Der Händler der verfluchten Bücher

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2011, Titel: 'Il mercante di libri maledetti', Originalausgabe

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78

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Dirk Jaehner
Mittelalterlicher Verschwörungsthriller mit okkultem Touch

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Sep 2013

Kurzgefasst:

Venedig 1218: Der Reliquienhändler Ignazio da Toledo erhält den Auftrag, das gefährlichste Buch der Welt zu beschaffen. In alten Schriften heißt es: Wer das "Uter Ventorum" besitzt, wird zum Herrscher des Universums. Auf der Suche nach der Handschrift gerät Ignazio in ein tödliches Intrigenspiel. Jemand scheint alle seine Schritte vorauszuahnen. Dunkle Mächte wollen das Buch um jeden Preis und um es in ihren Besitz zu bringen, schrecken sie vor nichts zurück.

 

Das Titelbild der deutschen Ausgabe zeigt einen Mönch in einer schwarzen Kutte mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze. Von diesen Figuren ist Marcello Simonis Debut-Roman voll. Das Bild der Ringgeister aus der Herr der Ringe-Trilogie schiebt sich vor das geistige Auge des Lesers, und Simonis Charaktere sind nicht freundlicher als Tolkiens Geschöpfe, allerdings viel realer. Denn Simonis Kapuzenträger sind echte Mönche, die im 13. Jahrhundert unter dem Deckmantel der Religion Verbrechen begehen.

Gesucht: Das Buch der Macht

Der spanische Reliquienhändler Ignazio da Toledo soll für einen venezischen Grafen das "Uter ventorum" besorgen. Dieses Buch soll das Wissen jener Engel enthalten, die, so berichtet es die Bibel, aus dem Himmel verbannt wurden. Wer dieses Buch besitzt, soll die Macht erhalten, den Untergang der Welt - oder zumindest den der Kirche - bewerkstelligen zu können. Ignazios Auftraggeber vermutet es von Anfang an, Ignazio muss sich das Wissen erst erschließen. Was ihm aber angesichts seiner Belesenheit nicht schwer fällt.

Sein Abenteuer beginnt in einem venezianischen Kloster und entwickelt sich zu einer Schnitzeljagd, die durch halb Europa führt und in Santiago de Compostela endet. Denn der ehemalige Besitzer des Buches hat es in vier Teile geteilt und in verschiedenen Örtlichkeiten versteckt. Ignazio folgt mit einem ehemaligen Kreuzritter und einem ehemaligen Novizen den Spuren des Besitzers. Doch immer dicht auf den Fersen sind ihnen die Abgesandten der "Heiligen Vehme", jenes kirchlichen Geheimbundes, der das Buch für sich will, um noch größere Macht zu erlangen. Ignazio und seine Gefährten entgehen nur knapp mehreren Anschlägen und oftmals scheint es, als könnte ihr Gegner ihre nächsten Schritte vorausahnen. Am Ende hält Ignazio dann etwas in den Händen, was wenig Ähnlichkeit mit einem Buch hat, mit dem sich aber tatsächlich Engel beschwören lassen. So sieht es jedenfalls aus.

Biblische Quelle

Marcello Simoni bedient sich für seine Geschichte beim apokryphen Brief des Henoch, der genauer als die Bibel beschreibt, warum eine bestimmte Gruppe Engel aus dem Himmel verbannt wurde. Die Namen dieser Engel tauchen in den verschlüsselten Botschaften auf, die Ignazio erhalten hat. Jeder dieser Engel steht für eine bestimmte Eigenschaft, die er verbotenerweise den Menschen gebracht hat. Wenn man, so der Gedankengang der "Heiligen Vehme", die Geister dieser Engel anruft und wiedererweckt, ließe sich die Macht der Kirche brechen und der Anführer dieser Bruderschaft könnte sich zum Herrscher aufschwingen.

Dan Brown trifft auf Umberto Eco.

Eine breit angelegte Verschwörung hat nicht nur ihren Ursprung in der Vergangenheit (Brown), sondern spielt auch da (Eco). Doch leider erreicht Simoni weder Browns Vielschichtigkeit noch Ecos Sprachgewandtheit. Das ist aber dann nicht tragisch, wenn man in Simonis Buch lediglich einen spannenden Mittelalter-Thriller sieht. Allerdings muss man schon das eine oder andere Auge zudrücken, wenn es um die Logik geht. Das wird besonders augenfällig in der Motivation des Urhebers der ganzen Affäre und in den doppelten Identitäten. Wer wann was wie in Erfahrung gebracht hat, ist nicht immer zu durchschauen. Ebenso wächst recht bald der Verdacht, dass bestimmte Figuren ein und dieselbe Person sind. Es bleibt dem Leser überlassen, zu raten, ob er mit seinen Vermutungen richtig gelegen hat. Es braucht aber Geduld, die Personenkonstellation im Detail nachzuvollziehen. Geduld, die man jedoch nicht zwingend aufbringen muss.

Gewalt contra Intellekt

Am Ende probiert Ignazio die geheimen Rezepte zur Anrufung der Engel aus und erlebt eine Überraschung. Eine weitere Überraschung erwartet den Leser, doch die soll hier nicht verraten werden. Der Händler der verbotenen Bücher ist unterhaltsamer Lesestoff für Liebhaber historischer Verschwörungsromane. Literarisch möchte er so feinsinnig und belesen sein wie Ecos Rosenroman, doch zu oft kommt ihm Dan Browns zeitgenössische Gewalt dazwischen.

Der Händler der verfluchten Bücher

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Letzte Kommentare:
16.02.2016 13:04:27
Panda

Es mag jedem einzelnen Leser anders vorkommen, aber für mich war dieser mittelalterliche "Krimi" eine kurzweilige Literatur, mit einem sehr guten Spannungsaufbau. Wer sich also einen Mix aus Krimi und mittelalterliche Verschwörungen antun möchte, der findet mit diesem Buch das Richtige.
Nicht jede will ellenlange Abhandlungen über mittelalterliche Fakten. Das war für mich entscheidend, dass ich dieses Buch verschlungen habe.
Meines Erachtens muss nicht gleich alles was mit Verschwörung zu tun hat mit Dan Brown verglichen werden, der Autor hat seine eigene (gute) "Handschrift".
Die verschiedenen Rätsel haben mich selbst dazu gebracht selbst zu lösen. Liegt wohl daran, dass diese Geschichte Potential hätte für ein sehr gutes PC-Adventure. Ich würde es dann kaufen :)

28.09.2014 15:38:18
pjoham

Dieses Buch zu lesen, ist nicht verboten. Wer es allerdings weglegt, dem ist nichts entgangen. Eine Räuberpistole mit flachen Charakteren, platten Dialogen und dürftigen Metaphern. Vielleicht liegt's an der Übersetzung, für die Barbara Neeb und Katharina Schmidt die Verantwortung übernehmen müssen. Oder an der Abwesenheit eines Lektorats. Insgesamt eine mäßig inspirierte hochmittelalterliche Schnitzeljagd, die Dan Brown zur literarischen Lichtgestalt werden läßt. Umberto Eco in diesem Zusammenhang zu erwähnen, verbietet sich. Als Anregung für pilgernde Caminowanderer geeignet und auch für ältere Leser, die sich noch an die Comics von Sigurd und Bodo erinnern.