Sehet die Sünder

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2013, Titel: 'Sehet die Sünder', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
In der Bretagne geht die Angst um

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2013

Kurzgefasst:

Bretagne, 1440. Grausame Dinge geschehen in dem kleinen Dorf Saint Mourelles. Menschen verschwinden und werden ermordet im Wald aufgefunden. Misstrauen und Angst machen sich breit und stellen die sonst so harmonische Dorfgemeinschaft auf eine harte Probe. Catheline, die Haushälterin des Dorfpfarrers, und der junge Bauer Mathis beschließen, den entsetzlichen Vorfällen auf den Grund zu gehen. Denn es gibt Spuren, und die führen zum nahegelegenen Schloss. Niemand ahnt, dass sich auch der Bischof von Nantes mit einer geheimen Untersuchung der Vorgänge einschaltet.

 

In Saint Mourelle verschwinden kurz nacheinander zwei Kinder spurlos. Die Eltern suchen verzweifelt nach einer Erklärung. Bald macht sich im Ort Angst breit. Erste Stimmen beschuldigen den geistig zurückgebliebenen Avel, etwas mit dem Verschwinden der Kinder zu tun zu haben. Avel wird Zielscheibe von gehässigen Angriffen. Dann verschwindet auch er. Als Catheline, Haushälterin beim Pfarrer, seine Leiche entdeckt, ist das Entsetzen der Dorfbevölkerung groß. Der junge Bauer Mathis macht sich auf ins nahgelegene Schloss, um mit dem Baron über die Ereignisse im Dorf zu sprechen. Seit er dem Baron bei einem Überfall durch marodierende Söldner das Leben gerettet hat, hat dieser ein offenes Ohr für seinen Untergebenen. Erst recht, da Mathis beim Überfall verwundet wurde und sich seither mit einem lahmen Bein quält. Doch obwohl der Baron verspricht, seine Männer nach möglichen Tätern Ausschau halten zu lassen, verschwinden weitere Dorfbewohner, um kurz darauf tot aufgefunden zu werden. Die Spuren führen ins Schloss. Dort aber hat man eigene Probleme. Die Finanzen sind knapp und Bérénice, die Frau des Barons, muss zähneknirschend zusehen, wie ihr Mann die wertvollen Güter zu Schleuderpreisen verkauft, um den aufwändigen Lebensstil finanzieren zu können.

Kantige Charaktere

Liv Winterberg bevölkert ihren Roman mit zahlreichen knorrigen und kantigen Figuren. Zwar schälen sich Bauer Mathis und Haushälterin Catheline als eigentliche Hauptfiguren heraus, doch sind sie nicht die einzig tragenden Elemente des Romans. Vielmehr kommt die geschickt aufgebaute Verbindung der einzelnen Figuren miteinander zum Tragen. Die Autorin hat ein Beziehungsnetz gewebt, auf dem sich die Geschichte optimal entfalten kann und das jeder einzelnen Figur genügend Raum gibt, sich zu entwickeln. Ob es nun die Einwohner des kleinen Ortes sind oder die Bewohner des Schlosses: Alle haben eine wichtige Rolle zu erfüllen und fallen sie aus, hinterlassen sie eine schmerzhafte Lücke. Deutlich macht das Liv Winterberg oft mit einigen kleinen, in die Geschichte eingestreuten Bemerkungen. Andernorts wird sie deutlicher: Als etwa der Tagelöhner Gabin tot aufgefunden wird, sorgt sich seine Frau darum, mit ihren beiden halbwüchsigen Söhnen nicht überleben zu können. Es sind diese Zusammenhänge, die der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen und sie zu etwas Besonderem machen. Nicht jedem Autor gelingt es, seine Figuren den ganzen Verlauf des Romans über als glaubwürdige Charaktere mitzuführen. Liv Winterberg hat damit keine Mühe. Sie hat einen stimmigen Plot aufgebaut, der unter anderem von der Vielfalt der handelnden Charaktere lebt.

Spannungsbogen gehalten

Gleich zu Beginn zieht Liv Winterberg ihre Leser in die Geschichte hinein. In einer Winternacht im Jahr 1440 wird in einem kleinen Dorf in der Bretagne ein Kind geboren. Gleichzeitig finden auf dem nahegelegenen Schloss Troyenne die Vorbereitungen zu einem Fest statt. Die Autorin bietet den Lesern jeweils verhältnismäßig kurze Einblicke in die Ereignisse, die scheinbar wenig miteinander zu tun haben, doch vom zeitlichen und örtlichen Ablauf her nahe beieinander liegen. Diese verschiedenen Einblicke werden von der Autorin zu stimmigen Handlungssträngen ausgearbeitet, die zwar immer wieder Berührungspunkte haben, an sich aber für sich alleine stehen. Denn die Probleme der Dorfbevölkerung lassen sich nur schwer mit denjenigen der Schlossbewohner verbinden. Und das, obwohl es bei beiden um die Frage des Überlebens geht. Liv Winterberg baut schnell Spannung auf und kann den Spannungsbogen bis zuletzt halten. Verschiedentlich kommt beim Leser kurzfristig das Gefühl auf, die Situation zu durchschauen und die Hintergründe der schrecklichen Todesfälle zu erahnen. Doch dann nehmen die Ereignisse einen völlig unerwarteten Verlauf und die Frage nach dem Täter stellt sich erneut.

Schön erzählt

Auch in ihrem zweiten Roman schafft es die Autorin durch ihre Art, eine Geschichte zu erzählen, zu fesseln und auf ganzer Linie zu überzeugen. Sie pflegt eine angenehme Sprache und versteht es, viele kleine Details einzubinden, ohne sich darin zu verlieren. So schafft sie dadurch so viel Atmosphäre, dass sich die Leser ein Bild vom Leben der handelnden Figuren machen können und einen Eindruck vom Alltag im 15. Jahrhundert gewinnen. Dass Liv Winterberg zwar durchaus eine Liebesgeschichte erzählt, diese aber der eigentlichen Handlung des Romans unterstellt und sie nicht zu einem erdrückenden Schwerpunkt macht, ist ein Beweis dafür, dass die Autorin ihr Handwerk versteht.

Abgerundet wird der gute Eindruck durch die solide Arbeit des Verlags. Ein schönes Cover, eine angenehme Fertigung, ein gut gegliedertes Personenregister sowie der Anhang mit geschichtlichen Details und Glossar vermögen zu überzeugen. Damit ist Autorin und Verlag gelungen, an den Erfolg des Debütromans anzuknüpfen und erneut einen hochwertigen historischen Roman vorzulegen.

Sehet die Sünder

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Letzte Kommentare:
19.03.2013 14:09:08
Svanvithe

Ein Buch, in dem es ordentlich zur Sache geht. Es wird fleißig gestorben. Nicht ganz freiwillig, es hilft jemand deutlich nach. Heute würde man sagen: ein Serienmörder treibt sein Unwesen.

Doch ein wenig genauer: Im Jahre 1440 erschüttern grausame Dinge die Dorfgemeinschaft von Saint Mourelles in der Bretagne. Viele Bewohner verschwinden und werden tot aufgefunden. Zuerst sind es zwei Kinder, dann folgen der zunächst für deren Verschwinden verdächtigte Avel, ein geistig zurückgebliebener "großer Junge", und in kurzen Zeitabständen noch ein paar Menschen. Langsam verbreiten sich Angst und Misstrauen unter den sonst harmonisch zusammenlebenden Dorfbewohnern.

Spuren führen auch zum nahe gelegenen Schloss, dessen Besitzer, Baron Amédé de Troyenne unter Geldnot leidet und daher unter den Augen seiner Frau Bérénice immer mehr seiner Ländereien verkauft. Trotzdem scheint der Baron ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Untergebenen zu haben. Denn als der Bauer Mathis, der ihm unter Einsatz seines Lebens vor dem Tode errettet hat und dabei schwer verletzt und zum Krüppel wurde, darum bittet, sagt er Hilfe zu, den Mörder zu finden. Neben Mathis ist auch Catheline, die junge Haushälterin des Pfarrers, bemüht, die Morde aufzuklären und gerät selbst in große Gefahr...

Mathis und Catheline sind das Liebespaar des Romans, allerdings tragen sie die Geschichte nicht allein. Neben ihnen sind auch die anderen Figuren genau gezeichnet und ihr Handeln, Denken und Fühlen nachvollziehbar dargestellt. So mutet es vielleicht kalt und herzlos an, wenn Mathis wegen seines lahmen Beines seine Verbindung zu Catheline löst, weil er ihr das Leben an der Seite eines Krüppels nicht zumuten möchte. Jedoch ist dies angesichts der Tatsache, dass er als Bauer nicht mehr die Tätigkeit ausführen kann - beispielsweise einen Acker bestellen - durchaus nachvollziehbar, dass er unter diesen Umständen keine Familie gründen möchte. Dass Catheline ihn trotzdem nicht aufgibt, um den Mann zu kämpfen, den sie liebt, zeigt ihre Stärke, die sie auch in einer anderen - gefahrvollen Situation - bitter nötig hat.

Das Geschehen wird von der Autorin nachvollziehbar und mit viel Verständnis für die Zeit geschildert. So schafft sie es, mit viel Atmoshpäre zu erzählen, Spuren zu legen und gut die Spannung zu halten. Die bildhafte Sprache trägt zu einigen Gänsehautmomenten bei.

Gefallen hat mir auch die Gestaltung des Buches, und zwar sowohl außen als auch innen. Die Texte der Kapitel beginnen mit einem kalligrafierten Buchstaben und passen wunderbar in die mittelalterliche Zeit. Abgerundet wird der Roman mit historischen Hintergrundinformationen. Wobei ich dazu rate, das Nachwort auch als solches zu lesen, da ansonsten einiges, wenn nicht gar die gesamte Spannung verloren geht.

22.01.2013 23:02:49
M.Reinsch

Die Bretagne hat sich schon immer als wunderbare Basis für einen historischen Roman geeignet, war Sie doch immer im Kampf um Ihre Unabhängigkeit von Frankreich bedacht!
Im Dörfchen Saint Mourelles häufen sich im Jahr 1440 die Todesfälle. Es trifft Alt und Jung, Männer, Frauen und Kinder, Bauern und Bedienstete. Die verängstigte Dorfbevölkerung glaubt an einen "umgehenden Teufel", Ihre Herrschaft an marodierende Söldnergruppen. Immer mehr verdichten sich aber die Anzeichen, dass Der Baron Amédé de Troyenne etwas mit der Sache zu tun hat. Aber wie kann man einem Adligen eine Beteiligung an Mord und Totschlag nachweisen?
Liv Winterberg spinnt, auf der Grundlage von historischen Fakten, Ihr eigenes Gewebe aus Liebe, Verrat, Hass und Habgier. Aus verschiedensten Blickwinkeln verfolgt Sie die Todesfälle und Ihre Auswirkungen auf das Leben der Dorf- und Burgbewohner. Als die Geschichte zu einer "offiziellen Untersuchung" führt, kommen auch noch die Sichtweisen der Kirchenangehörigen hinzu. Am Ende wird der Leser von Namen und Gedankenbildern fast erschlagen. Hinzu ­kommt ­ein steter Wechsel der Örtlichkeiten und ein wahres Dickicht von Verknüpfungen, aller Beteiligten untereinander, bei dem das kleine Personenregister nur bedingt hilfreich ist.
Bis zu 250 Seiten zieht sich die Erzählung (für mich) wie eine endlose Aneinanderreihung von soziologischen Betrachtungen des Mittelalters, sowohl im ­Adels- als auch im dörflichen Bereich. In einem Stil geschrieben, der weder Höhen noch Tiefen, geschweige denn einen Spannungsbogen beinhaltet.
Zum Ende hin erhebt sich endlich ­die lang erwartet Spannung, nur um nach und nach wieder im Vergessen zu verschwinden und in einem sehr vorhersehbaren Plot zu enden.
Aus meiner Sicht romantisiert Fr. Winterberg das ganze Geschehen viel zu sehr und lässt (zugunsten Ihrer Geschichte) einige Härten aus.
Trotz sehr guter Recherche (die im doppelten Anhang gut wiedergegeben ist), sind kleinere Fehler vorhanden (z.B. war es der Inquisition verboten, bei der "Peinlichen Befragung" Blut fließen zu lassen, somit fällt ein Dornenstuhl aus!).
Um wirklich einmal mit Rebecca Gablé verglichen zu werden, muss Liv Winterberg noch einiges an Ihrem Schreibstil ändern, denn streckenweise fühlte ich mich, wie in einem "Romantic-History" - Schmöker verloren.
Fazit: Gute historische Fakten, treffen auf eine lauwarme Erzählung, die wohl eher weibliche Leser anspricht!
58°

05.01.2013 09:20:31
Doris Küstner

Es ist das Jahr 1440.
Die Bretagne befindet sich seit vielen Jahren in einer stabilen politischen Lage.
Die Bauern in der Umgebung von Schloß Troyenne gehen ihren täglichen Verpflichtungen nach, in Baron Amédé de Troyenne haben sie einen nicht allzu strengen Lehnsherrn, den allerdings große finanzielle Sorgen plagen.

Davon völlig unbeeindruckt läßt der Baron rauschende Feste ausrichten.
Es kommt immer wieder zum Streit mit seiner Frau, ihr gegenüber rechtfertigt er die hohen Ausgaben des Festes, das man sich eigentlich nicht leisen konnte, mit einem weiteren Grundstücksverkauf.

Nach dem großen Fest wird der Sohn des Dorfschmieds vermißt. Man vermutet, dass Schausteller oder Spielleute ihn einfach mitgenommen haben. Die Mutter des Jungen ist krank vor Sorge. Der Bauer Mathis, der sich der Suche nach Raymond angenommen hat, spricht auf dem Schloß vor und bekommt vom Baron dessen Unterstützung zugesichert.

Die Dorfbewohner sind immer noch erfolglos nach dem vermissten Jungen unterwegs als Rachel, ein Mädchen aus dem Dorf, spurlos verschwindet.
Genau wie Raymond wurde das Mädchen zuletzt mit Avel gesehen.
Avel "nicht ganz richtig im Kopf" der von den Dorfbewohnern jahrelang als harmlos betrachtet wird, steht plötzlich im Focus aller. Mit einem Mal haben die Menschen Angst vor ihm.

Es ist so einfach einen Schuldigen auszumachen!

Als dann Avel tot aufgefunden wird und die beiden Kinder immer noch vermisst sind wird den Bauern klar, daß ihre dörfliche Gemeinschaft völlig durcheinander geraten ist...

Fazit:
Spannend von Anfang an!
Gleich zu Beginn des Buches befindet sich den Örtlichkeiten zugeordnet ein Personenregister, welches einem den Einstieg angenehm leicht macht.
Da die Schauplätze sich immer wieder ändern ist der Leser sehr nah an den Entwicklungen des Geschehens dran.
Die Autorin hat mir mit ihrem nicht überladenen Schreibstil und mit ihrer angepassten Sprache an die damalige Zeit (man findet Wörter wie "wohlfeil") unglaublich spannende und mitreißende Lesestunden beschert.
Historische Romane werden "normalerweise" von Frauen bevorzugt, aber beim Lesen dachte ich immer wieder, dass auch ein Mann von diesem blendend recherchierten Buch begeistert sein wird.

Genre-Liebhaber haben diesen zweiten Roman von Liv Winterber längst auf ihrem Zettel stehen - für alle anderen:

Absolute Leseempfehlung!

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Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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