Die Pilgerin von Passau

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2013, Titel: 'Die Pilgerin von Passau', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Daniela Loisl
Selten guter Einblick in den Ersten Kreuzzug

Buch-Rezension von Daniela Loisl Aug 2013

Passau 1096. Alice hat ihre Mutter nie kennen gelernt, aber ihr Vater hat sie liebevoll aufgezogen und ihr jede mögliche Bildung angedeihen lassen. Als Alice 15 Jahre alt ist, wie sie Ohrenzeugin eines Gespräches zwischen ihrem Vater und dessen Bruder, Abt Johannes. Der Abt spricht von Schuld und schickt ihren Vater zur Buße nach Jerusalem. Um nicht willkürlich verheiratet zu werden, geht Alice mit in die Fremde, denn auch Martin, ihr Jugendfreund, hat beschlossen, am Kreuzzug teilzunehmen. Was aber Alice und auch alle anderen Pilger und Ritter auf der langen Reise erwartet, hat sich wohl niemand auch nur annähernd ausmalen können&

Banaler Titel hervorragender Inhalt

Maren Bohm schreibt unter einem anderen Namen Krimis und dies ist ihr erster historischer Roman. Auch wenn man nicht weiß, dass die Autorin schon Bücher geschrieben hat, so nimmt man dennoch an, dass sie aufgrund des gekonnten aufgebauten Plots Schreiberfahrung hat. Überhaupt ist man schon nach dem Lesen weniger Seiten positiv überrascht, mit welch gutem Blick sie die Zeit des Mittelalters eingefangen hat. Schnell ist man im Geschehen und lernt die wichtigsten Figuren kennen. Der erste Kreuzzug zur Rückeroberung der Heiligen Stadt Jerusalem, zu dem Papst Urban II. aufrief, ist das tragende Thema des Buches.

Wer jetzt schon alleine aufgrund des "Mainstream-Titels" auf eine vorhersehbare Liebesgeschichte zurzeit des Ersten Kreuzzuges hofft, wird wohl etwas enttäuscht sein, denn vorrangig für die ganzen knapp 700 Seiten ist die Reise nach Jerusalem, das Leben tausender Menschen aus allen Gesellschaftsschichten im riesigen Tross, die daraus resultierenden Probleme und natürlich auch den Kämpfen mit den Muslimen.

Kein Buch, welches bezaubernd, romantisch oder gar vorhersehbar ist. Wenngleich man lange glaubt, den Verlauf der Geschehnisse des Romans vorauszuahnen, versteht es die Autorin mit geschickt gesetzten Wendungen und Perspektivenwechsel den Leser eines Besseren zu belehren und zu überraschen.

Dem Anspruch gerecht geworden

Wenn man weiß, dass die Autorin bisher zumindest unter "Maren Bohm" noch keinen historischen Roman geschrieben hat, so muss man der Akribie mit der sie recherchiert hat unbedingt Respekt zollen. Sogar erfahrene Autoren könnten so manche Szenen nicht besser beschreiben. Auch wenn der eine oder andere wirklich kleine Fauxpas dem kenntnisreichen Leser auffallen wird, so ist dies Meckern auf hohem Niveau.
Das Leben unter Tausenden, Hunger, Durst, Kälte und Erbarmungslosigkeit versteht Maren Bohm nur allzu anschaulich darzustellen. Man hat stets das Gefühl, dass dunkle Wolken über einem hängen, so greifbar und glaubhaft vermittelt Bohm diese harte Zeit. All der anfängliche Enthusiasmus ist bei den Pilgern schnell verflogen und das Kippen der großen Euphorie in Überlebensangst verdeutlicht die Autorin so klar und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, dass man die Zweifel und Ängste der Menschen regelrecht riecht und spürt.

Krimi?

Auf der Vorderseite des Buches prangert wie beim Gmeiner-Verlag üblich unübersehbar "Historischer Kriminalroman". Gibt es zwar zu Beginn des Buches so etwas wie einen ungelösten Fall, so löst sich dieser ganz nebenbei auf und man fragt sich, wo denn nun die Krimielemente sind.

Da aber sowohl Sprache als auch Erzählstil den Leser von Beginn an gefangen nehmen, sieht man gerne darüber hinweg. Lediglich Leser, die sich einen "echten, spannungsgeladenen Krimi" erwarten, könnte die ausführliche und gut dargestellte Historie etwas zu viel sein und von diesem Buch als "Krimi" enttäuscht sein.

Etwas schwächelnde Figuren

Wären die authentische und gut dargestellte Historie, so wie auch der lebendige Erzählstil nicht, so fiele die ein oder andere etwas blass gezeichnete Figur nicht weiter auf. So aber empfindet man Alice und auch ihren Jugendfreund Martin als vielschichtig und gelungen, so bleibt z. B. der junge Ritter Bernhard von Baerheim doch ein bisschen farblos.

Dieses Buch ist wieder ein Paradebeispiel dafür, dass man sich weder von Titel noch vom Cover täuschen lassen sollte. Trotz der einen oder anderen kleinen Schwäche ist dieses Buch eine hervorragende Darstellung des Ersten Kreuzzugs.

Die Pilgerin von Passau

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