Im Schatten des Krans

  • Sutton
  • Erschienen: Januar 2013
  • Sutton, 2013, Titel: 'Im Schatten des Krans', Originalausgabe
Im Schatten des Krans
Im Schatten des Krans
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Jörg Kijanski
40

Histo-Couch Rezension von Jörg Kijanski Sep 2013

Eine (schlechte) Mogelpackung!

Kurzgefasst:

Hamburg 1845. Die Schrecken des Großen Brandes sind noch überall präsent. Auch der alte Kran im Hafen wurde zerstört. Während Reeder und Kaufleute als Ersatz einen eisernen Schwergutkran aus England fordern, plädiert der Werftbesitzer Elbrand für eine hölzerne Hebemaschine. Und er hat beste Kontakte zur Regierung. Als Elbrand eines Nachts ermordet aufgefunden wird, gerät Roger Stove, Angestellter im Handelshaus Schröder & Westphalen und erbitterter Gegner der Hebemaschine, unter Verdacht und wird arretiert. Kontorlehrling Moritz Forck glaubt nicht an die Schuld des Kollegen und versucht auf eigene Faust, den Mörder zu finden. Seine Nachforschungen führen ihn bis in die hintersten Winkel der berüchtigten Hamburger Gängeviertel. Obwohl Moritz spürt, dass er verfolgt wird, gibt er die Suche nicht auf. Schließlich will er nicht nur den Mörder finden, sondern auch Cäcilie, der Tochter seines Arbeitgebers, beweisen, dass er ein ganzer Kerl ist.

 

Mit dem neuen Werk von Jürgen Rath, erschienen als "historischer Kriminalroman" im Sutton-Verlag, können wir uns kurz fassen. Die Handlung spielt 1845 in Hamburg. Ein neuer Kran soll im Hafen errichtet werden und während in England längst eiserne Schwenkkräne zum Standard gehören, diskutiert man in Hamburg über einen Holzkran, der aber nur eine "Hebemaschine" ist und eben keine Schwenkfunktion hat, welche zum Entladen der Schiffe ja durchaus sinnvoll ist. Roger Stove, ein Engländer sowie Mitarbeiter des Handelshauses Schröder und Westphalen, ist nur einer von vielen Gegnern der veralteten Technik, die der einflussreiche Besitzer einer Holzschiffswerft, Elbrand, durchsetzen will. Nach einem Diskussionsabend hören Anwohner eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen Elbrand und Stove. Wenig später liegt der Wirtschaftsmogul erstochen im Herrengraben. Cäcilie Schröder, die siebzehnjährige Tochter des Kontorbesitzers in dem Stove arbeitet, und der fünfzehnjährige Lehrling Moritz Forck beschließen, den wahren Mörder zu finden, da sie an die Unschuld Stoves glauben ...

 

"Außerdem ist Mord nicht üblich unter Kaufleuten. Wenn wir jemand erledigen wollen, treiben wir ihn in den Konkurs."

Soweit zum Inhalt, der tatsächlich einen Kriminalroman vermuten lässt. Dies ist jedoch nur ansatzweise der Fall, da der Autor die üblichen Grundzutaten eines Krimis weitgehend vermissen lässt. Die Leser möchten dem Täter auf die Spur kommen, wenn möglich noch vor dem Ermittler. Das ist der Reiz, der einen Krimi ausmacht. Dazu gehören aber beispielsweise mehrere der Tat verdächtige Personen. Und wie die "Ermittlungen" des Protagonisten Moritz aussehen, welche ihn auch in das verruchte Gängeviertel führen, vermag man sich vorzustellen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Moritz wird schon so beschrieben, wie man sich einen Jugendlichen vorstellt. Doch genau so sind die Ergebnisse seiner Bemühungen. Entsprechend überraschend oder eher enttäuschend ist die (Art der) Auflösung.

Ein "historischer Kriminalroman"; aber wie schreibt man einen Kriminalroman?

Wo andere Autoren am Ende eines Kapitels einen wirkungsvollen Cliffhanger setzen, damit dem Leser klar wird, er dürfe doch gerade jetzt nicht ins Bett gehen, sondern müsse unbedingt weiterlesen, nehmen wir hier überwiegend an den (gar nicht spannenden) pubertären Gedanken von Moritz teil. Darf er Cäcilie, die Tochter aus besserem Haus, küssen? Doch wozu soll dies gut sein und wie steht es mit der vierzehnjährigen Jette, seiner Nachbarstochter? Solche schwerwiegenden Fragen sorgen kaum dafür, dass man zwingend weiterlesen möchte. Jedenfalls nicht, wenn man das Buch erworben hat in der Annahme, einen "Kriminalroman" zu lesen.

Reichlich Platz für Belanglosigkeiten

Der Arbeitsalltag im Kontorhaus ist anschaulich beschrieben und nimmt reichlich Platz ein. So sind diverse Schreiben zu kopieren (sprich Abschriften zu fertigen) und zu den Aufgaben des Lehrlings gehört natürlich zudem, Tintenfässer aufzufüllen, Federkiele anzuspitzen und den Löschsand aufzufegen. Und das jeden Tag. Wer sich darüber hinaus für Schiffe im weitesten Sinne (hier besonders für den erwähnten Bau eines neuen Kranes im Hafen) interessiert, mag einen Blick riskieren.

 

"Stellt euch vor, sie hatte Strümpfe an. Von wem sie die wohl geliehen hat?"

"Frag sie doch, wenn es dich so sehr beschäftigt", brummte der Vater.

Herta Forck blickte von einem ihrer Männer zum anderen und murmelte etwas in sich hinein. Sie fühlte sich offensichtlich alleingelassen mit dieser weltbewegenden Frage.

Ansonsten langweilen oft Belanglosigkeiten wie das vorstehende Beispiel zeigt. Schade, aus der Hafenstadt und ihrer bewegenden Geschichte hätte man wesentlich mehr machen können, nein, machen müssen. Die Romane von Boris Meyn - um in Hamburg zu bleiben - seien als positives Beispiel erwähnt.

Im Schatten des Krans

Jürgen Rath, Sutton

Im Schatten des Krans

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