Als der Drache mit dem Adler rang

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Triga, 2012, Titel: 'Als der Drache mit dem Adler rang', Originalausgabe

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Annette Gloser
Das Weinland hinter dem Meer

Buch-Rezension von Annette Gloser Dez 2012

Kurzgefasst:

Wikinger und Indianer treffen im Jahr 1000, also noch fast 500 Jahre vor der "offiziellen" Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, in der Gegend zwischen dem heutigen Labrador und Neuengland aufeinander. Leif der Glückliche, Sohn des Grönland-Entdeckers Erik der Rote, wird seinerseits zum Entdecker und ersten europäischen Siedler in der Neuen Welt. Doch trotz zunächst friedlichen Tauschhandels scheitert die Beziehung zwischen den verschiedenen Völkern auf tragische Weise. Habgier, Neid und Missgunst seitens mancher Siedler machen die zaghaften Annäherungsversuche zwischen den beiden verschiedenartigen Kulturen zunichte der Auftakt zur späteren Unterdrückung der indigenen Bevölkerung zeichnet sich ab.

 

Es ist noch nicht so sehr lange her, daß Erik der Rote ein neues Land, weit im Nordwesten Islands entdeckte. Grönland nannte er seine Entdeckung, in der Hoffnung, mit dem Versprechen auf ein grünes, fruchtbares Land neue Siedler über das Meer zu locken. Und tatsächlich kamen sie, so viele, daß die wenigen tatsächlich grünen Täler im Küstenbereich der Insel schon wieder zu eng werden. Das Leben auf Grönland ist hart und fordert Mensch und Vieh alles ab. Auf der Insel gibt es kein Bauholz, alles muß weit über das Meer herbei transportiert werden. Und auch viele andere Dinge, die zum Leben gebraucht werden, müssen die Grönländer einhandeln, denn auf der Insel können sie nicht hergestellt werden.

Als daher im Jahr 986 Bjarni Herjulfsson durch einen Sturm weit übers Meer verschlagen und an einer waldreichen Küste angetrieben wird und nach glücklicher Heimkehr davon berichtet, horchen die tüchtigen Seefahrer unter den Wikingern auf. Bieten sich hier vielleicht neue Siedlungsmöglichkeiten? Neue Rohstoffquellen? Längst ist die ursprüngliche Heimat Norwegen viel zu dicht besiedelt, können die vielen Menschen dort nicht mehr ernährt werden. So zieht es die Norweger zunächst nach Island, dann nach Grönland, und nun noch weiter in den Westen, in das unbekannte Waldland.

Leif Erikson, der Sohn Eriks des Roten, rüstet ein Schiff aus und fährt mit seiner Mannschaft in den unbekannten Westen. Tatsächlich finden sie ein waldreiches land, genug Bauholz für Generationen. Sie beginnen, das Land zu erforschen und überwintern in dem neu gefundenen Land. Als sie in einem Flusstal blaue Trauben finden, so reif, daß sie schon zu gären beginnen, keltern sie die Trauben zu Wein und nennen das neue Land "Vinland", Weinland.

Triumphal ist die Rückkehr nach Grönland, zumal das neue Land auch unbesiedelt scheint. Bisher trafen die Wikinger dort nicht auf Menschen. Bald macht sich eine weitere Expedition auf, um die Schätze des neuen Landes nach Grönland zu holen und einen Siedlungsversuch zu wagen. Doch dann finden die Männer am Ufer einer Insel Kanus und unter den Kanus schlafende Männer, eindeutig die Menschen, die in diesem neuen Land zu Hause sind. Und die erste Begegnung zwischen Europa und dem neuen Kontinent beginnt mit einem Massaker.

Historisch genau und detailgetreu

Rebecca Netzel schreibt mit Als der Drache mit dem Adler rang weniger einen Roman, sondern weit eher eine Chronik mit romanhaften Zügen. Dennoch gelingt es ihr, zumindest einige der herausragenden Protagonisten so zu gestalten, daß der Leser einen intensiveren Eindruck von ihnen bekommt, sich ihre charakterlichen Besonderheiten vorstellen kann. Ein wirkliches Mit- Leiden oder Mit- Freuen ist jedoch nur an wenigen Stellen möglich, denn über weite Strecken kann der Text nicht emotional berühren.

Die Autorin benennt als Quellenmaterial unter anderem Sagen und Mythen und erzählt diese zum Teil in ihrem Buch auch nach. Immer wieder wird deutlich, daß sie sich regelrecht akribisch an historische Quellen hält und bemüht ist, ihren Lesern eine sehr genaue Chronik der vermutlich ersten Entdeckung Amerikas durch Europäer zu geben. Beim Lesen entsteht der Eindruck, daß man sich hier sicher sein kann, tatsächliche historische Ereignisse erzählt zu bekommen und keine Fiktion. Dies ist ein großer Pluspunkt an diesem Buch und es ist um so bedauerlicher, daß die Autorin ihren Protagonisten mit all der Detailtreue nicht ein wenig mehr Tiefe entlocken konnte.

Chronik der Gewalt

Man spürt genau, wo die Sympathien Rebecca Netzels liegen. Sie ergreift mit ihrem Buch Partei für die Ureinwohner jenes neu entdeckten Landes und schildert sehr genau, welchen Raubbau die in diese Welt eingebrochenen Europäer bereits vor tausend Jahren mit der Natur trieben, mit welcher Brutalität sie den Bewohnern des Landes entgegen traten. Leider steigt sie dabei immer wieder aus dem Erzählmodus aus und gibt Erklärungen oder Beschreibungen ab, die eher in ein Glossar oder Nachwort gehört hätten.

 

Auch dem Wapiti stellten sie nach, jenem Riesenhirsch, den der Wikinger Thorhall auf seinen Beutezügen durch Markland sehr richtig als neuweltliche Variante des heimischen Rothirsches erkannte und der Jahrhunderte später nur noch in einigen verstreuten Reservaten leben sollte, das Schicksal des Bisons teilend.

Solche Sentenzen gehören nicht in einen Roman, bestenfalls als Fußnote. Daß die Erzählerin Partei ergreift, ist ganz sicher verständlich und nachvollziehbar. Wenn sie dabei jedoch den pädagogischen Zeigefinger hebt, dann stört dies den Fluß der Geschichte und lässt den Leser zumindest stutzig werden.

Die Autorin schildert die Entdeckung Neufundlands durch die Wikinger sehr realistisch als eine Chronik der Gier und der Gewalt. Sie vermag dies dem Leser nahe zu bringen. Eine Meinung sollte er sich dann selbst bilden können. Hinzu kommt, daß durch eher populärwissenschaftliche Beschreibungen, wie beispielsweise die seitenlange Erläuterung der Besonderheiten des Schiffbaus der Wikinger, Längen in der Erzählung entstehen und zum Weiterblättern verleiten. Schade, denn das Buch hat es durchaus verdient, ganz und gar gelesen zu werden.

Durchaus spannend und sehr informativ

Als der Drache mit dem Adler rang ist über weite Strecken ein interessantes und durchaus spannendes Buch. Die Autorin hat dem Leser eine genaue Chronik zur Unterstützung beigefügt und als Epilog dargelegt, wie jene Kulturen, die vor tausend Jahren aufeinander trafen und miteinander kämpften, erloschen sind. So bietet das Buch dem Leser sehr genaue Informationen. Auch die vorhergehenden Erläuterungen sollten gelesen werden, sie sind informativ und unterstützen den Bezug zur historischen Realität. Das richtige Buch für alle, die schon immer mehr über Leif Erikson wissen wollten. Allerdings sollten potentielle Leser in der Lage sein, zwischendurch auch mal eine "Hängepartie" durchzustehen.

Als der Drache mit dem Adler rang

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Letzte Kommentare:
08.10.2014 13:08:35
ExHD

Der Roman "Als der Drache mit dem Adler rang" spielt um 1000 nach Christus, schwerpunktmäßig in Neufundland. Dorthin kamen die ersten europäischen Siedler, die historisch verbürgt sind. Im Roman wird auf die archäologischen Fundstätten sowie die Island- u. Grönland-Saga hingewiesen, die dem Roman zugrunde liegen. Der Drache steht für die Wikinger und ihre Drachenschiffe, der Adler für den Schutzgeist der Indianer. Beide Kulturen treffen aufeinander. Zunächst findet friedlicher Tauschhandel statt, doch schon bald führt die Gier mancher Siedler dazu, dass die Begegnung der Kulturen in kriegerische Auseinandersetzungen umschlägt.
Das Besondere an dem Roman ist, dass er gleichzeitig die Perspektive der indianischen Ureinwohner und die der Weißen einnimmt, und zwar auf Augenhöhe. Die Geschichte ist ebenso spannend (Liebesgeschichten, Intrigen, Entführungen) wie sorgfältig recherchiert, ohne Schwarz-Weiß-Malerei. Zentrale Figuren sind auf der einen Seite die Indianer-Jungen Scharfes Häherauge und Starkes Elchkalb und ihr tragisches Schicksal in der Fremde, auf der anderen die Wikinger Leif Erikson, der Gründer der Leifshütten-Siedlung in Neufundland sowie Gudrid, die Frau des ersten Siedlers, der sich dauerhaft in der "Neuen Welt" niederlassen wollte.
Man kann auch heute noch viel von dieser historisch verbürgten Begegnung lernen!