Als Mrs. Simpson den König stahl

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Insel, 2012, Titel: 'Abdication', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Ein Sachbuch im dramatischen Kostüm

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jul 2013

Kurzgefasst:

England, 1936. Für die 19-jährige May Thomas beginnt das Abenteuer ihres Lebens. Gerade aus Barbados nach England gekommen, tritt sie eine Stelle als Chauffeurin bei Sir Philip Blunt an. Mit ihrer offenen, liebenswürdigen Art findet sie bei den Blunts schnell ein neues Zuhause. Und in dem politisch und sozial engagierten Oxfordstudenten Julian einen Freund, für den sie schon bald mehr empfindet, als ihr erlaubt ist. Zur selben Zeit hält Evangeline Nettlefold Einzug bei den Blunts. May schließt Freundschaft mit der lebenslustigen Amerikanerin, die mit ihrer impulsiven Art die britische Reserviertheit durcheinanderwirbelt. Doch Evangeline sorgt für etwas mehr Aufregung, als allen lieb ist. Denn sie steht in engem Kontakt mit Wallis Simpson, deren heimliche Affäre mit dem König nicht nur die Skandalpresse in Alarmbereitschaft versetzt. Nach und nach taucht May immer tiefer ein in die Verstrickungen der gehobenen britischen Gesellschaft und hat bald nicht mehr nur mit ihrem Gefühlschaos zu kämpfen ...

 

Im Januar 1936 treffen zwei sehr unterschiedliche Frauen auf Cuckmere Park ein, dem Herrensitz von Sir Philip Blunt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender in Stanley Baldwins konservativer Regierung. Die vierzigjährige ledige Evangeline Nettlefold aus Baltimore will nach dem Tod ihrer Mutter ihre Patentante Lady Joan, Sir Philips Gattin, besuchen. Die neunzehnjährige May Thomas, herangewachsen auf einer Zuckerplantage auf Barbados, wird von Sir Philip als Sekretärin und Chauffeurin eingestellt. Die Frauen, deren einzige Gemeinsamkeiten ein unglückliches Elternhaus und die Position als Außenseiter ist, freunden sich an. Eine Aufgabe Mays besteht darin, Evangeline zu ihrer alten Schulfreundin Wallis Simpson zu chauffieren, die in zweiter Ehe verheiratet und in eine heimliche Affäre mit König Edward VIII. verstrickt ist.

Starke Historie

Juliet Nicolson, Enkelin von Harold Nicolson und Vita Sackville-West, hat zwei historische Sachbücher über England vor dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht. Als Mrs. Simpson den König stahl ist ihr Romandebüt. Der Gesellschaftsroman spielt 1936. Es ist ein schicksalhaftes Jahr für das englische Königshaus. König George V. stirbt, sein Sohn Edward VIII. folgt ihm auf den Thron, ledig und bekannt für seine Abenteuer mit verheirateten Frauen. Im Dezember fasst er den unerhörten Entschluss, abzudanken, um die zweifach geschiedene, bürgerliche Amerikanerin Wallis Simpson zu ehelichen.

Überfrachtet mit Informationen

Nicolson erzählt die Geschichte aus Sicht der beiden fiktiven Figuren May und Evangeline, die interessant sein könnten, wären sie nicht überfrachtet mit Hintergrundinformationen. Über Wallis und den König erfährt man wenig, sie bleiben Randfiguren im Roman. Der König wird als traurige Gestalt eingeführt, klein, mit pflaumenfarbenem Gesicht, im Schottenrock und dickem Wollpullover mit Zigarettenasche und Brandflecke, beschäftigt mit einer Stickerei, zwei Personen huldigend, Wallis und Hitler. Wallis ist eine schamlose Frau mit scheppernder Stimme und klapperdürr, die alles bekommt, was sie will. Jedenfalls nach Meinung ihrer besten Freundin Evangeline. Die Affäre wird nicht zu einer Amour fou überromantisiert, sondern ist ein peinliches Verwirr- und Versteckspiel vor Ehemann und Öffentlichkeit. Kontrastiv dagegengesetzt wirkt Mays Liebe zu dem Oxford-Studenten Julian, die allerdings auf das Niveau eines Groschenheftchens sinkt einschließlich der Enthüllung ihrer wahren Abstammung.

Uninspirierte Fiktion

Der Roman ist überladen mit Fakten zu Politik, Wirtschaft, Kultur und dem Lebensgefühl der Menschen im Jahr 1936. Sir Oswald Mosley und seine faschistische Partei werden behandelt, die Olympischen Spiele in Berlin, der Spanische Bürgerkrieg, der Brand des Crystal Palace, die schlechte wirtschaftliche Lage, die Angst vor einem neuen Krieg etc. Alles wird in die Geschichte mit hineingepackt. Das gleiche gilt für die kleinen Bereiche des Lebens. Alles wird gründlich bis zur Pedanterie beschrieben, jedes Haus, jedes Zimmer, vom kleinsten Tisch bis zur Farbe der Tapeten. Letztlich ist der Roman stark in den historischen Fakten, aber uninspiriert in der Fiktion.

Als Mrs. Simpson den König stahl

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Letzte Kommentare:
28.11.2014 11:42:47
Herbstkind

Der Titel ist irreführend. Die Hauptpersonen sind weder Mrs. Simpson, noch der König, sondern eine junge Chaffeurin (was damals eine Sensation war) namens May und die übergewichtige, alleinstehende Schreckschraube Evangeline. Es werden zwei Geschichten nebeneinander erzählt, die sich immer wieder leicht berühren, allerdings nicht miteinaner verwoben sind. May arbeitet für einen Parlamentsabgeordneten, bei dem Evangeline zu Gast ist. Die frustrierte, in die Jahre gekommene Amerikanerin ist eine alte Schulfreundin von Mrs Simpson, bei der sie öfters zu Besuch ist und auch den König kennen lernt.
Die Geschichte an sich hat Potenzial und wird von der Autorin auch in einer lockeren, flüssig zu lesenden Sprache geschrieben. Leider hat sie den Personen zu wenig Tiefe gegeben, zu wenig charakterliche Eigenarten. Bei May ist mir das Besonders aufgefallen, die trotz ihrer vielfältigen Erlebnisse, die sie im Buch durchmachen muss,leider fade und blass bleibt. Ich konnte mich nicht richtig einfühlen. Es passierte etwas und das blieb ohne persönliche Veränderung für die Protagonisten. Ursache blieb sozusagen ohne Wirkung.