Black Bottom

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Bebra, 2013, Titel: 'Black Bottom', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Ten cents a dance

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2013

Kurzgefasst:

Berlin, 1930. Bei einem Giftgasanschlag auf den legendären Tanzpalast »Femina« am Tauentzien sterben elf Menschen. Auch Kriminalkommissar Sándor Lehmann kommt nur knapp mit dem Leben davon - denn eben noch stand er inkognito als Jazzmusiker auf der Bühne. Bei der Aufklärung des brisanten Falls hat er gleich zwei Probleme: Er muss zusehen, dass sein geheimes Doppelleben nicht auffliegt, und sich mit dem neuen Kollegen Belfort herumärgern, einem linientreuen Nazi, der über das quirlige Nachtleben der Reichshauptstadt ganz eigene Ansichten hat ...
Der Auftakt zu einer neuen Krimiserie mit dem Klarinette spielenden Kommissar Sándor Lehmann.

 

Berlin 1930: Weltwirtschaftskrise, fast fünf Millionen Menschen ohne Arbeit, Straßenkämpfe zwischen Streikenden und Polizisten, Auseinandersetzungen zwischen Sozialisten, Kommunisten und Nationalsozialisten und eine Welt, die sich rasant dem Abgrund nähert, ohne dies zu ahnen. Jene, die noch Geld haben oder durch Taschendiebstähle ihren Lebensunterhalt bestreiten, suchen immer mehr Zuflucht in den Tanzhäusern der Stadt. Für ein paar Stunden alles vergessen und sich bei verbotenen Schiebertänzen die Zeit zu vertreiben ist ihr Ziel. Einer der großen Tanzpaläste ist das "Femina", wo die von den Nazis so verhasste, entartete "Negermusik" gespielt wird. In den USA längst ein Riesenerfolg, erobert der Jazz jetzt die deutschen Tanzsäle. Kriminalkommissar Sándor Lehmann findet diese Entwicklung faszinierend, spielt er doch selber gelegentlich und natürlich inkognito in der Hot-Jazz-Kapelle von Julian Fuhs. Ein gefährliches Doppelleben, zumal sein neuer Kollege Belfort, ein lupenreiner Nazi, hierfür nur Verachtung empfindet wie überhaupt für alles Fremde und vor allem die Juden.

Als Fuhs mit seiner Kapelle im "Femina" einen Auftritt bestreitet, ereignet sich ein Giftgasanschlag, bei dem elf Menschen sterben. Der Türsteher Hallstein müsste eigentlich den besten Überblick über die Gäste des Abends haben, doch da er vor allem als Hehler sein Geld verdient, ergreift er vor einer möglichen Befragung die Flucht und läuft dabei seinem Mörder geradewegs in die Arme. Lehmann und Belfort ermitteln fieberhaft und kommen bald auf Jenitzky, Kneipenkönig der Friedrichstadt und damit größter Konkurrent der "Femina". Sollte er hinter dem Anschlag stecken, um seinem Widersacher das Geschäft zu zerstören oder war es gar ein politischer Anschlag, da insbesondere die SA immer mehr Stimmung gegen die Juden machen?

Intensiver Einblick in das Berlin des Jahres 1930

Martin Keune liefert mit Black Bottom eine fulminante Bestandsaufnahme der Stadt Berlin des Jahres 1930. Die Welt ist im Wandel, das Grauen zieht noch langsam, aber immer deutlich sichtbarer auf. Ein intensiver Einblick in die damalige Zeit und - der Titel nimmt es vorweg - eine große Liebeserklärung an den Jazz. Viele Musiker und Orchesterleiter werden erwähnt, Hollywood-Komponist Walter Jurmann hat zum Ende des Romans gar einen Kurzauftritt. Julian Fuhs und seine "Follies Band" spielen eine wichtige Rolle, denn ohne Fuhs würde der Protagonist nicht sein gewagtes Doppelleben führen. Überhaupt ist Lehmann eine interessante, weil vielschichtige Person.

 

Er war froh, kein Kommunist zu sein, weil denen die Zähne ausgeschlagen wurden. Und ob die Juden sich noch lange mit ihrer zur Schau getragenen Ehrbarkeit gegen all die Anschuldigungen würden behaupten können, musste sich erst noch zeigen. Aber er selbst, Sándor Lehmann, Nichtkommunist, Nichtjude, er war da, wo er hingehörte, und solange er sich in die Politik nicht einmischte und jeden Morgen eine frische Unterhose anzog, konnte er alles tun, wonach ihm gerade der Sinn stand.

Dumm nur, dass ausgerechnet ein hundertfünfzigprozentiger Nazi sein neuer Partner ist, was natürlich nicht ohne Konflikte bleibt. Wichtige Nebenrollen spielen bei der Polizei der (jüdische) Vizepräsident Dr. Bernhard Weiß, der von den Nazis immer wieder als "Isidor" verunglimpft wird und der wohl legendärste Ermittler der Berliner Kripo, Ernst Gennat. Natürlich muss dieser in fast jeder Szene ein dickes Stück Torte verdrücken, wofür er, neben seinen beruflichen Erfolgen und Erfindungen, bekannt war (hierzu empfiehlt sich übrigens die Lektüre von Regina Stürickow "Der Kommissar vom Alexanderplatz").

Neben eindringlichen Einblicken in die damalige Künstlerszene, die sich aber nahezu ausschließlich auf die Jazzszene beschränkt, kommen auch die politischen Ereignisse nicht zu kurz. Angefangen von Lehmanns Erlebnissen im Gaskrieg an der Westfront über die Ermordung von Rosa Luxemburg bis hin zu den Geschehnissen eben jenen Jahres 1930.

 

Wie viele Einwohner hat diese Stadt? Zwo Komma drei Millionen? Immerhin, Einen davon habt ihr als Tatverdächtigen schon mal ausgeschlossen. Jetzt nicht lockerlassen, immer schön dranbleiben - wenn es in diesem Tempo weitergeht, habt ihr den Fall in achthundert Jahren gelöst!

Allein der Krimiplot als solcher hakt ein bisschen. Bei den Ermittlungen wird nicht in alle Richtungen ermittelt, einige Pannen kommen hinzu und Tatverdächtige gibt es kaum. Hier hätte man deutlich mehr Spannung aufbauen können, aber als zeithistorischer Roman, in dem die Musik und die Stadt Berlin die eigentlichen Helden sind, ist Black Bottom eine klare Kaufempfehlung; nicht nur für Freunde des "Dschäss".

Black Bottom

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Letzte Kommentare:
27.01.2017 11:07:25
jörg sonnabend

Mit dem Jahr 1930 und der Femina verbinden sich für mich einige Familienereignisse.
!930 arbeitete meine Mutter, damals 23,
im Büro der Femina. Mein Vater, damals 21 und gelernter Motorenschlosser, arbeitet in dieser Arbeitslosenzeit im Eden-Hotel. Meine Eltern heirateten 1930 und bekamen als Anfangswohnung ein Zimmer im Hause der Femina. Ich wurde 1934 geboren. Schon wegen diesen Gesichtspunkten ist es für mich
ein interessantes Buch.
Jörg Sonnabend, Berlin-Spandau

15.05.2013 13:35:49
wendelin

Berlin 1930, eine politisch und gesellschaftlich hochbrisante Zeit, ein „Tanz auf dem Vulkan“.

Sándor Lehmann, „Bastard“ aus ärmlichen Verhältnissen – tagsüber Polizist, nachts Jazz-Musiker, immer Überlebenskünstler – entkommt bei einem Auftritt mit seiner Kapelle nur knapp einem Giftgasanschlag auf den legendären Tanzpalast „Femina“. Er und sein neuer Kollege Belfort sollen den Anschlag aufklären. Lehmann ist mit seinem Privatleben und dem Verstuschen seiner nächtlichen Aktivitäten so beschäftigt, dass er für Mordermittlungen keine Zeit hat. Belfort hingegen, fleißig und nationalsozialistisch verblendet, vermutet den Täter unter dem „jüdischen Abschaum“ und setzt alles daran, dies auch zu beweisen.

Die Nebenfiguren in Black Bottom mussten nicht erfunden werden, „Mordinspektor“ Ernst Gennat, Polizeipräsident Bernhard Weiß, Bandleader Julian Fuhs, sie alle haben real existierende Vorbilder. Kaum ein Jazzmusiker aus dieser Ära, der in diesem Roman nicht mindestens einmal erwähnt wird und auch Josephine Baker und Heinrich Mann haben Gastauftritte.

Die Sprache des Buches ist gewöhnungsbedürftig. Sie kommt sehr bildhaft daher und zuweilen auch wortschöpferisch kreativ. Aber was eigentlich Bilder im Kopf des Lesers entstehen lassen soll, ist dann an manchen Stellen doch eher irritierend und stört den Lesefluss. Ich jedenfalls habe Probleme damit mir „eine vollblonde naturschwarze Brünett-Grazie“ oder „eine bauchnabelfreie Burka“ vorzustellen. Trotz detailverliebter Beschreibung des Ambientes, kann der überwiegend sachlich emotionslose Erzählstil die Atmosphäre nicht überzeugend vermitteln.

Darüber hinaus stufe ich das Buch eher als historischen denn als Kriminalroman ein. Für einen Krimi fehlen mir dann doch zu viele Elemente, die dieses Genre ausmachen. Es wird nicht ermittelt, es gibt keinen erkennbaren Spannungsbogen und die Auflösung ist vorhersehbar.

Man kann Martin Keune wirklich nicht vorwerfen, er hätte nicht gut recherchiert. Aber genau das ist für mich das große Manko dieses Romans. Es ist so viel Wissen eingebracht, dass der Erzählstrang völlig in den Hintergrund gerät. Und so ist es eher ein Sachbuch, anstatt ein Roman geworden, aber auf jeden Fall kein Krimi.