Paris, Sigmaringen

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Klöpfer und Meyer, 2013, Titel: 'Paris, Sigmaringen', Originalausgabe

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Annette Gloser
Mit den Waffen einer Frau

Buch-Rezension von Annette Gloser Aug 2013

Eine Frau fährt aus Sigmaringen nach Paris. Sie ist verheiratet, sie hat Kinder. Aber in Paris trifft sie den Mann, der ihre große Liebe ist, den Mann, nach dem sie sich sehnt. Aber noch ein anderer Grund führt sie in die Stadt an der Seine: Die Frau will forschen, nach einer anderen Frau, die vor mehr als zweihundert Jahren den Ehemann und den neugeborenen Sohn verließ, um in Paris ihr eigenes Leben zu leben. Amalie Zephyrine von Hohenzollern heißt der Grund für diese Fahrt nach Paris. Eine Frau, die in ihrer Zeit mit ihrem Verhalten einen veritablen Skandal auslöste, die Kinder liebte und doch den eigenen Sohn allein zurück ließ. Eine Frau, die das glamouröse Leben in Paris und Versailles dem Dasein im stickigen, stockfleckigen Sigmaringen vorzog, und die doch ihren gesamten, nicht unerheblichen Einfluß geltend machte, um das Erbland der Hohenzollern vor Napoleons Politik zu retten. Eine spannende Frau, und doch eine, die man in Sigmaringen kaum kennt, von der höchstens in einer tragischen Sage berichtet wird.

Und jene andere Frau, jene, die in unserer heutigen Zeit nach den Spuren von Amalie forschen will, was verbindet sie mit dieser bettflüchtigen Landesmutter aus längst vergangener Zeit? Die Zeit in Paris wird zur Zeit der Erinnerung an eigenes Erleben, wird zur Reflektion einer langen Geschichte deutsch-französischer Beziehungen. Und sie wird zur Entscheidung darüber, wie das eigene Leben weiter gelebt werden soll.

Grüblerisch und sensibel

Paris – Sigmaringen ist weit mehr als nur ein Bericht über eine Reise nach Paris, kombiniert mit Fakten aus dem Leben der Amalie Zephyrine von Hohenzollern. Wer eine Romanbiographie der illustren Amalie erwartet, der wird hier eines Besseren belehrt. Der Roman verknüpft die Reise einer modernen Frau aus heutiger Zeit mit immer wieder neuen Fakten aus zwei Jahrhunderten deutsch-französischer Geschichte, mit persönlichen Erlebnissen der Ich-Erzählerin, mit Träumen und Gedanken, mit Streitgesprächen. Dabei wird für den Leser deutlich spürbar, wie sehr der Erzählerin am Herzen liegt, worüber sie schreibt. Gabriele Loges lässt die Erzählerin auf der Rückfahrt von Paris nach Sigmaringen in ihre Gedanken versinken. Manche grüblerische Passage entspringt daraus. Ihre Gedanken passieren Revue und es entstehen immer wieder neue Verbindungen zu Amalie Zephyrine, es werden Berichte aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, des Ersten Weltkrieges, des deutsch-französischen Krieges 1871 und aus der Zeit Napoleons eingeflochten. Dazu kommt das Erleben der Erzählerin, die als junges Mädchen lange nach dem Zweiten Weltkrieg die frontale Ablehnung durch die Franzosen deutlich zu spüren bekam: Eine Deutsche! Eine Feindin!

Die Autorin geht den Verbindungen nach, die aus der Geschichte bis in die heutige Zeit reichen, knüpft immer wieder neue Knoten, bis vor dem Betrachter ein weiträumiger Teppich liegt, auf dem sowohl Amalie Zephyrine als auch die Erzählerin tanzen.

Anspruchsvoll

Der Leser erfährt sehr viel über das Leben Amalie Zephyrines. Manchmal ist es schwierig, all die vielen Titel und Namen auseinander zu halten, die Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen, die Salm-Salm und Salm-Kyrburg. Auch beim Lesen ist Kleinstaaterei nicht ganz einfach zu handhaben. Dazu kommt eine Fülle weiterer historischer Persönlichkeiten aus dem Umkreis der Josephine Beauharnais und Napoleons, dann noch jene Personen, die in der weiteren Geschichte bis in die heutige Zeit eine Rolle spielen. Außerdem werden diverse Bücher und Filme angesprochen, gelegentlich auch zitiert, die sich meist mit dem Verhältnis Frankreich – Deutschland auseinander setzen. Das ist nur logisch, denn die Ich-Erzählerin ist Buchhändlerin und trägt sich mit dem Gedanken, in Sigmaringen ein Programmkino zu betreiben. Für den Leser bedeutet es jedoch, beim Lesen sehr aufmerksam zu sein, unbedingt den Kopf anzuschalten.

Die Autorin erwartet viel von ihren Lesern, gibt dafür allerdings auch mit vollen Händen zurück. Und nicht zuletzt besticht dieses Buch durch eine wunderbare Sprache. Keine künstlich gedrechselten Sequenzen und keine geschraubten Sätze. Eine einfache Erzählung, aber immer genau bis auf den letzten Punkt. Dabei hat Gabriele Loges auch keine Angst vor den ganz großen Gefühlen. Sensibel schildert sie die außergewöhnliche Liebesgeschichte der Ich-Erzählerin, ihre Ängste und Sehnsüchte. Und selbst da, wo sie sich an die nüchternen Fakten hält, beispipelsweise im Bezug auf das Leben Amalie Zephyrines oder im Hinblick auf die französische Exilregierung in Sigmaringen 1944/45, ist deutlich zu spüren, mit wie viel Fingerspitzengefühl Gabriele Loges diese Fakten zusammengestellt hat und verknüpft hat.

Außergewöhnlich gut

Auch wenn dieser Roman nicht die vielleicht erwartete Romanbiographie ist: Er ist außergewöhnlich gut und beschenkt den Leser nicht nur mit einer Fülle an Informationen, sondern auch mit einer fein geschliffenen Sprache, die das Lesen zum Vergnügen macht. Ein typisches Rokoko-Portrait ziert den Schutzumschlag des Hardcover-Bandes und man darf wohl hoffen, daß hier die junge Amalie Zephyrine dargestellt ist. Der Leser findet im Anhang zumindest auszugsweise die Stammbäume derer von Hohenzollern-Sigmaringen, von Salm-Kyrburg und Hohenzollern-Hechingen, dazu Quellenangaben und Übersetzungen der Autorin. Kein Nachwort, aber das scheint auch nicht nötig, der Roman spricht für sich. Er bietet einen Ritt durch zwei Jahrhunderte wechselseitiger Geschichte und bietet seinen Lesern neben den Informationen jede Menge Denkanstöße. Unbedingt empfehlenswert!

Paris, Sigmaringen

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