Palazzo Vendramin

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Braumüller, 2013, Titel: 'Palazzo Vendramin', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Richard Wagners letzte Monate in Venedig

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jun 2013

Kurzgefasst:

1882, der Parsifal ist in Bayreuth uraufgeführt: Mitte September übersiedelt der fast 70-jährige Richard Wagner mit seiner Familie nach Venedig, in den Palazzo Vendramin am Canal Grande. Es sollen seine letzten Lebensmonate werden, am 13. Februar 1883 stirbt Wagner nach einem heftigen Streit mit Cosima an einer Herzattacke. Seine letzten notierten Worte sind: "Liebe - Tragik ...". Von diesem Streit an Wagners Todestag wissen wir nur durch seine geliebte erstgeborene Tochter Isolde. Anlass der Auseinandersetzung: die 23-jährige Sopranistin Caroline Mary "Carrie" Pringle, Wagners letzte Liebe, das "Blumenmädchen" aus dem Bayreuther Uraufführungs-Parsifal. Auf Bitten des Meisters hin kommt sie nach Venedig, um ihn heimlich zu treffen, sodass die letzte Lebenszeit des Komponisten auch zu einem typisch venezianischen Versteck- und Maskenspiel gerät.

 

Im Herbst 1882 reist Richard Wagner mit seiner Familie nach Venedig, wo sie im weißen Flügel des Palazzo Vendramin residieren. Wagner lässt zudem in einem Hotel eine Etage für Carrie Pringle einrichten, ein junges Mädchen, das gerade bei der Uraufführung des "Parsifal" eines der Blumenmädchen gesungen hat und Wagner für sich eingenommen hat. Trotz der Anwesenheit von Wagners Frau Cosima in Venedig trifft er sich immer wieder mit ihr.

Wagners Gesundheit ist angeschlagen, immer wieder muss er nach seinen täglich auftretenden Herzattacken Medikamente nehmen. Er fühlt, dass sein Leben zu Ende geht. Da taucht auch noch sein Schwiegervater Franz Liszt auf und verbringt den Jahreswechsel mit den Wagners. Schließlich kommt Cosima hinter Richards Geheimnis, worauf es einen Streit gibt und Richard sich zurückzieht. Er stirbt am 13. Februar 1883 in Cosimas Armen.

Novelle

111 Seiten lang ist sie nur, die Novelle über Richard Wagners letztes halbe Jahr, das er mit seiner Familie in Venedig verbracht hat und somit dem Genre der Noelle durchaus angemessen. Franz Winter ist ein feiner Beobachter und begleitet Richard Wagner zu seinen wichtigsten Stationen in diesen Monaten. Wagner ist bereits sterbenskrank und weiß dies auch, sein Herz macht ihm täglich Probleme, und doch genießt er diese Tage in Venedig auf seine Weise.

Dass er in einem Hotel eine Geliebte einquartiert und dafür eine ganze Etage umbauen lässt, ist für ihn normal, er kann es sich leisten, nur darf Cosima davon nichts wissen. Carrie Pringle ist ein mäßig begabtes Mädchen, dass im kommenden Jahr wieder als Blumenmädchen singen will, und der Meister sagt es ihr zu, obwohl es eigentlich geeignetere Mädchen gibt. Doch seine Gefühle für sie machen ihn blind, es ist nicht die erste, wohl aber die letzte, wobei beide das zu diesem Zeitpunkt, nach dem Weihnachtsfest 1882, noch nicht wissen.

Viele verschachtelte Sätze

Da ist es auch keine Hilfe, dass Wagners Schwiegervater, der nur um zwei Jahre ältere Franz Liszt, mit in Venedig ist. Die beiden haben seit je her ein gespanntes Verhältnis zueinander, und abendliche Gespräche sind mal mehr, mal weniger erbaulich, aber Cosima will ihre Familie zusammen haben. Dazu zählen auch die fünf Kinder, drei mit Richard und drei aus erster Ehe, dazu gute Freunde und Mitarbeiter Richards, man ist eine Wohngemeinschaft im Palazzo Vendramin, und stets verschlechtert sich Richards Gesundheitszustand.

Auch wenn Franz Winter hauptsächlich bei Richard als Protagonisten weilt, so weiß man aus den scharfen und doch einfühlsamen Beobachtungen, welchen Gemütszustand der eine oder andere gerade hat. Franz Winter erzählt ausladend, verschachtelt vielerlei Sätze gekonnt wie geschickt ineinander, um, stets den Überblick behaltend, seinen Figuren auf die Spur zu kommen und sie dem Leser zu präsentieren. Dabei stellt er sie nicht bloss, sondern man begleitet sie in ihren Handlungen, zu Konzerten, mit Gondeln durch die Gassen Venedigs, auf den Spuren von Wagners vorherigen Venedig-Aufenthalten oder einfach nur ihren Gesprächen lauschend. Man erfährt zudem einige intimste Neuigkeiten, von denen man sich vielleicht in Wagners Biographie immer schon gefragt hat, wie das denn wohl vielleicht war.

Dichte Erzählweise

Durch seine dichte Erzählweise holt Winter den Leser ganz nah an das Geschehen, man leidet Wagners Herzattacken förmlich mit, wo er doch stets mehrere Flaschen Medizin bei sich hat, damit jeder in seinem Umfeld ihm helfen kann. Winter holt noch aus kleinsten Ereignissen das erzählenswerteste heraus und hält so auch eine gewisse Spannung aufrecht, auch wenn man weiß, dass Wagner am Ende der Novelle sterben wird.

Jedes Kapitel ist mit einem Takt aus Wagners Klavierelegie "Sehnsucht" überschrieben, vielleicht mag es ja auf den Tod hindeuten, dass es 13 Kapitel sind. Es ist für den Leser schon interessant, als Vorder- und Nachsatzmotiv Wagners Handschrift zu sehen, klar und "schmachtend" wie es überschrieben ist und von Wagner im Text selbst diskutiert wird. So nah war man Wagner selten.

Musikfreunde sollten sich diese kleine Novelle aus dem Braumüller Verlag nicht entgehen lassen, ein schöner und rundum gelungener Beitrag zum Wagner-Jahr 2013. Doch auch für Nicht-Musiker ist das Büchlein zu empfehlen, zumal auf musikalisches Fachchinesisch verzichtet wird. Einfach nur nehmen und genießen - das beste, was man von einem Buch erwarten kann.

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