Das Kongo-Komplott

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • , 2013, Titel: 'Das Kongo-Komplott', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Kongo, Mord und Elefantenhaus

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2013

Kurzgefasst:

In den letzten Wochen des Jahres 1884 findet in der Hauptstadt des noch jungen Deutschen Reiches die Kongo-Konferenz statt: Delegierte aller europäischen Kolonialmächte verhandeln über die letzten noch nicht aufgeteilten Gebiete in Afrika. Als ein junger belgischer Diplomat angeschossen wird, beginnen geheime Ermittlungen: Der gerade erst in Berlin angekommene Kommissar Albert Kummerow und der Offizier Joachim von Tarlenheim werden auf den Fall angesetzt. Er führt die beiden in die höchsten Kreise der Berliner Gesellschaft und in den Zoologischen Garten.

 

Am 15. November 1884 eröffnet Reichskanzler Fürst Bismarck die "Kongo-Konferenz" in Berlin. Vertreter zahlreicher Länder sind angereist, bestehende Unstimmigkeiten hinsichtlich von Gebietsansprüchen, Handelswegen und Zollbedingungen im Kongobecken zu erörtern. Afrikaner selbst sind nicht eingeladen. Als einer der letzten Teilnehmer verlässt am ersten Tag ein belgischer Diplomat die Konferenz und wird kurz darauf angeschossen. Der soeben erst in Berlin eingetroffene Kommissar Kummerow wird gemeinsam mit dem Rittmeister von Tarlenheim auf den Fall angesetzt. Lediglich ein kleiner Stofffetzen und die Bauchbinde einer Zigarre bieten den Ermittlern am Tatort erste Ansatzpunkte. Als sie wenig später im Zoologischen Garten eine Völkerschau mit Afrikanern aus dem Kongo besuchen, stellen sie fest, dass deren Umhänge dem gefundenen Stofffetzen entsprechen.

Kummerow erhält kurz darauf eine anonyme Einladung in das Elefantenhaus des Zoos, wo er gemeinsam mit von Tarlenheim die Überreste von Bebey, der als Dolmetscher für die Kongolesen fungierte, in einem der Elefantenkäfige findet. Der Fall scheint geklärt, denn in Bebeys Wohnung finden sie einen Umhang, dem ein Stück Stoff fehlt, sowie ein Gewehr, aus dem erst kürzlich geschossen wurde. Für Kummerows Vorgesetzten ist der Sachverhalt klar. Bebey hat das Attentat verübt und anschließend Selbstmord begangen. Der Fall wird zu den Akten gelegt, doch Kummerow geht das Ganze viel zu schnell. Es fehlt ein Motiv und außerdem, wer würde freiwillig zu einem wildgewordenen Elefanten in den Käfig klettern, selbst wenn er sich umbringen wollte?

 

"Sie haben ihren Schuldigen, die Konferenz ist sicher, Fall abgeschlossen. Das ist für mich aber kein Ergebnis. Etwa für sie?"

Von Tarlenheim kniff die Augen zusammen.

"Sie wollen also weitermachen, auch ohne offiziellen Auftrag? Sie wissen, das kann mächtigen Ärger geben."

"Ich bin neu hier. Mir war nicht bewusst, dass ein noch offener Fall zu den Akten gelegt werden soll."

Hintergrund dieses Romans bildet die Berliner Kongo-Konferenz 1884/85, nach der sich der belgische König Leopold II. mit Hilfe des Afrikaforschers Henry Morton Stanley große Teile des Kongogebietes seiner Privatschatulle einverleiben konnte. So spielen dann auch die diplomatischen Befindlichkeiten während der Konferenz eine nicht ganz unwesentliche Rolle, wenngleich der Schwerpunkt des Romans auf der Aufklärung des Attentatsversuchs sowie des Todes von Bebey liegt. Gleichwohl erhalten Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen sowie der bereits erwähnte Reichskanzler Fürst Bismarck einige bedeutsame Kurzauftritte.

Die beiden Protagonisten werden recht ordentlich vorgestellt, wobei Kummerow die Hauptfigur darstellt, zumal er einst in der Schlacht bei Wörth im Jahr 1870 Friedrich Wilhelm von Preußen das Leben rettete. Dies brachte ihm nicht nur den "Pour le Mérite" ein, sondern auch die Gunst des Kronprinzen. Die politische Lage im Deutschen Reich - in Form des Verhältnisses zwischen Kronprinz und Reichskanzler - wird nur grob angerissen, die "Afrika-Thematik" nimmt hingegen einen angemessenen Raum ein.

 

Es sollte nicht mehr lange dauern, bis jedes Schulkind im Reich die erst seit Kurzem richtige Antwort auf die Frage "Welcher ist der höchste deutsche Berg?" wusste. Sie lautete nicht länger "die Zugspitze", sondern "der Kilimandscharo".

Darüber hinaus kommt das Privatleben der beiden Ermittler nicht zu kurz. Im Hinblick auf den überschaubaren Buchumfang von rund 260 Seiten ist die Aufteilung - Ermittlungen, Privatleben, historische Begebenheiten - gelungen; gleiches gilt für die Spannungskurve des Plots. Da die Ermittlungen recht früh offiziell eingestellt werden, kommen die Ermittlungen naturgemäß nur langsam voran. Dennoch, alles in allem, eine "runde Sache", wenngleich die inflationäre Nennung von Straßennamen den Lesegenuss ein wenig dämpft. Schließlich möchte man nicht permanent die Laufwege der Figuren anhand eines Stadtplanes nachvollziehen.

Ein Nachwort bietet ergänzende Informationen zu den historischen Fakten und ein mehrseitiger Anhang mit Erläuterungen zu Personen und Begriffen runden den positiven Gesamteindruck stimmig ab.

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Letzte Kommentare:
28.06.2013 20:45:59
tassieteufel

Ende des Jahres 1884 findet in Berlin die Kongo-Konferenz statt, die letzten noch nicht aufgeteilten Gebiete in Afrika sollen unter den Kolonialmächten verteilt werden und auch Deutschland möchte ein Stück vom Kuchen. Als ein belgischer Diplomat angeschossen wird, beginnen geheime Ermittlungen, denn die Reichsregierung befürchtet diplomatische Verwicklungen. Der gerade nach Berlin versetzte Kommissar Albert Kummerow wird mit dem Fall betraut. Ihm zur Seite stellt man Rittmeister Joachim von Tarlenheim. Ihre Ermittlungen nehmen schon bald turbulente Züge an und führen das ungleiche Ermittlerduo an ungewöhnliche Orte.

Ernst-Günther Richters erster historischer Krimi hat mich mit verschiedenen Aspekten beeindruckt! Da ist zunächst der historische Hintergrund, hier zeichnet der Autor ein lebendiges und detailreiches Bild einer vergangenen Epoche und eines Ereignisses, dessen Folgen auch heute noch einschneidende Konsequenzen haben . Berlin Ende des 19. Jahrhunderts wird mit viel Lokalkolorit und Liebe zum Detail geschildert und besonders der Zoologische Garten ersteht quasi vor den Augen des Lesers. Überhaupt sind es die kleinen Details, wie das erste aufregende Telefonat mit einem städtischen Fernsprechapparat oder Szenen bei Hagenbecks Völkerschau, die zum stimmigen Gesamtbild beitragen und eine tolle Atmosphäre schaffen.
Zum anderen sind da die sehr interessanten Figuren, allen voran natürlich Kommissar Kumerow und Rittmeister von Tarlenheim, die ein sehr gelungenes Ermittlerduo bilden, das recht bald von einer bizarren Geschichte in die nächste stolpert und neben der spannenden Ermittlungsarbeit auch reichlich Anlaß zu Heiterkeit gibt. Kumerow agiert ehr leise, aber recht einfallsreich und wirkt auch sehr einfühlsam und menschlich. Im Gegensatz zu Tarlenheim bleibt er aber doch etwas blass. Der Rittmeister ist eher impulsiv, abenteuerlustig und ab und an auch etwas leichtfertig, aber nicht weniger findig und sympathisch als sein polizeilicher Mitstreiter. Bei den Nebencharakteren sind es natürlich die Vielzahl an historisch verbürgten Personen, wie der Maler Adolph von Menzel, Zoodirektor Bodinus und natürlich Kronprinz Friedrich Wilhelm und Reichskanzler Otto von Bismarck, die geschickt in der Handlung platziert sind und diese perfekt abrunden. Gerade letzterer zieht geradezu gewieft hinter den Kulissen die Fäden, während sich Kumerow und von Tarlenheim durch diplomatische Verwicklungen und Intrigen kämpfen müssen und so fügt sich dann auch der Krimifall gekonnt in die historischen Ereignisse und das Setting ein. Von Anfang an ist der Fall spannend und auch wenn bereits nach kurzer Zeit eine Lösung parat zu sein scheint, so geben weder Kumerow noch von Tarlenheim auf und scheren sich nicht um diplomatische Konsequenzen, was für beide leider nicht ohne Nachwirkungen bleibt. Trotzdem bleibt zu hoffen, daß das nicht der letzte Fall für das ebenso findige wie sympathische Ermittlergespann bleibt

Abgerundet wird das Buch mit einem detaillierten Stadtplan, auf dem man die Ermittlungen des ungleichen Duos nachverfolgen kann und einem Nachwort vom Autor in dem es noch wissenswertes zur Kolonialgeschichte gibt, das einem noch nachträglich eine Gänsehaut beschert, angesichts der Rücksichtslosigkeit der Kolonialmächte.

FaziT: ein dichter, facettenreicher historischer Hintergrund verbindet sich mit einem tollen Setting, interessanten Figuren und einem kniffligen Fall zu einem ebenso spannenden wie amüsanten und unterhaltsamen Krimi. Hier wäre eine Fortsetzung mehr als wünschenswert.

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