Winterhelden

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Stämpfli, 2013, Titel: 'Winterhelden', Originalausgabe

Couch-Wertung:

83

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Carsten Jaehner
Eine Schlacht in der Schweiz

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Aug 2013

Die Schweiz im Winter 1487. Die Burgunderkriege sind gerade vorbei, da werden die beiden Freunde und Reisläufer Hans Teiling, genannt Frischhans, und Hans Sturm, genannt Sturmhans, damit beauftragt, zwei Mörder zu suchen, die einen Zürcher umgebracht haben sollen. Auf der Suche nach ihnen müssen sie durchs Gebirge und lernen dort den Gebirgsführer Hans Viol kennen, der sich nicht nur hervorragend auskennt und seltsame Schneeschuhe benutzt, sondern der auch ein passabler Dichter ist.

Dennoch kündigt sich bereits die nächste Schlacht an: Die Soldaten des Herzogtums Mailand rücken gegen Yrnis (heute Giornico) vor. Dabei haben die Mailänder ein unglaubliche Übermacht gegenüber den Schweizern, die dennoch ihrem Gegner trotzen wollen.

Unter der Führung des Reisläufers Frischhans Teiling treten sie gegen die Mailänder an und lassen sie in einer Schlucht auflaufen. Gemeinsam mit seinem Freund Sturmhans, und vielen weiteren Luzernern stemmen sie sich gegen die Übermacht, und das alles wird dokumentiert von Hans Viol, der anschließend ein Heldengedicht über die Männer schreiben wird. Doch nicht alle überleben die für die Luzerner erfolgreiche Schlacht ...

Deutliche Steigerung gegenüber dem Erstling

Thomas Vaucher präsentiert dem Leser mit seinem zweiten Roman erneut ein Stück schweizerischer Geschichte, die dem nicht-regionalen Leser wohl unbekannt sein dürfte. Dennoch weiß der Autor den Leser an das Geschehen zu fesseln und zeigt damit gegenüber seinem Erstling Der Löwe von Burgund eine deutliche Steigerung. Der Roman liest sich wie aus einem Guss, bedient sich einer einfachen, aber klaren und angemessenen Sprache und hat auch keine inhaltlichen Wackler.

Der Ich-Erzähler Sturmhans ist dabei nicht unbedingt sympathisch, im Gegenteil, er zeigt gerade zu Beginn ein schwer zu kontrollierendes Aggressionspotenzial, das ihn das eine ums andere Mal in Schwierigkeiten bringt. So wundert es nicht, dass er zunächst des Mordes an dem Zürcher beschuldigt wird und zunächst inhaftiert wird, ehe er bei einer Verhandlung genügend Fürsprecher hat, um freizukommen. Da der ebenso ein wenig großmäulige Frischhans Teiling angekündigt hatte, die wahren Mörder suchen und finden zu wollen, muss er dies nun auch in die Tat umsetzen, und so ziehen sie zu viert ins Gebirge, um eine Spur zu verfolgen.

Freundschaft

Die beiden Freunde sind die Hauptpersonen, um die sich letztlich die ganze Geschichte rankt, und auch wenn sich beide in dieselbe Frau verlieben, die hübsche Wirtstochter Maria, die vergewaltigt wurde und nun ein Kind austrägt. Doch Sturmhans hält sich zurück und überlässt sie Frischhans, obwohl er sich selbst darüber am meisten ärgert. Doch zeigt sich hier die wahre Freundschaft der beiden, denn sie bricht nicht auseinander. Vielmehr wird Sturmhans nach der Schlacht von Yrnis eine Art Familienmitglied werden, doch das ist schon weit vorgegriffen.

Vaucher gelingt eine Erzählung, die dramaturgisch geschickt und logisch aufgebaut ist und die immer mehr Spannung bekommt. Zwar gibt es einen kleinen Durchatmer, als die Mörder dingfest gemacht werden, aber kurz darauf geht es bereits weiter, und die gefestigte Freundschaft der beiden Protagonisten, die dabei ihren Chronisten kennen gelernt haben, wird fortgesetzt. Die folgende Schlacht selber ist anschaulich dargestellt und vor allem von der Taktik her gut beschrieben. Hier gewinnt - wieder einmal - der kleine David gegen den übermächtigen Goliath, aber es ist historisch verbürgt und somit kritikfrei.

Ausführlicher Anhang

Vaucher erzählt mit einer saftigen Sprache, die den Leser in das Geschehen mit hineinnimmt und bleibt doch einfach und verständlich. Die nötigen Fakten werden nicht schulbuchmäßig referiert, sondern geschickt in die Handlung mit einbezogen. Der Leser lernt einiges über die Geschichte der Schweiz und bekommt dies angenehm in eine schöne Geschichte verpackt. 

Wer aus dieser Geschichte real ist und wer fiktiv, schlüsselt der Autor in seinem umfangreichen Anhang auf. Auf fast zwanzig Seiten präsentiert der Stämpfli-Verlag eine Danksagung, ein aufschlussreiches historisches Nachwort, das Originalgedicht von Hans Viol über die Schlacht, den Schlachtplan vom 28. Dezember 1478 (der ein paar mehr erklärende Worte hätte vertragen können als nur das Originalzitat aus der Urquelle), Namensverzeichnis, Ortsverzeichnis, Glossar, Italienische Begriffe und ein Literaturverzeichnis. Trotz allem kommt der Roman "nur” auf insgesamt 210 Seiten, eingerahmt von einer zeitgenössischen Karte der Strukturen der Eidgenossenschaft der Schweiz von 1478 in den Einbänden des Hardcovers.

Insgesamt ist Winterhelden ein durchaus gelungener Roman, der gerne etwas länger hätte sein dürfen und der einen interessanten Blick in ein unbekanntes Stück schweizerischer Geschichte macht. Der Roman beschreibt gut die Verhältnisse der Zeit und bietet dem Leser neben der Historie eine Vielfalt von Einsichten in Traditionen und Werte. Die Hauptfiguren sind klar gezeichnet, wenn auch nicht überbordend sympathisch, und sie sind umgeben von einer Schar Nebencharaktere, die ebenfalls gut beschrieben sind. Wer sich für die schweizerische Geschichte oder für Kleines-Heer-gewinnt-gegen-grosse-Übermacht-Geschichten interessiert, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Winterhelden

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Letzte Kommentare:
01.01.2015 16:22:36
Tobias Dahlmann

Ich kann es nicht oft genug sagen: Dies ist der beste historische Roman, den ich überhaupt kenne. Bis auf ein paar absolute Kleinigkeiten ist es an vielen Stellen so weit ausgearbeitet, dass meine Mittelalter-Profs in Staunen gekommen wären. Historisches Geschehen und Prosa sind perfekt verknüpft. Und für diejenigen, denen es nicht exotisch genug ist: Wacht auf! SO war das Mittelalter. Falls ein Leser ein einziges historisches Buch aus der Gegenwart lesen möchte, sollte es definitiv dieses ein.

28.10.2014 15:03:30
airbutz

Interessante Hintergründe der Schweizer Geschichte. Leider kommt in der Erzählung nur sehr bedingt "Söldner-Feeling" oder " Mittelalter-Groove" auf.
Besonders in Szenen in denen die Figuren sich in Tavernen oder Wirtshäusern agieren, hat man das gefühl doch eher in einem neuzeitlichen Etablissement zu sein.

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