Das Sakrament

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Rütten und Loening, 2006, Titel: 'The Religion', Originalausgabe

Couch-Wertung:

98

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:94
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":1,"99":0,"100":0}
Carsten Jaehner
Schwert und Schweiß für den Johanniterorden

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2006

Tief im Süden Europas, noch südlicher als Sizilien, liegt wie ein Bollwerk mitten im Mittelmeer die Insel Malta. Durch seine zentrale Lage war diese nur 246 Quadratkilometer große Insel schon immer ein strategisch wichtiger Punkt für viele Völker und Kulturen und daher immer wieder von verschiedenen Eroberungen betroffen. Von der Steinzeit über die Phönizier und Römer bis hin zu den Spaniern im 13. Jahrhundert wechselten die Besatzer recht häufig. Dabei wurde die Insel zu einer fast uneinnehmbaren Festung ausgebaut.

Das Sakrament

Das Sakrament

Deine Meinung zu »Das Sakrament«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
01.04.2015 17:12:47
tassieteufel

Im Jahr 1565 wird die Insel Malta, ein Bollwerk des christlichen Glaubens von den Türken belagert, die schiere Übermacht der Angreifer ist erdrückend, daher versucht der Großmeister des Johanniterordens Jean de la Valette einen ganz besonderen Mann für den Kampf zu gewinnen. Matthias Tannhäuser, Sohn eines Schmiedes wurde als Kind von den Türken entführt und als Kämpfer der berüchtigten Janitscharen ausgebildet und kehrte später als Händler und Abenteurer zurück. Daher kennt er den Feind wie kein zweiter und ist mit dessen Angriffsstrategien vertraut. Doch Tannhäuser will sich in keine Kämpfe mehr verwickeln lassen. Aber wie so oft im Leben kommt es anders als man denkt. Contessa Carla, die schon seit Monaten versucht nach Malta zu kommen um dort nach ihrem verschollenen Sohn zu suchen, wird von la Valette geschickt dazu benutzt, Tannhäuser auf die Insel zu locken, daher heuert sie Matthias an, ihren Sohn zu suchen und gelangt so ebenfalls nach Malta, was ihr bisher verwehrt wurde, da alle unnützen Esser von der Insel evakuiert wurden. In ihrer Begleitung befindet sich Amparo, ihre spanische Dienerin, die über seherische Fähigkeiten verfügt und auch Tannhäusers Freund Bors von Carlisle läßt es sich nicht nehmen, mit auf die Insel zu reisen. Währens Tannhäuser plant, Carlas Jungen ausfindig zu machen und dann so bald wie möglich von der Insel zu verschwinden, entwickeln sich die Dinge jedoch bald ganz anders und Tannhäuser sieht sich einem gefährlichen Gegenspieler gegenüber, der nicht in den Reihen der Türken zu finden ist.

Bis auf einen spannende Prolog und den abschließenden Epilog spielt das Buch ausschließlich während der 4 monatigen Belagerung der Insel Malta durch die Türken. Autor Tim Willocks ist es gelungen, daraus einen atmosphärisch dichten und stimmigen Roman zu machen, der den Leser an diesem Schlachtengemetzel teilhaben läßt. Hier sollte man also nicht zimperlich sein, es fließt Blut, es wird gehauen und gestochen was das Zeug hält und der Autor beschreibt seine Szenarien sehr plastisch und bildhaft, so dass man hier auch ohne große Vorstellungskraft die Schrecken dieses Krieges miterlebt. Wer selbst schon einmal in Malta war und die beindruckenden Festungsanlagen gesehen hat, bekommt eine noch bessere Vorstellung von dem Ausmaß der Belagerung und den damit verbundenen logistischen Höchstleistungen, sowohl von Belagerern als auch von den eingeschlossenen Verteidigern.
Neben einer ganzen Reihe verbürgter realer Figuren, hat der Autor seine fiktiven Charaktere mit viel Liebe zum Detail in die Geschichte integriert und spinnt um Tannhäuser, Contessa Carla, Amparo und Inquisitor Ludovico ein Geflecht aus Liebe, Intrigen, Hass, Verschwörung und Obsession, das vor dem Hintergrund der tobenden Schlacht um so dramatischer wirkt. Gut gefallen hat mir, dass der Autor seine Figuren ein Entwicklung durchlaufen läßt, die man miterleben und nachvollziehen kann, so dass die Charaktere dadurch noch glaubwürdiger werden.
Mit seinem plastischen Schreibstil gelingt es dem Autor, nicht nur die blutigen Kämpfe und die tobende Schlacht realistisch erscheinen zu lassen, auch abseits der Kriegshandlungen schildert er eindringlich die Arbeit im Hospital, die Leiden der unzähligen Verletzten und das Leben der einfachen Leute während der Belagerung. Durch Tannhäusers Erkundungszüge ins Türkenlager bekommt man als Leser auch einen Einblick in die andere Seite, deren Gefühle und Vorstellungen gar nicht so sehr von denen des Gegners abweichen.
Einziger Kritikpunkt für mich waren die vielen Begriffe das türkische Heer betreffend, die nicht weiter erläutert wurden, hier wäre ein Glossar sehr hilfreich gewesen, denn nicht jeder weiß was ein Gazhi, ein Janitor oder ein Haseki ist. Von diesen Begriffen wimmelt das Buch und ein Unkundiger hat hier doch Schwierigkeiten.

FaziT: Durchweg spannend erlebt man hier die Belagerung Maltas hautnah mit! Zwischen dem Schlachtengetümmel spinnt sich eine Geschichte von Liebe und Verrat mit interessanten Figuren, bei deren Odyssee man einfach mitfiebern muß!

06.08.2014 13:07:40
schulzemaus

Ohne schlechtes Gewissen darüber, die Marketingkampagne des Verlages zu unterstützen, kann ich "Das Sakrament" absolut begeistert weiterempfehlen. Das Buch ist tatsächlich einer, wenn nicht der beste Historienroman, den ich kenne, und ich stelle es mir angesichts der Übersättigung des Historienroman-Marktes wahrlich nicht leicht vor, etwas Neues mit einem solchen Gehalt, einer solchen Spannung und soviel Herz und Hirn zu schaffen. Das Buch von stolzen 760 Seiten beginnt an wirklich keiner einzigen Stelle zu nerven, es treten nirgendwo Wiederholungen auf (und das trotz der über zwei Drittel des Buches ausmachenden Schilderung der Schlacht um Malta!), man empfindet weder eine Oberflächlichkeit von Gedanken noch eine Unglaubwürdigkeit von Handlungen, man kann sich in jede der Hauptpersonen hineinversetzen und die Beweggründe ihres Handelns erspüren. Eigentlich ist der Plot des Buches gar nicht sehr ausgeklügelt und verschlungen, aber so authentisch und packend umgesetzt, dass man sofort in den Bann gezogen wird und dank des frischen, nicht gestelzten und trotzdem den Zeitgeist widerspiegelnden Schreibstils mit Leichtigkeit bis zum Ende durchhält. Vielleicht hätte noch eine kleine Hilfe für die sehr eigene Aussprache der maltesischen Orte am Ende angefügt werden können...

Alles in allem ein wunderbares, durch und durch glaubwürdiges und kluges Buch, das jede Minute des Lesens lohnt!

30.05.2011 11:12:08
M.Reinsch

Eigendlich ist das buch für mich absolut faszinierend gewesen - soll heißen: manchmal konnte ich es aus Interesse/Spannung nicht aus der Hand legen, und dann wieder fast an Langeweile/Ödnis wegwerfen.
Die extreme Charactertiefe wäre z.B. hervorzuheben (eigendlich super, aber manchmal doch schon so tief, das es zu viel wurde). Die ganze Geschichte ist eigendlich so lebendig geschrieben, dass Sie einen wirklich am Schauplatz des Geschehens da bei sein lässt (wo bei auch die beiden Karten helfen). Kampfsequenzen passen gut zu einem Cornwell oder Iggulden, während die "sanften Passagen" einer Charlotte Link Ehre machen würden. Besonders gut hat mir die Detailgenaugigkeit in fast allen Fragen der Geschichte gefallen. Selbst kleine Details sind sehr gut rechergiert und umgesetz worden.
Ein echter Spannungsbogen kommt leider erst ab S.600 für mich auf, aber das ganze Buch ist eigendlich eine große Geschichtsstunde zum Thema "Johanniter-Orden", und Aufbau der osmanischen Armee. nach dem ich das letzte Kapitel gelesen hatte, erschienen mir die Vorhergehenden wie eine Overtüre für eben diese Kapitel (für mich eigendlich der Schlüssel zum Roman).
Fazid. Nicht unbedingt meine Epoche, aber sehr lesenswert! 93°
Micha

17.02.2008 11:35:49
Stefan83

Vorneweg: Wer „Das Sakrament“ von Tim Willocks kauft, sollte trotz des irreführenden Titels keinen weiteren Dan-Brown-Verschnitt um religiöse Geheimsekten erwarten, denn es handelt sich um einen historischen Roman und, meiner Meinung nach, um einen der besten der letzten Jahre. Der Inhalt lässt sich schnell zusammenfassen: Der Mittelmeer-Insel Malta droht, nachdem einige Jahre zuvor schon Rhodos gefallen ist, eine Belagerung durch das Heer der Türken. Eine kleine Gruppe von wenigen tausend Soldaten, darunter auch Ritter des Johanniterordens, soll den Angriff zurückschlagen. Um für die kommende Schlacht jegliche Chance zu nutzen, lockt man den Deutschen Mattias Tannhäuser, welcher seine Kindheit im Osmanischen Reich verbracht hat, auf die Insel. Gemeinsam mit ihm erlebt der Leser eines der wohl blutigsten Gemetzel der Geschichte, als Welle um Welle von türkischen Angreifern gegen die Wälle der Ordensfestung stürmt. Besteht oft Gefahr, dass man bei der Schilderung eines derart gewaltsamen Konflikts unbewusst einer Seite den Makel des Bösen verpasst, gibt Willocks keiner den Vorzug. Mit viel Sensibilität nähert er sich den Weltreligionen Christentum und Islam an, und skizziert den beiderseitigen religiösen Fanatismus genauso wie die große Kraft, welche aus dem Glauben erwächst. Dank der absolut gelungenen, wenngleich auch mitunter etwas zu heroischen Figur Tannhäuser, erhält der Leser Zugang zu beiden Lagern, kann er die Sichtweise beider Seiten nachvollziehen. Und obwohl das Kämpfen einen Großteil des Buches in Anspruch nimmt, bleibt die Spannung fast durchgehend erhalten. Dies liegt in erster Linie an der lebendigen, bildreichen Sprache des Autors, die unter anderem Einblicke in die damalige Strategie der Kriegsführung gewährt und mit ihrer Detailtreue nicht nur der Schlacht den heroischen Charakter nimmt, sondern gleichzeitig dem Werk epische Züge verleiht. Überhaupt spielt „Das Sakrament“ was Sprache und Stil angeht auf höchstem Niveau. Großes Lob an die deutschen Übersetzer. Insgesamt ist Willocks eine abenteuerliche Geschichte um Liebe (Die oftmals etwas gestelzt und zu konstruiert wirkenden romantischen Beziehungen der Figuren bleiben einer der wenigen Kritikpunkte) und Glauben, Obsession und Intrige, Krieg und Verrat gelungen, die geradezu nach einer Verfilmung schreit und welche angesichts der religiösen Konflikte im Nahen Osten und Europa wohl nie an Aktualität verlieren wird. Auf die geplanten Fortsetzungen darf gespannt gewartet werden.

06.09.2007 14:37:53
K. Hauptfleisch

Was mich am englischen Original "The Religion" besonders fasziniert, ist der Reichtum der Sprache von Tim Willocks. Wenn in der deutschen Fassung nur halb so viel herüberkommt, ist "Das Sakrament" schon deshalb lesenswert. Mehr als die reine Story reizen mich davon abgesehen die historischen Hintergründe und die Vielschichtigkeit der Charaktere in dem Roman.

17.03.2007 13:21:10
Klaus-Peter Dannenberg

Ein wunderbares Buch,für Menschen, die Historik und Waffenkunst gerne miteinander verbinden. Detailgetreue Schilderungen der Bewaffnung der beteiligten Kämpfer eingebunden in eine spannende Geschichte um Liebe und Tod fesseln einem dermaßen, daß man das Buch garnicht aus der Hand legen kann.
Für mich eines der besten Bücher in der Beschreibung des Malteser-bzw. Johanniterordens.

20.12.2006 19:28:18
Patrick K.

Das Sakrament: Ich habe den 750 seitigen Roman nun heute zu Ende gelesen und mein Fazit ist:absolut empfehlenswert. Pro:Interessante und abwechlungsreiche Charaktere-eine historisch detailierte Beschreibung der Geschehnisse im Zeitraum der Belagerung Maltas(hoher Lerneffekt!)-eine sehr lehenswerte und realistisch anmutende Handlung.Contra:nur 750 Seiten-manchmal zu gefühlsbetonte Schreibweise.Dies war mein erster historischer Roman und er macht Lust auf mehr.Wem es also Spaß macht,beim Lesen eines Buches auch sein Wissen zu erweitern, der sollte zugreifen!

08.10.2006 18:02:03
Stefan

Malta 1565: Zwei Frauen lieben denselben Mann. Dieser Mann kann sich nicht wirklich für eine dieser beiden Frauen entscheiden. Eine der Frauen ist im Sinne der Inquisition eine Hexe, die andere auf der Suche nach ihrem Sohn, den man ihr direkt nach der Geburt weggenommen hat. Ein Inquisitor, der Vater des Jungen, will die Welt von allem Bösen befreien und zudem mehr Macht haben. Und zu allem „Überfluss“ belagern die Türken die Insel.
Das sind die Zutaten des Romans. Nicht viel Neues, aber dennoch versprechen sie eine interessante Erzählung…

Positiv muss in jedem Fall erwähnt werden, dass Tim Willocks sich an die geschichtlichen Fakten und Daten hält. Auch Kleinigkeiten werden aufgeführt, wie z.B. die Explosion eines Pulverfasses in Reihen der Malteser oder die maltesische Kavallerieattacke auf das Lazarett der Türken. Ledigleich „der große Bluff“ fehlt. Auch lässt er die damaligen Oberbefehlshaber mitspielen, sei es direkt oder indirekt. Was mir auch besonders gut gefallen hat, ist, dass er nicht nur die Schlachten beschreibt, sondern auch die Versorgung der Truppen, das Leid und Elend der Verwundeten und die damaligen Operationsmethoden.

Die ersten 200 (zweihundert!) Seiten dienen der Einleitung und Beschreibung der Charaktere, die schon einige Herausforderungen bestehen müssen. Hier fällt bereits das leicht klischeehafte auf. Die männlichen Protagonisten sind eiskalte Mörder, der eine sexbesessen und geldgierig, der andere im eigenen Kampf gegen die „Dämonen der Lust“ und machthungrig. Die Frauen verkörpern selbstverständlich „das schöne Geschlecht“, haben wunderschöne Brüste - was immer mal wieder erwähnt werden muss. Sie sind durchaus mutig, aber im entscheidenden Moment ergeben sie eher in ihr Schicksal. Trotz der langen Einleitung ist dieser Teil interessant und auch durchaus spannend geschrieben und macht Appetit auf mehr.
Doch es folgen 100 (einhundert!) Seiten, in denen so gut wie nichts Aufregendes passiert. Erst dann beginnt die richtige Suche nach dem verlorenen Sohn, was durchaus ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel ist, aber irgendwie auch nicht so richtig spannend. Diese Suche ist, nebst der Kriegshandlungen, das eigentliche Thema der folgenden 200 (zweihundert!) Seiten. Zwischendurch kommt der Inquisitor nach Malta und ich glaubte, dass nun endlich der Roman an Fahrt gewinnt. Leider Nein! Erst nach 600 (sechshundert!) Seiten (von 760) wird der Inquisitor böse und die Geschichte endlich einigermaßen spannend.

Ich habe den Eindruck, dass Tim Willocks das Beschreiben liebt. Denn immer wieder, vor allem nach interessanten Passagen, nimmt er die Spannung durch längere Beschreibungen raus. Sicherlich ist es gut, wenn man als Leser die Personen kennt, versteht wie sie handeln. Genauso ist es nicht schlecht, wenn man die Städte und Landschaften beschrieben bekommt und man das Gefühl hat mittendrin zu sein, doch geschieht das allzu sehr auf Kosten der Spannung, was bei mir dazu führte, dass ich mich streckenweise durch den Roman gequält habe.
Richtig spannend ist die erzählte Geschichte nicht wirklich und für meinen Geschmack zu lang geraten. Zudem ist Einiges leicht vorhersehbar und manches wird auch schon frühzeitig verraten. Genauso fehlen auch überraschende Wendungen. Und wenn man den Ausgang des damaligen Krieges bereits kennt, ist das Buch noch weniger spannend.
Merkwürdig finde ich, dass sich die Frauen wehrlos den Intrigen des Inquisitors ergeben. Sind nicht gerade die Frauen die besseren Intriganten? Natürlich ist das ein Klischee, aber es hätte zum Roman gepasst und ihn vielleicht richtig spannend gemacht, zumindest im Schlussteil!

Fazit: Dieses Buch macht eher den Eindruck ein Drehbuch zu sein, das nach seiner Verfilmung schreit. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass mit dem richtigen Regisseur und Schauspielern der Film ein Erfolg wird, wenn der Schwerpunkt auf dem stattgefundenen Krieg liegt. Denn die „Nebenhandlung“, eine Liebesgeschichte, ist etwas fad und merkwürdig.

21.09.2006 14:25:54
Melanie Vogelsang

Der Titel dieses Romans – Das Sakrament – gibt auf dem ersten Blick nicht viel vom Inhalt des Buches preis. Erst zum Ende erschließt sich dem Leser, was der Buchtitel bedeuten könnte:
Sacramentum wird von Tim Willocks mit Berufung gleichgesetzt, wendet man diese Definition auf die Personen des Romans an, so erkennt man, dass nahezu alle Figuren entweder ihrer persönlichen Berufung nachgehen oder auf der Suche nach ihr sind - einige finden sie, andere bleiben erfolglos.
Die Hauptperson – Mattias Tannhäuser – ist auf der Suche, Comtessa Carla findet sie und der Inquisitor Ludovico lebt sie, um nur einige Charaktere zu nennen.
Tim Willocks ist es unwahrscheinlich gut gelungen, diesen roten Faden sehr subtil durch sein gesamtes Buch zu ziehen.

Aber nicht nur das hat der Autor aus meiner Sicht phantastisch gemacht.
Am Beeindruckendsten finde ich sein Gespür für die Charaktere.
Willocks schafft Menschen, die nicht nur glaubhaft und wunderbar facettenreich sind, sondern sich zudem auch noch, während einer recht kurzen Zeitspanne von etwa vier Monaten, weiterentwickeln. Und das absolut glaubwürdig und nachvollziehbar.

Am meisten Eindruck hat Mattias Tannhäuser auf mich gemacht. So ist er auf der einen Seite ein sehr einfühlsamer, aber direkter Mann und auf der anderen Seite ist er ein grausamer, kaltblütiger Krieger, wenn es die Situation erfordert.
Das gefällt mir sehr, denn so hat der Autor es geschafft, Mattias nicht nur eine Schwarz- oder Weiß-Färbung zu verpassen, sondern all seine Facetten hervorzuheben.
Und das hat er nicht nur bei Tannhäuser geschafft, sondern bei all seinen Hauptfiguren!
Auch die „Bösen“ haben noch menschliche, vielleicht sogar sympathische Züge und schaffen es zumindest für kleine Momente, dem Leser Mitleid zu entlocken.

Tim Willocks stellt den Krieg sehr realistisch und greifbar dar, manchmal meinte ich, ich könnte Blut und Schweiß riechen, die Sonne auf meiner Haut spüren, Ängste und Sorgen wirklich empfinden.
Aber auch die Kleinigkeiten und ruhigen Momente zwischen den Schlachten haben einen besonderen Platz in diesem Buch und werden von Willocks ebenso wunderbar gewürdigt.
Er haucht nicht nur den Figuren, sondern auch den Tieren, der Natur und den Ereignissen greifbares Leben ein: Kopfkino aller erster Güte!

Aufbau, Stil und Sprache fügen sich fast einzigartig zusammen.
Gleich auf den ersten Seiten wird man gnadenlos und ohne Schonung mitten ins Geschehen „geworfen“ und erst auf der letzten Seite entlassen. Für jeden Tag gibt es ein eigenes Kapitel, das sowohl datiert als auch mit den Handlungsorten betitelt ist. Das gefiel mir sehr gut, bekommt man dadurch ein ganz eigenes Gefühl für den Ablauf des Krieges auf Malta.

Es gibt keine „Stolpersteine“ beim Lesen, der Text liest sich wunderbar leicht und flüssig, ohne dabei zu simpel oder anspruchslos zu wirken. Langeweile kam nie auf, im Gegenteil, es ist ein wahrer Page-Turner!
Die Dialoge kommen nie gestellt oder verkrampft rüber. Gerade die Gespräche zwischen Bors und Mattias vermitteln ein tiefgehendes Gefühl von Wärme und inniger Freundschaft.

Da der Schauplatz dieses Romans das belagerte Malta ist, kommt der Leser nicht um ausführliche Schlachtszenen und detailliert beschriebene Grausamkeiten rum.
Für sehr zart besaitete Leser, könnte es stellenweise vielleicht ein wenig zu grausam sein. Ich zähle mich eigentlich nicht dazu, doch musste auch ich ab und zu wirklich schlucken.
Die letzten 70 Seiten hatten es für mich dann emotional noch mal so richtig in sich. Immer wieder hab ich geweint, geschluckt oder einen dicken Kloß im Hals gehabt und mit so mancher Entscheidung des Autors kann ich mich nicht anfreunden, auch wenn es so am realistischsten ist.

Aber es gibt auch Kritik, wenn auch nicht viel:
Einiges war mir persönlich ein wenig zu sehr vorhersehbar und die Spannung hätte sich sicherlich stellenweise noch erhöhen lassen, hätte der Autor ein paar Geheimnisse länger vor dem Leser bewahren können.
Der Beginn wirkte zeitweise ein bisschen konstruiert und auch Mattias’ Frauenbesessenheit des Anfangs nervte mich manchmal.
Diese Anlaufschwierigkeiten lösten sich im Laufe des Romans aber in Luft auf und machten Platz für ein wirklich wunderbares, sehr lesenswertes Buch!