Das Land zwischen den Meeren

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2013, Titel: 'Das Land zwischen den Meeren', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75
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Rita Dell'Agnese
Hier ist Geduld gefragt

Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2013

Kurzgefasst:

Köln 1848. Die junge Hauslehrerin Dorothea und ihr Verlobter, der Journalist Alexander, träumen von einer gemeinsamen Zukunft in Costa Rica. Aber dann schlägt das Schicksal mehrmals und unerbittlich zu. Nach einem harten inneren Kampf entschließt sich Dorothea, die Reise in das unbekannte, ferne Land alleine anzutreten. Doch kann sie ihre Vergangenheit wirklich in Deutschland zurücklassen, und wird jemals ein anderer Mann Alexanders Platz in ihrem Herzen einnehmen können?

 

Eine junge Deutsche wandert nach Costa Rica aus und hat dabei einige Abenteuer zu bestehen und Klippen zu umschiffen: Anna Paredes greift in ihrem Roman "Das Land zwischen den Meeren" das Thema "Auswandern" auf und verspricht damit eine gefühlvolle Geschichte. Dieses Versprechen hält die Autorin auch ein. Sie lässt ihre Protagonistin Dorothea schon einiges durchstehen, bevor sie das Schiff besteigt, das sie im Jahr 1848 nach Costa Rica bringt. Die junge Lehrerin - Tochter aus einem guten Haus, verlobt sich gegen den Willen mit einem Journalisten. An dessen Seite möchte sie die Welt bereisen, denn Alexander soll einen Reisebereicht über Costa Rica schreiben und will, dass seine künftige Frau die Bilder dazu zeichnet. Bevor die beiden aber aufbrechen können, stirbt Alexander bei einer Strassenschlacht in Berlin. Völlig verzweifelt macht sich Dorothea alleine auf den Weg in die neue Heimat. Nur so kann sie sich der von den Eltern arrangierten Ehe mit einem alternden Apotheker entziehen. Auf dem Weg nach Costa Rica begegnet Dorothea dem alleinstehenden Kaufmann Erik Jensen und verpflichtet sich, ein Jahr für ihn zu arbeiten. Ihr ungutes Gefühl dabei trügt sie nicht - Jensen möchte mehr von Dorothea als ihre Hilfe im Geschäft. Notfalls will er sich das mit Gewalt holen.

In die Länge gezogen

Wer hinter dem Roman eine Beschreibung vom Leben in Costa Rica Ende des 19. Jahrhunderts erwartet, muss sich sehr in Geduld üben. Denn zunächst lässt Anna Paredes ihre Protagonistin ausgiebig die gesellschaftlichen Zwänge in ihrer Heimatstadt Köln durchstehen. Dabei erfährt sie in ihrem eigenen Elternhaus nur wenig Zuwendung. Bis sich die junge Frau heimlich auf den Weg macht, löst die Autorin die Frage nicht auf, weshalb Mutter wie Vater der Tochter mit so viel Abneigung und Vorbehalten gegenüber treten. Hier lässt Anna Paredes ihre Leserinnen etwas im Stich. Obwohl für den weiteren Verlauf der Geschichte nicht relevant, kommt hier das Gefühl auf, eine ungeklärte Situation zurück zu lassen. Nach ihrem schmerzhaften Abschied von Köln muss sich die Protagonistin fünf lange Monate auf dem Schiff gedulden, bis sie ihre neue Heimat erreicht, wo sie sich eine Anstellung als Lehrerin bei Aussiedler-Familien erhofft. Anna Paredes setzt diese Zeit auf dem Schiff wirkungsvoll um. Sie schildert die Verhältnisse und zeigt auf, wie sich die Stimmung unter den Passagieren nach und nach verändert. Auch der Heimtücke von Erik Jensen gibt die Autorin ein erstes Gesicht. All das führt aber dazu, dass sich gut die Hälfte der Geschichte darum dreht, den späteren Ereignissen eine solide Grundlage zu verpassen.

Mehr Tempo

Erst mit der Ankunft in Costa Rica entwickelt der Roman etwas mehr Tempo und präsentiert einen besser entwickelten Spannungsbogen. Dieser zweite Teil der Geschichte erscheint gegenüber dem eher gemächlichen Verlauf des ersten Teils allerdings zu stark gerafft. Die Erlebnisse von Dorothea beim Kaufmann und ihre Begegnung mit jenen Menschen, die später ihr Schicksal bestimmen werden, passieren in einer so kurzen Phase, dass diese in einem Widerspruch zu den ausgiebigen Schilderungen des ersten Teils stehen. Durch die Raffung fällt es Anna Paredes auch nicht ganz leicht, die Atmosphäre und die Lebensart auf Costa Rica in den Roman einzubinden. Im Zentrum steht nach wie vor die Gefühlswelt von Dorothea. So entwickelt sich Das Land zwischen den Meerenzu einem klassischen Liebesroman, der allerdings angesichts etlicher gesellschaftlicher Konflikte Tiefgang bekommt und von einigen spannenden Charakteren lebt. Zwar verzichtet die Autorin nicht ganz auf Klischees, doch sind diese nicht so stark ausgeprägt, dass sie einen schalen Eindruck hinterlassen könnten.

Ein wenig mehr Costa Rica und etwas weniger Köln und Seereise hätten dem Roman gut getan. Trotzdem hat Anna Paredes ein unterhaltsames Werk geschaffen, das den Leserinnen von Auswanderer-Romanen kurzweilige Stunden voller Gefühl garantiert.

Das Land zwischen den Meeren

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