Der letzte Paladin

  • Lübbe
  • Erschienen: Januar 2013
  • 2
  • Lübbe, 2013, Titel: 'Der letzte Paladin', Originalausgabe
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Carsten Jaehner
921001

Histo-Couch Rezension vonMär 2013

Die Rolandssage spannend neu erzählt

Kurzgefasst:

Anno 777. Für den jungen Frankenkrieger Roland ist es eine große Ehre, als er in den erlauchten Kreis der Paladine von König Karl aufgenommen wird; und sein Glück scheint perfekt, als Karl ihm die schöne Arima als Frau verspricht. Doch Arimas Herz gehört einem anderen: ausgerechnet Afdza Asdaq, dem Heerführer der Mauren - und damit einem Feind der Franken. Dennoch entwickelt sich zwischen den beiden Männern eine tiefe Freundschaft - bis sie einander in ihrer größten Schlacht als Feinde gegenüberstehen. Doch keiner der beiden ahnt, dass ihre Schicksale eng miteinander verbunden sind. Und dass Arima den Schlüssel zur Wahrheit in Händen hält...

 

Im Jahr 777 beschliesst König Karl, der später einmal Karl der Grosse genannt und zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt werden wird, die Anzahl seiner Paladine, Rittern mit besonderen Rechten, von neun auf zwölf zu erhöhen. Da zugleich einer der bisherigen Paladine aus Altersgründen seinen Platz für seinen Sohn räumt, wird es also vier neue Paladine geben. Einer von ihnen ist Karls Neffe Roland.

Rolands Leben scheint nun in geordneten Bahnen zu verlaufen, zumal er bislang noch nie eine Niederlage einstecken musste. Als Karl ihm die schöne Arima als Ehefrau verspricht, ist er besonders glücklich, doch verfolgt Karl damit besondere Pläne. Arima ist die Herrin von Ronceveaux, einem strategisch günstigen Posten in den Pyrenäen und somit Durchgangsstelle zwischen dem Frankenland und al-Andaluz, dem heutigen Spanien. Dies ist derzeit von Mauren besetzt, und Arima liebt ausgerechnet Afdza Asdaq, den Heerführer der Mauren, eine Liebe, die nicht sein darf.

Unglücklicherweise ist Arima Roland auch nicht unsympathisch, und zudem entwickelt sich zwischen Roland und Afdza auch eine Art Freundschaft. Doch durch Karls Willen, Arima Roland zur Frau zu geben, verliert Ronceveaux seinen neutralen Status und ein Krieg zwischen Franken und Mauren droht. Zudem drohen die Sachsen im Norden Karls Reich anzugreifen. Hat sich Karl verkalkuliert? Doch es gibt noch weitere Geheimnisse, deren Schlüssel unbewusst in Arimas Hand liegt und deren Aufdeckung alles auf den Kopf zu stellen droht.

Die Zeit Karls des noch nicht Großen

Richard Dübell widmet seinen neuesten Roman dem Ritter Roland, von dem viele vielleicht schon durch die Rolandssage gehört haben, aber sonst nicht viel mehr darüber wissen. Als junger Neffe von König Karl hat er bereits den einen oder anderen Kampf geschlagen und nie verloren, und hierin sehen viele auch seine Schwäche: Nicht zu wissen, wie man mit einer Niederlage umgeht. Er und sein Freund Remi, dessen Vater aus Altersgründen als Paladin zurückgetreten ist, werden zwei der vier neuen Paladine, die insbesondere für den Schutz des Reiches von Karl zuständig und befähigt sind.

Neben Roland gibt es in Amira von Ronceveaux und Afdza Asdaq zwei weitere Hauptfiguren in diesem Roman. Amira ist ein Mündel Karls und Herrin der Burg Ronceveaux, die aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage in den Pyrenäen ein Durchgangspunkt vom Land der Mauren ins Frankenland ist. Die Neutralität wird jedoch durch Karls Ankündigung, Amira mit Roland verheiraten zu wollen, aufgehoben. Amira findet Roland zwar nett und sympathisch und liebt ihn auch irgendwie, doch ihr Herz gehört jemand anderem.

Interessante Konstellationen

Afdza Asdaq ist ein ebenfalls junger Maure, der das Herz Amiras erobert hat und ihr auch die gleichen Gefühle entgegenbringt, was allerdings standesgemäß und über die Grenzen hinweg nicht sein darf. Daher sind Roland und Afdza Feinde, obwohl sie eigentlich beim Reichstag in Paderborn Freundschaft miteinander geschlossen haben. Das kann nicht gut gehen, zumal es absehbar ist, dass sich die beiden irgendwann in einer Schlacht gegenüberstehen werden.

Diese Dreierkonstellation ist aber nur ein Aspekt des Romans, den Dübell gewohnt sprachlich bunt und schillernd zu schildern weiß. Mit gelegentlich eingesprenkeltem Humor werden die drei Protagonisten sympathisch und doch mit Ecken und Kanten dargestellt. Sie beherrschen die Handlung, und immer wieder wird in den Handlungssträngen der drei gewechselt, auch dargestellt durch verschiedene Symbole in den kleinen Logos über manchen Kapiteln. Das ist klug durchdacht von Verlag und Autor, und viele werden es vielleicht gar nicht entdecken, daher hier der Hinweis darauf.

Spannend und lehrreich

Auch die Nebenfiguren wie Remi und Karl, aber auch Bischof Turpin und vor allem Rolands Mutter Bertha werden von Dübell treffend charakterisiert. Dazu kommen geheimnisvolle Fremde wie Chlodwig und geheimnisvolle Bekannte wie Abt Styrmi, der immer irgendwie im Hintergrund seine Fäden zieht und eine weitere Handlungsebene bedeutet. Es gibt Gute und Böse, aber auch viele Personen, die irgendwo dazwischen anzusiedeln sind. Zudem gibt es die Geschichte um Rolands toten Vater, die für ihn von hoher Bedeutung ist und dessen Tod für den Verlauf der ganzen Geschichte letztlich der Ursprung ist. Hier sind Machenschaften am Werk, die nicht leicht zu durchschauen sind.

Doch Dübell lotst seine Leser unfallfrei durch seinen spannenden Roman und lässt sie in ein achtes Jahrhundert eintauchen, das er plastisch und nachvollziehbar darstellt. Sowohl die Örtlichkeiten als auch Ereignisse wie der Reichstag in Paderborn werden authentisch dargestellt und bieten dem Leser eine runde Kulisse für den Roman. Dübell nutzt die alten damaligen Städte- und Ländernamen, die für heutige Augen ungewohnt sind, aber im Vorfeld des Buches aufgelistet sind, sodass man im Zweifelsfall immer wieder nachblättern kann. Auch sprachlich bleibt Dübell im historischen Rahmen, wenngleich er durch seinen Humor manchmal Gefahr droht, zu modern zu werden, allerdings fällt dies nicht ins Gewicht.

Gelungene Darstellung einer interessanten Geschichte

Der Roman wird neben der Ortsliste ergänzt durch eine Auflistung der wichtigsten hierarchischen Titel und einem vierzehnseitigen Nachtwort, das man als Ergänzung unbedingt mitlesen sollte. Zudem gibt es ein Literaturverzeichnis und eine Karte vorne und hinten im Einband und eine Danksagung. Erwähnenswert ist auch das aufwändig gestaltet Buchcover, das zwar den inzwischen viel herangezogenen Kirchenraum zeigt, aber einen Lichtschein auf ein Grab (Rolands?) fallen lässt, so dass es doch durchaus Bezug zum Roman hat.

Der letzte Paladin ist ein weiterer gelungener Roman aus der Feder Richard Dübells, der die meist nur vom Hörensagen bekannte Rolandssage in Romanform packt und der zudem einen interessanten Einblick in das achte Jahrhundert gibt, als Karl noch nicht Kaiser und noch nicht "der Grosse" genannt wurde. Ein Roman, der trotz Schlachten auch eine Liebesgeschichte enthält, die allerdings nicht zu schmalzig geraten ist, kurz, ein Roman für jeden Freund historischer Roman. Empfehlenswert.

Der letzte Paladin

Richard Dübell, Lübbe

Der letzte Paladin

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