Parzival - Das Geheimnis des Grals

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Triga, 2012, Titel: 'Parzival - Das Geheimnis des Grals', Originalausgabe

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Annette Gloser
Parzival, der tumbe Tor

Buch-Rezension von Annette Gloser Dez 2012

Kurzgefasst:

Der sagenumwobene Gral enthüllt sich Parzival - dem Suchenden und nach langen Irrungen und Wirrungen Gnade Findenden - als eine Verpflichtung von ungeheurer Tragweite, als ein Familien-Geheimnis, das an die Eingeweihten höchste Ansprüche stellt und das nach außen von den legendären Tempelrittern gehütet wird.

 

Es handelt sich hier weitgehend um eine Nacherzählung der sattsam bekannten Parzival- Geschichte. Der Roman führt also in jene sagenhafte Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat und edle Ritter in glänzenden Rüstungen durch das Land schepperten. Geographisch folgt Parzival - Das Geheimnis des Grals den gängigen literarischen Vorlagen und spielt irgendwo in Europa, in einer Gegend, die heute wohl weitestgehend als Frankreich auf der Landkarte zu finden ist, denn die Stadt Nantes und die Pyrenäen kommen darin vor. Auch wird Parzival als Sproß des Geschlechtes Anjou bezeichnet.

Parzivals Mutter Herzeloyde liebt ihren Gemahl Gachmuret heiß und innig. Als dieser im Kampf fällt, zieht sie mit ihrem Sohn Parzival in einen tiefen Wald, damit dieser weitab von der Welt der Ritter heranwächst und so nie in die Versuchung kommen soll, als Ritter in den Kampf zu ziehen und dort sein Leben zu verlieren. Sie verweigert ihrem Sohn jegliche Bildung, selbst die Benimmregeln an einem herrschaftlichen Hof sind ihm fremd. Auch religiöse Themen werden von der liebenden Mutter nur im Schnelldurchlauf erläutert. Ihre drei Königreiche Anjou, Norgal und Wallis überlässt die Königin sich selbst und unternimmt auch nichts, um ihren Sohn auf sein zukünftiges Amt als Herrscher vorzubereiten.

Aber eines Tages trifft Parzival trotz aller Vorsichtsmaßnahmen im Wald auf Ritter und ist sofort begeistert. Er will ein Ritter werden, durch die Lande ziehen und Abenteuer erleben. Als er der Mutter diesen Wunsch vorträgt ist diese zwar entsetzt, vermag ihren Sohn jedoch nicht davon abzubringen. So hofft sie, dass dieser sich besinnen und zu ihr zurück kehren möge, wenn er draußen in der Welt nur ausreichend verspottet werde. Sie stattet ihn wie die närrische Karikatur eines Ritters aus, mit einem bunten Gewand und einem klapprigen Gaul. Parzival jedoch ist außerstande zu erkennen, wie sehr er sich damit zum Gespött macht. Er zieht frohen Mutes von dannen. Herzeloyde bricht vor lauter Herzeleide zusammen und stirbt.

Ein Ritterleben

Parzival dagegen reitet dahin und richtet in seiner Unwissenheit einen Schaden nach dem anderen an. Zunächst trifft er auf seinem Weg die schöne Jeschute, raubt ihr Kuß, Ring und Mantelspange, reitet weiter und lässt die jammernde Dame ebenso zurück wie vorher die sterbende Mutter. Jeschute muß dafür hart büßen, denn ihr Gemahl wirft ihr Ehebruch vor und behandelt sie zukünftig als entehrte Frau.

Auch am Hofe von König Artus richtet Parzival Unheil an. Zwar erringt er endlich eine Rüstung und erregt Staunen wegen seines Kampfesmutes, jedoch gelingt ihm das nur, weil er den Roten Ritter Ither erschlägt - nicht ahnend, dass dieser sein Verwandter ist.

Erst als er an den Hof von König Gurnemanz kommt, findet Parzival einen Lehrer, der ihn in den höfischen Sitten und den Bräuchen der Ritter unterrichtet. Damit erhält der junge Mann zunächst einmal die Grundlagen, aber noch längst ist er nicht der vollkommene Ritter, der er gerne wäre. Zu sehr hängt er noch an den Worten seines Lehrers, zu wenig ist er in der Lage, diese Worte einer schwierigen Situation anzupassen und dann sein Handeln darauf einzustellen.

Als Parzival Gurnemanz verlässt, findet er neue Abenteuer und letztendlich auch eine Gemahlin. Aber auch bei ihr kann er nicht lange bleiben, es zieht ihn zu neuen Abenteuern. Und so gelangt Parzival eines Tages auch an die Gralsburg Munsalväsche. Hier muß er nun den härtesten Kampf bestehen, den Kampf gegen sich selbst.

Nicht in der Moderne angekommen

Mit ihrer Nacherzählung des Parzival-Romans ist es Rebecca Netzel leider nicht gelungen, das Sujet in die heutige Zeit zu holen. So bietet der Roman eine teilweise recht kuriose Mischung aus altertümelndem Duktus und sprachlichen Anachronismen. Innerhalb weniger Zeilen, gelegentlich sogar innerhalb eines Satzes, erlebt der Leser somit verbale Wechselgüsse:

 

 

Auch kam es ihm ungeziemlich vor, dass er neben ihnen reite, während sie selber mühselig zu Fuß durch den Schnee zogen - das dünkte ihn nicht angemessen. Und mit ihrem frommen Ziel der Buße und inneren Einkehr konnte er sich schon gar nicht identifizieren.

 

Oder:

 

 

´Ach, ich denke, wir haben alle vom langen Kampf die Schnauze voll!' Unruhe erhob sich im Heerlager. Die Kampfmoral zersetzte sich zunehmend. Parzivals Rechnung ging auf. Selbst König Klamide wurde es um die verlorenen Mühen weh...

 

Rebecca Netzel hält sich im Wesentlichen an die Vorgaben Wolfram von Eschenbachs, lässt jedoch die verworrene Geschichte des Ritters Gawain aus dem Roman heraus. Das tut der Handlung sichtlich gut, führt sie den Leser doch jetzt geradlinig durch die Entwicklung Parzivals vom tumben Toren zum Gralskönig. Allerdings ist es der Autorin nicht gelungen, alle schon im Original vorhandenen Ungereimtheiten zu beseitigen.

Dabei hat Rebecca Netzel eine seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kursierende Theorie aufgegriffen, nach welcher der Heilige Gral nicht ein Becher oder eine Schale sei, sondern die Blutlinie Jesu. Maria Magdalena als Gefährtin des Gottessohnes empfing ein Kind von ihm. Nach der Kreuzigung floh die Schwangere gemeinsam mit Joseph von Arimathäa. Dieser nahm auch den Kelch mit sich, aus dem Jesus und die Jünger beim Heiligen Abendmahl tranken und in dem Joseph dann das Blut des Gekreuzigten auffing. So gelangten Kelch und Kind nach Gallien. Die Nachfahren Jesu sind also der eigentliche Gral, während der Kelch zwar auch wichtig und wundertätig, aber eben nur ein Kelch ist.

Mit dieser Theorie lässt sich vieles erklären, was in der ursprünglichen Gralslegende unstimmig erscheint. Aber viele Kleinigkeiten bleiben offen und die Autorin lässt nur wenig Bemühen erkennen, hier kreativ zu werden.

Ein Lehrstück

Sicher ist die Parzival-Legende ein pädagogisch wertvolles Stück Literatur, wies sie doch Generationen junger Menschen den Weg zu wahrer Ritterlichkeit. Aber daneben ist sie auch ein echter Reißer, voller Abenteuer, Sex and Crime. Rebecca Netzel ist es nicht gelungen, diese Geschichte wirklich neu zu erzählen und so aus dem Lehrstück eine wirklich mitreißende Geschichte zu machen. Möglicherweise war dies auch nicht ihr Anspruch. Allerdings ist der Roman in der jetzt vorliegenden Form weder kurzweilig noch spannend. Viel zu häufig erscheint der pädagogische Zeigefinger der Autorin zwischen den Zeilen:

 

 

Sie sprach nicht nur fließend Französisch und Latein, sie war auch in aller Wissenschaft gelehrt - für eine Frau ganz selten in jener Zeit.

 

Und da stellt sich die Frage, warum hier dem Leser nicht vertraut wird. Muß man ihm wirklich erklären, dass in jener Zeit, in der die Sage entstand, europäische Frauen meist wissenschaftlich völlig ungebildet waren?
Leider geht die Autorin nicht den Weg, solche Einschübe zu vermeiden, indem sie die Handlung so aufbaut, dass sich die Erklärung von selbst ergibt. Als Leser stolpert man darüber, ärgert sich vielleicht auch, fühlt sich im Lesefluß gestört.

Dazu kommt, dass der vorliegende Roman sich - anders als historische Vorlagen - erst zum Ende hin mit Parzivals Glaubensproblemen beschäftigt. Zwar lässt auch Rebecca Netzel ihren Parzival nach dem Verlassen der Gralsburg an Gott zweifeln, um ihn dann beim Einsiedler Trevrizent einkehren und Belehrung finden zu lassen, jedoch wird für den Leser nur schwer deutlich, warum der Glaubenskonflikt bei Parzival eine derartige Tiefe erreicht.

Bildungslückenfüller

TRIGA - Der Verlag hat hier ein ansprechend gestaltetes Büchlein im Taschenbuchformat vorgelegt. Die Autorin gibt dem Leser in einem (sehr) kurzen Vorwort ein paar Gedanken mit auf den Weg. Eine wirklich gute Parzival-Nacherzählung fehlt in der zeitgenössischen deutschen Literatur und so wäre eigentlich alles gut. Nur leider wächst dieser Roman nur an wenigen Punkten in die Rolle einer eigenständigen Interpretation historischer Vorlagen hinein. Und so wird Parzival- Das Geheimnis des Grals keine emotional berührende Geschichte, sondern weitaus eher zur Lektüre für die Liebhaber des Genres. Der Roman eignet sich gut, um Bildungslücken zu füllen, die ein Leser möglicherweise im Bereich "Europäische Heldensagen" haben könnte und auch, um Jugendliche an diesen Themenkreis heran zu führen. Aber eigentlich bietet die Geschichte weitaus mehr Potential. Hier wurde viel verschenkt.

Parzival - Das Geheimnis des Grals

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