Das Stockholm Oktavo

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Hoffmann & Campe, 2012, Titel: 'The Stockholm Octavo', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

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Carsten Jaehner
Ein ungewöhnlicher Roman

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2013

Kurzgefasst:

Stockholm 1789. Europa ist in Aufruhr. In Frankreich wütet die Revolution. Noch ahnt König Gustav III. von Schweden nicht, dass auch seine Tage gezählt sind. In seinem engsten Umfeld werden arglistig Allianzen geschmiedet. Gustavs Vertraute, die Kartenlegerin Sofia, versucht alles, um seine Zukunft zu retten, doch sie hat eine mächtige Rivalin. Bei der Seherin und Kartenlegerin Sofia Sparv gehen die Mächtigen des Landes ein und aus. Umso überraschter ist der einfache Beamte Emil Larsson, als Sofia ihn auswählt, um ihm ein Oktavo zu legen: acht Karten, die für acht Personen aus seinem Umfeld stehen und sein Schicksal maßgeblich beeinflussen. Etwa Baroness Uzanne, die die Sprache der Fächer perfekt beherrscht und sie geschickt einsetzt, um ihre Gegner auszuschalten; oder die Kräuterkundige Johanna, die auf gefährliche Abwege gerät, oder aber der passionierte Fächerhersteller Nordén, der unwillentlich zum Spielball der Baroness wird. Das Oktavo ruft sie alle auf den Plan, doch wer steht auf welcher Seite? Wer paktiert mit wem? Larsson merkt erst allmählich, dass es in seinem Oktavo nicht nur um seine eigene Zukunft geht, sondern um die eines ganzen Königreiches.

 

Emil Larsson ist Sekretär beim Zoll- und Steueramt in Stockholm und verbringt seine Abende gerne in Salons, wo er auch das Karten spielen lernt und gut beherrscht. Zusammen mit der Besitzerin des Salons, Madame Sparv, bildet er ein eingespieltes Team. Man schreibt das Jahr 1789, und während in Frankreich die Revolution tobt, betrachtet man das Geschehen von Schweden aus mit einiger Ruhe. Bis auf König Gustav III., der König Ludwig XVI. von Frankreich helfen will.

Madame Sparv spielt nicht nur Karten, sondern legt auch Oktavos, eine besondere Art des Kartenlegens, in der die mittlere Karte von acht weiteren umrandet wird, die verschiedene Bedeutungen haben. Aufgrund ihres eigenen Oktavos will sie auch Larsson ein Oktavo legen, da sie meint, es bestünde eine Verbindung. Zudem will sie sogar dem König, den sie kennt, eines legen, doch dieser hat keine Zeit.

Zu den Kandidaten, die die acht Personen in Larssons Oktavo sein können, gehören viele Bekannte und noch Unbekannte. Allen voran die Baroness Uzanne, die die Sprache der Fächer perfekt beherrscht und die auch unterrichtet. Sie ist eine glühende Verehrerin von Herzog Karl, dem jüngeren Bruder des Königs, der nichts lieber täte, als Gustav vom Thron zu stürzen. Durch sie lernt Larsson die Familie Nordén kennen, die Fächer herstellen, die junge Apothekerin Johanna und viele weitere adelige Damen und Herren, die sich für Kunst der Fächersprache und die schönen Künste interessieren. Ganz allmählich kristallisieren sich die Personen aus Madame Sparvs und seinem Oktavo heraus, und plötzlich geht es nicht nur um die beiden, sondern um das ganze Königreich.

Kartenlegen und Fächersprache

Karen Engelmann hat selber acht Jahre in Schweden gelebt und kennt sich daher bestens mit der Geschichte des Landes aus. In ihrem ersten historischen Roman verbindet sie diese Geschichte mit der Französischen Revolution und stellt dabei einige Zusammenhänge her, die den meisten Lesern bislang unbekannt geblieben sein dürften. Allein daher lohnt sich die Anschaffung dieses ungewöhnlichen Romans, denn er beschreibt bislang unbeackertes Terrain.

Sie erzählt die Geschichte meist aus der Sicht von Emil Larsson, der von seinem Chef gesagt bekommt, dass er unbedingt heiraten muss, wenn er beruflich vorankommen will. Unter Zeitdruck eine Frau zu finden, ist nicht angenehm, aber da passt es ihm gut, dass Madame Sparv ihm ein Oktavo legt und er daher in neue gesellschaftliche Kreise kommt und dort auch viele Damen im heiratsfähigen Alter kennen lernt. Doch nicht jede Kandidatin ist auch für den entsprechenden Platz des "Gefährten" in seinem Oktavo geeignet.

Beeindruckend sind die Unterrichtsstunden der Baroness Uzanne, die jungen Damen beibringt, wie man nur mit einem Fächer Botschaften versendet, Gespräche führt, ja fast töten kann. Wer die Fächersprache beherrscht, ist auch bei den Herren begehrt und hat grosse gesellschaftliche Aufstiegschancen. Doch die Uzanne beherrscht nicht nur die Fächersprache, sondern sie hat auch noch grosse Intrigen im Sinn, wie sich herausstellt. Ihr ist nicht zu trauen, und doch ist sie ein wichtiger Markstein in Larssons Suche.

Intrigen in Adelskreisen

Christian Nordén, schwedischer Fächerhersteller von äußerst wertvollen Unikaten, die die Welt verändern und bedeuten können, und seine französische Frau Margot sind ebenfalls wichtige Leute der Gesellschaft, wie auch Christians jüngerer Bruder Lars, der es durch seine Art immer wieder schafft, Frauen in das Geschäft zu lotsen, die dann Unsummen dort lassen. Fächer sind eine Wissenschaft für sich, haben eigene Namen, sind unbezahlbare Unikate und aus dem Leben der gehobenen Klasse nicht wegzudenken. Ausführlich beschreibt die Autorin dies, fast ein wenig zu genau, doch taucht man so in eine völlig andere Welt ein und wagt es selber kaum, zu atmen, wenn den jungen Mädchen die wichtigsten Haltungen beigebracht werden.

Karen Engelmann nimmt sich viel Zeit in ihrer Erzählung und steigert das Tempo bis zum Ende mehr, ohne zwischendurch noch einmal anzuhalten. Durch Madame Sparv führt sie in das Oktavo ein und erklärt auch dessen Bedeutung. Jeden abend wird acht Abende lang eine neue Karte hinzugefügt, und so entsteht das grosse Oktavobild, das Emil Larssons Leben prägen wird. Aber dem Zeitpunkt, wo sein Oktavo fertig ist und er schon meint, einige Personen auf ihren Positionen zu kennen, beginnt sein Leben sich zu drehen und zu beschleunigen, Personen werden verschoben und ersetzt, bis erkannt wird, dass sein Oktavo und das von Madame Sparv enger als gedacht miteinander verbunden sind und zusammen ein grosses Oktavo ergeben, das Stockholm Oktavo. Die Erzählung nimmt Fahrt auf, und sie ist nicht mehr zu stoppen.

Die Personen sind alle geheimnisvoll, und doch gut charakterisiert. Engelmann kann erzählen, auch wenn man zwischendurch keine Idee hat, wohin das ganze letztlich führen soll. Und doch bleibt man gebannt bei der Lektüre und kann den 500-Seiten-Schmöker nicht aus der Hand legen. Der Zeitgeist und die Geschichte sind hervorragend eingefangen, die Menschen in ihren Kleidern und Sitten plastisch vor Augen geführt und alles mit einem Hauch von Delikatesse erzählt. Der Roman ist auch vom Schreibstil her flott zu lesen, sodass man sich direkt wieder einfinden kann, sollte man mal gezwungen sein, den Roman aus der Hand zu legen.

Ansprechende Ausstattung

Der Hoffmann und Campe Verlag hat dem Roman ein Hardcover gegönnt mit einem ungewöhnlichen und ansprechenden Coverbild, das angenehm auffällt. Im Inneren sind die Oktavos mit richtigen Karten grafisch abgedruckt, detailgetreu und mit viel Aufwand gestaltet, wofür dem Verlag ein Grisses Lob ausgesprochen werden muss. Eine Zeitleiste der Ereignisse von 1770 bis 1792 in Frankreich und parallel in Schweden in den Einbänden sowie ein Personenverzeichnis zu Beginn des Romans und ein Gross-Oktavo am Ende ergänzen einen prächtig aufgemachten Roman, der vor Intensität und Geschichte strotzt, der leicht anfängt und sich allmählich zu steigern weiß bis zum Höhepunkt, der hier nicht verraten werden soll, Freunden der Geschichte Schwedens aber durchaus bekannt sein dürfte.

Ein ungewöhnlicher Roman, der alle Sinne anspricht und sich in jedem Regal von Freunden historischer Romane gut macht, die auch gerne mal einen Roman abseits ihrer Lesegewohnheiten konsumieren. Äußerst gelungen, man darf auf weitere Romane aus der Feder der Autorin gespannt sein.

Das Stockholm Oktavo

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