Hundstage

  • Bebra
  • Erschienen: Januar 2013
  • Bebra, 2013, Titel: 'Hundstage', Originalausgabe
Hundstage
Hundstage
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Jörg Kijanski
75

Histo-Couch Rezension vonMär 2013

Unfall oder Mord? Des Schriftstellers Neugierde ist einmal mehr geweckt

Kurzgefasst:

August 1875: Theodor Fontane begleitet seinen Freund Adolph Menzel nach Finow bei Eberswalde, wo der Maler letzte Skizzen für sein Gemälde "Das Eisenwalzwerk" anfertigen will. Aber der Aufenthalt in dem brandenburgischen Kurort verläuft gänzlich anders als geplant. Kurz vor ihrer Ankunft ist Arnold Köster, ein Arbeiter des Walzwerks, zu Tode gekommen, zerquetscht von einem Transmissionsriemen. Alkohol soll im Spiel gewesen sein, munkelt man. Als jedoch wenige Tage später Kösters Freund, ein bekannter Streikführer, vom Gerüst der Maria Magdalenen Kirche stürzt, wird Fontanes kriminalistische Neugier geweckt ...

 

Theodor Fontane begleitet den Maler Adolph Menzel nach Neustadt-Eberswalde, wo dieser letzte Eindrücke für sein neues Gemälde "Das Eisenwalzwerk" in zahlreichen Skizzen festhalten möchte. Doch in der dortigen Eisenspalterei angekommen werden die beiden mit einem Todesfall konfrontiert. Der Arbeiter Arnold Köster geriet unter einen Transmissionsriemen und wurde von diesem zerquetscht. Von dessen Geliebter Beate Jonas erfährt Fontane, dass Köster bei seinem Chef, dem Fabrikdirektor Wittbrodt, alles andere als beliebt war, da Köster seit dem Gothaer Parteitag den Sozialdemokraten angehörte. Das Ereignis wird offiziell schnell als Unfall angetan, doch dann stürzt nur zwei Tage später ausgerechnet Arnold Zimmermann, ein Freund Kösters und zudem ein bekannter Streikführer, spätabends von einem Baugerüst und erliegt seinen Verletzungen. Zwei tödliche Unfälle in nur zwei Tagen? Für den zum Detektivspiel neigenden Fontane ist dies mindestens ein Zufall zu viel ...

Fontanes vierter Fall

Mehr soll an dieser Stelle zum Inhalt gar nicht verraten werden, denn das schmale Büchlein Hundstage, der bereits vierte Roman um den Protagonisten Theodor Fontane, weist gerade einmal rund zweihundert Seiten auf. Dementsprechend bleibt kaum Platz für umfangreiche Darstellungen, hier beispielsweise zu der Gründung der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Diese wird in einigen Absätzen zwar erwähnt, aber dann ebenso schnell wieder ad acta gelegt; ebenso wie der daraus resultierende Konflikt zwischen Bebelianern und Lassalleanern.

 

 

Wissen Sie, was er zu mir gesagt hat? "Umsturz aller Verhältnisse? Das haben ja schon viele gewollt, aber meistens kreißt zwar ein Berg, aber er gebiert eine Maus. Denken Sie nur an 1848. Oder an die Französische Revolution. Welch ein Lärm! Und was kam am Ende heraus? Die Franzosen haben ihren König hingerichtet und einen Kaiser bekommen."

 

Schade, hier hätte man deutlich mehr machen können, aber dann wäre es natürlich eher ein politisch-historischer Krimi geworden. Doch die Gründung der SAP, das Erscheinen des Kommunistischen Manifestes und die alles andere als rosigen Lebensbedingungen des Vierten Standes der Gesellschaft hätten schon ein wenig mehr Inhalt verdient. Stattdessen verrennt sich der Autor in zahllosen, für ortsunkundige zudem irritierenden Gebiets- und Ortsnamen, welche durch ständige Wiederholung nicht unbedingt verständlicher werden. Ebenso sind die Recherchen für Fontanes "Wanderungen", zu denen dieser bestimmte Familienverhältnisse aufzuklären versucht, viel zu detailliert und für den Fortgang der Geschichte noch dazu gänzlich unerheblich. Hier wurden die Gewichtungen beim Inhalt leider ein wenig unglücklich gewählt. Mehr aktuelles politisches Lagebild, weniger (eher belangloses) "Klein-Klein", dann wäre der Lesegenuss deutlich höher ausgefallen.

Sieht man von diesen Kritikpunkten ab, so ist "Hundstage" ein weiterer Roman rund um den Schriftsteller Fontane, der nahtlos an die Vorgänger anknüpft, will sagen, wem die ersten drei Teile gefielen, der wird hier ebenfalls gut unterhalten. Es ist - wie gehabt - ein Roman der "leisen" Erzählweise ohne spektakuläre Action, stattdessen legt Frank Goyke Wert auf die Szenerie und vor allem die Sprache, die altbacken und damit zugleich wunderbar authentisch wirkt. Mehrere der bereits bekannten Figuren (Ehefrau Emilie, Kriminalkommissar Aschinger) spielen erneut mit und letztlich ist selbst die plötzlich daher kommende, sehr schnelle "Aufklärung" der Vorkommnisse noch akzeptabel. Wie bereits eingangs angedeutet hätten ein paar Seiten mehr dem Buch aber sehr gut getan, welches so thematisch überfrachtet ist. Sei's drum, alles in allem ist Hundstage eine Empfehlung.

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