Die vierte Zeugin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2012, Titel: 'Die vierte Zeugin', Originalausgabe

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Daniela Loisl
12 verschiedene Autoren - innovativ und gelungen!

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jan 2013

Kurzgefasst:

Köln im Jahre 1534. Ein ungewöhnlicher Gerichtsfall hält die Stadt in Atem: Der Londoner Geschäftsmann Richard Charman verklagt die Tuchhändlerwitwe Agnes Imhoff, um eine Schuld ihres unter rätselhaften Umständen verstorbenen Ehemanns Andreas zu begleichen. Agnes droht alles zu verlieren. Als sie versucht, ihre Unschuld an den Taten ihre Mannes zu beweisen, offenbart sich nicht nur ein Familiendrama, Stück für Stück gelangen tödliche Intrigen, Lügen und politische Verflechtungen ans Licht, die bis ins englische Königshaus reichen. Doch bis zuletzt stellt sich die Frage: Wer ist Agnes Imhoff wirklich - Opfer oder Täter?

 

Es ist schon eine große Herausforderung, wenn zwei Autoren versuchen einen Roman zu schreiben, aber gleich zwölf?

Der Autorenkreis "Quo Vadis" hat sich nun bereits zum vierten Mal die Aufgabe gestellt, einen Gemeinschaftsroman zu verfassen. Dem Roman Die vierte Zeugin liegt eine Gerichtsakte aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, einem wahren Fall also, als Grundlage vor. Warum dieser Fall? Das hat leider einen nicht sehr erfreulichen Hintergrund:

2009 stürzte das Stadtarchiv in Köln ein und neben den baulichen Schäden war auch eine Restaurierung unzähliger alter Dokumente notwendig. Heike Koschyk und Alf Leue, Herausgeber des Buches, hatten damals mit den miteingebundenen Autoren beschlossen, dass die Einnahmen von den deutschlandweiten Autorenlesungen zu diesem Buch den Kölner Stadtarchiven gestiftet werden sollen. Letztendlich konnten durch die Einnahmen Restaurierungen von zwei Archivalien finanziert werden. So hat dieses Buch nicht nur einen unterhaltenden, sondern auch einen sozialen Wert.

Im Köln des Jahres 1534 steht also die junge und schöne Witwe des Tuchhändlers Imhoff vor Gericht. Der Londonder Kaufmann Charman behauptet, dass Agnes Imhoff ihm viel Geld schuldet, weil sie von den Betrügereien ihres Mannes Bescheid wusste. Agnes Imhoff kann es nicht fassen, ist sich aber sicher, ihre Unschuld beweisen zu können, nicht ahnend, mit welchen Lügen und Intrigen das Netz, in dem sie sich verfangen soll, bereits gestrickt ist.

Jeder Figur ihre Stimme

Zwei Kapitel hat jeder der zwölf Autoren geschrieben und man ertappt sich bei dem Gedanken, dass so etwas doch eigentlich gar nicht gut funktionieren kann, hat doch jeder Autor seinen eigenen Erzähl- und Sprachstil. Wie soll in so eine Geschichte Harmonie kommen, sodass sich alles zu einer Einheit zusammenfügt?

Die Autoren haben eine sehr einfache, aber dennoch hervorragende Lösung gefunden. Jeder Autor übernimmt quasi eine Figur und erzählt die Ereignisse zu diesem Fall aus seiner Perspektive. Auf diese eigentlich fast genial einfache Weise gelingt den zwölfen etwas, was einem einzelnen Autor, wenn überhaupt, so zumindest nur sehr schwer zu gelingen vermag. Jede Figur wird zu einer eigenen Persönlichkeit mit eigener Sprache und individuellen Gedankengängen. Die Figuren werden so lebendig wie selten in einem Roman. Die subjektive Wahrnehmung der Geschichte ist auch wirklich subjektiv und nicht geprägt durch die vielleicht nicht immer einfache Empathie eines Autors in mehrere Figuren.

Innovative und nicht vorhersehbare Erzählung

Macht man sich als Leser ganz automatisch Gedanken darüber, wie der weitere Verlauf einer Geschichte wohl sein wird, so gehen die meisten Spekulationen und Annahmen hier wohl in die verkehrte Richtung und der Leser wird sich dabei ertappen, seine zurechtgelegten Gedanken wiederholt revidieren zu müssen. Aber man begleitet nicht nur Agnes Imhoff durch diesen Fall, sondern später auch noch ihre Tochter Sophie. So gibt es neben der Protagonistin und ihrer Tochter noch genug andere Figuren wie Richter, Anwalt oder auch Schwägerin, die allesamt ihren Part hervorragend beherrschen. Freunde und Feinde unterscheiden sich oft gar nicht so viel wie gedacht und sukzessiv kommt die Wahrheit ans Licht.

Durch das Zuteilen verschiedener Figuren an die Autoren sind auch alle sprachlichen oder erzählerischen Unterschiede von vornherein aus dem Weg geräumt. Jede Figur denkt und spricht anders und so werden die feinen Unterschiede nicht als störend empfunden.

Ein sehr innovativer und erfrischend anderer Ausritt in das Köln des 16. Jahrhunderts. Kurzweilig, interessant und wendungsreich bieten mit diesem Buch zwölf erfahrene Autoren feine Unterhaltung mit fundiertem Hintergrund.

Die vierte Zeugin

Die vierte Zeugin

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Letzte Kommentare:
17.02.2013 22:46:26
Zabou1964

Dieser historische Kriminalroman ist ein Gemeinschaftswerk von zwölf Autoren des Autorenkreises „Quo Vadis“. Er basiert auf einem wahren Prozess, der in Köln im 16. Jahrhundert verhandelt wurde. Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie von den verschiedenen Autoren jeweils aus einer anderen Perspektive erzählt wird. So bekommt der Leser einen Eindruck aus zwölf verschiedenen Blickwinkeln.

Angeklagt ist die Tuchhändlerwitwe Agnes Imhoff. Ihr unter seltsamen Umständen verstorbener Ehemann Andreas hat den englischen Geschäftsmann Richard Charman betrogen. Im Prozess soll geklärt werden, ob die Witwe für den von ihrem Mann verursachten Schaden haftbar gemacht werden kann. Eigentlich sind Frauen zu dieser Zeit nicht geschäftsfähig gewesen. Es hat sich allerdings als Unsitte eingebürgert, dass Männer ihren Ehefrauen ihr Eigentum überschrieben, damit sie bei Betrügereien nicht zur Rechenschaft gezogen werden konnten. An Agnes Imhoff soll nun ein Exempel statuiert werden.

Besonders interessant fand ich an diesem Werk die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Charaktere auf das Geschehen. Dass hier jeder der zwölf Autoren eine andere Figur beschreibt, machte den Roman für mich zu einem echten Leseerlebnis. Obwohl der Ausgang der Gerichtsverhandlung recht schnell klar wird, verlor die Geschichte nicht an Spannung. Denn es blieb weiterhin ungewiss, inwieweit Agnes Imhoff Schuld an dem Betrug trägt.

Anlass für dieses Werk war der Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009. Die Mitglieder des Autorenkreises „Quo Vadis“ haben sich durch Lesungen und diesen Roman für die Wiederherstellung der Prozessakten des Falles Agnes Imhoff eingesetzt. In einem Nachwort erklären die Herausgeber Heike Koschyk und Alf Leue die Hintergründe.

Fazit:
Dieser Roman ist wahrlich ein spannendes Meisterwerk mit einem realen Hintergrund.