Die Heilerin von Lübeck

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Die Heilerin von Lübeck', Originalausgabe

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Bettina Weiß
Spannende Medizingeschichte verbunden mit dem Schicksal einer mutigen Frau

Buch-Rezension von Bettina Weiß Aug 2013

Kurzgefasst:

Lübeck, 1307. Die junge Magd Taleke träumt von einem besseren Leben. Als sie den adeligen Nicolaus Parkentin kennenlernt, der im Begriff ist, zum Medizinstudium nach Paris zu gehen, verliebt sich dieser in das hübsche blonde Mädchen und nimmt es mit - für Taleke die Erfüllung eines Traums. An seiner Seite bringt sie sich das Lesen bei und studiert Schriften zur Kräuterkunde. Schon bald kann sie den Nachbarinnen nützliche medizinische Ratschläge geben. Doch Nicolaus neidet ihr den Erfolg, und sie trennen sich. Kurz darauf erkranken die Frauen, die Taleke geheilt hat, auf mysteriöse Weise an den Blattern, und ihr droht ein Prozess. Taleke muss feststellen, dass sie Opfer eines ungeheuerlichen Komplotts ist ...

 

Taleke wächst auf einem Gut in Holstein auf. Ihre Mutter ist Tagelöhnerin und sie muss für die Stellung als Magd dankbar sein. Als sie wieder mal zum Ziel von Spott und Häme wird, beschließt Taleke nach Lübeck zu gehen, um dort ihr Auskommen zu finden. Ein mutiger und etwas leichtsinniger Schritt für eine junge Frau im Jahr 1307. Durch Zufall lernt sie Nikolaus Puttfarcken, den Sohn eines angesehenen Lübecker Ratsherren, kennen. Sein Aufbruch nach Paris zum Studium steht kurz bevor. Für Talecke scheint es eine glückliche Fügung, dass Nikolaus sie mitnehmen möchte. Sie zögert nicht ihn zu begleiten, um ihm in Paris den Haushalt zu führen. Schnell lebt sie sich in der fremden, unbekannten Stadt ein und bekommt die Möglichkeit, bei den Beginen Lesen und Schreiben zu lernen. Talecke lernt schnell und wird für Nikolaus eine wichtige Hilfe bei seinen Studien der medizinischen Schriften. Sie saugt das Wissen in sich auf und ist bald in der Lage, den Frauen der Umgebung Ratschläge bei der Behandlung von Krankheiten und Frauenleiden zu geben. Doch Nikolaus ist zunehmend unzufrieden mit dem Erfolg Talekes und das ungleiche Paar trennt sich. Dann erkranken von Taleke behandelte Frauen auf unerklärliche Weise an den Blattern und ihr droht ein Prozess. Kann Taleke sich diesem Komplott entziehen und wer steckt hinter allem?

Eine sympathische Frau ihrer Zeit sucht ihr Fortkommen

Taleke ist eine mutige, liebenswerte Heldin, die ihren Platz im Leben zumal im Jahre 1307 kennt, sich aber mit diesem nicht zufrieden geben will. Sie nimmt die Möglichkeit, die Nikolaus ihr bietet, gerne an, auch wenn sie bald erkennen muss, dass er andere Motive hat als angenommen. Sie fügt sich in die Umstände und nutzt diese für ihr Fortkommen. Diese Entwicklung ist nachvollziehbar und glaubhaft erzählt. Dabei wird Taleke nicht zu einer Über-Frau, sondern bleibt in den Grenzen ihrer Zeit und den üblichen Konventionen. Auch Nikolaus ist ein Mann seiner Zeit sowie seiner gesellschaftlichen Stellung und er handelt entsprechend. Die Protagonisten sind als Menschen ihrer Zeit überzeugend gezeichnet und bleiben glaubwürdig. Es ist unterhaltsam ihren Weg zu verfolgen und sie auf diesem Weg zu begleiten.

Freundschaft gegen Neid und Misstrauen

Talekes Ausbildung zu einer heilkundigen Frau, die mit Wissen und Sachverstand Krankheiten behandelt, ist spannend und nachvollziehbar erzählt. So könnte es mit ein bisschen Glück und Zuvertrauen passiert sein. Einen besonderen Reiz erhält der Roman durch die Entwicklung der persönlichen Beziehung zwischen Taleke und Nikolaus, dem ihre wachsende Selbständigkeit ein Dorn im Auge ist. Er ist nicht in der Lage, ihre Freundschaft oder Zuneigung zu erkennen und begegnet ihr mit Neid und Misstrauen. Durch das plötzliche Auftreten der Blattern bei Kranken, die Taleke behandelt hat, nimmt der Roman Fahrt auf und zurück in Lübeck treffen die Protagonisten erneut aufeinander. Dort strebt die Handlung dem Höhepunkt und der Aufklärung entgegen. Und ganz Frau Ihrer Zeit erhält Taleke Hilfe und Beistand von ihr bekannter Seite.

Stimmiges Flair durch passende Sprache

Die Sprache des Romans schafft mit einigen eingesprengten altertümlichen Begriffen und damals gebräuchlichen Bezeichnungen eine besondere Stimmung, ohne dabei den Lesefluss zu bremsen. Im Anhang findet sich ein kleines Wortverzeichnis, in dem diese Begriffe erklärt werden. Der Autorin gelingt es, neben der Wortwahl auch durch die Beschreibungen von Paris und Lübeck ein stimmiges Flair zu schaffen und den Leser ins Jahr 1307 zu versetzen. Es entsteht ein Kopfkino, das getragen wird von den Gedanken, so könnte es gewesen sein. Insgesamt ein sehr unterhaltsamer und reizvoller Roman für spannende Lesestunden.

Die Heilerin von Lübeck

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Letzte Kommentare:
08.02.2015 19:52:32
Lesejudit

Das Buch habe ich mir gekauft, weil ich mich immer schon für die Medizin und Heilkunst im Mittelalter interessiere, vor allem für Kräuter und Behandlungstechniken. Daher kommt man bei diesem Buch auch gut auf seine Kosten.

Die Geschichte der jungen Taleke ist spannend und man bangt immer wieder sehr mit ihr mit. Vor allem hofft man lange, dass sich die Geschichte mit Nicolaus doch noch zum Guten wendet. Kann denn jemand wirklich so böse sein? Und lässt man sich eine schlechte Behandlung wirklich so lange gefallen?
Unglaublich was Frauen in diesen Zeiten ertragen mussten.

Trotzdem, das Buch ist sehr gut geschrieben und ich habe es nur ungern aus der Hand gelegt. Trotzdem hätte die Liebesgeschichte noch etwas intensiver sein können. Das Ende war etwas zu abrupt. :-)

08.02.2015 19:51:53
Lesejudit

Das Buch habe ich mir gekauft, weil ich mich immer schon für die Medizin und Heilkunst im Mittelalter interessiere, vor allem für Kräuter und Behandlungstechniken. Daher kommt man bei diesem Buch auch gut auf seine Kosten.

Die Geschichte der jungen Taleke ist spannend und man bangt immer wieder sehr mit ihr mit. Vor allem hofft man lange, dass sich die Geschichte mit Nicolaus doch noch zum Guten wendet. Kann denn jemand wirklich so böse sein? Und lässt man sich eine schlechte Behandlung wirklich so lange gefallen?
Unglaublich was Frauen in diesen Zeiten ertragen mussten.

Trotzdem, das Buch ist sehr gut geschrieben und ich habe es nur ungern aus der Hand gelegt. Trotzdem hätte die Liebesgeschichte noch etwas intensiver sein können. Das Ende war etwas zu abrupt. :-)

12.03.2014 09:48:40
LettersFromJuliet

Meine Meinung

Dieser historische Roman hat mich wirklich positiv überrascht. Vom Klappentext hatte er mich jetzt nicht so angesprochen und wahrscheinlich hätte ich ihn mir selber nicht gekauft, zumal mir die Autorin auch nichts sagte.
Interessant, viele historische Fakten und lehrreich. Selten, dass man so viel durch einen Roman lernen kann.
Damals galt Paris als die Stadt der Medizin, was mir so neu war, obwohl ich Paris liebe. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, als uns die Handlung für einige Zeit nach Paris gebracht hat. Wir lernen nicht nur einiges über die Stadt, die Menschen und die Gebräuche, sondern erfahren vieles über die damaligen Heilmethoden.
Im historischen Lübeck war ich zwar schon mal, aber jeder Autor beschreibt die Schauplätze anders und man kann jedes Mal etwas Neues entdecken. Das muss damals eine aufregende Zeit gewesen sein, vor allem in den aufstrebenden Hansestädten.
Am Anfang hatte ich meine Probleme mit dem Schreibstil, da er nicht so einfach ist. Natürlich sind historische Romane was das angeht etwas anspruchsvoller, gerade weil sie veraltete Begriffe benutzen. Trotzdem gibt es da nochmal große Unterschiede. Mit der Zeit habe ich mich dann aber an den Schreibstil von Kari Köster-Lösche gewöhnt und dann kam ich auch recht zügig durch die Geschichte.
Taleke ist manchmal nicht gerade einfach, dafür aber sehr wissbegierig. Wenn Sie ein Ziel vor Augen hat, dann lernt und arbeitet sie dafür, was mir sehr gut gefallen hat. Trotzdem bin ich mit ihr nicht wirklich warm geworden. Und Nicolaus war mir von Anfang an unsympathisch, wobei er erst nach und nach seine dunkle Seite zeigt. Wobei, wenn man dann seine Mutter kennenlernt, weiß man woher er seine schlechten Eigenschaften hat.
Die Spannung wird fast die ganze Zeit auf der gleichen Ebene gehalten und es gibt ständig Handlungen, die einem zum Weiterlesen bewegen. Gerade das Ende ist der Autorin richtig gut gelungen und stellt einen tollen Abschluss für dieses Buch dar.

Fazit

Ein sehr lehrreicher historischer Roman, der einen nach Paris und Lübeck mitnimmt. Wer sich für mittelalterliche Heilmethoden interessiert, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.