Fürstin der Bettler

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2013, Titel: 'Fürstin der Bettler', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

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Rita Dell'Agnese
Eintauchen in die Abgründe der Menschlichkeit

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2013

Kurzgefasst:

Eine kalte Nacht im Jahr 1300. Als die Augsburger Apothekersfrau Hannah aus dem Schlaf aufschreckt, ahnt sie noch nicht, welche dramatische Wendung ihr Leben nehmen wird: Ihr Haus steht lichterloh in Flammen! Hannahs Mann ist dem Feuer zum Opfer gefallen, und ihre Tochter ist unauffindbar. Hannah kann dem Inferno entkommen, doch jemand trachtet ihr nach dem Leben. War der Brand etwa ein Anschlag? Als Bettlerin getarnt versucht sie, die Wahrheit aufzudecken - getrieben von der Hoffnung, ihre Tochter doch noch lebend wiederzusehen. Dabei kommt sie einem unfassbaren Skandal auf die Spur ...

 

Wer ist in der Feuersbrunst des Apothekerhauses in Augsburg tatsächlich ums Leben gekommen? Hannah ist eine der wenigen, die weiß, dass die weibliche Leiche nicht die Apothekerin war. Denn vor dem Brand, der sie in ein völlig neues Leben gezwungen hat, war Hannah selber diese Apothekerin. Nach dem Brand wurde die verstörte und verletzte Frau aufgegriffen und in den Kerker geworfen, wo man ihren Tod provozierte. Einer hilfreichen Seele verdankt Hannah, dass sie mit dem Leben davon gekommen ist. Aber solange sie nicht weiß, wer ihren Tod wollte, muss sie in einer neuen Existenz ausharren. Die Bettlerin Liss hilft Hannah dabei, in die Identität der im Kerker gestorbenen Röttel zu schlüpfen. Die vormals in guten Verhältnissen lebende Hannah tut sich schwer mit der Ungerechtigkeit und der stetigen Gefahr, die auf der Straße herrscht. So unternimmt sie auch alles, aufzudecken, wer hinter den Morden steckt, denen schon einige Kinder zum Opfer gefallen sind. Hannah begibt sich in Gefahr, steigt aber gleichzeitig in der Achtung der anderen Bettler. Als Hannah versteht, wer ihr wahrer Widersacher ist und weshalb sie sterben sollte, scheint es für sie zu spät.

Starke Bilder

Autor Peter Dempf arbeitet mit sehr starken Bildern. Der Einstieg in den Roman mit der Feuersbrunst bildet hier nur den Auftakt einer ganzen Reihe von atmosphärisch dichten Schauplätzen. Es gelingt dem Autor, die Umstände Augsburgs im 14. Jahrhundert nicht nur sichtbar, sondern erlebbar zu machen. Mit Fingerspitzengefühl skizziert er die einzelnen Charaktere und vermag es, ihnen überaus menschliche und damit glaubwürdige Wesenszüge zu verleihen. Hannah etwa, die als Apothekersfrau eine zwar behütete aber auch tragende Funktion inne hatte, lehnt sich eine ganze Weile gegen das ihr zugedachte Schicksal als Bettlerin Röttel auf. Sie tut dies mit allen Facetten, die ein Mensch in dieser Situation zu bieten hat. Sie schwankt irgendwo zwischen Wut und Verzweiflung, zwischen Mut und Verzagen - ganz auf die jeweilige Szene bezogen. Dem steht die manchmal fast stoische Gelassenheit Liss´ gegenüber, die ihr Schicksal als Bettlerin angenommen hat und lediglich danach trachtet, innerhalb dieses genau abgesteckten Feldes möglichst viel für sich herausholen zu können. Dass Liss dabei die Menschlichkeit nicht vergisst und Hannah alias Röttel treu zur Seite steht, mag wohl eine der kleinen Schwächen bei der Glaubwürdigkeit der Figuren sein. Angesichts des Widerstands, mit dem Hannah dem Dasein als Bettlerin - und auch Liss - gegenüber tritt, hätte wohl auch eine gelassene und in sich ruhende Persönlichkeit mit der Zeit die Geduld verloren.

Krimi und mehr

Dempfs Roman vereint zwei Richtungen innerhalb des Genres in sich - zum einen bietet er den klassischen historischen Roman, der stark von erläuternden Elementen lebt und dem Leser ein gut nachvollziehbares und eindrückliches Bild der damaligen Verhältnisse und Lebensweise vermittelt. Zum anderen kommen starke Krimi-Elemente zum Zuge und dies gleich auf zwei Ebenen. Zunächst steht die Frage im Raum, wer das Apothekerhaus in Brand gesteckt hat und welche Personen darin verbrannt sind. Dann aber drängt der Fall um die ermordeten Kinder in den Vordergrund. Beide Fragen versprechen ein beachtliches Maß an Spannung und machen den Roman zu einem temporeichen Lesevergnügen.

Mit Fürstin der Bettler hat Peter Dempf erneut einen historischen Roman vorgelegt, der sich von der breiten Masse abhebt und nicht zuletzt von seiner geübten Feder lebt, was die Ausarbeitung der Bilder betrifft. Sinnliche Eindrücke, eine überzeugende Figurenzeichnung und ein spannender Plot erwarten die Leser. Da mag man auch darüber hinweg sehen, dass der Roman ab der Mitte etwas schwächelt und erst im letzten Viertel wieder gehörig Fahrt aufnimmt. Alles in allem hat Fürstin der Bettler alles zu bieten, was man sich von einem guten historischen Roman erwarten darf - inklusive eines ansprechenden Covers.

Fürstin der Bettler

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Letzte Kommentare:
30.03.2013 14:07:45
mabuerele

Es ist das Jahr 1300. Hannah, Frau des Apothekers in Augsburg, erwacht. Ihr Mann liegt nicht neben ihr, und sie spürt ein Kratzen im Hals. Nur wenige Minuten vergehen bis sie begreift, dass das Haus brennt. Sie kann sich retten, doch wo ist ihr Mann und die 14jährige Tochter Gera? Von Brandwunden entstellt, wird sie selbst von der Nachbarin nicht erkannt. Als sie sich nochmals den Haus nähert, wird sie als Plünderin verhaftet.
Nichts in ihrem Leben ist mehr wie vorher. Zwar rettet ihr ein Wärter, dem ihr Mann einst geholfen hat, das Leben, doch sie muss Namen und Herrkunft verleugnen. Irgendjemand trachtet ihr hach dem Leben. Sie ist in der Hierarchie der Stadt ganz unten angekommen. Wie wird man damit fertig, aus einem begüterten Haushalt kommend nun mit dem Ärmsten der Armen zusammenleben zu müssen?
Wenige Tage nach dem Brand erscheint ein geheimnisvoller Mann im Kloster und verlangt von Bruder Adilbert, eine Besitzurkunde auszufertigen. Adilbert hatte gerade für einen Mitbruder Ausschnitte aus dem Hohelied Salomos kopiert. Das nahm der Unbekannte als Druckmittel.
Der Autor hat einen abwechslungsreichen historischen Roman geschrieben. Die Beschreibung der Stadt und des städtischen Lebens zeugen von exakter Recherche. Der Roman spielt in großen Teilen im Milieu der Bettler. Es war für mich interessant zu erfahren, dass es dort nicht nur eine Rangordnung, sondern auch festgelegte Regeln und Strukturen gab.
Die Protagonisten sind gut charakterisiert. Hannah, die sich erst im neuen Leben zurechtfinden muss, nimmt bald das Zepter selbst in die Hand. Aus Angst um ihre Tochter geht sie an die Grenzen menschlichen Handelns.
Adilbert, der Mönch, fällt durch seine Intelligenz auf. Er ist ein Verwandlungskünstler und bleibt immer liebenswürdig.
Gut gefallen hat mir, dass die Handelnden nicht einseitig dargestellt wurden, sondern neben ihren Stärken auch Fehler und Schwächen haben. Außer Adilbert kommen allerdings fast alle anderen Männer im Buch nicht gut weg. Das ist einfach dem Thema geschuldet.
Dem Autor ist es ausgezeichnet gelungen, von Beginn an Spannung aufzubauen. Dieser Spannungsbogen konnte die ganze Zeit gehalten werden und nahm am Schluss noch zu. Das Ende fügt sich logisch in die Geschichte ein.
Das Buch ließ sich zügig lesen. Die Verwendung historischer Begriffe und Ortsbezeichnungen geben ihm eine gewisse Authentizität. Dem Autor ist eine geschickte Kombination von Kriminalroman und historischer Erzählung gelungen, wobei die Krimihandlung gekonnt in das geschichtlichen Umfeld eingebaut wurde.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich werde es gern weiterempfehlen.

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