Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • DuMont, 2012, Titel: 'The Teleportation Accident', Originalausgabe

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80

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Christina Wohlgemuth
Irre, abgedreht, überzeichnet - und in höchstem Maße unterhaltsam!

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Mär 2013

Kurzgefasst:

Deutschland in den 1930ern. Egon Loeser hat es nicht leicht. Der expressionistische Bühnenbildner ist nur einen Buchstaben vom Loser entfernt, und er weiß es. Die tollen Frauen kriegt alle Bertolt Brecht ab, den extrem paarungsbereiten Egon übersehen sie sträflich. Als er seine ehemalige Schülerin Adele Hitler (nicht verwandt oder verschwägert) nach Jahren wiedersieht, scheinen sich die Wolken zu lichten. Leider mutiert die achtzehnjährige Unschuld vom Lande zum nymphomanen Zentrum des Berliner Nachtlebens, um schließlich zu verschwinden nicht ohne vorher Brecht getroffen zu haben. Egons Obsession treibt ihn in die Absinth-Bars von Paris und die Geheimlabors von Los Angeles, immer auf den Spuren Adeles und dreier Geheimnisse, die es zu entschlüsseln gilt: Was hat es mit der geheimnisvollen Teleportation auf sich, die im 17. Jahrhundert fünfundzwanzig Theaterzuschauer das Leben kostete? Warum kriegt ein gut aussehender, kluger und vor allem bescheidener Kerl wie er ums Verrecken keine Frau ins Bett? Und was zum Teufel macht Brecht schon wieder hier?

 

Deutschland in den 30er Jahren. Egon Loeser, seines Zeichens Bühnenbildner, ist frustriert. Sein großes Projekt - eine Inszenierung von Lavicinis Teleportationsunfall - kommt nicht so richtig voran, die feine Kunstgesellschaft Berlins ist nur noch besoffen und unter dem Einfluss von Drogen zu ertragen. Und Bertolt Brecht kriegt alle Frauen ab, während Egon nach seiner letzten Beziehung eine Durststrecke durchleidet.

Die scheint vorbei, als Adele Hitler (nicht verwandt oder verschwägert mit einem Zeitgenossen) auftaucht, Loesers ehemalige Schülerin. Das auf den ersten Blick so unschuldige Mädchen entpuppt sich als wahre Nymphomanin, und Egon Loeser ist überzeugt: wenn er es schafft, bei Adele zu landen, wird alles wieder gut. Als Adele überstürzt nach Paris abreist, bleibt dem Bühnenbildner keine andere Wahl, als ihr zu folgen.

Eine stilistische Explosion mit allen (Neben-)Wirkungen

Ned Beauman hat schon mit seinem Roman Flieg, Hitler, flieg! gezeigt, dass er einen Hang zum Absurden hat. Das hat sich auch hier nicht geändert: eine Welt, die man nur alkoholisiert oder auf Kokain ertragen kann, in der der Held der Geschichte so wenig Held ist wie nur irgend möglich. Zwischen höchst philosophischen Abschnitten, die sich wirklich genießen lassen, prallen Dialoge, die so lebensecht und derb sind, dass man glaubt, in eine andere Welt zu rutschen.

Wer bereit ist, sich auf den speziellen Stil von Beauman einzulassen, wird ihn vermutlich mögen. Stellenweise fühlt man sich ein wenig an Monty Python erinnert: überzeichnet, abgedreht, ohne in Slapstick herabzugleiten. Und wie auch Monty Python dürften über Egon Loeser und seinen erstaunlichen Mechanismus die Meinungen auseinander gehen.

Ein historischer Roman?

Schwierigkeiten bereitet die Einordnung des Romans. Historische Elemente spielen - anders, als man es bei der Zeit erwarten könnte - nur eine sehr untergeordnete Rolle, da sich Egon Loeser überhaupt nicht für Politik interessiert. Sehr interessant dagegen ist die (wenn auch wahrscheinlich etwas überzeichnete) Darstellung der damaligen Kunstszene, die zwar viele Klischees erfüllt, aber trotzdem unterhaltsam ist: die großen Schriftsteller und Philosophen, die sich Wein, Weib und Gesang hingeben, Ideendiebstahl, Drogen und Alkohol.

Historisch macht es diesen Roman deswegen allerdings noch nicht. Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort ist philosophisch, historisch. Manchmal episodenhaft erzählt, doch nie ohne den großen Zusammenhang aus den Augen zu verlieren, hält Beauman die ganze Zeit eine unterschwellige Spannung aufrecht, die sich am Ende entlädt.

Trotz überzeichneter Figuren gelungen

Egon Loeser, Adele Hitler und all die anderen fiktiven wie historischen Charaktere sind vor allem eines: gnadenlos überzeichnet. Beaumans Figuren sind vielschichtig und gehen tief, ihre Handlungen schießen jedoch regelmäßig über das Ziel hinaus. Denn obwohl manch ein Leser mit den abgedrehten Figuren vielleicht nicht zu zurechtkommen wird - man wird das Gefühl nicht los, dass es seine Richtigkeit hat. Denn was haben normale Charaktere schon in einem solchen Werk verloren?

Ned Beaumans Roman ist grell, blinkend, überschäumend, philosophisch, spannend, schwarzhumorig und vor allem eines: unterhaltsam bis in die letzte Zeile.

Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort

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