Das Geheimnis der Maurin

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2012, Titel: 'Das Geheimnis der Maurin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90
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Rita Dell'Agnese
Mach Frieden mit dir

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2012

Kurzgefasst:

Andalusien 1491: Die schöne Zahra und ihre Familie müssen vor den christlichen Eroberern nach Portugal fliehen, werden jedoch auf ihrer Flucht von Soldaten überfallen. Zahras kleine Tochter wird dabei entführt. Nur einer kann das Mädchen retten: Gonzalo, der Bruder ihres Geliebten Jaime. Doch dieser hat keinen Grund, Zahra zu helfen, hat er sie doch schon lange vor Jaime geliebt und seine Niederlage nie verwunden ...

 

Eine Erfolgsgeschichte fortzusetzen ist ein schwieriges Unterfangen. Zu leicht verliert sich der Zauber der Erzählung und wirkt die Geschichte bemüht. Lea Korte hat die Klippe mit ihrer Fortsetzung von Die Maurin hervorragend gemeistert. Das Geheimnis der Maurin steht dem ersten Band in nichts nach. Im Gegenteil. Fast scheint es, als wären die Figuren noch lebendiger skizziert, als hätten sie an Reife und Gefühlen zugleich zugelegt. Mit dem wachsenden politischen Spannungsfeld in Granada - die Spanier haben eben das Herrschaftsgebiet der Mauren erobert - gerät auch die Beziehung von Zahra und Jaime in Schieflage. Denn je konsequenter die Spanier gegen die Mauren und Juden vorgehen, desto mehr wächst die Abscheu Zahras vor den Christen. Dass dies für Jaime nicht gilt, kann sie kaum verwinden. Sie erwartet von ihm, dass er seinem Glauben abschwört und sich zum Islam bekennt. Doch Jaime ist - bei allem Verständnis für den Islam und aller Bewunderung für die maurische Kultur - ein Kind seines Volkes. Er kann und will selbst Zahra zuliebe seine Wurzeln nicht verleugnen. Verbissen kämpft Zahra darum, die feindlichen Einflüsse von ihrer Familie fern zu halten. Doch auch ihre Kinder werden selbständiger und gehen eigene Wege. Nicht immer zur Freude der Mutter. Zudem muss sich Zahra gegen einen unbekannten Widersacher wehren. Er versucht nicht nur, ihre Tochter Chalida in die Hände zu bekommen, er agiert auch gegen Zahra und ihre Schwester Zainab. Niemand weiß, ob der Unbekannte ein Spitzel des kastilischen Königspaars ist.

Kultur vermitteln

Die historischen Ereignisse im 15. Jahrhundert in Andalusien haben großes Potenzial. Und Lea Korte kann in ihrem Roman Das Geheimnis der Maurin dieses Potenzial weitgehend abrufen. Mehr noch, sie überrascht mit Details, die zunächst Fragen aufwerfen, bei näherer Betrachtung aber als Ergebnis von umfangreicher Recherchearbeit erkannt werden. So etwa eine Szene, bei der Zahra nachts im Schein der Straßenbeleuchtung wach liegt. Tatsächlich war die Straßenbeleuchtung eine maurische Errungenschaft, die von Europa erst viele Jahrzehnte später übernommen wurde. So schafft es Lea Korte, mit ihrem Roman nicht nur eine spannende Geschichte zu erzählen, sondern auch viel Wissen über die Kultur der Mauren zu vermitteln.

Mitreißend geschrieben

Immer wieder geraten Autoren in Gefahr, ihr großes Fachwissen zu stark in den Vordergrund zu stellen und damit die eigentliche Geschichte aufs Abstellgleis zu schieben. Nicht so Lea Korte. Ihr gelingt bei der Geschichte um Zahra eine ideale Mischung. Gerade im zweiten Band kommen die Unterschiede der Kulturen wunderbar zur Geltung, sind ein tragendes Element der Geschichte, aber keineswegs trockene Materie. Verkörpert von Zahra und Jaime, aber auch von der Jüdin Deborah, die als Frau von Zahras Bruder Raschid ebenfalls in die Familie integriert ist und einen weiteren Aspekt im Völkergemisch hinzu fügt, wird der Konflikt zwischen den Religionen sehr lebendig dargestellt. Zudem pflegt die Autorin einen mitreißenden Schreibstil. Sie zieht die Leser in Bann und lässt sie sehr dicht an ihre Protagonisten heran kommen. Allerdings ist es eindeutig von Vorteil, den ersten Band gelesen zu haben, kommt die Entwicklung der einzelnen Figuren doch nur im Kontext zum Teil 1 voll zur Geltung.

Kritische Töne

Bei allem Zauber, den Das Geheimnis der Maurin verströmt - da und dort wird sich der Leser fragen, wie objektiv die Geschichte erzählt wird. Die Hochkultur der Mauren contra einer eher im Entwicklungsstadium befindlichen christlichen Kultur: es liegt tatsächlich auf der Hand, welche der beiden Kulturen besser abschneidet. Doch weitet Lea Korte dieses Verhältnis auch weitgehend auf die Persönlichkeit ihrer Figuren aus. Hier stellt sich die leise Frage, ob sich das so klar vorgegebene Bild von Gut (Mauren und Juden) und Böse (Christen) so erhärten lässt. Hier wäre eine etwas differenziertere Zuteilung von persönlich geprägten Charakterzügen schön gewesen.

Mit ihrem zweiten Band um die Maurin Zahra hat Lea Korte nachgedoppelt. Sie legt mit ihrem Roman eine hohe Messlatte für einen möglichen dritten Teil. Das Geheimnis der Maurin ist ein ausgereifter, stimmungsvoller und überzeugender Roman, der sich flüssig liest und einiges an Spannung, Gefühl und Wissen bereit hält.

Das Geheimnis der Maurin

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