40 Tage bis zur Hochzeit

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • , 2013, Titel: '40 Tage bis zur Hochzeit', Originalausgabe

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Annette Gloser
Die verschwundene Braut

Buch-Rezension von Annette Gloser Jun 2013

Kurzgefasst:

1320: Gräfin Sophie von Pfirt befindet sich auf dem Weg zu ihrem Verlobten, Graf Ulrich von Wirtenberg, als sie Opfer eines Mordanschlags wird: Ihre Kammerzofe stößt sie den Uracher Wasserfall hinunter. Sophie überlebt, doch als sie völlig mittellos und ohne Beweis ihrer Identität den Hof erreicht, muss sie feststellen, dass eine andere ihren Platz eingenommen hat. Nun gilt es, eine Hochzeit zu verhindern, und das innerhalb der nächsten 40 Tage. Keine einfache Aufgabe, denn schließlich muss sie sich an die Fersen des Grafen von Wirtenberg heften und reist dabei von Urach und Teck über den Hohenstaufen und Esslingen bis nach Stuttgart.

 

1320. Als Sophie von Pfirt zu ihrer Hochzeit mit Ulrich III. nach Wirtenberg reist, wird sie von ihrer Magd Dorothea den Uracher Wasserfall hinuntergestoßen. Dorothea bringt alle Briefe an sich, welche die Identität der jungen Frau bestätigen und lässt ihre Tochter Beatrix die Rolle der Braut einnehmen. Trotz anfänglicher Skrupel findet sich Beatrix schnell in ihre neue Rolle. Vor allem sieht sie die Chance, endlich so viele schöne Kleider zu bekommen, wie sie es sich schon immer gewünscht hat. Denn genau das ist ihre Vorstellung von der Rolle einer Gräfin: Schöne Kleider ohne Ende.

Sophie hat den Sturz halbwegs unbeschadet überstanden. Als sie jedoch auf der Burg Urach ankommt, muß sie zur Kenntnis nehmen, daß ihr Bräutigam sie für eine Schwindlerin hält und Beatrix die Rolle der gräflichen Braut souverän spielt. Sophie wird als verwirrte Magd und Bastardtochter des Grafen von Pfirt vorgestellt. Sie wird zunächst in die Küche geschickt und entkommt mit knapper Not einem weiteren Mordanschlag Dorotheas. Aber Sophie konnte einen Boten zu ihrem Bruder schicken. Es sind noch vierzig Tage bis zur Hochzeit und in dieser Zeit wird ihr Bruder sicher die Angelegenheit regeln. Bis dahin wird sie abwarten und sich im Dienste Graf Ulrichs nützlich machen.

Glücklicherweise hat sich Ulrichs Neffe an der Hand verletzt und benötigt dringend Hilfe in der Kanzlei. Der junge Mann ist als Schreiber für das Aufsetzen wichtiger Dokumente und Rechnungen verantwortlich. In Sophie findet er eine wichtige Hilfe. So darf Sophie schließlich mit Zustimmung der Grafen von Wirtenberg als Schreiberin ihren Lebensunterhalt verdienen. Schnell begreift vor allem Graf Ulrich, wie nützlich die junge Frau mit ihrer Sachkenntnis und dem schnellen Verstand in seiner Kanzlei ist. Überhaupt muß er feststellen, daß ihn viel mehr zu Sophie zieht als zu seiner putzsüchtigen Braut Beatrix. Und während Beatrix zum Missvergnügen der sparsam bis geizigen gräflichen Familie immer neue Stoffe kauft und immer gewagtere Schnittmuster entwirft, greift Ulrich auf die Hilfe von Sophie bei der Einrichtung des neuen Stuttgarter Schlosses zurück. Auch bei der Belagerung der Burg Hohenstaufen ist Sophie dabei. Und bald ist nicht mehr zu übersehen, daß Ulrich in die kleine Schreiberin verliebt ist.

Aber Sophies Bruder meldet sich nicht. Bald sind die vierzig Tage um, die Hochzeit steht vor der Tür. Und noch immer gilt Beatrix als die wahre Braut. Sophie muß sich wohl etwas einfallen lassen.

Alte Märchen neu erzählt

Immer wieder stolpert man beim Lesen dieses Romans. Da ist zum einen die Geschichte mit der falschen Braut, die ja auch immer wieder durch die Märchen dieser Welt geistert. Zwar soll sogar die Mutter Karls des Großen einem solchen Tausch zum Opfer gefallen sein, aber so richtig glaubwürdig ist das Drama um Sophie von Pfirt in dieser Beziehung nicht. Dazu kommt, daß es wohl nur sehr wenige Menschen gibt, die einen Sturz aus fast vierzig Meter Höhe überleben, dabei mehrfach auf diversen Felsen aufprallen und danach nichts weiter haben als ein paar blaue Flecke und Beulen.

Der Graf von Wirtenberg weiß nicht, ob seine Braut nun Beatrix oder Sophie heißt, die gräfliche Schwägerin in Pfirt zuckt mit keiner Wimper als sie erfährt, daß eine Dienstmagd den Platz der Braut eingenommen hat - alles in allem ist die Geschichte sehr dünn gewebt und fällt deshalb tatsächlich eher in den Bereich Märchen.

Dies ist wohl die größte Schwäche des Romans 40 Tage bis zur Hochzeit von Birgit Fleischer. Denn daraus ergibt sich auch, daß die Spannung nur mäßig ist. Jeder, der daran interessiert ist, kann in den Württemberger Annalen nachlesen, daß Ulrich III. irgendwann Sophie von Pfirt geheiratet hat. So ist das Ende des Buches klar und vorbestimmt, was nicht dazu beiträgt, Herzklopfen bei den Lesern auszulösen. Bestenfalls fragt man sich, welche Lösung die Autorin wohl für die "Entsorgung" von Beatrix und Dorothea finden wird.

Hinzu kommt, daß es der Autorin nicht gelungen ist, ihren Protagonisten tatsächlich Tiefe und Farbe zu verleihen. Sophie und Ulrich sind hier Ausnahmen, das andere Personal des Romans jedoch bleibt eher blaß und diffus. Das ist schade, denn der Roman hätte gerade hier die Schwächen des Plots wieder auswetzen können. Gestelzte Dialoge in bestem Neudeutsch machen die Sache nicht besser. Ständig tauchen verbale Anachronismen auf, die beim Lesen wirklich störend wirken. So erzählt zum Beispiel Johannes über ein Pferd:

 

"Diesen Prachtkerl hat ihm sein Schwager, der Graf von Hohenlohe, überlassen, nachdem sein Schwert nicht durch die technische Überprüfung kam und er disqualifiziert wurde."

Ja, der TÜV macht heutzutage auch so manchem das Leben schwer. Und wenig später verkündet der Herold auf dem Turnier dem anwesenden Volk: "Meine Damen und Herren, wir beginnen mit der zweiten Runde!" Kaum zu glauben, daß da Bürger und Bürgerinnen, einfaches Volk, mit "Damen und Herren" tituliert wird, während der Schirmherr des Turniers gar keine Erwähnung wert ist.

Gut recherchiert

Bei allen Schwächen des Romans gibt es doch einige ganz dicke Pluspunkte für die Recherche. Denn auch wenn es um die Schilderung des Alltags und das Leben der Menschen geht, gerät man unweigerlich des öfteren ins Stolpern. Ebenso unweigerlich taucht die Frage auf, ob es bestimmte Gegenstände im Jahr 1320 schon gab und ob das stimmen kann, was die Autorin da erzählt. Jedem Zweifler sei verraten: Ja, es gab so etwas wie Bleistifte schon im Mittelalter. Und sie wurden für genau das benutzt, was die Autorin schildert. Und auch andere Dinge, die man vielleicht in dieser Zeit nicht sofort vermuten würde, tauchen auf. Die Autorin ist hier verlässlich, z.B. in Papierfragen.

Auch die Schilderung der Burgen und Städte ist plastisch und gut gelungen. Hier macht das Lesen Spaß, die Vorstellungskraft bekommt Arbeit und man kann sich das bunte Treiben lebhaft vorstellen. Auch die Modecapriolen von Beatrix, die man heute wohl als Fashionvictim bezeichnen würde, sind amüsant zu lesen und lassen vor dem Auge des Lesers endlose Reihen von spitzzipfeligen Schleppen, Hörnerhauben und Kleidern in den ausgefallensten Farben mit den unterschiedlichsten Ärmelfomen vorbeiziehen.

Hier wird deutlich, daß die Autorin sich intensiv mit den Schauplätzen ihrer Geschichte auseinander gesetzt hat und auch einen Blick auf die kleinen Alltagsdinge hatte, die in historischen Romanen gelegentlich zu Stolperfallen werden. Auch auf die politischen Zusammenhänge hat Birgit Fleischer Wert gelegt. Ihre Darstellung der damaligen politischen Situation ist klar und für den Leser gut nachvollziehbar. Sehr angenehm zu lesen.

Entspannung garantiert

40 Tage bis zur Hochzeit kann man gut in Momenten lesen, in denen man Entspannung dringend benötigt und den Kopf nicht für die ganz harten Brocken frei hat. Das Buch ist der Erstling der Autorin und es bleibt zu hoffen, daß sie ihre Sachkenntnis in weitere Romane einfließen lässt. Der Einhorn Verlag hat das Cover liebevoll gestalten lassen, ein Prägedruck schmeichelt den Händen und erinnert ein wenig an alte Folianten. Die Autorin hat sich auch im Anhang kurz zum historischen Hintergrund geäußert und einige Daten und Fakten klargestellt. Dies ist hilfreich für den Leser und hilft ihm, die historische Situation zu verstehen. Ein Buch, das man gut nach einem anstrengenden Tag oder auch im Urlaub zur Hand nehmen kann. Wer allerdings Wert auf historische Genauigkeit legt, der wird eher enttäuscht sein, denn hier geht es allzu märchenhaft zu.

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