Die Frauen von der Beacon Street

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Page & Turner, 2012, Titel: 'House of Velvet and Glass', Originalausgabe

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82

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Almut Oetjen
Katastrophen und Wandel

Buch-Rezension von Almut Oetjen Sep 2013

Kurzgefasst:

Boston 1915: Die 27-jährige Sibyl Allston lebt mit ihrem schweigsamen Vater Lan, einem ehemaligen Kapitän, und ihrem Bruder Harlan, einem vergnügungssüchtigen Harvard-Studenten, in einer Villa des noblen Viertels Back Bay. Trotz der eleganten Umgebung ist Sibyls Leben von Melancholie gekennzeichnet, seit ihre Mutter Helen und ihre temperamentvolle Schwester Eulah auf tragische Weise ums Leben gekommen sind. Den einzigen Trost findet Sibyl im Zirkel der verschrobenen Mrs Dee, wo sie regelmäßig an Séancen teilnimmt. Eine Fügung will es, dass Sibyl eines Tages ihre alte Jugendliebe, den Psychologieprofessor Benton Derby, wiedertrifft. Und es sieht so aus, als würde sich Sibyls Leben endlich zum Guten wenden, denn schon bald können der jung verwitwete Benton und Sibyl ihre Gefühle füreinander nicht mehr verbergen. Gemeinsam mit Benton kommt Sibyl jedoch einem alten Geheimnis ihrer Familie auf die Spur - und entdeckt plötzlich, dass sie eine ganz besondere Gabe besitzt, die sie die Welt mit völlig neuen Augen sehen lässt ...

 

Im Jahr 1915 kümmert sich die 27-jährige Sybil Allston in Beacon Hill in Boston um ihren Vater Lannie. Sie hat vor drei Jahren ihre Mutter Helen und ihre Schwester Eulah durch einen tragischen Unfall verloren. Den Tod ihrer Familienmitglieder will sie nicht akzeptieren, sie sucht Trost und Antworten bei dem Medium Mrs. Dee. Ihr Vater, den sie emotional nicht mehr erreichen kann, versucht über seine Arbeit mit dem Verlust fertig zu werden. Ihr Bruder Harlan hat hohe Spielschulden, wurde von der Universität Harvard suspendiert und lässt sich mit der Schauspielerin Dovie Whistler durch das Leben treiben. Dovie ist die Kraft, die die Allstons zurück ins Leben holt. Aber sie macht Sybil auch mit dem Opiumkonsum vertraut. Sybil glaubt irgendwann unter dem Einfluss der Droge die letzten Stunden ihrer Mutter und Schwester in einer Kristallkugel nacherleben zu können. Psychologieprofessor Benton Derby, der Mann, den Sybil einst hoffte heiraten zu können, kehrt in ihr Leben zurück und will sie dabei unterstützen, Harlan wieder in die Spur zu bringen.

Übergänge

Die Frauen von der Beacon Street verknüpft drei Handlungsstränge miteinander: die Hauptgeschichte Sybils in - überwiegend - wenigen Monaten des Jahres 1915 in Boston; Interludien, die ein Geheimnis Lannies offenlegen, das auf Handlungen im Shanghai des Jahres 1868 zurückgeht; Szenen aus den letzten Stunden von Sybils Mutter Helen und Schwester Eulah.

Die Handlung spielt in einer Periode des Wandels. Die Rückblenden erfolgen in die Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, die Gegenwart umfasst die Jahre von 1915 bis 1917, in denen die USA gespannt auf Europa blickten und sich am Ersten Weltkrieg beteiligten. Der dritte Erzählstrang schließlich behandelt Folgen technologischer Hybris. Der Roman erzählt Geschichte als eine Abfolge von Katastrophen, deren Auswirkungen auf direkt Betroffene und Hinterbliebene. Breiten Raum nehmen auch Kontroversen über Spiritualismus und Opiummissbrauch ein. Es ist erstaunlich, wie normal zur Handlungszeit der Gebrauch von Drogen war, das Interesse an Wahrsagerei und Seancen.

Existieren und Leben

Die Frauen von der Beacon Street geht auch der Frage nach, wie weit Menschen zu gehen gewillt oder in der Lage sind, wenn sie sich befreien wollen von gesellschaftlichen Spielregeln in einer Umwelt, in der sie zumeist hilflos so genannten natürlichen Gesetzmäßigkeiten ausgeliefert sind. Der Roman zeigt zudem, dass unabhängig von dem, was uns an gesellschaftlichen und privaten Katastrophen erwartet, unsere Entscheidungen darüber bestimmen, welcher Mensch wir werden.

Die meisten Figuren sind so sehr Bestandteil ihres anorganischen Lebensumfeldes, dass sie oft selbst wie Accessoires wirken. Insbesondere Lannie zeigt, welches Potenzial der Selbstschädigung darin liegt, sein Leben von den Geistern der Vergangenheit bestimmen zu lassen.

Die Charaktere, denen ein kurzes Leben beschieden ist, darunter Eulah und Harry, bei denen dies schon im Prolog klar wird, sind diejenigen, die auch Leben wollen. Sie sind bereit, dafür Konventionen zu verletzen. Der Rest des Personals scheint das Leben nur regelkonform auszusitzen. Aber auch das restriktive viktorianische Korsett bekommt Risse, und die Romanfiguren werden Subjekte und Objekte eines dramatischen Wandels. So überwindet Benton seine Vergangenheit und schafft einen Neuanfang, Sybil durchläuft einen Lernprozess mit einigen Untiefen.

Sibyl, die Hauptfigur des Romans, ist vielschichtig, liebenswert und schwach, auf die Unterstützung der Menschen angewiesen, denen sie etwas bedeutet - von Howe inszeniert mit zunehmender Dramatik. Ihre Verzweiflung über den Tod ihrer Mutter und Schwester ist ebenso nachvollziehbar entwickelt wie das Bedürfnis, bei einer Wahrsagerin Trost zu finden. Spät im Roman gibt es ein Gespräch, in dem die Wahrsagerin erklärt, warum sie kein Scharlatan sei, wobei sie sich inhaltlich in die Nähe einer Psychotherapeutin rückt. Esoterik und Wissenschaft befinden sich in der Erzählung häufiger auf Kollisionskurs.

Atmosphärisches Historiendrama

Howe hat mit Die Frauen von der Beacon Street ein atmosphärisches Historiendrama vorgelegt, das reich an Details ist, von Zimmereinrichtungen bis hin zu Beschreibungen des Gesellschaftslebens und moralischer Vorstellungen. Die Charaktere sind glaubwürdig. Versinkt man nicht in der Erzählung, benötigt man etwas Geduld, bis Handlungen eine Erklärung finden, und am Ende wird durch die Rückblicke in das Jahr 1868 alles zusammengefügt.

Die Frauen von der Beacon Street

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