Der Peststurm

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2013, Titel: 'Der Peststurm', Originalausgabe

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73

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Eva Schuster
Staufen inmitten von Pest, Morden und dem Dreißigjährigen Krieg

Buch-Rezension von Eva Schuster Mär 2013

Staufen im Jahr 1635: Der ehemalige Medicus Heinrich Schwartz, der in den vergangenen Monaten zahlreiche Einwohner vergiftet und ihnen die Pest vorgetäuscht hatte, wurde seiner Taten überführt und gehenkt. Sein Komplize, der Totengräber Ruland Berging, ist allerdings geflohen. Nachdem zwei Jungen auf dem Friedhof zufällig sein Komplott mit dem Medicus belauschten, sollten sie aus dem Weg geschafft werden - durch eine Verwechslung starben dabei jedoch die falschen Jungen, die Söhne des Blaufärbers.

Nachdem in Staufen nun wieder allmählich Ruhe einkehrt, kommt der Totengräber zurück in die Stadt. Zwar sind einige Bürger misstrauisch, doch seine Beteiligung an den Morden des Medicus wurde nie erwiesen. Inzwischen hat Berging begriffen, dass mit den Blaufärbersöhnen die falschen Jungen starben und dass tatsächlich die Söhne Diederich und Lodewig des Kastellans Ulrich Dreyling von Wagrain die unliebsamen Zeugen sind, die ihm gefährlich werden könnten.

Während Staufen durch den Dreißigjährigen Krieg bisher verschont geblieben ist, bricht dafür die Pest über die Stadt herein. Die zunehmende Panik lässt die Einwohner verrohen und Sündenböcke für ihr Leid suchen. Der Totengräber nutzt dies für ein einträgliches Geschäft und schmiedet insgeheim Pläne, wie er die Söhne des Kastellans aus dem Weg schaffen kann, ehe man ihm auf die Spur kommt. Die Familie des Kastellans ahnt nichts von der Gefahr, ebensowenig wie die jüdische Familie Bomberg mitsamt Lodewigs Verlobten Sarah - denn der hinterhältige Dorfschuster will die jüdische Familie um jeden Preis vernichten ...

Auf die falsche Pest folgt die richtige

Die Ereignisse knüpfen unmittelbar an die Geschehnisse aus dem ersten Band Die Pestspur an. Für das Verständnis des zweiten von vier geplanten Bänden ist es hilfreich, den ersten Roman zu kennen; allerdings präsentiert der Autor zu Beginn eine recht ausführliche Rückschau und ruft die wichtigsten Verwicklungen aus der Vergangenheit dem Leser ins Gedächtnis.

Für eine abwechslungsreiche Geschichte ist gesorgt, denn die Ereignisse überschlagen sich: Drei grundlegende Handlungsstränge bilden die Basis des Romans und sind eng miteinander verwoben: Zum einen dreht sich das Werk um den Ausbruch der Pest und die verheerenden Folgen für die Einwohner Staufens. Zum anderen darf man verfolgen, wie der Totengräber Berging versucht, die Söhne des Kastellans aus dem Weg zu räumen, ehe sie ihn verraten können. Berging ahnt dabei nicht, dass die Jungen lediglich Wortfetzen verstanden und nicht das ganze Gespräch belauscht haben. Der dritte Strang dreht sich um die Intrige des missgünstigen Schusters Hemmo Grob gegen die jüdische Familie Bomberg. Seit sie das eigentlich ihm zugedachte Haus zu einem günstigen Preis erwarben, verfolgt er sie mit Hass und dass es sich bei den Bombergs um Juden handelt, tut noch sein Übriges dazu. Nachdem der Medicus für seine Taten gehängt wurde, findet der Totengräber in dem Schumacher Hemmo Grob einen ähnlich verschlagenen Komplizen, der sich nur zu gerne mit ihm zusammenschließt, damit beide ihre finsteren Ziele erreichen.

Diesmal bricht die wirkliche Pest über Staufen herein und versetzt die Menschen in Panik. Zuvor hatten der Medicus und der Totengräber mittels Gift den kranken Einwohnern die Seuche vorgetäuscht und sich das Leiden und Sterben gut bezahlen lassen. Der Roman liefert ein detailreiches Bild einer von der Pest befallenen Stadt des 17. Jahrhunderts ab. Der Fokus liegt dabei auf den Veränderungen unter den Einwohnern. Nach dem ersten Entsetzen und der Trauer über ihre Verluste werden viele der Staufner zunehmend rücksichtsloser, Nahrung und Trinkwasser werden zu begehrten Gütern und das Gesetz des Stärkeren ist nunmehr maßgeblich. Die Verzweiflung der Bewohner grenzt bald an Wahnsinn - zunächst werden Hunde, Katzen, Ratten und Krähen verspeist, bis es schließlich zu Kannibalismus kommt. Die geschilderten Szenen mit den verwesenden Kadavern und Leichenteilen in den Straßen und den frisch verstorbenen Toten, die hastig zum Verzehren in die Häuser gezerrt werden, bewegen das Gemüt des Lesers. Jakob Bomberg ahnt zudem früh, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Juden für diese Katastrophe verantwortlich gemacht werden und soll Recht behalten - so herrscht in Staufen bald nicht nur die Angst vor der Pest, sondern auch der Hass gegen die jüdischen Mitbürger.

Spannung und überzeugende Recherche

Die ausgiebige Recherche des Autors wird auf zahlreichen Seiten des Romans deutlich. Seien es medizinische Erläuterungen zu den Behandlungsmethoden, der Alltag im Dorf, die Arbeiten des Kastellans und anderer Einwohner sowie die zeitgeschichtlichen Umstände werden ausgiebig geschildert. Historische Begriffe erfahren im Anhang eine Erläuterung, ein Grundriss von Schloss Staufen und eine Übersicht zu Staufen im 17. Jahrhundert verhelfen zu einer guten bildlichen Darstellung. Auch die dramatis personae, unter denen es beispielsweise den Kastellan, Jakob Bomberg oder den Ortspfarrer Johannes Glatt tatsächlich gegeben hat, werden im Anschluss ausführlich beschrieben, sodass der Leser stets den Überblick behält.

Neben dem historischen Hintergrund überzeugt auch der Spannungsfaktor des Romans. Die Machenschaften des Totengräbers und des Schumachers schweben stets wie ein Damoklesschwert im Hintergrund; schließlich geschieht ein Mord, der als Unfall aufgefasst wird. Der Leser verfolgt gebannt die weiteren Entwicklungen und kann nie sicher sein, ob nicht eine sympathische Figur das zeitliche segnet - schon im Vorgängerband hat der Autor bewiesen, dass er nicht nur Unsympathen sterben lässt.

Gewöhnungsbedürftiger Erzähler

Licht und Schatten gibt es dagegen bei den Charakteren. Gelungen ist die Familie des Kastellans mit dem gutmütigen Ulrich als Oberhaupt und seiner energischen Ehefrau Konstanze als Gegenpol. Lodewig ist nach wie vor glücklich mit Sarah Bomberg liiert und die beiden erwarten zu ihrer Freude ein Kind. Dabei wird nicht nur das Glück der beiden thematisiert, sondern auch die Brisanz der Verbindung eines christlichen Mannes mit einer jüdischen Frau, die auch bei Sarahs Eltern bei aller Fürsprache eine gewisse Besorgnis hervorruft.

Zu einseitig ist hingegen ist die Präsentation der Verbrecher, die in jeder Hinsicht missraten und unsympathisch erscheinen und gerne etwas charismatischer hätten sein dürfen. Der Erzähler wird nicht müde, immer wieder die Schlechtigkeit und Hässlichkeit der Bösewichte herauszustellen und geht dabei wenig subtil vor. Obgleich der Leser durch die Taten der Verbrecher nur zu gut um ihren Charakter weiß, wird stets aufs Neue betont, wie scheußlich, heruntergekommen und skrupellos sie sind oder im Fall des gehenkten Medicus waren. Der auktoriale Erzähler gibt auffallend oft wertende Kommentare ab, die leicht als Bevormundung aufgefasst werden können und den Lesespaß auf Dauer mildern. Bestimmte Ausdrücke wie "die Schweinerei" für die mörderischen Verbrechen klingen zudem zu umgangssprachlich für einen Romanerzähler. Ab und an mischen sich auch überflüssige Füllwörter wie "schlicht und ergreifend" hinein, die eher an einen mündlichen Erzähler erinnern.

Der Peststurm ist ein historisch sehr fundierter Roman, der ins Staufen des 17. Jahrhunderts entführt. Die zeitgeschichtlichen Umstände überzeugen, auch eine spannende und abwechslungsreiche Handlung wird geboten. Der Stil des Erzählers ist hingegen durch seine häufigen expliziten Wertungen leicht gewöhnungsbedürftig und die negativen Charaktere wirken etwas zu sehr schablonenhaft.

Der Peststurm

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Letzte Kommentare:
18.09.2014 17:26:45
E. Brux

Dieser Roman stellt nach der ›Pestspur‹, dem Debütwerk des kosmopolitischen Autors, der aus Süddeutschland stammt und in Belgien lebt, ein zusätzliches grandioses Lesevergnügen dar. Wie bei seinem Vorgängerband konnte ich mich derart in die schlimme Zeit des 17. Jahrhunderts hineinversetzen und brachte es immer nur schweren Herzens fertig, mit dem Lesen aufzuhören. Bernhard Wucherer könnte man fast schon einen 'Pestexperten' nennen, der es trefflich versteht, seine zunehmende Leserschaft in seinen Bann zu ziehen. Die Geschichte ist so glaubwürdig dargestellt, dass sie sich so hätte abgespielt haben können … oder hat sie das gar?
Wenn es mich an manchen Stellen so richtig gegruselt hat, haben mich die familiären Szenen im Schloss Staufen so richtig entspannen lassen. Mit viel Gefühl wurden vom Autor gezielt Emotionen freigelegt. Ich freue mich schon auf den nächsten Roman dieses genialen Autors.