Flamme von Jamaika

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2013, Titel: 'Flamme von Jamaika', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Rita Dell'Agnese
Liebe, Sklaverei und Hexenkult

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2013

Kurzgefasst:

Er kämpft um seine Freiheit. Beide kämpfen sie um ihre Liebe. Jamaika 1831. Die exotische Karibikinsel steht kurz vor einer Sklavenrebellion, als die deutsche Kaufmannstochter Helena Huvstedt eine für sie völlig fremde Welt betritt: schwülheißes Klima, Sklavenmärkte, Vodoo-Zauber. Hier will sie den attraktiven Edward Blake heiraten, Sohn und einziger Erbe eines reichen Plantagenbesitzers. Doch ein dunkles Familiengeheimnis und Edwards sittenloses Verhalten lassen sie schon bald an ihrem Glück zweifeln. Bei dem Versuch, Edward und seinem brutalen Vater zu entkommen, gerät Lena in die Fänge einer Rebellenorganisation. Ihr Anführer ist der charismatische Jess. Lenas anfängliche Furcht, wandelt sich in Begehren. Mit Jess erfährt sie zum ersten Mal, was wahre Liebe bedeutet. Und sie trifft eine folgenschwere Entscheidung: Um ihn zu retten, kehrt sie zurück in die Höhle des Löwen ...

 

Lena Huvstedt, gut behütete Tochter eines Hamburger Kaufmanns, willigt nach kurzem Kennenlernen in die Heirat mit dem gutaussehenden und wohlhabenden Sohn eines jamaikanischen Plantagenbesitzers ein. Überzeugt, das Richtige zu tun, reist Lena im Herbst 1831 zusammen mit ihrer Gesellschafterin und Freundin Maggie zu ihrem Verlobten Edward Blake. Sie ahnt nicht, dass auf der Familie ein Fluch liegt, dem alle weiblichen Angehörigen der Familie zum Opfer fallen sollen. Schon vor ihrer Hochzeit beginnt Lena an ihrer Entscheidung zu zweifeln. Edward lässt ein Gesicht durchblicken, das ihr Angst macht. Tatsächlich stellt sich Edward schon am Tag der Hochzeit als Schuft heraus. Zusammen mit Maggie möchte Lena die Plantage so schnell wie möglich verlassen. Sie weiß, dass Edward sie nie freiwillig ziehen lassen würde. Also stehlen sich die beiden Frauen bei einem Besuch auf einer befreundeten Plantage davon. Sie laufen geradewegs einigen Rebellen in die Arme, die entlaufenen Sklaven auf ihrer Flucht helfen und einen Aufstand gegen die Weißen planen. Einer der Anführer ist der charismatische Jess. Lena fühlt sich zu diesem faszinierenden Mann sofort hingezogen. Schnell muss sie aber erkennen, dass er in höchster Gefahr schwebt und nur dann eine Überlebenschance hat, wenn sie zu Edward zurückkehrt. Aus Liebe zu Jess nimmt Lena dieses Opfer auf sich. Sie weiß, dass Edward ihr ihre Flucht nie verzeihen wird.

Die große Liebe

Autorin Martina André stellt ihren Roman auf zwei Standbeine. Das wohl etwas Stärkere davon ist die Liebe. Die noch blutjunge Protagonistin reist mit großen Idealen und Gefühlen von Hamburg nach Jamaika. Der Skepsis ihrer Freundin Maggie begegnet sie mit Unbekümmertheit. Schließlich konnte sie sich selbst vom Charme ihres künftigen Ehemanns überzeugen. Sehr schön zeigt André auf, wie sich die Freude auf Edward schnell in Verdruss wandelt. Obwohl die Autorin eine ganze Reihe von Zufällen einbaut, bleibt die Geschichte an sich stimmig. Die Handlungen Lenas entsprechen ganz ihrem noch jugendlichen Alter und ihrer Unerfahrenheit. Etwas, das sich im Laufe des Romans wandelt - und zwar parallel zu Lenas Erlebnissen. Martina André gibt ihrer Protagonistin viel Raum, sich zu entwickeln und gesteht ihr dennoch ein großes Maß an Unüberlegtheit ein. Anders bei Jess. Er hat eine bewegte Geschichte hinter sich und handelt entsprechend überlegt. Dass aus ihm und der schönen Deutschen ein Paar wird, liegt schon zu Beginn des Romans auf der Hand. Das tut dem Reiz der Geschichte jedoch keinen Abbruch.

An der Sklaverei festhalten

Die Sklaverei bildet das zweite Standbein der Geschichte. Martina André zeigt verschiedenste Facetten davon. Zum einen ist es die Selbstherrlichkeit der Weißen, die zum Ausdruck kommt, zum anderen aber auch die Angst der Plantagenbesitzer, ohne die Arbeit der Sklaven ihre Güter nicht mehr bestellen zu können. Parallel dazu laufen im Mutterland Großbritannien die Bestrebungen, die Sklaverei abzuschaffen. Diesen Konflikt stellt die Autorin überzeugend dar. Spannend ist auch die gesellschaftliche Struktur in den Lagern der Rebellen. Die straff geführten Gemeinschaften sind von der stetigen Furcht vor Entdeckung geprägt - aber auch von einem wachsenden Lebenshunger derjenigen, deren Existenz nur im Verborgenen möglich ist. Obwohl das Thema Sklaverei vom Gewicht her der Liebesgeschichte klar untergeordnet ist, macht es doch den größeren Reiz des Buches aus.

Durchschaubare Charaktere

Martina André macht es ihren Leserinnen einfach: Sie teilt ihre Charaktere klar in Gut und Böse ein und lässt sie dort auch ihren Weg gehen. Eine differenziertere Charterzeichnung wäre zwar schön gewesen, angesichts der Ausrichtung des Romans mag die schematische Einteilung aber genügen. Immerhin lassen weder Cover noch Klappentext einen Zweifel daran aufkommen, dass hier mit einer gefühlvollen Liebesgeschichte zu rechnen ist, in der alle handelnden Personen einen fest umrissenen Platz zugewiesen bekommen. Dass die Geschichte trotz allem etliche Spannungsmomente aufweist, ist auf das Können der Autorin zurückzuführen. Sie vermag ihre Leser in andere Welten zu versetzen und sie mit den Protagonisten mitleiden zu lassen.

Martina André knüpft mit Flamme von Jamaika an ihre bisherigen Erfolgsromane an. Sie weckt Emotionen und bietet solide Unterhaltung. Sehr schön ist das Zusatzangebot von Glossar und Personenverzeichnis - wobei es ein Gewinn gewesen wäre, das Personenregister nicht an den Schluss, sondern an den Anfang des Romans zu setzen.

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