Die Bogenschützin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2012, Titel: 'Die Bogenschützin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Rita Dell'Agnese
Viel mehr Inhalt, als der Titel vermuten lässt

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2012

Kurzgefasst:

Die Mark Brandenburg zur Zeit der Hussitenkriege: Während des Kampfes um die Burg ihres Vaters geht die kleine Hedwig im Wald verloren. Dort wird sie von dem geächteten Adligen Richard von Restorf aufgenommen und wächst bei ihm auf. Auf ihren Wunsch bildet er sie in der Kunst des Bogenschießens aus. Jahre später verspricht sie dem sterbenden Richard, seinen Sohn zu suchen. Ganz allein macht sich Hedwig auf die gefahrenvolle Reise und muss noch viele ungewöhnliche Wege gehen, bevor sie ihr Glück als Gemahlin eines königlichen Ritters finden kann ...

 

Hedwig ist noch ein kleines Mädchen, als sie 1414 bei einem Überfall aus der elterlichen Burg fliehen muss. Anstatt am geheimen Treffpunkt wieder mit ihrer Familie zusammen zu treffen, verirrt sich das Kind im Wald. Ein geächteter Adliger, Richard von Restenberg, der sich in den Wald zurückgezogen hat, nimmt sich des Mädchens an und zieht es auf. Hedwig lernt, mit der Natur zu leben. Auf dessen Sterbebett verspricht Hedwig ihrem väterlichen Freund, seinem heimlichen Sohn sein Schwert zu überreichen. Hedwig macht sich auf den gefahrenvollen Weg, um ihr Versprechen einzuhalten. Bald muss sie sich der gesellschaftlichen Realität stellen, die mit ihrer Welt im Wald kaum etwas gemein hat. Hedwig schließt sich einem jungen Gauklerpaar an. Bei einem höfischen Fest erkennt der Gastgeber in Hedwig die Tochter seines alten Freundes und stellt ihr einen Beschützer zur Seite, der sie zum gesuchten jungen Mann geleiten soll. Richards Sohn, der nichts von seinem wahren Vater weiß, empfängt Hedwig alles andere als wohlwollend. Frustriert sucht die junge Frau Anschluss bei ihrem wiedergefundenen Bruder, der zu dieser Zeit im selben Heereslager lebt, wie Richards Sohn. Als das Heer in den Krieg ziehen muss, muss Hedwig zu ihrem Onkel ziehen. Dessen Frau weiß mit der jungen Verwandten wenig anzufangen und begegnet ihr mit Ablehnung. Sie will, dass Hedwig so schnell wie möglich heiratet.

Viel Tempo in der Erzählung

Martha Sophie Marcus nimmt die Leser mit auf eine Reise durch die Mark Brandenburg. Dabei schlägt sie ein recht forsches Tempo an: Immer wieder präsentiert sie einen anderen Schauplatz, lässt neue Personen auftauchen und spiegelt die aktuellen, politischen Wirren und Ereignisse. Das könnte bei einer unsorgfältigen Handhabung leicht zu einer verwirrenden Situation führen. Doch Martha Sophie Marcus bewältigt diese Klippe ausgezeichnet. Ihre Erzählung folgt einem klar erkennbaren, roten Faden und ermöglicht es deshalb, die Zusammenhänge zu erkennen und mit der Vielzahl von handelnden Personen umzugehen. Die wechselnden Schauplätze und teils kurzen Sequenzen führen auch dazu, dass keine Langeweile aufkommen kann und die Leser von der Handlung förmlich mitgerissen werden. Hier offenbart die Autorin eine Stärke ihrer Erzählweise.

Noch mehr Ecken und Kanten gewünscht

So ausgezeichnet Martha Sophie Marcus die Situationen beschreiben kann, so viel Empathie hat sie auch für die Charaktere. Hedwig ist in ihrer ganzen Entwicklung stimmig und überzeugt etwa nach ihrer Rückkehr aus dem Wald durch eine den gesellschaftlichen Gepflogenheiten unangepasste Verhaltensweise. Nach und nach reift sie an den verschiedenen Ereignissen, ohne jedoch diesen Freiheitswillen abzulegen, den sie in den Jahren bei Richard gepflegt und entwickelt hat. Sehr schön ist auch die Zerrissenheit Hedwigs, was die Liebe angeht. Mehr Ecken und Kanten, vor allem aber mehr Grautöne würde man sich bei den anderen Protagonisten wünschen. Hier pflegt die Autorin zu stark das eingefahrene Schema von Gut und Böse. Die Charaktere sind kaum wandlungsfähig, können mühelos ins Schema eingepasst werden und bleiben ihrer Zuteilung bis zum Schluss treu. Angesichts der starken Geschichte ist dies höchst bedauerlich.

Spannung und Gefühl

Mit diesem Buch präsentiert Martha Sophie Marcus eindeutig mehr, als es der Allerweltstitel Die Bogenschützin verheißt. Sie legt einen spannungsreichen Roman vor, die auch Raum lässt für Gefühl und ein ganz beachtliches Maß an Geschichte. Die Mischung ist gut gewählt und bietet einige Stunden wunderbarer Unterhaltung. Dass die Autorin verschiedene überraschende Wendungen bereit hält, gibt dem Roman zusätzlichen Pfiff und beweist, dass von dieser Autorin noch einiges zu erwarten ist.

Die Bogenschützin

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