Die Sekte der Engel

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Nagel & Kimche, 2011, Titel: 'La setta degli angeli', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Sodom und Gomorrha auf sizilianisch

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mär 2013

Kurzgefasst:

Ein gottloser Skandal im Italien der Jahrhundertwende: In einem sizilianischen Dorf werden plötzlich viele unverheiratete Frauen schwanger. Zunächst kursiert das Gerücht, die Cholera sei ausgebrochen. Nachforschungen fördern allerdings bald die Wahrheit zutage - was der Panik in der Bevölkerung kaum abhilft. Jeder verdächtigt jeden, und so gerät der linke, idealistische Anwalt Teresi, der auf der Suche nach den Ursachen Beweise für die Existenz einer geheimen Priestersekte findet, bald in die Schusslinie von Kirche, Adel und Mafia.

 

Im sizilianischen Palizollo leben im Jahr 1901 siebentausend Einwohner; das Städtchen rühmt sich zweier Marchesi, vierer Barone, eines Herzogs von hundertzwei Jahren, der sein Schloss seit Jahren nicht verlassen hat, eines Märtyrers und acht Kirchen mit acht Priestern, wovon einer siebzig Jahre ist und die anderen sieben um die vierzig. Die Feindschaften gehen zurück bis ins sechzehnte Jahrhundert, Zivilprozesse werden in den Familien weitervererbt, manche reichen zurück in die Zeit Friedrichs II. des Staufers. Sonntags besucht man die Messe, die Frauen sitzen zu Hause und bewachen die Töchter und die Honoratioren treffen sich im Verein "Ehre & Familie". Palizollo ist ein Ort, in dem man Traditionen wertschätzt und unter ständiger Beobachtung steht.

Eines Tages bemerkt Vereinsmitglied Don Anselmo Buttafava, dass Dottore Bellanca zwischen den Palazzi von Barone Fofò Lo Mascolo und Marchese Filadelfo Cammarata hin- und hereilt. Aus den Andeutungen des Doktors folgert er, dass die Cholera ausgebrochen ist und flieht mit seiner Familie aufs Land. Rasant verbreitet sich das Gerücht, Panik bricht aus, eine Massenflucht setzt ein, es kommt zu Plünderungen und Überfällen. Der Polizeipräfekt der Provinzhauptstadt entsendet eine berittene Eskadron Carabinieri unter dem Befehl von Capitano Montagnet Eugenio, der das Kriegsrecht über Palizollo verhängt und dem Gerücht nachgeht.

Bei der ansteckenden Krankheit handelt es sich um die explosionsartige Zunahme von Schwangerschaften unverheirateter junger Frauen. Wer aber hat sie geschwängert? Darüber schweigen sie hartnäckig. Die Ehre einiger prominenter Familien ist beschmutzt, das schreit nach Blutrache. Einer der Verdächtigen ist der Jurastudent Stefano, Neffe von Avvocato Matteo Teresi. Der kommt den wahren Tätern auf die Spur, veröffentlicht die Beweise in seiner Zeitung "Der Kampf" und löst damit nicht nur einen landesweiten Skandal aus, sondern lenkt auch den Zorn der Mächtigen des Ortes auf sich, denen seine fortschrittlichen Ideen schon lange ein Dorn im Auge sind.

Eine Frage der Macht

Wie schon Eine Münze aus Akragas und Streng vertraulich greift Camilleri auch in Die Sekte der Engel auf eine wahre Begebenheit zurück. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gründeten im sizilianischen Alia mehrere Priester eine heimliche Sekte. Die so genannte Engelssekte vergewaltigte junge Mädchen und Frauen, indem sie ihnen einredeten, die sexuellen Praktiken führten zu göttlicher Vergebung und auf den Weg ins Paradies. Aufgedeckt und veröffentlicht wurde das skrupellose Vorgehen der Priester von dem Anwalt Matteo Teresi. Kirche, Grundbesitzer und Klerus machten Front gegen ihn, bis ihm nur noch die Flucht in die Vereinigten Staaten blieb.

Die Sekte der Engel ist Camilleris Hommage an Matteo Teresi, wobei er den Namen des Anwalts, den seiner Zeitung und den Auszug eines Artikels von Don Luigi Sturzo aus der Realität übernommen hat. Alle anderen Namen und Situationen sind laut Camilleri Produkte seiner Phantasie. Komprimiert auf 233 Seiten erzählt Camilleri nicht nur die Geschichte eines Sex-Skandals der Kirche, sondern beschreibt das soziale Gefüge einer sizilianischen Kleinstadt Anfang des neunzehnten Jahrhunderts mit klar verteilten Rollen und festgefahrenen Mustern, in dem jeder seinen festen Platz hat. Die Täter müssen die Stadt verlassen, aber auch diejenigen, die die Wahrheit ans Licht gebracht haben, statt sie zu vertuschen. Am Ende schließt sich der Kreis, die Mächtigen sitzen wieder fest im Sattel wie zuvor, die alte Ordnung ist wiederhergestellt. Der Skandal war nicht mehr als ein Rauschen im Lauf der Welt. Das erinnert an Hammetts Bluternte oder an die Italo-Western der sechziger und siebziger Jahre, nur bricht Camilleri seine Erzählung mit doppelbödigem Witz und zielsicherer Ironie.

Aus einem veritablen historischen Skandal erschafft Camilleri einen rasanten und spannenden Thriller zwischen tiefer Ernsthaftigkeit und schwarzem Humor. Mit messerscharfem Verstand offenbart er geheime Machtstrukturen im Kleinen wie im Großen und zeigt, wie Macht systematisch missbraucht und mit fragwürdigen Methoden abgesichert wird.

Das liest sich auch als Kommentar auf unsere Gegenwart.

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