Der Makel der Freiheit

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • , 2012, Titel: 'Der Makel der Freiheit', Originalausgabe

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Annette Gloser
War einmal ein Revoluzzer...

Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2012

Kurzgefasst:

Im Jahr 1793 kehrt Kilian Kramer nach langen Studienjahren in seine kleine Heimatstadt zurück. Sein Vater, der örtliche Schultheiß, wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sein Sohn in den Dienst des Kurfürsten eintritt. Kilian aber sträubt sich. Er träumt davon, festgefahrene Zwänge und Regeln gegen eine selbstbestimmte Freiheit zu tauschen. Nun stürmt tatsächlich das französische Revolutionsheer heran und bringt die alte Ordnung ins Wanken. Durch die Begegnung mit einer schönen Fremden und einem französischen Offizier gerät er zwischen die Fronten von Alt und Neu.

 

1793. Nach erfolgreichem Studium kehrt Kilian Kramer in sein Heimatstädtchen zurück. Das ist wie ein Wechsel in eine andere Welt, fort aus dem rebellischen, weltoffenen Leipzig, hinein in den konservativen Mief einer fürstbischöflich regierten Kleinstadt. Und nachdem Kilian die Studienjahre über weite Strecken an den Biertischen verbrachte, große Reden schwingend über Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, erwartet ihn nun in der Heimat die vom Vater geplante und erhoffte Karriere als Beamter. Kilian lehnt dies für sich ab, er will einen anderen Weg gehen. Allerdings weiß er noch nicht so recht, welchen. So lebt er in den Tag hinein, hilft gelegentlich in der väterlichen Apotheke aus, musiziert mit seinem Freund Hyazinth und findet nicht die Kraft, sich gegen die väterliche Autorität aufzulehnen.

Als er Elisabeth kennenlernt scheint es, als habe Kilian die eine und wahre große Liebe gefunden. Dann jedoch marschieren die Franzosen in der kleinen Stadt ein und in Elisabeths Elternhaus quartiert sich der Befehlshaber der französischen Truppen, Oberst Montabon, ein. Gut versteckt hinter der Maske revolutionärer Phrasen etabliert Montabon ein repressives Regime in der kleinen Stadt. Ihm gelingt es auch, Elisabeth in sein Bett zu holen. Für Kilian bricht die Welt zusammen. Der Mann, den er vor kurzem noch bewunderte und mit dem ihn freundschaftliche Gefühle verbanden, entpuppt sich als rücksichtsloser Konkurrent um die Gunst der hübschen jungen Frau.

Und nicht nur dies. Auch das Leben in der Stadt verändert sich radikal. Wurden die Franzosen zunächst durchaus freundlich begrüßt, so spüren die Bürger nun auch die Schattenseiten der Besatzung. Altgewohnte Strukturen zerbrechen, das fast tausend Jahre alte Kloster scheint in Auflösung begriffen. Die Franzosen requirieren was ihnen gefällt und niemand weiß so recht, wovon er leben soll oder hat eine Vorstellung davon, wie man mit der von den Besatzern verordneten "Demokratie" umzugehen hat. Aber dann wird Montabons Leben in Kilians Hände gelegt.

Die Sprache der Romantik

Axel-Johannes Korb führt seine Leser auch sprachlich in die Zeit zum Ende des 18. Jahrhunderts zurück und streckenweise meint man, einen Roman aus der Zeit der Romantik in den Händen zu halten. Der Verlag verweist darauf, daß Der Makel der Freiheit in Seligenstadt spielt, einer kleinen Stadt im früheren Gebiet Kurmainz. Im Roman selbst gibt es nur eine Stelle, die indirekt darauf verweist. Ansonsten könnte der Roman wohl gut auch in anderen deutschen Städten mit alten Klöstern spielen - abgesehen davon, daß der im Roman auftauchende Koadjutor Dalberg eine reale historische Persönlichkeit ist. Und auch wenn er in einem Regionalverlag veröffentlich wurde, so ist dieser Roman doch weitaus mehr als "nur" ein Stück Regionalhistorie. Hier entspinnt sich eine Geschichte, die so oder ähnlich wohl in vielen deutschen Städten passiert sein könnte. Die Konflikte besitzen eine gewisse Allgemeingültigkeit, die Charaktere dürften beispielhaft für die Masse der Deutschen stehen.

Dabei erfreut der Autor den Leser mit fein gezeichneten Protagonisten, zum Teil schillernd, in vielen Schattierungen zwischen gut und böse. So ist dabei keineswegs ein strahlender Held in die Hauptrolle gesetzt worden. Der Mann, der wirklich einen Allerwertesten in der Hose hat und im richtigen Moment handelt, tritt zunächst als spießiger Unsympath vor den Leser. Ein vollmundiger Fanatiker ist immerhin bereit, für seine Überzeugung zu sterben. Und die jugendlich Liebenden, die doch immer und überall die positiven Gefühle auf ihrer Seite haben, werden gewogen und für zu leicht befunden. Der Autor veranstaltet hier ein wahres Bäumchen-wechsle-dich-Spiel der Emotionen, schreckt allerdings auch nicht vor der regelrechten Karikatur des devoten Untergebenen zurück.

Mit der Freiheit überfordert

Mit Kilian Kramer schafft Axel-Johannes Korb einen jungen Mann voller freiheitlicher Ideen, jedoch keinen Denker. Während seines Studiums in Leipzig vollgestopft mit den neuen Ideen der französischen Revolution, ist er in der konservativen Heimat nicht in der Lage, diese Ideen auch umzusetzen. Er findet keine Gleichgesinnten am Biertisch, denn die Handwerker und Tagelöhner verstehen seine hochtrabenden Reden nicht. Die Familie ist der Kirche und dem Staat ergeben, der beste Freund interessiert sich nur für Musik. Und auch gegen den Vater wagt der jugendliche Idealist kein Aufbegehren. Er fügt sich brav ins Reglement. Stattdessen behandelt er, der so viel von Gleichheit schwafelt, die Magd von oben herab und nutzt die althergebrachte Ordnung dort für sich, wo es für ihn bequem ist.

Mit dem Einmarsch der Franzosen wird nicht nur Kilian mit den Schattenseiten der Revolution konfrontiert. Die Bürger des kleinen Städtchens wissen mit der Freiheit nichts anzufangen, die sie unter der Kuratel des französischen Befehlshabers ausüben sollen. Und die rigide Machtpolitik der Franzosen führt letztendlich zu einer Desillusionierung und der Erkenntnis, nur den einen Despoten gegen den anderen getauscht zu haben:

 

Der Oberst war eben nichts weiter als ein Pfaffe! Er war der Priester der neuen Religion, die nur vorgab, keine zu sein, die aber mit dem gleichen Anspruch auf Gültigkeit auftrat, wie es zuvor der Abt und der Kurfürst getan hatten.

Der Autor zeigt sehr genau auf, wie Machtmissbrauch Ideale zerbrechen lässt, aber auch, wie ein geschickter Agitator andere Menschen manipulieren kann. Insofern ist "Der Makel der Freiheit" ein Kabinettstück menschlicher Psyche.

Nicht nur regional bedeutsam

Das schmale Büchlein aus dem RegioKomVerlag punktet nicht nur inhaltlich sondern auch mit einem sensibel gestalteten Cover. Wer den an der Romantik orientierten anspruchsvollen Sprachduktus mag, wird an diesem Roman seine Freude haben. Er liest sich flüssig und erzählt seine Geschichte ohne größere Abschweifungen, leitet den Leser an einem roten Faden durch das Geschehen.

Mit Der Makel der Freiheit hat Axel-Johannes Korb ein Thema aufgegriffen, welches zwar ein ganz besonderes Stück Geschichte in einem sehr besonderen Städtchen widerspiegelt, jedoch trotzdem eine Metapher für die Geschichte Deutschlands Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts darstellt. Ein wichtiger und gut geschriebener Roman, von dem man hoffen darf, daß er nicht nur regionale Beachtung findet.

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