Das Aschenkreuz

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2013, Titel: 'Das Aschenkreuz', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Daniela Loisl
Neue Krimireihe mit sympathischen Protagonisten

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jul 2013

Kurzgefasst:

Viel Wunderbares und viel Böses gibt es unter Gottes Himmel. Im Frühjahr 1415 tritt die kluge, vorwitzige und nicht mehr ganz junge Serafina in das Schwesternhaus Sankt Christoffel zu Freiburg ein, dessen fromme Bewohnerinnen sich den Armen, Kranken und Sterbenden unter den Bürgern widmen. Schnell lebt sich Serafina ein in der Stadt am Rande des Schwarzwalds. Wäre da nur nicht die Geschichte mit dem Sohn des Kaufherrn Pfefferkorn, an dessen Selbstmord sie zweifelt. Und wäre da erst recht nicht der neue Stadtarzt. Adalbert Achaz kennt Serafina. Und er weiß um ihr dunkles Geheimnis. Ein zweiter Toter findet sich. Auch er trägt ein Aschenkreuz auf der Stirn. Und Serafina fängt an nachzudenken ...

 

Freiburg im Frühjahr 1415. Serafina hat sich mit ihren knapp 30 Jahren der Gemeinschaft der Beginen in der Stadt angeschlossen und ist bemüht, ein ruhiges und anständiges Leben zu führen. Von ihrer Vergangenheit weiß niemand, denn sie lebte viele Jahre in der Schweiz und verdingte sich als Hübschlerin. Als in der Stadt ein junger Bursche unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden wird, trifft Serafina plötzlich auf den einzigen Menschen, der um ihr Geheimnis weiß: Und das ist niemand Geringerer als Adalbert Achaz, der neue Stadtmedicus in Freiburg.
Einerseits fürchtet Serafine, dass der Medicus ihre Vergangenheit aufdecken könnte, aber sie sucht dennoch seine Unterstützung, um den Tod des Jungen aufklären zu können.

Ungewöhnliche Sympathieträger

Wer die Bücher der Autorin kennt, weiß, wie bildhaft ihr Erzählstil und wie innovativ oft ihre Geschichten sind. Stets bewegt sich Astrid Fritz auf sicherem Terrain. In diesem Fall punktet sie nicht nur durch ihr Wissen über den Alltag der damaligen Zeit, sondern auch mit dem Detailwissen rund um die Schauplätze ihres Romans, die alle in Freiburg angesiedelt sind und es so wieder einmal deutlich zum Ausdruck kommt, wie gut Fritz die Stadt kennt.

Mit ihrer Protagonistin Serafina hat die Autorin alles andere als eine der üblichen Hauptfiguren im Genre des historischen Romans geschaffen. Selbstbewusst, aber auch für die Zeit realistisch, kämpft Serafina mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Vom Alter her hat Serafina für die damalige Zeit die Blüte ihrer jungen Jahre schon lange überschritten und auch ist sie weit entfernt von einer unschuldigen, behüteten und unerfahrenen Frau, wie man sie aus vielen anderen Romanen des Genres kennt. Doch trotz der moralisch - auch für heutige Maßstäbe - zweifelhaften Vergangenheit, schafft die Autorin es, dass Serafina schnell die Sympathie des Lesers gewinnt.

Mit gewohnt leichter Feder zeichnet Fritz gekonnt die unterschiedlichsten Charaktere, ohne sich mit langen und ausschweifenden Beschreibungen aufzuhalten.

Neben Serafina spielt noch der Medicus Adalbert Achaz eine zentrale Rolle. Wer jetzt glaubt, dies alles laufe auf eine seichte Liebesgeschichte hinaus, der irrt. Wenngleich Fritz zwischen den Hauptfiguren eine gewisse Spannung spürbar gemacht hat, so gleiten ihre Beschreibungen nie ab in vielleicht erwarteten kitschigen Szenen.

Flott erzählt, Spannungsbogen bis zum Schluss

Wie in allen ihren Büchern macht Astrid Fritz es dem Leser auch hier sehr leicht, in die Geschichte und die Zeit des frühen 15. Jahrhunderts einzutauchen. Durch geschickt integrierte alltägliche Szenen, wie das Leben der Beginen mit ihren Aufgaben und Pflichten, fällt es dem Leser nicht schwer, sich die damalige Zeit bildlich vorzustellen. Gesellschaftliche Hierarchien, die Wertigkeit der Frau, das Ansehen der Beginen in der Bevölkerung und die Dominanz der Männerwelt - Astrid Fritz versteht es, die damalige Zeit wieder lebendig werden zu lassen.

Bei den Morden hält die Autorin sich nicht zurück. Sie sind grausam und von brutaler Hand durchgeführt. Auch der Titel des Buches hat seine Berechtigung, haben die Opfer doch stets ein Aschekreuz auf der Stirn. Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich als schwierig und Fritz versteht es, den Leser lange im Ungewissen zu lassen und gibt Möglichkeiten für Spekulationen. Wenngleich es keine rasante Berg- und Talfahrt ist, so ist das Tempo dennoch flott und die Spannung durchgängig.

Astrid Fritz hat mit diesem Buch den Grundstein für eine Serie gelegt, in der eine Begine ermittelt. Nicht unbedingt neu, aber gekonnt geschrieben. Aufgrund des Schlusses darf man wohl annehmen, dass man mit Serafina und dem Medicus Achaz noch einige Abenteuer wird erleb/sen können. Alles in allem bietet der Roman leichte und kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch.

Das Aschenkreuz

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