Operation Villa Hügel

  • Gmeiner
  • Erschienen: Januar 2013
  • Gmeiner, 2013, Titel: 'Operation Villa Hügel', Originalausgabe
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Carsten Jaehner
87

Histo-Couch Rezension vonFeb 2013

Forelle in Buttersoße für den Führer

Kurzgefasst:

Februar 1943. Paddy Mayne und vier Kameraden von der britischen Spezialeinheit SAS landen mit dem Fallschirm im Ruhrgebiet. Ihr Ziel: Peilsender an die Villa Hügel anbringen, dem Wohnsitz der Familie Krupp, in der laut geheimen Informationen Hitler persönlich erwartet wird. In deutschen Uniformen finden sie sich im Land ihres Feindes wieder, eine lebensgefährliche Mission beginnt. Das Ziel scheint unerreichbar, denn die Villa ist der derzeit bestbewachte Ort im Deutschen Reich.

 

Im Frühjahr 1943 ereilt die englische Stabsführung das Gerücht, dass Adolf Hitler in den kommenden Tagen die Villa Hügel in Essen besuchen soll. Für einen gezielten Luftangriff sind die Waffen der Engländer jedoch nicht präzise genug. Doch da ergibt sich die Möglichkeit, eine neue technische Entwicklung einzusetzen: Peilsender, die an der Villa angebracht werden müssen, damit die Bomben genau ins Ziel treffen.

Premier Churchill schickt eine Spezialeinheit nach Deutschland, die die Sender anbringen soll. Paddy Mayne und vier weitere Kameraden springen nächtens von einem Flugzeug ab, und bereits bei der Landung verletzt sich der Anführer schwer. Doch die Mission steht im Vordergrund, und sie müssen vorsichtig vorgehen, denn die Villa Hügel gilt als eines der best bewachtsten Objekte des Deutschen Reiches.

Zusammen mit einigen Männern aus der deutschen Untergrundbewegung versuchen die Männer, das Unmögliche möglich zu machen und nähern sich der Villa. Doch auch die Deutschen sind nicht dumm und haben bemerkt, dass etwas vor sich geht. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt...

Temporeiches Debüt

Mike Steinhausen ist mit seinem Roman ein temporeiches Debüt gelungen, dass den Leser immer wieder in Atem hält. Im Jahr 1943 soll der "Führer" nach Essen kommen, um die Krupp-Familie in der Villa Hügel zu besuchen. Bewegungen in der Gegend um die Villa und abgefangene Nachrichten, die auf Vorbereitungen auf "Forelle in Buttersoße", des Führers Leibgericht, schließen lassen, bringen die Briten in Gang und lassen sie eine fünfköpfige Spezialeinheit mit drei Sendern über dem Ruhrgebiet abspringen, um die gefährliche Mission zu erfüllen.

Steinhausen hat seinen Protagonisten diverse Fähigkeiten zugesprochen, die man als Mitglied einer Spezialeinheit wohl haben muss, doch ein gutes Gehör und eine gewisse Reaktionsschnelligkeit sind nichts gegen eine gewisse Portion Glück, die man auch braucht, um den Hunden der Wache zu entkommen oder überhaupt auf das Gelände der Villa Hügel vorzudringen. Das alles fesselt den Leser auf jeder Seite an die Lektüre, man kann sich nie sicher sein, ob die Pläne, die eigentlich schon mit der Landung mit einem verletzten Commander zunichte gemacht sind, auch aufgehen werden.

Schnörkellose Erzählweise

Geschickt verwebt Steinhausen die Handlungen der deutschen Widerständler mit denen der Spezialeinheit, die sich früher trennen müssen, als erwartet. Steinhausen findet sinnvolle Lösungen für das Sprachproblem, das Uniformproblem und weitere drohende Unannehmlichkeiten, und so gerät der Roman zu einem Thriller aus einem Guss, der sich nur schwerlich aus der Hand legen lässt, bevor die letzte Seite erreicht ist.

Steinhausens Sprache ist einfach, schnörkellos und geradeaus, was der Spannung des Romans mehr als zugute kommt. Hier gibt es keine unnützen Palavereien, und Informationen, die der Leser braucht, werden geschickt in Handlung oder Dialog mitgeteilt.

Spannend und actionreich

Die Rahmenhandlung des Romans bilden jeweils Szenen im Londoner Büro von Winston Churchill, worüber leider nicht mehr verraten werden kann, ohne zu sehr auf den Schlußplot des Romans einzugehen. In jedem Fall zeigt das Ende des gut 300seitigen Romans ein paar Aspekte über den tatsächlichen Wahrheitsgehalt im Hintergrund des Romans auf.

Insgesamt ist Mike Steinhausen ein flüssiger und spannender Roman gelungen, der allerdings das Prädikat "Kriminalroman" auf dem Cover nicht verdient, sondern eher als "historischer Thriller" bezeichnet werden kann. Enorm temporeich und mit Wortwitz durchlebt man mit der Sondereinheit viele Situationen zu Lande, zu Wasser, in der Luft, in Kanalröhren, Wäldern und auf stillgelegten Firmengeländen. Da der Autor die Dritte-Reich-Karte auch nicht zu häufig ausspielt, dürfte der Roman auch etwas für Leser sein, die sonst einen Bogen um Bücher aus dieser Zeit machen. Der Leser darf sich hoffentlich auf weitere spannende Romane aus der Feder des Autors freuen.

Operation Villa Hügel

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