Fahnenflucht

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2013, Titel: 'Fahnenflucht', Originalausgabe

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97

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Christina Wohlgemuth
Historische Sozialstudie oder satirischer Krimi? Beides!

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Feb 2013

Kurzgefasst:

Berlin im Jahre 1917. Es gibt Massenstreiks gegen den Krieg und Hunger, auf den Märkten werden Stände geplündert, Schwarzhändler erzielen Höchstpreise. Um nicht an der Front verheizt zu werden, desertiert der junge Friseur Louis Maleike, verkleidet sich als Frau und lebt als Louise Schulz in einem kriegsbedingt geschlossenen Herrenfrisiersalon. Als ein Mord geschieht, gerät Louise alias Louis unter Verdacht und muss untertauchen. Kommissar Fokko von Falkenrhede heftet sich an seine Fersen.

 

Berlin im Jahre 1917: während im Westen wie im Osten der Krieg bereits in seinem dritten Jahr tobt, leidet die Zivilbevölkerung zusehends unter den Entbehrungen. Essensrationierung, kaum eine Familie, die nicht ein Mitglied an den Krieg verloren hat. Und immer mehr Deserteure versuchen, ihr Leben zu retten, und tauchen in Berlin unter. Unter ihnen Louis Maleike, der als Louise Schulz verkleidet in einem Friseursalon untertaucht. Doch als in eben jenem Salon ein Mord geschieht und sich Kriminalkommissar Fokko von Falkenrhede anschickt, zu ermitteln, muss Louis alias Louise fliehen.

Es ist bereits der zweite historische Kriminalroman von Horst Bosetzky, in dem er Fokko von Falkenrhede ermitteln lässt. Inmitten von Kriegsprotesten, Hunger und schwelender Revolutionslust muss er gemeinsam mit seinem Kollegen Markwitz den Mörder von Hertha Theuerkauf finden, die tot in einem Friseursalon liegt. Dabei stehen ihm nicht nur lügende Zeugen und nervende Vorgesetzte im Weg, sondern auch sein Privatleben, denn Fokko ist neben der Arbeit vor allem mit seiner Liebsten Bettina beschäftigt.

Genre unbekannt!

Horst Bosetzky Roman lässt sich in keine Schublade stecken. Der Verlag selbst hat der Geschichte den Untertitel "Kriminalroman" gegeben. Das ist er mit Sicherheit. Aber Fahnenflucht ist auch eine große Sozialstudie, die dem Leser die Stimmung im kriegsmüden Berlin nahe bringt. Es sind meist kleine Episoden, die den Zeitgeist widerspiegeln, doch sie fügen sich über die etwa 270 Seiten zu einem interessanten und stimmigen Gesamtbild zusammen.

Deshalb handelt es sich hierbei natürlich auch um einen historischen Roman, denn der Zeitgeist des Ersten Weltkrieges spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Und schließlich ist Fahnenflucht auch ein Stück weit Satire, denn der spitze Humor und die teils überzeichneten Nebenfiguren lassen den Leser mehrmals herzhaft lachen. Eine eindeutige Genreeinordnung ist hier also mehr als schwierig.

Plastische Charaktere und spannender Kriminalfall

Bosetzkys große Stärke sind seine Figuren: bis in die kleinste Nebenrolle sind seine Figuren plastisch und dreidimensional. Selbst in der Kürze ihrer Auftritte prägen sich die Charaktere dem Leser ins Gedächtnis ein: der wollüstige Mieter im Haus der Verstorbenen ebenso wie der leicht senile Onkel des Ermittlers, der auf allen Familienfeiern Narrenfreiheit genießt. An Glaubwürdigkeit mag es ihnen fehlen, dafür sind sie zu überzeichnet. Doch dies ist vom Autor so gewollt, so dass diese Tatsache in keiner Weise negativ ins Gewicht fällt.

Der Kriminalfall, der im Vordergrund steht, lässt sich sehr spannend an: obwohl der Leser einen leichten Wissensvorsprung hat, wird ihm die Lösung keineswegs auf dem Silbertablett serviert. Er stößt ebenso in Sackgassen wie Ermittler Fokko, und die wahre Lösung erschließt sich erst am Ende der Geschichte. Dabei hält der Autor die Spannung konstant, und auch die kleinen Familienepisoden unterbrechen diese Spannung nicht, sondern bieten dem Leser lediglich ein wenig Erholung.

Größter Pluspunkt: der Stil!

Egal, ob er den Weg zum Alexanderplatz beschreibt oder eine Leichenschau: Horst Bosetzky zeichnet sich durch einen einzigartigen Stil aus. Humorvoll, unterhaltsam, manchmal auf ernsthaft, stets jedoch auf hohem Niveau und ansprechend. Fahnenflucht lässt sich vielleicht nicht an einem Tag lesen, doch das tut dem Werk keinen Abbruch.

Besonders wenn der Autor von Berlin erzählt, wirkt seine Schreibe lebendiger denn je. Wer schon einmal in Berlin war, wird die Wege und Orte wiedererkennen. Wer Berlin nicht kennt, hat nach Fahnenflucht definitiv Lust, sich Deutschlands Weltstadt einmal persönlich anzusehen. Hier spürt man in nahezu jeder Zeile die Liebe zu Berlin. Vor allem wenn Markwitz oder andere Nebenfiguren "berlinern", erreicht der Berliner Zeitgeist seinen Höhepunkt.

Spannender und unterhaltsamer Soziokrimi, der Lust auf mehr macht

Fahnenflucht ist ein spannender, unterhaltsamer und humorvoller Krimi vor historischer Kulisse, der dem Leser trotz seiner Kürze noch lange im Gedächtnis bleibt und neben der Lust auf Berlin auch die Lust auf weitere Fälle mit Fokko von Falkenrhede weckt. Nicht nur für "jeborene Berliner" uneingeschränkt empfehlenswert!

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