Streng vertraulich

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Nagel & Kimche, 2010, Titel: 'Il nipote des Negus', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:81
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":1,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Almut Oetjen
Viva il Duce!

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mär 2013

Kurzgefasst:

1929 reist der Neffe des äthiopischen Kaisers Negus nach Vigàta in Sizilien, um zu studieren. Zur gleichen Zeit plant Mussolini eifrig die Expansion seiner Kolonien in Afrika. Der Kaiserneffe scheint ihm ein idealer Fürsprecher für seine Pläne und für die Pracht des faschistischen Italien, und er befiehlt trotz leerer Kassen die finanzielle Unterstützung des hohen Gastes. Jedoch wartet der Duce vergeblich und vor Wut schäumend auf ein Zeichen des Neffen.

 

1929 reist der Neffe des Negus, des äthiopischen Kaisers Negesti Haile Selassie, nach Vigàta in Sizilien, um an der Königlichen Bergbauschule zu studieren. Da Mussolini es sich aus politischen Gründen nicht mit dem Kaiser verscherzen möchte, muss sichergestellt werden, dass es nicht zu Konflikten mit der "Schülerschaft von weißen Jungen, die von herrlichem, unermüdlichem faschistischem Eifer beseelt sind", kommt. Denn der neunzehnjährige Grhane Solassie Mbssa ist zwar Prinz, doch man kann nicht ignorieren, dass er "gleichwohl Neger ist und bleibt". Der Rektor führt präventive Gespräche mit den Eltern, der Bürgermeister mietet dem Kaiserneffen ein Zimmer bei einer Hauswirtin mit der richtigen, also faschistischen Gesinnung, der Commissario sorgt dafür, dass alle Kommunisten und Sozialisten aus dem Stadtbild verschwinden, der berühmte Dichter Gaetano Prestifilippo schreibt zur Schuljahreseröffnung ein Gedicht über den Prinzen. Die Kosten für Unterricht, Unterkunft und Taschengeld schießen trotz knapper Kassen die Gemeinde respektive die Filiale der Banco di Sicilia vor.

Alles ist vorbereitet auf die Ankunft des Prinzen, der in Lumpen und ohne Gepäck aus dem Zug steigt. Angeblich wurde er auf der Fahrt betäubt und bestohlen. Sein erster Weg führt ihn ins Bordell, wo er drei Mädchen bestellt. Auf der Schulfeier erscheint er in voller faschistischer Uniform. Der gut aussehende und stattlich gebaute Bonvivant und Schürzenjäger macht einen Haufen Schulden und jede Menge Eindruck bei den Mitschülern. Gaetanos Tochter Antonietta verliebt sich leidenschaftlich in ihn, ebenso Rainer Müller, der homosexuelle Sohn eines überzeugten Nazis und Bergbauingenieurs, und die zehn Jahre ältere Tochter des Schulsekretärs Butticè, Michilina. Er beginnt eine Affäre mit allen dreien.

Im Negus-Neffen sieht der Duce den optimalen Mittelmann zur Realisierung einer friedlichen Lösung für seine expansionistischen Absichten in Äthiopien. Solassie soll zu einem Besuch nach Rom kommen und in einem Briefchen dem Kaiser von der Pracht der faschistischen Revolution und der Kampfkraft berichten. Während der Prinz in Vigàta zunehmend Schulden und Amouren anhäuft, die Forderungen für seine Bemühungen ständig höher schraubt und immer neue Verzögerungstaktiken findet, wartet der Duce in Rom wutschnaubend auf den Brief und den Besuch des jungen Mannes.

Eine pikareske Nebenfigur als Held der Erzählung

Der Held ist ein intelligentes Schlitzohr, das mit narzißtisch unterfütterten Unverschämtheiten und aalglatten Intrigen eine mächtige faschistische Bürokratie austrickst und selbst den Duce mit bewundernswertem Aplomb hinters Licht führt, ein Picaro in klassischer Manier, der scheinbar naiv verspricht, verlockt und verführt und dabei die Schwächen der Gegenseite ausnutzt, um sie zu düpieren. Außenminister und Innenminister, der Präfekt, der Polizeipräsident und der Bischof von Montelusa, der Polizeikommissar von Vigàta, der Rektor der Bergbauschule, sie alle liefern mit ihrer Dummheit die Steilvorlagen. So erkundigt sich der Rektor beim Vorsitzenden der faschistischen Partei, ob Solassie am faschistischen Samstag ein Schwarzhemd tragen muss, wie alle Schüler und erhält als Reaktion, dass der Prinz das Schwarzhemd nicht tragen muss, da er nicht Parteimitglied ist und als Ausländer auch nicht dazu gezwungen, dass er jedoch, da von "kohlrabenschwarzer" Hautfarbe, mit "freiem Oberkörper" kommen solle. Zwar gibt es einige Personen, die den Prinzen durchschauen und das ausnutzen wollen, aber er ist ihnen immer einen Schritt voraus.

Solassie bleibt eine Nebenfigur, hat keine eigene Stimme und steht außerhalb des Wahrnehmungsradius des Lesers. Stimmen haben nur die anderen Figuren, deren Diskurse ein multiperspektivisches Bild des Prinzen formen. Verfasst ist der Roman in Form einer Dokumentensammlung, bestehend aus Briefen, Zeitungsartikeln, Gesprächsausschnitten mit nackten Dialogen. Der Verzicht auf die klassische Erzählerfigur, von Überflüssigem und Beschreibungen, die häufige Verwendung von Ellipsen als Stilmittel, führt zu einer starken Verdichtung des Textes, die dem Leser einiges an Konzentration abverlangt und keine Bilder im Kopf entstehen lässt, wohl aber Ideen. Nur einmal kommt der Leser dem Prinzen unerwartet nah, im Zimmer der Albergo Trinacria, wo Solassie sich mit Michilina trifft. Aber auch hier bleibt er stumm, man hört nur die Begeisterungsrufe und Anfeuerungen der Frau.

Authentische Dummheit

Die Grundlage des Romans ist eine wahre Begebenheit. In den Jahren 1929 bis 1932 besuchte der Prinz Brhane Silassie, Neffe des Negus Haile Selassie, die Königliche Bergbauschule in Caltanisetta, wo er 1932 das Diplom als Bergbauspezialist erwarb. Er war eine stadtbekannte Erscheinung und führte ein flottes Leben. Die Tochter des Dichters Calogero verliebte sich unsterblich in ihn. Wahr ist, dass ein ungeschickt geworfener Blumenstrauß Mussolini im Gesicht traf. Authentisch ist auch die Dummheit, die das Klima der Zeit prägte. Der Rest ist erfunden.

Streng vertraulich ist ein amüsanter Roman zwischen Farce und Tragödie über eine dunkle Epoche Italiens - elegant und intelligent erzählt.

Streng vertraulich

Streng vertraulich

Deine Meinung zu »Streng vertraulich«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren