Die Lagune der Flamingos

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2012, Titel: 'Die Lagune der Flamingos', Originalausgabe

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88

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Rita Dell'Agnese
Die junge Generation ist erwachsen geworden

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2012

Kurzgefasst:

Argentinien, 1876: Die jung verwitwete Annelie Wienand ist mit ihrer Tochter Mina aus Frankfurt am Main eingewandert, um ein zweites Mal zu heiraten. Doch ihre Ehe ist eine bittere Enttäuschung. Für die vierzehnjährige Mina sind einzig die Treffen mit dem Nachbarssohn Frank Lichtblicke in ihrem rauen Familienalltag. Doch eines Tages geschieht etwas Schreckliches, und Frank muss fliehen ...

 

Mit ihrem ersten Argentinien-Roman Im Land des Korallenbaums hat Sofia Caspari eine Grundlage für die Familiensaga gelegt, die nun mit Die Lagune der Flamingos eine Fortsetzung erfährt. Doch bevor es ein Wiedersehen mit den bereits bekannten Figuren gibt, führt Caspari ihr Publikum zunächst nach Esperanza zu Annelie und ihrer Tochter Mina. Auf der Suche nach einem neuen Lebensglück hat sich die verwitwete Deutsche Annelie mit dem in Argentinien lebenden Witwer Xaver Amborn zusammen getan. Doch bei ihrem zweiten Ehemann erlebt Annelie nichts als brutale Gewalt und Arbeit. Xavers Sohn Philipp steht da seinem Vater in nichts nach. Zudem hat Philipp ein Auge auf die heranwachsende Mina geworfen. Er lauert auf eine Gelegenheit, sich seine Stiefschwester gefügig zu machen. Mina kann das Leben auf Esperanza nur dank ihrer Liebe zum Nachbarjungen Frank aushalten. Doch da geschieht ein Mord und Frank muss flüchten. Mina, die fest an Franks Unschuld glaubt, ist den Nachstellungen Philipps nun schutzlos ausgeliefert. Zusammen mit Annelie flüchtet sie von Esperanza und gerät in einen Strudel von Abhängigkeit und Gewalt. Doch da begegnet sie Eduard.

Hier verknüpft sich die Geschichte mit derjenigen der Familie von Anna Weinbrenner, um die es im ersten Teil vornehmlich gegangen ist. Annas Tochter Marlena ist inzwischen erwachsen und möchte sich ihr Leben nicht mehr von der Mutter vorschreiben lassen. Sie lässt sich auf einen Journalisten ein, der für die Rechte der armen Bevölkerung kämpft. Als sie schwanger wird, verlässt sie ihr Elternhaus und taucht unter. Doch auch Marlena hat sich das Leben einfacher vorgestellt.

Stimmige Verknüpfung

Für die Leser ist Die Lagune der Flamingos primär ein in sich abgeschlossener Roman. Auch als zweiter Teil einer Familiensaga kann er als eigenständiges Buch gelesen werden, ohne dass der Eindruck entsteht, einen wichtigen Teil der Geschichte verpasst zu haben. Wo nötig flicht Sofia Caspari ein paar Erklärungen ein. Sie geht damit aber sehr sparsam um, so dass weder die Neueinsteiger noch die Leser, die den ersten Band bereits kennen, den Anschluss an die Ereignisse verpassen oder sich bei zu vielen Rückblenden langweilen. Die neu hinzu gekommenen Schicksale verknüpft Sofia Caspari sehr geschickt mit denjenigen der bekannten Figuren. So entsteht ein stimmiger Ablauf, der viele Facetten aufweist.

Die vielen Facetten sind allerdings nicht nur ein Gewinn für den Roman. Mit der Zahl ihrer Protagonisten geht Sofia Caspari an die obere Grenze. Sie verlangt sehr viel von ihrem Publikum, bietet allerdings zu Beginn des Buches einen kurzen Stammbaum der wichtigsten Familien, was eine wichtige Orientierungshilfe darstellt.

Gesundes Maß an Beschreibungen

Viele Auswanderer-Romane kranken am Bemühen der Autoren, üppige Landschaften vor dem inneren Auge der Leser entstehen zu lassen. Sofia Caspari hat in dieser Hinsicht ein nahezu perfektes Maß gefunden. Sie vermag sehr wohl Bilder zu erzeugen, bleibt aber mit ihren Schilderungen eher zurückhaltend, was die positive Wirkung auf die jeweiligen szenischen Beschreibungen zur Folge hat. Auch den Klassenkampf, den sie vor allem durch Marlena und ihren Geliebten ins Spiel bringt, lässt die Autorin nicht zu viel Raum einnehmen. So bleibt das Buch das, was die Leser aufgrund des Klappentextes und in Folge des ersten Bandes erwarten dürfen: eine Familiensaga, die viel Nähe zu den Protagonisten zulässt, aber nicht in seichte Soap-Opera-Manier abtaucht.

Wer hier einen typischen Landschaft&Liebe-Roman erwartet, dürfte etwas Mühe mit der Geschichte bekunden. Dazu geht Sofia Caspari zu dicht an die Menschen heran und scheut sich nicht, die dunklen Seiten des Lebens darzustellen. Weder ihre Protagonisten noch die Gesellschaft werden verklärt dargestellt, auf Überhelden verzichtet die Autorin - vielleicht abgesehen von Anna Weinbrenner, die allerdings nur am Rande in Erscheinung tritt - nahezu ganz. So ist Die Lagune der Flamingos ein intensives Leseerlebnis, das in eine völlig fremde Welt eintauchen lässt, ein großes Stück Geschichte vermittelt und sowohl vom Plot als auch von der Sprache her überzeugt. Eine gelungene Fortsetzung der Saga, die schon beim ersten Band überzeugen konnte.

 

Die Lagune der Flamingos

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Letzte Kommentare:
04.08.2017 23:32:44
Ute_L.

Dieser zweite Teil der Trilogie der Argentinien-Auswandersaga ist lange nicht so gut wie der erste Teil.
Anfangs kommen praktisch mit jedem Kapitel neue Personen mit jeweils einem eigenen Erzählstrang hinzu und diese einzelnen Stränge laufen lange Zeit ohne jede Verbindung zu den anderen. So nach und nach tauchen dann auch mal wieder Figuren aus dem ersten Band auf. Aber alles wird irgendwie oberflächlich erzählt. Kaum hat man sich gerade in das Schicksal der einen Figur ein bisschen eingelesen ist das Kapitel auch schon zu Ende und mit dem nächsten Kapitel ist dann völliger Szenenwechsel und es geht mit einem ganz anderen Erzählstrang weiter.

Ich finde es im Grunde ja sehr spannend, wenn hier mal von dem einen und dann wieder von einem ganz anderen erzählt wird, aber dann kommen diese einzelnen Fäden doch irgendwann zusammen und bilden die Gesamtgeschichte. In diesem Buch ist das nicht der Fall. Erst weit nach der Hälfte des Buches kommt es langsam zu den ersten, aber auch nur ganz kurzen Verbindungen einiger der Fäden. Im Grunde hatte ich das Gefühl, dass ich 6 bis 8 unterschiedliche Romane gleichzeitig lese und hab mich nicht selten zu Beginn eines neuen Kapitels gefragt ´Wer war jetzt gleich wieder Arthur? Ach ja richtig, der hat vor 5 Kapiteln seine Frau im Gedränge verloren.´ Oder ´Wie war das jetzt nochmal mit Jens? Stimmt der hat doch Blanca irgendwann mal das Leben gerettet.´
Wie schon gesagt, alles immer nur angerissen und oberflächlich erzählt. So sind mir die Figuren auch auf Distanz geblieben, ich konnte mich nicht in eine einzige richtig reinversetzten, mit ihr mitfiebern oder mitleiden so wie es ein spannend geschriebenes Buch schaffen sollte.
Oft werden selbst die dramatischsten Entwicklungen nur ganz kurz zusammengefasst und wenn man dann nach etlichen Kapiteln und unzähligen anderen Schicksalen wieder zu diesem Strang zurückkommt, geht es mit einer ganz anderen Situation weiter. Es ist weder flüssig noch spannend geschrieben und selbst am Ende finden nicht alle zusammen. (Arthur sucht seine Frau zum Beispiel noch immer.)
Und dazwischen - dass muss ich noch erwähnen - jede Menge Information über die Landessitten, die Lebensweise, die Landesgerichte und wie sie in der Landessprache heißen, zu welchen Gelegenheiten man was isst und wie es zubereitet wird, wann was gefeiert wird mit welchen Tänzen usw. und auch die politische Situation wird lang und breit und vor allem sehr trocken immer wieder eingestreut. Auch dagegen ist im Prinzip nichts zu sagen. Aber bitte alles in Maßen. Wenn ich einen Roman lese der in Argentinien spielt, dann finde ich es bereichernd, wenn ich hier und da auch mal etwas über das Land oder die Zeit um die es geht erfahre. Hier liest es sich aber eher wie der Auszug aus einem Reiseinformationsblatt.

27.12.2012 19:47:30
nina2401

In diesem wunderschön gestalteten Buch wird die Geschichte mehrerer Familien erzählt. Ich habe erst nach dem Lesen bemerkt, dass es ein Vorgängerbuch gibt und ich hatte nicht das Gefühl, dass ich dieses hätte kennen müssen. Die Geschichte wird sehr spannend erzählt. Sie ist in viele Stränge unterteilt, die unterschiedlich lang sind. Anfangs werden immer neue Personen vorgestellt und ein kleiner Stammbaum am Anfang des Buches leistet da hilfreiche Dienste. Aber alle Personen werden so gut dargestellt, dass ich keine Probleme hatte, alle auseinander zu halten und schon nach kurzer Zeit waren sie mir sehr vertraut. Ich war die ganze Zeit gespannt, ob sich am Ende alles zusammen fügt und da wurde ich positiv überrascht. Keiner der zahlreichen Stränge verlief ins Leere und am Ende fügt sich auch alles schön zusammen. Auch die im ausklappbaren vorderen Cover abgedruckte Karte von Argentinien und den Nachbarstaaten habe ich mir sehr oft angeschaut.

Jede Familie hat ihr eigenes Drama und ich habe viel über das Land und das Leben in der Zeit von 1876 bis 1890 erfahren. Das Land befindet sich im Umbruch und ich konnte live dabei sein. Der Konflikt zwischen den Weißen und den Indios war ein großes Thema wie auch die Übermacht der Großgrundbesitzer und die Prostitution.
Das bunte Leben in Buenos Aires wurde genau so vielschichtig porträtiert wie die Armut in den Randgebieten der Pampa, die Konflikte der Reichen untereinander und die Konflikte zwischen Arm und Reich. Die Liebe wird natürlich auch thematisiert auf eine wohltuend unkitschige Art, die verbotene und die heimliche Liebe, die wartende Liebe und auch die verschmähte Liebe. Das alles erzählt Sofia Caspari so lebendig, dass ich wahrlich eintauchen und mich mitreißen lassen konnte.

Ein großartiges Buch über die deutschstämmigen Familien in Argentinien, deren Machtkämpfe, aber auch Veränderungen und Umdenken.