Der Henker von Paris

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • , 2013, Titel: 'Der Henker von Paris', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Monsieur de Paris - Henker wider Willen

Buch-Rezension von Birgit Borloni Feb 2013

Kurzgefasst:

Charles-Henri Sanson fühlt sich zum Arzt berufen. Doch auf seiner Familie lastet ein Fluch, der ihm bereits in der Schule zum Verhängnis wird: Man erkennt ihn als Sohn des Henkers, eine medizinische Laufbahn bleibt ihm verwehrt, er muss in die Fußstapfen seines Vaters treten. Töten statt heilen. Sanson wird zum Gefangenen seines Schicksals, die Qualen der Todeskandidaten werden zu seinen eigenen. Tagsüber richtet er auf dem Schafott, abends spielt er Klavier, und nachts seziert er die Leichen, um die menschliche Anatomie zu erforschen. Während der Terrorherrschaft im Gefolge der Französischen Revolution guillotiniert "Monsieur de Paris" über 3000 Menschen. Die Stadt ertrinkt im Blut, und Sanson verliert allmählich den Verstand. Verzweifelt sucht er nach Menschlichkeit und Anerkennung. Die Liebe einer siamesischen Studentin, die er gleichwohl nicht heiraten darf, gibt ihm Halt. Bis sie selbst auf die Todeslisten der Revolutionäre gerät ...

 

Kann ein Fluch auf jemandem lasten? Ein Fluch, der nicht nur das eigene Leben überschattet, sondern eine ganze Familie? Diese Frage stellt sich Charles-Henri Sanson im Laufe seines Lebens des Öfteren. Er stammt aus einer Henkerdynastie (sogar sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits) und möchte diesen Beruf auf keinen Fall ergreifen. Verständlich, waren Henker doch zu allen Zeiten nicht sonderlich wohlgelitten, schließlich klebte an ihren Händen das Blut nicht nur sprichwörtlich.

Charles-Henri fühlt sich eher zum Heilen als zum Töten berufen und möchte Arzt werden. Auch wenn Henker traditionell ebenfalls etwas von der Heilkunst verstanden, so reicht ihm das nicht, er möchte sich dieser Berufung voll und ganz widmen. Unterstützt von seinem Vater, der ebenfalls diesem Beruf entfliehen wollte, es aber nicht geschafft hat, beginnt er Medizin zu studieren, aber ein Schlaganfall seines Vaters zwingt ihn schließlich doch aufs Schafott.

Über ein blutiges Handwerk

In seinem neuesten Roman Der Henker von Paris erzählt Claude Cueni die Geschichte des wohl berühmtesten Henkers. Des Henkers, der Monsieur de Paris genannt wurde und während der Französischen Revolution und des darauf folgenden Terrorregimes sein blutiges Werk fast wie im Akkord verrichten musste. Durch Charles-Henris Sichtweise und am Anfang des Buchs durch die seines Vaters und Großvaters bekommt der Leser einen Einblick in die Welt eines Henkers: Seine Arbeit, seine isolierte Stellung, seine Gedanken und Gefühle und die unterschiedlichen Wege, mit dieser Profession umzugehen: Akzeptanz, Resignation, Leidenschaft und die innerliche Zerrissenheit, wenn gerade die Akzeptanz nicht gelingen will.

Man erfährt sehr viel über die Lebensumstände des Henkers, über die Furcht der Leute, die Abscheu, aber auch die Bewunderung und die Erwartungshaltung der Leute, die eine "spektakuläre" Hinrichtung sehen wollen. Gerade dieser Bewunderung kann sich Charles-Henri anfangs nur schwer entziehen, denn "Man kann sich gegen vieles schützen im Leben, aber selten gegen Lob. Gegen Lob ist kaum jemand immun." Besonders, wenn einem außerhalb seiner Arbeit die Anerkennung verwehrt bleibt.

Für zartbesaitete Leser ist das Buch allerdings nicht geeignet. Cueni nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Hinrichtungen und diversen Folterarten geht. Schonungslos und teilweise detailverliebt erzählt er von den Grausamkeiten, die der Henker im Namen des Königs anrichten musste und dabei ging es nun wirklich nicht zimperlich zu. Charles erste Hinrichtung ist besonders grausam: Er muss Robert Francois Damiens richten, der ein fehlgeschlagenes Attentat auf König Louis XV. verübt hat und dafür nun teuer bezahlt.

Radikale politische Umstürze und Verhältnisse

Doch nicht nur das Henkershandwerk steht im Mittelpunkt des Romans, sondern auch die politische Situation bzw. der komplette Umsturz der bestehenden Verhältnisse, ausgelöst durch die Französische Revolution. Man erlebt als Leser hautnah mit, wie sich Unmut im Volk breit macht und sich langsam steigert. Ein Großteil der Pariser Bevölkerung hungert, das Geld, das ein Tagelöhner verdient, ist am Abend noch nicht einmal mehr einen Laib Brot wert. Doch die Abgaben und Steuern steigen immer mehr, denn Adel und Klerus sowie der König selber brauchen immer mehr Geld, um ihre horrenden Ausgaben für Ausschweifungen aller Art auch nur annähernd zu decken. Zunächst König Louis XV., dann sein Sohn König Louis XVI. versäumen es, sich als Vater für ihr Volk zu zeigen, seine Nöte und Hilflosigkeit wahrzunehmen und schließlich bricht sich die Wut ungezügelt Bahn.

Doch auch wenn die Werte der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - mittlerweile der Wahlspruch Frankreichs sind und auch in der dortigen Verfassung verankert, wurden sie während und nach der Revolution ins Groteske verzerrt: Von Freiheit und Brüderlichkeit war wenig zu spüren, das Denunziantentum trieb wilde Blüte und brachte Abertausende auf das Schafott. Auch die Gleichheit war nur formal durchzusetzen. Zwar konnte jeder, ungeachtet der Herkunft, in hohe Positionen gelangen, doch durch Machtgier und Skrupellosigkeit waren manche weiterhin "gleicher" als andere.

Für Charles-Henri Sanson sind es furchtbare Jahre, er muss täglich Hunderte von Menschen vom Leben zum Tod befördern und darunter sind auch Leute, die ihm nahestehen, ja, die er sogar liebt.

Die Guillotine, über deren Erfindung man ebenfalls einige interessante Details erfährt, wurde ursprünglich als Werkzeug der Humanität gepriesen: Schnell, schmerzlos und für alle Verurteilten gleich. Während der Terrorjahre wurde sie zum Werkzeugs des Massenmords, erlaubte sie doch tatsächlich, das Henkerswerk im Akkord zu verrichten: Verurteilter aufs Schafott, festbinden, Fallbeil lösen, Kopf ab, Körper entfernen, während bereits der nächste die Stufen hinaufgeführt wird. Man fragt sich mehr als einmal, ob Charles-Henri das aushält, ohne den Verstand zu verlieren.

Faszinierend und zugleich blutig

Claude Cueni ist mit Der Henker von Paris ein faszinierender, sehr vielschichtiger, aber auch sehr blutiger Roman gelungen, der eine Fülle an Details - politische, gesellschaftliche und das Henkertum betreffende - enthält, ohne dabei jemals überfrachtet zu wirken. "Monsieur de Paris" zieht einen in seinen Bann, man entwickelt bald Sympathien für ihn, ungeachtet seines Handwerks, und kann seine Zerrissenheit nur zu gut nachvollziehen.

Ein wirklich empfehlenswerter Roman über eine düstere Zeit und ein düsteres Handwerk, der allerdings nur für die Leser geeignet ist, denen Szenen über Blut, Folter und Tod keine Übelkeitsanfälle verursachen.

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