Der Mondscheingarten

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Ullstein, 2013, Titel: 'Der Mondscheingarten', Originalausgabe

Couch-Wertung:

81
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Rita Dell'Agnese
Ein Geheimnis, ein Schuss Romantik und viel Musik

Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2013

Kurzgefasst:

Antiquitätenhändlerin Lilly bekommt eine ungewöhnliche alte Geige angeboten: Auf ihrer Unterseite ist eine Rose ins Holz gebrannt. Lilly ist fasziniert von dem alten Instrument und will das Rätsel der Rose unbedingt entschlüsseln. Sie sucht Hilfe bei dem charmanten Musikexperten Gabriel. Gemeinsam finden die beiden heraus, dass die Geige vor über hundert Jahren einer berühmten Violinistin gehörte, die damals plötzlich verschwand. Gebannt vom geheimnisvollen Schicksal der schönen Frau begibt Lilly sich auf deren Spuren, die sie nach Italien und schließlich nach Sumatra führen. Dort findet sie des Rätsels Lösung - das auch ihr eigenes Leben in seinen Grundfesten erschüttert ...

 

In Lillys Antiquitätengeschäft erscheint ein Unbekannter, der ihr eine alte Geige überreicht. Bevor sie sich von ihrer Verblüffung erholt, ist der Fremde verschwunden. Neugierig geworden, möchte Lilly mehr über das Instrument und die beigelegte Komposition erfahren. Sie fährt zu ihrer Freundin Ellen nach London, die sich mit alten Instrumenten auskennt. Je mehr Lilly über die vermutliche Herkunft der Geige erfährt, desto geheimnisvoller erscheint ihr die Sache. Denn der Unbekannte hatte ihr die Geige mit den Worten überreicht, dass das Instrument ihr zustehe. Die Antiquitätenhändlerin kann sich keinen Reim darauf machen. Alle Spuren führen nach Indonesien, wo Lilly nicht nur Antworten finden wird, sondern auch neue Erkenntnisse gewinnt...

Zwei Zeitebenen

Corina Bomann knüpft mit ihrem Roman Der Mondscheingarten an die derzeit erfolgreichen Mysterie-Romane erfolgreicher Autorinnen an. Ganz nach Manier der Bestsellerautorinnen Kate Morton oder Katherine Webb verknüpft die Autorin zwei verschiedene Erzählebenen miteinander. Zum einen ist es die in der Jetzt-Zeit lebende Lilly, die sich auf die Suche nach dem Hintergrund der alten Geige mit eingebrannter Rose macht. Zum anderen geht es um das Leben und das musikalische Schaffen einer begnadeten Geigerin aus Indonesien, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Furore gesorgt hat. Gerade dieser Teil der Erzählung ist sehr stimmungsvoll und hat viel Atmosphäre. Das Publikum erlebt den Aufstieg der jungen Rose zu einer weltweit gefeierten Violinistin - und ihr plötzliches Verschwinden. Es ist eine Zeit, in der auch Stars vielen Konventionen unterworfen sind. Für Rose bedeuten dies eine enge Fessel, sorgsam überwacht von ihrem Manager.

Viel Romantik

Bei dieser Form von Geschichten gehört auch immer eine gehörige Portion Romantik dazu. Wer also auf Handfestes steht und in Romanen besonders Schlachtengetümel oder Hofintrigen mag, wird eher nicht zum Mondscheingarten greifen. Doch das ergibt sich schon durch die Gestaltung des Buches, das die Ausrichtung klar deklariert. Ein blumengeschmücktes Cover mit dem Bild-Medaillon eines verschnörkelten Gartentors lässt keinen Zweifel an der Ausrichtung der Geschichte. Es wäre allerdings schade, den Roman vorschnell in die Schublade "seichte Unterhaltung" zu stecken. Denn Corina Bomann hat wesentlich mehr zu bieten als einen netten Liebesroman vor historischer Kulisse. Sie präsentiert ein sorgfältig ausgearbeitetes Gesellschaftsportrait, das Themen wie "Kolonialismus" oder "Rassenunterschiede" aufgreift und den Chancen eines hervorstechenden Talents gegenüber stellt, das allerdings nicht der privilegierten Gesellschaftsschicht entstammt.

Dem Zufall viel Gewicht gegeben

So unterhaltend der Roman ist, so überzeugend die Charaktere - vor allem jene aus dem Teil, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt - auch sind, dem Zufall wird bei der ganzen Geschichte etwas gar viel Raum gegeben. Nicht nur, dass die beste Freundin der Protagonistin just Expertin für alte Instrumente ist, Lilly begegnet zufällig auch gleich noch dem idealen Mann, für die Suche nach der Wahrheit: Dem Musikexperten Gabriel. So sind es auch später immer wieder Zufälle, die den Verlauf der Geschichte prägen, was auf Dauer etwas Goodwill von den Leserinnen fordert, nicht die Stirn zu runzeln. Schade eigentlich, denn Corina Bomann hat ihre Geschichte so gut aufgebaut, dass sie mühelos Verknüpfungen gefunden hätte, die den Zufall nicht ganz so stark bemühen.

Wer die Romane von Kate Morton und Katherine Webb mag, wird Corina Bomanns Mondscheingarten lieben. Er ist süffig zu lesen, bietet alle Elemente, die man sich von einem solchen Roman wünschen mag und besticht durch historisch überzeugende Details.

Der Mondscheingarten

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