sachsen machte.
Ich fand das Buch ingesamt hervorragend, ich war mehr als angenehm überrascht, so waren die 860 Seiten auch innerhalb von 3 Wochen durchgelesen. Schade eigentlich. Jetzt für die kalte Jahreszeit mit langen Abenden für jemand, welcher Historische Romane mag, ein Muß.
Ich hoffe auf eine Fortsetzung des Romans, denn Otto ist ja noch nicht "Das Haupt der Welt" - Kaiser wird er ja erst später.....

12.10.2013 12:50:58
Renate Habets

Ja, es ist unbestritten, dass Rebecca Gablé sorgfältig recherchiert und dass sie schreiben kann, das hat sie hinreichend bewiesen. So gerne ich ihre Waringham-Bücher gelesen habe, so enttäuscht bin ich nun über ihr neues Buch, das die Zeit Ottos I. zum Thema hat. Natürlich sind diese Zeiten verwirrend, kämpferisch und grausam, aber das sind die Zeiten zu den Rosenkriegen auch! Ich habe aber das Gefühl, dass in diesem neuen Roman das Kämpfen zum Selbstzweck wird, ja, dass es der Autorin Freude bereitet, Details zu Verletzungen oder tödlichen Wunden auszuschmücken und teilweise sogar in unangemessen ironischer Form wiederzugeben. Das hat mich beim Lesen mehr und mehr gestört, handelt es sich doch - auch wenn es nur erfunden ist - um Krieg. Und mit Krieg sollte auch in der Literatur achtsam und behutsam umgegangen werden! Aber auch die Personendarstellung hat mich nicht so überzeugt, wie sie das in den anderen Romanen tat. Meiner Meinung nach blieben die Hauptpersonen - Otto und Tugomir - merkwürdig blass, waren psychologisch nicht ausgeleuchtet und differenziert genug, sondern immer nur Gleiches bestimmte ihr Tun und Verhalten. Das ist bei über 800 Seiten meiner Meinung nach zu wenig. Wenn man nicht wirklich versteht, warum Romanfiguren so und nicht anders handeln, ist man als Leser unzufrieden und verliert die Spannung beim Lesen. Lediglich Ottos älterer Bruder Thankmar war als Gestalt interessant und vielschichtiger, von ihm hätte man gerne mehr gehabt, vielleicht hätte ich ihn mir sogar als Hauptperson gewünscht. Natürlich ist diese Kritik eine, die auf relativ hohem Niveau beklagt. Aber das Niveau hat die Autorin mit anderen Romanen vorgegeben, der Leser hat eine Erwartungshaltung. Und entweder hat man sich an ihre Sprache gewöhnt, oder die Autorin ist, wie mir schien, tatsächlich nachlässiger geworden: es gibt durchaus Passagen, in denen sich ungebrochen der Kitsch einschleicht, oder die Sprache erscheint unangemessen, z.B. wie oben bei den Kriegen mitunter, aber auch an anderer Stelle.
Nichtsdestotrotz: sie beschreibt eine spannende Zeit, stellt die komplizierten Zusammenhänge klar dar, macht im Nachwort deutlich, was historisch oder erfunden ist, was durchaus für diesen Roman spricht. Im Ganzen allerdings, muss ich leider sagen, war dieses Mal ein Roman von Rebecca Gablé mehr Enttäuschung als Freude.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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