Der Duft von Hibiskus

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2013, Titel: 'Der Duft von Hibiskus', Originalausgabe

Couch-Wertung:

67
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Rita Dell'Agnese
Die Flucht vor dem blutigen Geheimnis

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2013

Kurzgefasst:

1858: Die junge Emma Röslin aus Süddeutschland verschlägt es ans andere Ende der Welt: in die australische Wildnis. Sie schließt sich den Botanikern Oskar Crusius und Carl Scheerer an, für die sie als Pflanzenzeichnerin arbeitet. Im australischen Busch beginnt die behütete Apothekertochter ein aufregendes und gefährliches Leben. Und für den Forschungsleiter Carl empfindet sie bald mehr als nur Bewunderung. Doch Emma wird immer wieder von bösen Träumen heimgesucht, die von dunklen Geheimnissen in ihrer Vergangenheit herrühren. Nur der Aborigine Yileen kann Emma helfen ...

 

Darauf vorbereitet, was sie erwartet, ist Emma Röslin nicht, als sie 1858 nach Australien reist. Doch die 22-jährige Apothekertochter aus Süddeutschland hat keine andere Wahl. Seit sie aus einem geheimnisvollen Koma erwacht ist und sich nur noch an viel Blut erinnern kann, ist sie ganz verstört. Ihre zuvor liebevollen Eltern haben sie kaum noch in ihrer Nähe ertragen und so greift Emma voller Hoffnung zu, als ihr der Botaniker Oskar Crusius die Möglichkeit bietet, eine Expedition als Pflanzenmalerin zu begleiten. Allerdings ist Expeditionsleiter Carl Scheerer alles andere als erfreut über Emmas Anwesenheit. Er ist davon überzeugt, dass eine Frau nicht in die Wildnis gehört. Seine Meinung scheint sich zunächst auch zu bestätigen: Emma stellt sich nicht gerade geschickt an - außer bei ihren Zeichnungen, die selbst den kompromisslosen Scheerer zu beeindrucken scheinen. Obwohl anfänglich überzeugt, mit Crusius eine neue Chance bekommen zu haben, muss Emma erkennen, dass der smarte Forscher auch ein persönliches Interesse an ihr hat - und bereit ist, dafür über Leichen zu gehen. Je mehr Avancen Crusius ihr macht, desto unwohler wird es Emma dabei. Doch sie fürchtet, ihre Anstellung bei ihm aufs Spiel zu setzen, wenn sie sich zu stark wehrt. Erst die Bekanntschaft mit Victoria Dunnings bestärkt Emma darin, ihrem Herzen zu folgen und einen anderen Weg einzuschlagen. Als Emma den Aborigine Birwain trifft, lernt sie, sich auch ihren dunklen Träumen zu stellen.

Unterschied herausgearbeitet

Die Autorin Julie Leuze schafft es, in ihrem Roman die Gegensätze der Welten von Süddeutschland und Australien sichtbar zu machen. Sie lässt ihre Protagonistin Emma mit einer für die Zeit eher typische Unbedarftheit in die unbekannte Welt stolpern. Allerdings findet sich die clevere junge Frau erstaunlich schnell zurecht. Es entspricht allerdings dem Bild, das Julie Leuze von ihrer Protagonistin zeichnet: Die junge Frau vereint alles an Attributen, die sie zu einer höchst klischeehaften Heldin machen. Es scheint, als gebe es nichts, was Emma nicht schaffen würde. Leider tut diese Makellosigkeit dem Roman gar nicht gut - im Gegenteil: Je schwärmerischer die Autorin mit ihrer Protagonistin umgeht, desto mehr verliert die Geschichte an Tempo. Da mag auch dieses düstere Geheimnis - erfahrene Leser ahnen sehr bald, worauf es hinauf läuft - nichts daran ändern. Nur wer sich vor Augen führt, wie die gesellschaftlichen Konventionen Mitte des 19. Jahrhunderts aussahen, wird Emma möglicherweise mit einem kritischeren Blick betrachten. Ein genaueres Hinsehen lohnt sich da alleweil - und auch eine Auseinandersetzung mit der höchst bigotten Gesellschaft.

Viele Klischees bedient

Leider ist Emma nicht die einzige Figur, die unter der klassischen schwarz-weiß-Zeichnung an Konturen verliert. Ob es sich nun um den strahlenden Helden Scheerer handelt oder um den zwielichtigen Crusius: Die Figuren lassen sich allzu schnell in eine Schablone einpassen und verharren dort bewegungslos. Dass da auch sehr viele Klischees angesprochen werden, versteht sich von selbst. Klischees, die nicht sein müssten. Julie Leutze hätte was zu erzählen und müsste sich an sich nicht hinter oberflächlichen Betrachtungen verstecken. Leider serviert sie den Leserinnen und Lesern auch eine Menge Wiederholungen, so dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, etliches kurz vorher schon mal gelesen zu haben. Das alles in seiner Zusammensetzung verhindert, dass sich Der Duft des Hibiskus in irgend einer Form von ähnlich gelagerten Artikeln abgrenzt. Julie Peters verschenkt hier eine große Möglichkeit.

Nette Lesestunden garantiert

Alles in Allem ist Der Duft des Hibiskus ein nettes Lesevergnügen rund um fremde Welten. Wer Auswanderer-Romane mag, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen, obwohl Emma Röslin ja nur als Expeditions-Teilnehmerin unterwegs ist. Mit viel Liebe zum Detail nimmt Leuze ihre Leser mit auf die Reise durch unbekannte Welten und zu einer Begegnung mit geheimnisvollen Menschen. Wer mehr Tiefe sucht, wird wohl da und dort zähneknirschend hinnehmen müssen, dass vieles sehr oberflächlich bleibt.

Der Duft von Hibiskus

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