Im Tal der träumenden Götter

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Im Tal der träumenden Götter', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90
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Daniela Loisl
Spannende und farbenprächtige Fortsetzung

Buch-Rezension von Daniela Loisl Mär 2013

Kurzgefasst:

Mexiko Ende des 19. Jahrhunderts: Glücklich und zufrieden lebt Katharina mit ihrem Mann und ihren Kindern auf ihrem Landgut. Sie lieben ihre beiden Töchter Josefa und Annavera, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Stets fühlt sich Josefa zurückgesetzt, glaubt nicht dazuzugehören. Als sie einem zwielichtigen Großgrundbesitzer begegnet, verfällt sie ihm vom ersten Moment an. Kann Katharina ihre Tochter vor einem folgenschweren Fehler bewahren?

 

Mexiko im späten 19. Jahrhundert. Benito Alvarez, Gouverneur von Querétaro, lebt mit seiner Frau Katharina, seiner Stieftochter Josefa und seinen leiblichen Kindern Anavera und Vicente glücklich auf seinem Landgut.
Josefa liebt ihre Schwester, ist aber auch sehr eifersüchtig auf sie und als auf ihrem Geburtstagsfest die Verlobung Anaveras mit ihrem Jugendfreund bekanntgegeben wird, fühlt sich Josefa wieder einmal - zu Unrecht - zurückgesetzt und flüchtet zornig in die Hauptstadt. Dort trifft sie auf Jaime Sanchez Torrija, den Sohn des für seine Brutalität und Gnadenlosigkeit bekannten Nachbarn des Landgutes und Gegners ihres Vaters. Jaime, der Benito schon aufgrund seiner "barbarischen" Herkunft verachtet, sieht nun seine Chance und zieht Josefa in seinen Bann, nur um Benito zu demütigen und bis ins Innerste zu treffen.

Kitschiger Titel und Aufmachung - niveauvolle Erzählung

Schon der erste Band Im Tal der gefiederten Schlange ließ aufgrund des Titels und auch des Covers annehmen, dass man hier ein Buch mit schwülstiger Liebesgeschichte vor sich haben wird. Aber genauso wenig wie das im ersten Band zutraf ist dies auch hier der Fall. Carmen Lobato beweist auch mit diesem Buch, dass man sich weder von Titel noch Aufmachung eines Romans täuschen lassen sollte, denn oft ist der Inhalt gänzlich anders als erwartet.

In etwa dreißig Jahre nach Ende des ersten Bandes schließt die Fortsetzung an, und diese steht dem hohen Niveau des Erzählstils und der Sprache dem Erstling in nichts nach. Flüssig locker scheint die Geschichte zu beginnen, und wenn diese aufgrund des Könnens der Autorin leicht zu lesen ist, so sind weder der geschichtliche Hintergrund noch das Geschehen um die fiktiven Figuren oberflächlich oder seicht. Im Gegenteil: Lobato zieht den Leser in die damalige Welt Mexikos und konfrontiert ihn, wie schon im ersten Band, auch hier schonungslos mit der Realität und der Grausamkeit der Menschen, die damals den Eingeborenen das Land stahlen. Die politischen Machtverhältnisse und der Rassismus sind erschreckend realistisch in die Erzählung eingewoben und vermitteln dem Leser das Gefühl, sich wirklich an den beschriebenen Orten zu bewegen. Die Autorin hat ein begnadetes Talent dem Leser zu veranschaulichen, wie die wahre Welt hinter der heilen Fassade aussieht und wie rücksichtslos Menschen sein können, geht es um ihren eigenen Vorteil.

Jede Menge eindrucksvolle Figuren

Leser, die den ersten Band kennen - was zum Verständnis des Romans nicht zwingend notwendig ist - werden auf viele alte Bekannte stoßen, aber auch jeder Menge neuer Figuren begegnen. Was man bei Carmen Lobato vergeblich sucht, sind schablonenhafte Figuren. All ihre Darsteller sind mit den unterschiedlichsten Facetten menschlicher Charaktere ausgestattet und es gibt keine einzige Figur, die nur rein gut oder rein böse wäre. So ist es jedem Leser möglich, "seine Figur" zu finden, mit der er sich identifizieren und deren Handlung er nachvollziehen kann. So einige Figuren irritieren durch ihr Handeln den Leser auch, sodass dieser sich unweigerlich näher mit dem Darsteller befasst und dessen Motivation hinterfragt. Nur wenigen Autoren gelingt es, dass man sich so sehr mit all den fiktiven Menschen befasst, dass sie einem sogar dann durch den Kopf geistern, wenn man das Buch gar nicht bei sich hat.

So kann man beispielsweise Benitos Handeln nur sehr schwer, wenn überhaupt, nachvollziehen und auch Josefa möchte man am liebsten fragen, was sie sich bei ihrem Gebaren denkt und sie an den Schultern packen und schütteln, damit sie aufwacht. Doch sie ist ihrem schönen Liebhaber verfallen. Und dieser, Jaime, ist wohl einer der eindrucksvollsten Figuren, der einerseits wegen seiner Gerissenheit und seiner kühlen Attraktivität punktet, anderseits aber durch sein brutal ehrliches, egoistisches und auch manchmal sadistisches Verhalten Zorn beim Leser erweckt.

Fiktive Figuren, die beim Leser Emotionen wecken? Eine Gabe, durch die Lobato beim Leser mit ihren Büchern in Erinnerung bleiben wird, bekommt die niveauvolle und interessante - und nicht vorhersehbare! - Handlung dadurch auch noch wesentlich mehr Tiefgang.

Spannend, aber komplex

Überraschende Wendungen gibt es ebenso wie spannende und interessante Einblicke hinter die Kulissen der brodelnden Stadt Veracruz oder auch deren weiterer Umgebung. Man streift mit den Protagonisten durch Armenviertel genauso wie man mitgenommen wird in vornehme Wohnungen, alte Kulturstätten und auf elitäre Veranstaltungen. Stets dicht am bunten Treiben erlebt man die damalige Welt auf cineastische Weise, sodass es einem beim Ende des Buches schwerfallen wird zu sagen, ob man einen Roman gelesen oder einen Film gesehen hat, so prägend sind die Bilder, die die Autorin vor dem Auge des Lesers entstehen lässt.

Ein Roman, dessen Geschehen einem länger in Erinnerung bleibt und einen nach "mehr" von der Autorin verlangen lässt. Leser, die gehobene Erzählungen, umfassende geschichtliche Hintergründe und eine intensive Sprache lieben, kommen hier voll auf ihre Kosten!

Im Tal der träumenden Götter

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