Eine Welt der Wörter

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Bilger, 2011, Titel: 'Un monde de mots', Originalausgabe

Couch-Wertung:

96

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Annette Gloser
Ich bin wie eine Brücke

Buch-Rezension von Annette Gloser Jun 2013

England zur Zeit der Renaissance. John Florio ist alt geworden. Jahrzehntelang hat er die Großen Englands unterrichtet, hat ihnen beigebracht, wie man italienisch spricht. Sogar Königin Anne. Nun hat sich der Sprachlehrer zurück gezogen, aber vergeblich wartet er auf die von der Königin versprochene Pension. Nach ihrem Tod hat man bei Hofe anderes zu tun und denkt gar nicht daran, das Geld für einen ehemaligen Bediensteten der Königin zum Fenster raus zu werfen.

Da beschließt Florio, zunächst einen Brief zu schreiben, in welchem er noch einmal seine Verdienste um England auflistet. Aber dann wird aus diesem Brief ein Rückblick in die Vergangenheit und Florio beschließt, sein Leben aufzuschreiben. Vielleicht wird sein Neffe Freude daran haben, wen sonst sollte es schon noch interessieren?

Und so beginnt Florio, seine Geschichte zu erzählen: Vom Vater, Anhänger des reformierten Glaubens und in Italien als Ketzer verfolgt. Von der Mutter, Dienerin Jane Greys. Er berichtet, wie die Eltern während der Herrschaft Maria Tudors in die Schweiz flohen, erzählt vom Leben dort, davon, wie er englisch, italienisch, französisch und deutsch lernte und schließlich davon, wie er unter dem Schutz des Herzogs von Wirtemberg studierte und als junger Mann nach England kam. Als Italienischlehrer macht er die Bekanntschaft vieler wichtiger Persönlichkeiten. Er wird von zwei Lords protegiert, die sich gegenseitig nicht mögen, gerät in den Dunstkreis Walsinghams, macht die Bekanntschaft Giordano Brunos und lernt William Shakespeare kennen, der schließlich bei ihm italienisch lernt. Immer wieder führt ihn sein Weg auch zurück an den Hof, immer neue Persönlichkeiten lernt er kennen. Und unermüdlich arbeitet Florio an seinem großen Werk, einem italienisch-englischen Wörterbuch. Er will eine Brücke sein zwischen den Sprachen, zwischen den Kulturen, denn er hat an jedem Ufer einen Fuß. Das ist sein Lebensentwurf.

Wer kennt John Florio?

Anne Cuneo lässt in diesem Roman John Florio selbst seine Erinnerungen aufschreiben und macht ihn so zum Ich–Erzähler. Cuneo - Florio - schildert seine Kindheit und Jugend, die Atmosphäre in seinem Elternhaus, sein Studium in Tübingen, seine Reisen, sein Leben in England. Er begegnet den verschiedensten Persönlichkeiten aus Politik und Kunst und er hat immer einen wachen Blick auf alles, was so um ihn herum geschieht. Die Politik ist nichts, was ihn anzieht, aber er kommt nicht drum herum, sie zur Kenntnis zu nehmen und sich mit ihr zu arrangieren. So entsteht zum einen nach und nach das Bild einer umfassend gebildeten Persönlichkeit, das Bild eines Mannes mit außergewöhnlichen Begabungen, der ganz neue und unbekannte Wege in seinem Leben bestreitet. Zum anderen aber auch das Bild einer Gesellschaft im Aufbruch, das Alte hinter sich lassend, auf der Suche nach neuen Zielen.

Selbst Menschen, die sich in der englischen Renaissance gut auszukennen glauben, wissen oft nicht, wer John Florio war und welchen Einfluß er auf die Entwicklung der englischen Sprache und Kultur hatte. Dabei wird er sogar noch heute von einigen Zweiflern verdächtigt, der eigentliche Autor der Shakespeare–Werke zu sein. Indessen versichert Anne Cuneo in ihrem Nachwort, daß Florio für dergleichen Nebentätigkeiten gar keine Zeit hatte. Und sie untermauert dies in ihrem Roman, lässt Florio sein Arbeitspensum schildern. Allerdings wird im Roman auch deutlich, wie sehr Florio durch diese Arbeit auf verschiedenste Persönlichkeiten einwirkte, ihnen Kenntnisse vermittelte und dadurch unmittelbare Veränderungen in der Sprache und im Umgang miteinander bewirkte.

Interessante Perspektiven

Anne Cuneo erzählt flüssig und ohne große Abschweifungen. Sie schafft es, den Leser mit den ersten Seiten einzufangen und ihn bis zur letzten Seite nicht wieder loszulassen. Dabei führt sie ihre Leser durch ein geradezu episches Genrebild der Renaissance, konfrontiert ihn mit religiösen Auseinandersetzungen ebenso wie mit politischem Kalkül. Der Spannungsbogen ist da, und er bleibt bis zum Ende des Romans. So schreibt die Autorin selbst im Nachwort, sie habe sich bemüht, nur Fakten zu verwenden und dort, wo Lücken waren, diese behutsam und logisch zu ergänzen. Dies ist ihr gelungen. Entstanden ist so eine Romanbiographie, die mit umfassender Recherche ebenso beeindruckt wie durch lebendige Schilderungen und viele feine Details.

Anne Cuneo lässt Florio selbst seine Wertung zu den Persönlichkeiten abgeben, denen er begegnet. Damit werden diese zwar eher subjektiv geschildert, aber es hilft dem Leser, die Welt aus der Sicht Florios zu sehen – und dieser war ein kultivierter Mann ohne voreilige Urteile. Schon alleine Robert Dudley einmal nicht in seiner Rolle als Favorit der Königin zu erleben, sondern als klugen Mäzen und Förderer der Kultur, lohnt den Griff zu diesem Roman. Überhaupt hat Florio zu den meisten Menschen, denen er begegnet, ein eher privates Verhältnis, schließlich ist er ihr Lehrer oder der Lehrer ihrer Kinder. Selbst auf Elisabeth I. und Robert Dudley, die gemeinsam mit Jane Grey bei Florios Vater italienisch lernten, schaut Florio anders, als es wohl ein einfacher Untertan tun würde. Eine höchst interessante Perspektive, selbst dann, wenn Florio als Untergebener auftritt.

Literaturgenuß mit Hindernissen

Eine Welt der Wörter ist im schweizer bilgerverlag erschienen. Die Hardcover–Ausgabe wurde üppig ausgestattet und mit viel Fingerspitzengefühl gestaltet. Allein die Tatsache, daß da so ein nostalgisches rotes Leinenbändchen als Lesezeichen aus den Seiten leuchtet, lässt das Bibliophilenherz höher schlagen. Ein zeitgenössisches Portrait Florios auf dem Cover, eine Stadtansicht von London, Portraits von Königin Anne und William Shakespeare auf den Umschlaginnenseiten....wie schön! Einfach schön.

Es gibt ein umfangreiches Nachwort der Autorin, eine Zeittafel und eine Bibliographie – wann bekommt man so etwas schon mal in die Hand? Für alle Leser aus Deutschland sei aber die bittere Pille nicht verschwiegen: Dieses Buch wird nicht einfach so in der Buchhandlung zu finden sein. Es ist ein Schweizer Verlagshaus und darum wird man diesen Roman in Deutschland meist nur über eine Bestellung erhalten. Dafür kann man sich getrost an den Buchhändler seines Vertrauens wenden, in kleinen Buchhandlungen oft noch besser als in großen. Eine kleine Hürde auf dem Weg zur großen Literatur. Und es lohnt sich, diese Hürde zu überspringen, denn man bekommt danach eine wahre Perle in die Hand.

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