Gestohlene Tage

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Querverlag, 2013, Titel: 'Gestohlene Tage', Originalausgabe

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Annette Gloser
Lügen um frei zu sein

Buch-Rezension von Annette Gloser Mär 2013

1931 heiraten Eva und Heinrich. Sie ziehen nach Berlin, denn zur Hochzeit hat Heinrich von Tante Rosemarie eine Wohnung in der Charlottenburger Fasanenstraße geschenkt bekommen. Hier hat Tante Rosemarie selbst einst glückliche Jahre mit ihrem Ehemann verbracht. Nun wünscht sie sich nur eins: Sie möchte ihren Neffen und ihre Nichte dort als glückliches Paar sehen und erleben, wie die beiden Kinder bekommen. Denn Tante Rosemarie hat selbst keine Kinder und sehnt sich nach einer Familie. Kein Problem für eine gesunde junge Frau und einen ebenso gesunden jungen Mann, sollte man meinen. Kinder allerdings sind im Lebensplan von Heinrich und Eva überhaupt nicht vorgesehen. Überhaupt steht ein bürgerliches Eheleben für sie nicht zur Debatte, denn beide haben nur geheiratet, um endlich aus München und Karlsruhe weg zu kommen, weg von der Familie, weg von der Enge und dem Spießertum. Und sie haben Tante Rosemarie betrogen, denn die beiden jungen Leute lieben sich nicht. Zwar werden sie mit der Zeit Freunde, aber Eva ist lesbisch und Heinrich schwul. Voller Begeisterung stürzen sie sich in die Berliner Szene, sie in die Frauenklubs, er in die Schwulenbars. Aber beide wissen: Sie leben gestohlene Zeit, denn irgendwann wird ihre Geschichte auffliegen.

Tanz auf dem Vulkan

Heny Ruttkay hat hier einen sehr authentischen Roman über die homosexuelle Szene in Berlin Anfang der 30ger Jahre geschrieben. Wobei sie eher auf Klasse statt auf Masse setzt, denn sie beschränkt die Orte der Handlung auf einige wenige Klubs und Bars, kann hier jedoch mit vielen interessanten Details und - speziell beim Frauenklub "Monbijou des Westens" - auch mit viel Atmosphäre aufwarten. Als Leser bekommt man eine sehr gute Vorstellung davon, wie sich das Leben vieler Lesben und Schwuler in dieser Zeit gestaltete. Aber auch die heraufziehende Bedrohung durch die Nationalsozialisten wird schon in den ersten Kapiteln spürbar und verstärkt sich im Verlauf des Romans immer mehr. So entsteht auf den Romanseiten von Neuem eine bunte, glitzernde Welt, nur kurze Zeit später zerstört von den selbsternannten Bewahrern von Rasse und deutscher Kultur.

Einbezogen werden dabei auch unterschiedlichste politische Haltungen und Ereignisse, so dass einem beim Lesen immer bewusst bleibt, in welcher schwierigen Zeit der Roman spielt und dass hier der Tanz auf einem Vulkan geschildert wird. Eva und Heinrich bewegen sich nicht außerhalb von Zeit und Raum, sondern bleiben immer in der Realität verhaftet, auch wenn gerade Heinrich sich vor ihr verschließt.

Liebenswerte Protagonisten mit Ecken und Kanten

Die Autorin greift hier zu dem Trick, die Handlung aus der Perspektive der beiden Protagonisten Eva und Heinrich zu erzählen. Evas Kapitel sind dabei in der Ich-Form geschrieben, die von Heinrich von einem außenstehenden Erzähler (Einer Erzählerin?). Beide haben mit den Erwartungen zu kämpfen, die ihre gutbürgerliche Familie an sie stellt. Für den Leser wird gut nachvollziehbar, mit welchen Problemen die beiden jungen Menschen zu kämpfen haben und wie schwer es ihnen gemacht wird, ein Stück persönliches Glück zu erobern. Während Tante Rosemarie mit ihrer Naivität und ihrer Großzügigkeit ein wenig zur Karikatur gerät, so sind Eva und Heinrich stimmige Charaktere, in die man sich auch dann gut hineinfühlen kann, wenn man selbst nicht homosexuell ist. Heny Ruttkay gelingt es, die Konflikte von Eva und Heinrich für den Leser nacherlebbar zu machen. Vor allem aber dürfen ihre Protagonisten Ecken und Kanten haben, sind nicht rund um die Uhr sympathisch (schon alleine der Betrug an der Tante macht die beiden erst einmal suspekt) und doch liebenswerte Menschen, denen man von Herzen wünscht, dass sie ihr Glück und ihren Lebensweg finden. Über dem Roman liegt eine permanente Spannung, so dass man gerne weiter liest.

Eine ungewöhnliche und lesenswerte Geschichte

Gestohlene Tage erzählt eine ungewöhnliche Geschichte über zwei junge Leute, die sich gegen ihre Familie verschwören, um frei über sich selbst entscheiden zu können. Der Querverlag, spezialisiert auf Bücher zum Thema Homosexualität, hat hier mal wieder eine feine Histo-Perle im Programm. Das Cover passt wunderbar zum Inhalt des Romans und zeigt, wie liebevoll der Verlag seine Romane behandelt. Dieser Roman kann all jenen empfohlen werden, die sich für die Geschichte homosexuellen Lebens in Deutschland, in Berlin, interessieren. Aber auch wer nicht speziell am Thema Homosexualität interessiert ist, dafür aber an der Geschichte Berlins zu Beginn der 30er Jahre, wird hier fündig mit einem spannenden, lesenswerten Roman.

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