Blutrot blüht die Heide

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • kbv, 2012, Titel: 'Blutrot blüht die Heide', Originalausgabe

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Annette Gloser
Stülpner Karls Erben

Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2012

Im September 1917 wird Wilhelm Berger als Kommandojäger in die Försterei Jatty versetzt. Für ihn ist der Krieg zu Ende. Eine Verwundung führte ihn weg von der Front und brachte ihm die Versetzung in die vermeintlich ruhige Gegend der Tucheler Heide in Westpreußen ein. Er ist nicht der einzige Kommandojäger hier, denn die Soldaten werden als Unterstützung für die Forstbeamten benötigt. Die Wilderei in den Wäldern hat stark zugenommen seit der Krieg seine Schatten auf die Zivilbevölkerung wirft und die Leute immer weniger zu essen haben. Vor allem die Polen und Kaschuben in den Dörfern betrachten die Wilderei eher als einen Akt des Widerstands gegen die deutschen Herren.

Ein junger Hilfsförster war bereits im vergangenen Jahr von dem Wilderer Franz Kleinschmidt erschossen worden. Der Täter ist bekannt, aber man bekommt ihn nicht zu fassen. Mittlerweile findet eine breit angelegte Hetzjagd auf Kleinschmidt statt. Der Konflikt eskaliert immer weiter und bald gibt es weitere Todesopfer.
Wilhelm Berger will Kleinschmidt ebenfalls fangen, aber er hat auch noch andere Wünsche. Er bemüht sich, einen kühlen Kopf zu behalten und möglichst sachlich beide Seiten zu sehen. Verliebt ist er auch, denn die hübsche Maria will ihm nicht mehr aus dem Kopf. Sie nimmt ihn auch mit in die Hütten der Kaschuben. Hier lernt Berger eine ganz andere Welt kennen. Maria stellt auch immer wieder die Jagd nach dem Wilderer Kleinschmidt in Frage. Bald kommt Berger nicht mehr umhin, sein Verhalten zu überdenken. Ist Kleinschmidt wirklich der bösartige Mörder, als den ihn die deutschen Forstbeamten sehen? Dann jedoch kommt Verstärkung aus Berlin: Paul Marquardt, Kriminalbeamter und ein "ganz scharfer Hund", wie die Kommandojäger bald feststellen. Marquardt ist sicher, daß er Kleinschmidt bald greifen wird. Allerdings hat er da die Rechnung ohne die Polen und Kaschuben in den Dörfern der Tucheler Heide gemacht.

Nicht wirklich ein Krimi

Jürgen Ehlers erzählt eine Geschichte aus einem Land, das es so, wie im Buch beschrieben, schon seit Ende des Ersten Weltkrieges nicht mehr gibt. Das einstige Westpreußen, seit 1772 Teil des Königreichs Preußen, wurde durch den Versailler Vertrag geteilt und Bestandteil des sogenannten Polnischen Korridors. Nach 1945 fielen auch die bis dahin weiter zu Deutschland gehörenden Gebiete an die Volksrepublik Polen. Die Jahre, in der Blutrot blüht die Heide spielt, sind also die letzten unter deutscher Herrschaft. Im Roman werden die Konflikte zwischen den selbstverständlich deutschen Beamten und den oft polnischen oder kaschubischen Bauern sehr deutlich benannt.

Während die Förster ohne Rücksicht auf die durch den Krieg herrschende Not auf die Einhaltung von Recht und Gesetz bestanden, schlugen sich die Bauern und viele Bürger in den Städten mehr schlecht als recht durchs Leben. Nicht wenige hungerten und oft waren die Frauen auf sich allein gestellt, die Männer an der Front. Ehlers liefert hier einen tief gehenden Einblick in das Konfliktpotential Westpreußens. Gleichzeitig nutzt er die Möglichkeit, über das Leben und die Bräuche der Kaschuben zu berichten. An diesen Stellen wird der Roman farbig und interessant. Allerdings trifft dies nicht auf den Rest des Romans zu. Oft zieht sich die Handlung sehr in die Länge und Spannung will eigentlich über die gesamte Länge des Romans nicht aufkommen. Dies liegt sicher auch daran, daß der Täter von Anfang an bekannt ist. Nur allein die Jagd nach ihm, unterbrochen von ethnologischen Exkursen in die Welt der Kaschuben, macht keinen Krimi aus diesem Buch.

Eine Frage der Sympathie

Franz Kleinschmidt ist als Protagonist auch ungeeignet, ähnlich positive Gefühle im Leser zu wecken wie z.B. weiland der Stülpner Karl, der in den damals noch dunklen Wäldern des Erzgebirges seine Hirsche wilderte. Kleinschmidt und diverse andere Protagonisten des Romans sind reale historische Persönlichkeiten. Der Autor äußert sich dazu ausführlich in seinem Nachwort. Dazu kommen einige fiktive Peronen, wie der freundlich-unbeleckte Wilhelm Berger und die zwar hübsche, aber ein wenig undurchsichtige Maria. Ehlers lässt Maria im Roman nach Antworten suchen, sie glaubt nicht an das, was die deutschen Behörden über Kleinschmidt verbreiten. Aber die Szenen, in denen Kleinschmidt versucht, sein Verhalten zu erklären, sind eher unglaubwürdig und keineswegs geeignet, die Sympathien des Lesers zu wecken. Und es wird wohl des Autors Geheimnis bleiben, warum er Kleinschmidt nach all den tatsächlich begangenen Bluttaten nun ohne Not auch noch ein inzestuöses Verhältnis zu seiner Schwester unterstellen muß - zumal über diese Schwester praktisch nichts bekannt ist. Nachvollziehbar ist das Bemühen, hinter den Gruselberichten in Zeitungen und Büchern nach dem Menschen Franz Kleinschmidt zu suchen. Es muß auch nicht immer gefallen, was man bei einer solchen Suche findet. Aber dieser Roman bietet in seinem Personal zu wenig Gegengewicht. Für den Leser wird es deshalb schwierig, sich zu orientieren.

Nicht unbedingt für Krimifans

Blutrot blüht die Heide ist bei kbv erschienen und Teil einer Reihe um den späteren Kriminalisten Wilhelm Berger. Ehlers führt den Leser hier an Bergers kriminalistische Anfänge zurück. Zwar ist das Buch mit knapp 290 Seiten nicht sonderlich umfangreich, aber aufgrund der oft fehlenden Spannung liest es sich nicht schnell weg. Krimiliebhaber werden hier wohl weniger auf ihre Kosten kommen, trotz des wirklich netten Lesezeichens in Form eines blutigen Jagdmessers, wie es bei kbv üblich ist. Wer sich jedoch für das einstige Westpreußen interessiert, dem sei der Roman empfohlen. Er wird ganz sicher viele interessante Dinge erfahren.

Blutrot blüht die Heide

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Letzte Kommentare:
30.12.2015 18:30:24
matheelfe

Man schreibt das Jahr 1917. Der Kommandojäger Wilhelm Berger wird in die Tucheler Heide abgeordnet. Er soll den dortigen Förster bei der Ergreifung von Wilddieben unterstützen. Doch kurze Zeit später ist der Förster tot. Der vermeintliche Täter ist namentlich bekannt, denn ihm werden weitere Morde zu Last gelegt.
Der Autor hat einen über weite Strecken spannenden historischen Kriminalroman geschrieben. Die Protagonisten sind gut charakterisiert. Wilhelm Berger möchte den Täter fassen, nimmt aber recht und Gesetz ernst. Kriminalschutzmann Paul Marquardt hat zwar das gleiche Ziel, aber er greift schnell zur Waffe.
Das besondere an dem Krimi ist die politische Situation. Gutsbesitze und Arbeiter sind Polen. Nur der Förster und die Kommandojäger sind Deutsche. Die dadurch entstehenden Lebensverhältnisse kommen dem polnischen Täter entgegen. Er kann sich auf die Unterstützung seiner Landsleute verlassen. Der Förster ist aufgrund seines Verhaltens daran nicht ganz unschuldig.
Der Autor hat an vielen Stellen die Sitten und Gebräuche der einheimischen Bevölkerung thematisiert. Dazu gehören neben den Polen auch die Kaschuben.
Der Roman beruht auf einem historischen Fall. Ab und an werden Originaldokumente verwendet. Trotzdem bleibt viel Raum für die Phantasie des Autors. Nicht jede der Handlungen seiner Protagonisten konnte ich logisch nachvollziehen. Leichtsinn und Neugier gingen manchmal Hand in Hand. Die Kriegsereignisse spielten nur am Rande eine Rolle.
Das Buch ließ sich zügig lesen. Die Sprache ist an einigen Stellen etwas rau. Das ist allerdings den Protagonisten und ihrem Umgangston geschuldet.
Eine Karte der Handlungsorte befindet sich sowohl in Deutsch als auch in Polnisch im Buch. So konnte ich die Orte schnell einordnen.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat aus J. F. Coopers Buch „Der Wildtöter“. Zwischen den Zitaten und der aktuellen Handlung gab es erstaunliche Parallelen.
Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten. Besonders gefallen haben mir die Informationen über Land und Leute.