Die schöne Philippine Welserin

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2013, Titel: 'Die schöne Philippine Welserin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:89
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":1,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Eine Liebe zwischen Himmel und Abgrund

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2013

Kurzgefasst:

Die Bürgerstochter und der Kaisersohn: eine verbotene Liebe, die im 16. Jahrhundert alle Standesgrenzen sprengt und am Hof der Habsburger Skandal über Skandal heraufbeschwört. Philippine Welser und Ferdinand II. verlieben sich, heiraten heimlich und bekommen vier Kinder. Doch je stärker ihre Verbindung wird, desto größer werden auch die Widerstände. Schließlich erkrankt Philippine an einem unheilbaren Leiden. Man munkelt, sie sei vergiftet worden...

 

Sie ist eine Bürgerliche, er ein Kaiser-Sohn: Als im 16. Jahrhundert der Lieblingssohn des Kaisers, Ferdinand, der schönen Philippine begegnet, ist es um die beiden geschehen. Im Wissen darum, dass sein Vater ihm nie die Zustimmung zur Heirat geben würde, heiratet Ferdinand seine Angebetete heimlich. Doch das bleibt nicht ohne Folgen. Auf Philippine und ihre Kinder - aus der Liebe der beiden entspringen vier Kinder - gibt es immer wieder Anschläge, ohne dass Philippine erkennen kann, wer ihr nach dem Leben trachtet. Je tiefer sich das Ehepaar verbunden ist, desto schwieriger wird die Situation. Schließlich muss Philippine kapitulieren - das Gift zerstört sie langsam. Bevor sie sich dem drohenden Tod ergibt, wird ihr plötzlich klar, wer ihr das Gift verabreicht hat ...

Überzeugender Aufbau

Brigitte Riebe bleibt ihren Lesern nichts schuldig: Sie zeichnet das Bild einer Liebe, die sich stets zwischen Himmel und Abgrund bewegt. Undenkbar, dass der Kaiser die Ehe seines Sohnes mit einer Bürgerlichen anerkennt! Und doch ist Ferdinand nicht nur durch sein Herz, sondern auch durch den Vertrag an seine Frau gebunden und kann damit keine der vorgeschlagenen, staatspolitisch sinnvollen, Ehen eingehen. Obwohl sie stellenweise mit Meilenstiefeln davon eilt, baut die Autorin ihre Geschichte überzeugend auf. Sie lässt Philippine zu Beginn viel Raum, um sich den Lesern vorzustellen und deren Sympathie zu erringen. Nach und nach rafft sie das Geschehen aber und lässt die Geschichte im Schnellzugtempo abspulen. Das ist sehr bedauerlich und stellt einen eigentlichen Bruch in der schönen Sprache dar, in der die ersten Kapitel erzählt sind.

Nett, aber nicht unbedingt nötig

Eine nette Idee ist das Einflechten von Pflanzenkunde in den Roman. Zwar untermalt Brigitte Riebe damit das Wissen ihrer Heldin Philippine in Sachen Heilkunde. Doch stellen Bilder und Beschreibungen lediglich eine interessante Ergänzung, nicht aber einen unverzichtbaren Beitrag dar. Hier wäre ein Plus an Geschichte mehr Dienst am Leser gewesen. Trotz allem aber hat die Gestaltung des Buches durch die Pflanzenskizze einen hohen Wert und zeichnet sich im positiven Sinne von den durchschnittlichen Präsentationen ab.

Gelungene Gefühlswelt

Eine unbestreitbare Stärke des Romans ist die Figurenzeichnung. Zu keinem Zeitpunkt wird Philippine verherrlicht, doch sie wächst dem Leser schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit ans Herz. Wohl gerade deshalb, weil sie ganz ein Kind ihrer Zeit und gesellschaftlichen Schicht ist. Von Anfang an ist sich die Bürgerstochter bewusst, dass die Liebe zum Kaiser-Sohn an sich nicht sein darf. Dass sie dennoch alle Bedenken über Bord wirft, entspricht dem Verhalten eines liebenden Menschen - zumal diese Liebe von Ferdinand erwidert wird. Ausgezeichnet gelungen sind aber nicht nur die Hauptprotagonisten, sondern auch die Nebenfiguren. Sehr schön arbeitet die Autorin die einzelnen Charaktere heraus, gibt ihnen Gewicht und lässt sie im Kontext mit der ganzen Geschichte handeln. Dass sie sich gut in ihre Figuren hineinzusetzen vermag, beweist Brigitte Riebe nicht zuletzt durch die starke Schilderung der Gefühle, mit denen Philippine zu kämpfen hat. Es ist alles da an Gefühlschaos, das eine Frau in ihrer Situation wohl normalerweise erlebt. Nicht ganz im selben Masse - aber noch immer sehr gut gelöst - gilt das auch für die anderen Figuren.

Die schöne Philippine Welserin ist ein historischer Roman, der diese Bezeichnung ohne Wenn und Aber verdient. Die Autorin hat die Atmosphäre gut eingefangen und gibt eine interessante gesellschaftliche Betrachtung des 16. Jahrhunderts wieder. Sie erzählt zudem eine schöne Geschichte, die zwar einige Krimi-Elemente und mystische Einwürfe erlebt, in ihrer Gesamtheit aber eine interessante geschichtliche Basis hat und dem Leser wesentlich mehr bietet, als nur gerade Liebe und Leiden.

Die schöne Philippine Welserin

Die schöne Philippine Welserin

Deine Meinung zu »Die schöne Philippine Welserin«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
09.07.2013 13:08:02
Robert Bögle

Eine schwierige Liebesbeziehung wird über viele Lebensjahre und Entwicklungsprozesse der beteiligten Personen und des Paares einfühlsam beschrieben - keine leichte Kost, denn auch die Probleme und Hindernisse werden aufgezeigt. Man spürt auch die politischen und zeitgeschichtlichen Grenzen und Möglichkeiten der Handelnden und bekommt so einen tiefen Einblick in diese Kultur.

12.06.2013 14:22:58
Berni

Die schöne Philippine Welserin, ist nicht nur ein weiterer historischer Roman der Schriftstellerin Brigitte Riebe, sondern noch dazu ein Kriminalroman. Bevor ich mit dem Buch anfing, hatte ich noch keine genaue Vorstellung was mich erwartet, weil ich bisher nur historische Romane ODER Krimis gelesen habe, da ich aber noch nie von der Autorin enttäuscht wurde, war ich sehr gespannt.
Fazit: Ich hab es in kürzester Zeit verschlungen.
Das erste besondere sind schon mal die Heilkräuter, die der Schlüssel zu dem Verbrechen sind, die sich durch jedes Kapitel ziehen und man selber dabei noch was lernt.
Das zweite ist, dass man (wie in jedem Roman von BR) völlig gefesselt von der Hauptperson ist, man wird mitgerissen in deren Gefühlswelt und es kommt einen so vor, als ob man sie schon ewig kennen würde.
Als letztes will ich hervorheben, dass wie immer alles hervorragend recherchiert wurde, und vieles auch belegbar ist.
Alles in allem war ich total begeistert und freue mich schon auf den nächsten Roman!

05.06.2013 16:18:53
€nigma

Inhalt

Der historische Kriminalroman schildert das Leben der Augsburger Kaufmannstochter Philippine Welser (1527 - 1580) zwischen 1556 und 1580. Der Prolog spielt auf Schloss Ambras bei Innsbruck im Jahre 1580, Philippine ist schwer krank (vergiftet?) und liegt im Sterben. Sie lässt noch einmal ihr Leben ab dem 1556, als sie sich in den Kaisersohn Ferdinand (Erzherzog Ferdinand II von Habsburg 1529 - 1595 ) verliebte, Revue passieren.
Der Hauptteil schildert ihre sich vertiefende Liebesbeziehung zu Ferdinand, die sich unter der Obhut ihrer Tante Katharina von Loxan auf Schloss Bresnitz entfaltet. 1557 heiraten Ferdinand und Philippine heimlich. Weil Philippine jedoch als Bürgerliche nicht ebenbürtig ist, muss sie ein zurückgezogenes Leben führen und ihre eigenen Kinder als sogenannte "Schwellenkinder" (angebliche Findelkinder, die als Neugeborene auf ihrer Türschwelle abgelegt wurden) "adoptieren". Insgesamt bekommt sie vier Kinder: die Söhne Andreas und Karl, sowie ein Zwillingspärchen, das im Kleinkindalter verstirbt. Die Ehe zwischen Philippine und Ferdinand verläuft harmonisch, ist aber überschattet durch die Anfeindungen durch Ferdinands Umfeld. Den meisten Leuten gilt seine Frau als "Buhlerin" und die Kinder als "Bastarde". Erst nach zwanzigjähriger Ehe werden die überlebenden Söhne vom Papst als ehelich eingestuft, sodass sie zumindest ein berufliches Fortkommen haben.
In diesem Roman, der laut der Autorin ausdrücklich keine Biographie ist, trachtet man Philippine sogar nach dem Leben, teilweise aus persönlichen Motiven, größtenteils aus politischen Gründen, damit Ferdinand für eine dynastische Verbindung frei wird...

Persönliche Beurteilung

Auch wenn dieses Buch ein historischer Krimi mit fiktiven Elementen ist, bemerkt man die gewohnt gründliche Recherche der Autorin, die sich intensiv mit dem Leben der Welserin beschäftigt hat. Die meisten Romanfiguren sind historisch und deren Charaktere sind wirklichkeitsgetreu angelegt. So hat Philippine Welser tatsächlich ein Kochbuch und ein Buch über Heilkräuter hinterlassen. Ursprünglich stammen diese Schriften zwar von ihrer Mutter Anna Welser, die Tochter hat sie aber mit persönlichen Aufzeichnungen weitergeführt und mit den darin beschriebenen Heilkräutern aus ihrer eigenen Apotheke die (ärmere) Bevölkerung um Schloss Ambras herum behandelt. Der Leser erfährt Interessantes über den Nutzen und die Gefahren der damals gängigen pflanzlichen Therapien.
Die beiden Erzählstränge (Erzählung in der dritten Person aus Philippines Perspektive einerseits und fiktives Tagebuch andererseits) ergänzen einander perfekt und erlauben es, quasi in die Haut der Titelheldin zu schlüpfen, sich mit ihr an ihrer harmonischen Familie zu freuen und mit ihr um ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder zu bangen.
Äußerst gelungen ist die Aufmachung dieses Romans, der jeweils zu Kapitelbeginn einem altertümlichen Heilkundewerk gleicht, tatsächlich sind die Abbildungen zwei solchen Schriften von 1543 und 1737 entnommen worden. Im vorderen und hinteren Einband findet man das "Autogramm" der Phylipina Welserin sowie erneut die Abbildungen der diversen (Un-)Heilpflanzen.
In einem historischen Nachwort äußert sich die Autorin ergänzend zu Fakten und Daten, Dichtung und Wahrheit. Ein Stammbaum der Habsburger und der Welser wäre noch eine sinnvolle Ergänzung gewesen.

Fazit

"Die schöne Philippine Welserin" ist ein gut recherchierter, mit fiktiven Krimi-Elementen versehener Roman über das Leben der gleichnamigen Augsburger Patriziertochter, die in den Hochadel einheiratete. Neben der fesselnden und anschaulichen Erzählweise besticht er durch seine außergewöhnlich schöne optische Gestaltung. Sehr lesenswert für Freunde guter historischer Romane!

20.04.2013 13:54:10
Antje

Seit 1994 sind 21 Bücher der 1953 geborenen, promovierten Historikerin, einstigen Museumspädagogin und ehemaligen Verlagslektorin veröffentlicht worden. Allesamt historisch wenden sie sich teils an ein jugendliches Publikum, größtenteils jedoch an erwachsene Leser. Als freie Autorin begann Griebe allerdings bereits vier Jahre vorher. Und im Grunde sind die eben erwähnten Romane, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, auch nur ein Teil ihrer Arbeit. Denn unter den Pseudonymen Lara Stern und Felicitas Gruber (hier in Zusammenarbeit mit Gesine Hirsch) verfasste sie zudem bislang mindestens 9 veröffentlichte Krimis.

Gerade liegt der aktuelle Roman der Autorin vor mir. Bei dem ist mir etwas passiert, was äußerst selten vorkommt. Das in Pink gehaltene Hintergrundmotiv des Covers löste seltsamerweise mehrmals den Reflex aus, das Buch auf meinem SuB nach unten zu packen, kaum dass es oben lag. Wie auch immer, es dauerte etwas, bis ich mich an die Lektüre machte. Und obwohl ich mit der Farbe besagten Covers noch immer meine Probleme habe, hat mir der Inhalt wie gewohnt (ent-)spannend-unterhaltsame Lesestunden beschert. Schön fand ich übrigens die Gestaltung der Kapitelanfänge, die verschiedene Kräuter zeigen und beschreiben. Dies geschieht nicht willkürlich. Jede der so vorgestellten Pflanzen spielt im anschließenden Kapitel eine Rolle und stellt somit einen Bezug zur Geschichte her.

In der geht es um eine ertrotzte Liebe mit einem Habsburger. Falsch liegt allerdings, wer dabei sofort an Elisabeth Amalie Eugenie, auch Sisi, Sissi oder Lisi genannt, denkt. Die mag zwar auch nicht für Franz Josef vorgesehen gewesen sein, lebte aber erstens wesentlich später und zweitens verrät ja schon der Titel, das es um jemand anderen geht.

Der Roman beschreibt vielmehr das Leben der Patriziertochter Philippine (kurz Pippa) Welser, die von der Öffentlichkeit nur als Geliebte eines kaiserlichen Thronfolgers betrachtet wurde, obwohl sie tatsächlich, wenn auch heimlich, mit ihm verheiratet war und mehrere gemeinsame Kinder zur Welt brachte. Der sich aus dieser Ehe ergebende Status rief neben Bewunderern etliche Neider und Widersacher auf den Plan. Das Leben Philippineses war geprägt von dieser unerlaubten Liebe, Glück und Trauer (nicht alle ihre Kinder erreichten das Erwachsenenalter) und beständiger Angst. Sie wusste nicht, wem sie trauen konnte, fürchtete sich vor Giftanschlägen. Herauszufinden, wer Freund oder Feind war, beeinflusste ihren Alltag. Bevor man allerdings etwas darüber erfährt, beginnt der Roman zunächst mit Philippines Ende, im Zuge dessen sie sich an ihr Leben erinnert.

Das Buch wird im Genre historischer Kriminalroman angeboten. Obwohl tatsächlich mehrere Personen sterben und Giftanschläge eine Rolle spielen, würde ich es dennoch persönlich eher von einer historischen Liebes- bzw. Lebensgeschichte sprechen, deren dominierendes Kernstück Philippine ist. Tatsächliche Aufklärung, wie ich sie in einem Krimi erwarte, findet nicht statt. Es bleibt offen, ob die Anschläge auf Pippa und ihre Kinder politisch motiviert oder eher durch Eifersucht begründet waren. Nebenbei erwähnt, Philippine Welserin ist nicht frei erfunden. Das Covermotiv zeigt ein Gemälde der echten Philippine Welserin. Auch die übrigen Charaktere sind nicht rein fiktiv. Vielleicht wirken sie deshalb alle so echt und facettiert? Obwohl das Buch keine Biografie der historischen Persönlichkeit ist, hat die Autorin zahlreiche Rechercheergebnisse in die Geschichte eingeflochten. Sie fügt in einem Nachwort ergänzende Daten und Tatsachen an und lässt sich darin auch über Fiktion und Wirklichkeit aus.

Die reale Philippine fiel bereits früh durch ihre Schönheit ebenso auf, wie durch ihr Interesse an naturwissenschaftlichen Dingen und kaufmännischen Angelegenheiten. Und auch Griebe stellt Pippa klug und gebildet, und das nicht nur auf die Pflanzenheilkunde bezogen, dar. Als eine Frau, die angesichts der heimlich gehaltenen Beziehung und dem Wunsch eine gute Frau und Mutter zu sein, zu zerbrechen drohte. Die, wie bereits erwähnt und durchaus berechtigt, Angst hatte, beiseite geschafft zu werden und dennoch die glücklichen Momente im Kreise ihrer Familie genießen konnte. Die mit Intrigen und Schicksalschlägen kämpfen musste, ohne sich wirklich unterkriegen zu lassen. Angesichts aller Erlebnisse, wirkt der Roman in weiten Teilen recht schwermütig.

Griebes Erzählstil lässt einen leicht in die Geschichte eintauchen. Einerseits hat sie Dialoge der damaligen Zeit (16. Jahrhundert) angepasst, andererseits eine einfache Sprache gewählt. Dass sich auch mit einer solchen eine dichte, aber nicht zu üppige, und authentische Hintergrundatmosphäre weben lässt, beweist die Autorin nicht zum ersten Mal. Andererseits nehmen LeserInnen aus verschiedenen Perspektiven am Geschehen teil. Es gibt Tagebuchpassagen, in denen Pippa direkt zu Wort kommt und Kapitel in denen alles von einem Erzähler aus Pippas Sicht vermittelt wird. Das sorgt dafür, dass der Roman lebendig wirkt. Man kann mitfiebern und -fühlen.

Bei vielen historischen Romanen, die sich über mehrere Jahrzehnte ziehen und dabei auf eine Person fokussiert sind, habe ich für gewöhnlich das Gefühl, dass etwas fehlt bzw. einfach übersprungen wird, während andere Dinge zu ausführlich dargestellt werden. Nicht so in Griebes Roman Die schöne Philippine Welserin. Ausgewogen rollte sich das Leben Pippas vor meinem Augen auf und ließ nicht zu, dass ich das Buch aus der Hand legte.

Fazit:

Eine geschickte Auswahl an fiktiven und historischen Begebenheiten, die harmonisch und schlüssig, auf unterhaltsame und spannende Art miteinander verknüpft wurden. Das Porträt einer klugen Frau, die allen Intrigen und Widrigkeiten zum Trotz ihre Liebe zu einem der österreichischen Thronfolger auslebte. Dafür möchte ich vier von fünf Punkten vergeben.

Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

17.04.2013 11:32:46
Francesca

Brigitte Riebe ist wieder einmal ein wunderbares Buch gelungen: zu ihrem Thema "starken Frauen" fügt sie eine weitere hinzu, Philippine Welserin, heute noch manchen bekannt durch ihr Kochbuch, das aber , wie wir erfahren, nicht von ihr, sondern ihrer Mutter stammt. Brigitte Riebe schreibt, wie sie betont, keine Biographie, bringt den Leser aber ganz nah an dieses leben einer faszinierenden Frau, die von der schönen Philippine zu der Mutter von Tirol wird. Ein Leben zwischen den Extremen ihrer großen - eigentlich standesmäßig völlig unmöglichen- Liebe zu Ferdinand, dem Kaisersohn, der diese Liebe auch - gegen alle Widerstände- lebt ( durch liebevolle Details geschildert) und den ständigen gegen sie gerichteten Verleumdungen und Bedrohungen ihres Lebens. Was für eine Stärke steckt in dieser Frau, und der Leser wird richtig mit hineingezogen in ihren Weg, mit ihr zu lieben und zu leiden. Eingebettet in die detailreiche, vielfältige und liebevolle Schilderung dieser Zeit, der Menschen und ihrer Möglichkeiten, sowohl des Adels als auch der einfachen Bevölkerung. Es sprengt den Rahmen dieser Meinungsäußerung, auf alle Nebenstränge einzugehen, obwohl sie alle es verdient hätten. Also: selber lesen!
Und außerdem - last but not least- steckt in diesem Buch ein zweites, ein Heilkräuterbuch, das, wunderschön in der Aufmachung, die Heilkräuter abbildet und ihren Nutzen erklärt. Klar, daß jeweils ein Bezug dann auch zur folgenden Geschichte folgt, hier stecken die Mittel, die Gifte, die das Buch zum "historischen Kriminalroman" machen. Eine Meisterleistung in der Idee und Durchführung, finde ich! Und zum Schluß noch ein Tip: blühender Rosmarin, suchen Sie im Buch, wofür das gut ist.......

11.04.2013 13:59:21
monica windthorst

Der klangvolle Titel des neuen Titels von Brigitte Riebe hält was er verspricht: Eintauchen in eine andere Zeit, spannend, bewegend und sehr berührend geschrieben.
Die Autorin hat der berühmten Augsburger Tochter ein nachhaltiges Denkmal gesetzt - ein tolles Buch zum Selberlesen und zum Verschenken!
Monika

10.04.2013 16:08:24
Manu Fleißer

Hat mir Spaß gemacht, dieser historischen Figur ganz nah zu kommen und so einiges über ihr Innenleben zu erfahren. Hat mich unterhalten, über die höfische Welt in der Mitte des 16. Jahrhunderts zu erfahren. Hat mich gefreut, dass die Habsburger dabei nicht allezu gut wegkamen ...
ein Roman voller Poesie, Leidenschaft, Sensibilität, der garantiert noch länger in mir nachwirken wird.
Keine Ware "von der Stange", sondern etwas Besonderes, das in Erinnerung bleibt.

24.03.2013 12:02:56
Sandra

Frau Riebe hat mir ja schon viele schöne Lesestunden beschert, mit ihrem neuestes Buch über Philippine Welser, liebevoll Pippa genannt, ist ihr für mich mit Abstand ihr Bestes Buch gelungen.
Die historische Person Philippine Welser war mir schon vorher bekannt, umso mehr habe ich mich auf das neue Buch von Frau Riebe gefreut.
Das Heilkräuter auch in Brigitte Riebes Büchern naturgemäß vorkommen ist klar, hier hat die Autorin eine völlig neue Idee umgesetzt. Diese habe ich noch in keinem historischen Buch auch nicht von anderen Autoren gesehen/gelesen. Philippine Welser, hat seit Kindheit an von Ihrer Mutter sehr viel über Heilkräuter u. deren Anwendungen gelernt und dieses Wissen zeitlebens vertieft, somit hat es auch in ihrem Leben besonders dann auf Schloss Ambras in Tirol eine wichtige Rolle gehabt.
Frau Riebe hat dem in jedem Kapitel Raum gegeben, in dem sie diese mit der Vorstellung eines Heilkrautes in gezeichneter Form beginnt und den Beschreibungen dessen unterteilt in positive und negative Wirkungen. Diese wiederum lässt sie geschickt in die Handlung mit einfließen, sodass das jeweils vorgestellte Heilkraut im Kapitel seine Wirkungen, ob positiv oder negativ, immer wieder aufs neue die Geschicke von Mensch & Handlung lenkt. Dies zieht sich wie ein Faden durch das gesamte Buch, damit war es für mich immer besonders spannend, welchen Handlungseinfluss das jeweilige Kraut nun wieder haben wird.
Historisch wie immer fundiert recherchiert, die belegten Handlungen & Personen mit großen Geschick und Liebe fürŽs Detail kombiniert, hat die Autorin mit einer liebevoll umwobenen z.T. fiktiven Handlung (meine Liebling ja der Hund Zit) in eine für mich der schönsten Leseerlebnisse der letzten Jahre umgesetzt.
Einziges Manko, viel zu früh mit nur knapp über 300 Seiten geht die Reise mit Pippa zu Ende. Liebe Frau Riebe da hätten ich mir noch viel mehr Seiten gewünscht, aber so ist es manchmal, wenn es am Besten ist soll man ja bekanntlich aufhören,...
Und das nächste Buch kommt ja bestimmt, inzwischen werde ich mal Schloss Ambras und Pippas Badelandschaft" einen Besuch abstatten.

22.03.2013 21:13:50
Hedwig

Dieser neue historische Roman von Frau Riebe hat mir sensationell gut gefallen , weil es für mich Lesevergnügen pur war, weil es spannend ist wie ein Krimi und gleichzeitig in die Tiefe geht, weil es interessanten historischen Hintergrund bietet und von Menschen erzählt, die einen für die damalige Zeit wirklich besonderen Weg gehen, ein Mitglied der Kaiserfamilie liebt eine nicht gleichgestellte Frau, das war ein Unding zu dieser Zeit (vielleicht heute noch?) und wurde weder von der Kaiserfamilie noch von der Gesellschaft gut geheißen, ein schwerer Weg für die Liebenden ist also vorprogrammiert.

Ich finde in dem Roman nicht nur die Person der Philippine nachvollziehbar dargestellt mit ihrer Liebe, ihren Sorgen und vor allem ihren Ängsten, ihren Verlusten und dem ältesten Feind der Frauen überhaupt, dem älter werden und den damit verbundenen Ängsten, den geliebten Mann dadurch zu verlieren, vor allem wirklich gut dargestellt finde ich aber auch die Person des Erzherzogs Ferdinand II von Habsburg.

Zumindest in dem Roman steht er zu seiner Liebe, zu seiner Frau und seinen geliebten Kindern, setzt seine Liebe durch und hält zu ihr, bis zum Tod. Vermutlich war dieser Mann wirklich so stark und hat zu seiner Liebe gestanden, damals wohl eine Seltenheit.

Das Thema wäre auch gut für einen kitschigen Liebesroman, aber so etwas kommt für Frau Riebe natürlich nicht in Frage, sie hat vielmehr einen wunderschönen Roman über eine große Liebe mit all den damit verbundenen Schwierigkeiten und Tiefschlägen geschrieben und eine Spur Krimi hineingepackt, sodass das Buch nicht nur sehr berührend ist, sondern super spannend.

Frau Riebe ist eine sehr vielseitige Autorin und verfügt soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, über massives historisches Wissen, immer sind ihre Romane perfekt recherchiert, aber das alleine macht nicht den Reiz ihrer Bücher aus.
Sie ist eine Künstlerin, sie kann Stimmung beim Lesen erzeugen und den Leser schlicht weg mit reißen in eine andere Welt. Sie ist für mich eine der wirklich tollen Schriftstellerinnen und hat mich noch mit keinem einzigen ihrer Romane enttäuscht.
Dass sie nun auch schon in diversen Verlagen tätig ist, zeigt für mich dass sie flexibel und immer für neues aufgeschlossen ist, der Gmeiner Verlag hat für mich den Vorteil, dass die Bücher immer eine besonders schöne Aufmachung samt passenden Lesezeichen haben, aber leider werden die Romane dort aus mir nicht bekannten Gründen relativ kurz gehalten, in dem Fall hätte ich auch noch einige hundert Seiten mehr über die schöne Philippine Welserin lesen wollen.

Ich hoffe, Frau Riebe bleibt bei ihrem Stil und hoffentlich erscheint bald wieder so ein wundervoller Roman von ihr.

LG Hedwig

19.03.2013 14:07:05
Svanvithe

Die Kaufmannstochter Philippine Welser ist 30 Jahre alt, als sie heiratet. Das ist für das 16. Jahrhundert ziemlich spät. Dazu kommt, dass ihr Ehemann nicht irgendwer ist, sondern Ferdinand, der (Lieblings)Sohn des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Ferdinand I. und damit aus dem Hochadel stammt. Zwischen beiden ist es jedoch die große Liebe, und sie wird bis zum Tode von Philippine halten. Wegen der bürgerlichen Herkunft der jungen Frau muss die Ehe bis zu ihrer öffentlichen Aberkennung allerdings viele Jahre geheim gehalten werden. Die geborenen Kinder werden als sogenannte Schwellenkinder zunächst "ausgesetzt" und dann an Kindes Statt angenommen...

Wieder ein Buch von Brigitte Riebe über eine starke Frau. Eine, die tatsächlich gelebt hat und die würdig ist, "Heldin" eines Romans zu sein.

Denn die Autorin erzählt keine Biografie, obschon ja die meisten Personen der geschilderten Ereignisse historisch belegt sind. Dabei zieht sich wie ein roter Faden der Versuch, Philippine mittels Gift zu ermorden, durch den Roman, weswegen er wohl als historischer Kriminalroman erschienen ist. Das Buch ist in meinen Augen jetzt nicht unbedingt der klassische Krimi, jedoch kann die Autorin Spannung aufbauen und diese bis zum Ende gut halten.

Insgesamt überwiegen die traurigen Ereignisse im Leben der schönen Philippine. Die wenigen Momente des Glücks mit dem geliebten Mann und den Kindern, sind rar und werden im Folgenden oft von bestürzenden Geschehen aufgehoben. Philippine ist sehr mitfühlend und leidet deshalb besonders unter ihren Ängsten. Neben der eigentlichen Handlung lässt Brigitte Riebe Philippine in einem fiktiven Tagebuch zu Wort kommen und schafft damit eine Nähe zur Gefühlswelt der Protagonistin, die einem sehr nahe geht. Die Eintragungen in ihr Tagebuch sind starke emotionale Einblicke in ihre Seele, die ich gut mitempfinden konnte. Beispielsweise, wenn Philippine ihren neugeborenen Sohn gleich nach der Geburt für ein paar Stunden hergeben und im Anschluss "finden" muss. Sie zieht ihn dann zwar auf, darf aber - um den Schein, es handele sich um ein Findelkind zu wahren - nicht selbst stillen. In dieser Situation tat mir die junge Frau besonders leid. Denn was nützt die große Liebe, wenn man sie nicht auch freudigen Herzens als Paar und Familie leben kann.

Als besonders gelungen empfinde ich die Gestaltung des Buches. Jedes Kapitel ist mit einer Heilpflanze bezeichnet, die sich im folgenden Text wiederfindet, und beginnt mit einem Bild und der Beschreibung der positiven und negativen Wirkungen. Der Geschichte nach soll Philippine Welser Heilkräuter gesammelt und ein Arzneibuch verfasst bzw. ergänzt (sofern man davon ausgeht, dass Philippines Mutter - Anna Welser - die Grundlagen für die Kenntnisse ihrer Tochter gelegt hat) haben. Auf jeden Fall ist überliefert, dass sie sich mit ihrer Heilkunst stark für die arme Bevölkerung eingesetzt hat.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren