Das rote Band

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Piper, 2000, Titel: 'Slammerkin', Originalausgabe

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89

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Rita Dell'Agnese
Weit abseits von Mainstream ...

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2013

Es braucht die Bereitschaft, sich auf eine belastende Geschichte einzulassen, wenn man Emma Donoghues Roman Das rote Band in seiner ganzen Besonderheit erfassen will. Die Autorin stellt eine junge Frau in den Mittelpunkt ihres Romans. Mary, Tochter einer Schneiderin und Halbwaise, träumt von einem besseren Schicksal als dasjenige der Mutter. Die Chancen stehen schlecht. Mitte des 18. Jahrhunderts haben Frauen in London, besonders jene aus der Unterschicht, kaum Möglichkeiten, qualifizierte Arbeit zu finden. Es bleibt ihnen oft nichts anders, als schlecht bezahlte Lohnarbeit zu verrichten, etwa als Näherin, als Dienstmagd oder Wäscherin. Doch Mary, die dank einer finanziellen Unterstützung eine Schule besuchen kann, will mehr. Vor allem aber will sie sich mit schönen Dingen umgeben. Seit sie ein rotes Band gesehen hat, trachtet sie danach, ebenfalls eines zu besitzen. Der Band-Händler nützt den sehnlichen Wunsch des Mädchens aus und entehrt sie. Als Mary nicht mehr verheimlichen kann, dass sie schwanger ist, wird sie von ihrer Mutter und deren zweitem Mann auf die Straße gesetzt. Sie fällt einem Trupp Soldaten in die Hände, die sie übel zurichten. Nur die Zuwendung einer Hure hilft Mary, diese Tage zu überleben. Im Gegenzug wird Mary klar, dass sie ihren Körper verkaufen muss, um über die Runden zu kommen. Doch sie trachtet nach Höherem. Alle Versuche der jungen Frau, doch noch aus dem Milieu auszusteigen schlagen aber früher oder später fehl. Marys Schicksal scheint vorgegeben. Schon im Prolog wird klar, dass es das Schicksal nicht gut meint, mit der jungen Frau.

Gnadenlos und schmutzig

Es ist keine heile Welt, die Emma Donoghue in ihrem Roman schildert. Mary ist auch keine Heldin, die dem Leser ans Herz wächst, die trotz aller Widrigkeiten ihren Weg macht und dann doch noch vom Leben belohnt wird. Mary ist eine junge Frau, die für die Zeit, in der sie lebt, zu fortschrittlich denkt und sich mehr von der Scheibe des Glücks abschneiden möchte, als ihr die Gesellschaft zugestehen will. Dass sie damit zwangsläufig scheitern muss, ist zwar nicht Mainstream-tauglich, kommt aber der Realität sehr nahe. Genau das kann Emma Donoghue bieten: reale Beschreibungen einer Welt, die sich rasant in zwei verschiedene Richtungen entwickelt. Zum einen ist da die pompöse Welt der Reichen. Es wird der Buckingham-Palast gebaut und wer zur richtigen Gesellschaftsschicht gehört, dem stehen viele Türen offen. Hingegen entwickeln sich auch Elendsviertel. Menschen, die kaum genug zum Leben haben, müssen immer mehr ums Überleben kämpfen. Ihnen werden viele Steine in den Weg gelegt. Eine Entwicklung, wie Mary sie sich erträumt, ist nahezu ausgeschlossen. Die Welt, in der Mary lebt, entpuppt sich als gnadenlos und schmutzig. Und Emma Donoghue nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie erzählt, wie es sich wirklich angefühlt hat und lässt auf diese Weise das alte London auferstehen.

Antiheldin

Dass Mary - in ihrer ganzen Art gefangen zwischen Naivität, Ehrgeiz und Hoffnungslosigkeit - etliche falsche Entscheidungen trifft, ist verständlich. Umso mehr, als dass die Autorin hier sehr viel Empathie walten lässt und den Lesern eine hervorragende Führung durch die Psyche der jungen Frau bietet. Sie macht sichtbar, wieso Mary niemals Heldin sein kann, weshalb die junge Frau sich ihren Problemen nicht stellt, sondern sich zur klassischen Antiheldin entwickelt, die auch vor unlauteren Machenschaften nicht zurück schreckt. Das London von Emma Donoghue ist auch keine Welt der Reichen und Schönen - oder zumindest nicht ausschließlich. Es ist eine bittere und verwahrloste Stadt mit wenigen schönen Ecken, die hier beschrieben ist. Dass die Stadt immer stärker verkommt und die Gründung einer Polizei für London unumgänglich ist, erfährt der Leser erst im Verlaufe der Geschichte. Er muss sich von allen Illusionen befreien, sich auf ein tragisches Schicksal einlassen und sich von der Hoffnung verabschieden, die Hauptfigur möge zum Schluss doch noch ein versöhnliches Ende finden.

Sehr nahe gekommen

Das Buch lässt den Leser in einer düsteren Stimmung zurück, stimmt ihn nachdenklich und hinterlässt die eine oder andere Kerbe in der Seele. Emma Donoghue schreibt flüssig und leichtfüßig, holt den Leser ins Boot und lässt ihn mitfahren, nur um ihn später mit der ganzen bitteren Wahrheit zu konfrontieren. Die Autorin kommt ihrem Publikum sehr nahe, serviert ihm einen prächtigen, wenngleich belastenden Roman und hat einem Stück Geschichte ein Gesicht gegeben.

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