Im Reich der Löwin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Bookspot, 2012, Titel: 'Im Reich der Löwin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Rita Dell'Agnese
Eintauchen in die Geschichte um Richard Löwenherz

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2013

Schwerter und Rosen geht weiter: Silvia Stolzenburg nimmt ihre Leserinnen und Leser mit ins Jahr 1194 nach Frankreich. Dort, auf einer kleinen Burg, erfährt die 14jährige, bis dahin behütete Tochter des Hauses, dass sie einen wesentlich älteren, stinkenden und unangenehm aufdringlichen Mann heiraten muss. Weder Jeanne noch ihrer Mutter gelingt es, den Vater umzustimmen. Denn mit der Rückkehr von Richard Löwenherz aus der Gefangenschaft zieht eine Welle der Gewalt durch Frankreich. Richards Bruder John Lackland ist vor dessen Rache nach Frankreich geflüchtet. Der große englische König verfolgt ihn und nutzt die Gelegenheit, auch gleich gegen seinen Widersacher Philipp II. vorzugehen. Richards junger Bruder Roland Plantagenet, aus einer unehelichen Liaison des gemeinsamen Vaters hervorgegangen, will ihm dabei als Knappe dienen. Als Roland auf Jeanne trifft, wird seine Loyalität auf die Probe gestellt. Denn der Knappe verliebt sich unsterblich in die unglückliche junge Frau. Diese aber soll - so will es Richard - dazu dienen, die Beziehungen des englischen Königs zu verbessern und damit dessen Stellung stärken. Roland wächst an der Situation und entwickelt sich zu einem selbstbewussten Ritter, der jedoch nicht nur für den König, sondern auch für sein eigenes Glück kämpfen will.

Viele Schauplätze, viele Sprünge

Es ist ein etwas atemloser Ausflug in die Geschichte des 12. und 13. Jahrhunderts, in die die Autorin Silvia Stolzenburg ihr Publikum mitnimmt. Schnell wechselnde Szenerien verlangen von den Lesern einiges ab. Dessen ist sich die Autorin aber bewusst: Sie weist nicht nur zu Beginn des Romans darauf hin, dass es sich hier um einen zweiten Band handelt, sie präsentiert auch ein gut aufgebautes Personenregister, welches dazu beiträgt, den Überblick über die handelnden Figuren zu behalten. Informativ ist dabei auch die klare Unterscheidung zwischen historisch belegten und fiktiven Persönlichkeiten. In ihrer Geschichte stellt Silvia Stolzenburg etwa die Sagengestalt Robin Loxley alias Robin Hood und dessen Gemahlin Lady Marian an die Seite des Königs. Mehr noch, der Kämpfer für Gerechtigkeit wird als eine der wichtigsten Figuren gehandelt, als es darum ging, das Lösegeld für Richard Löwenherz zusammen zu bringen und ihm die rechtzeitige Rückkehr nach England zu ermöglichen. Hier spielt die Autorin sehr geschickt mit den historischen Fakten und der auch hierzulande beliebten Sage und verknüpft sie zu einer stimmigen Einheit. Dank der jeweils klaren Auszeichnung der Schauplätze ist es dem Leser möglich, die Sprünge zwischen Frankreich, Deutschland und England gut nachzuvollziehen.

Gut gewählte Figuren

Eine glückliche Hand und viel Empathie beweist die Autorin Silvia Stolzenburg bei der Wahl ihrer Protagonisten. Wo möglich setzt sie historische Persönlichkeiten ein und stellt ihre Rolle in der Geschichte Europas gut dar. Wo nötig ergänzt sie den Personenstamm um fiktive Figuren, die dafür sorgen, dass nebst einer umfassenden Aufarbeitung der geschichtlichen Fakten auch der Teil des Romans nicht zu kurz kommt, der dem Leser nicht nur die Ereignisse, sondern auch die Protagonisten nahe bringt. Hier wählt die Autorin allerdings die klare Aufteilung zwischen Gut und Böse, was bei einigen Figuren etwas oberflächlich wirkt. Gerade der sich um die junge Jeanne bemühende Roland Plantagenet wirkt teilweise etwas zu heldenhaft. Er verkörpert alles, was sich die Leserinnen von einem Liebesroman vor historischer Kulisse erwarten - das aber ist dieser Roman ganz und gar nicht. Er ist ein in die Tiefe gehender und umfassend informativer historischer Roman, der von einer intensiven Auseinandersetzung der Autorin mit der gewählten Epoche zeugt.

Es mag sein, dass Silvia Stolzenburg mit Im Reich der Löwin zu viel wollte und deshalb den Roman etwas gar stark befrachtet hat. Dem Leservergnügen aber tut dies keinen Abbruch. Dass es unter anderem durch die heldenhafte Gestalt von Roland Plantagenet zu der einen oder anderen winzigen Ungenauigkeit kommt, darüber mag man angesichts der guten Kombination von Historie und Fiktion gerne hinweg sehen. Letztlich ist Im Reich der Löwin nicht nur den Lesern zu empfehlen, die bereits Gefallen am ersten Teil gefunden haben - doch wird durch die Vertrautheit mit einigen handelnden Figuren aus dem ersten Band der Lesegenuss noch erhöht.

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