Die Insel der roten Mangroven

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2012, Titel: 'Die Insel der roten Mangroven', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Rita Dell'Agnese
Die zweite Fortnam-Generation sucht ihr Glück

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2012

Die Jamaica-Saga der Autorin Sarah Lark findet eine Fortsetzung. In den Mittelpunkt des in den Jahren ab 1753 angesiedelten Romans stellt die Autorin die Tochter von Nora Fortnam, Deirdre. Die junge Frau lebt ihren ungestümen Freiheitsdrang aus, ungeachtet der missbilligenden Meinung der honorigen Familien Jamaicas. Obwohl Doug Fortnam Deirdre adoptiert hat, hängt ihr noch immer der Makel an, dass sie die Tochter des schwarzen Sklaven Akwasi ist und damit an sich nicht gesellschaftsfähig wäre. Mit Sorge beobachtet Nora die versteckte Schmähung ihrer Tochter. Deshalb reagiert sie erfreut, als sich mit dem jungen Arzt Victor Dufresne ein Mann um Deirdre bemüht, der sie von Jamaica fortbringen will in seiner Heimat Saint-Domingue muss sich die junge Frau auch als Mischblütige nicht davor fürchten, versklavt zu werden. Glücklich folgt Deirdre dem jungen Arzt in dessen Heimat, beginnt sich dort aber bald zu langweilen, findet sie doch zur Gesellschaft kaum Zugang. Da bringt eines Nachts der schwarze Pirat Big Caesar seine schwer verletzte Gefährtin Bonnie zum Arzt. Deirdre fühlt sich zu Caesar magisch hingezogen, nicht ahnend, dass auch er ein Sohn Akwasis ist. Während sich seine Frau langsam von ihrem bisherigen Leben zu lösen beginnt, versucht Viktor, seinen Kampf für die Rechte der Sklaven fortzusetzen. Er glaubt, dass nur das dem Widerstand der Sklaven, die damit begonnen haben, ihre Herren zu vergiften, entgegen wirken kann. Der Sklavenaufstand gewinnt jedoch immer mehr an Fahrt.

Traditionell und unterhaltsam

Sarah Lark beschreitet mit dem zweiten Teil ihrer Fortnam-Saga bekannte Wege. Das heißt nun aber nicht, dass es sich hier um eine Standard-Geschichte handelt, die ohne Reiz wäre. Die Autorin weiß sehr genau die passende Dosis von Gefühl, Spannung und Historie einzusetzen, um ihrer Geschichte Leben einzuhauchen. Gekonnt baut sie Spannung auf und vermag diese mit ganz wenigen kleinen Einbrüchen auch bis zum Schluss zu halten. Dass sie dazu zwei Handlungsstränge miteinander verknüpft, ist eine gute Entscheidung. Sowohl das Schicksal von Caesar und Bonnie als auch jenes von Deirdre lassen viel Spielraum für verschlungene Wege. Die Autorin hat schon bei früheren Gelegenheiten bewiesen, dass sie genau hier ihre Stärken hat. Sie kann sich sehr gut in die Situation hinein versetzen und bleibt mit ihren Erzählungen dicht bei den nur allzu menschlichen Seiten.

Auf der sicheren Seite

Mit ihren Charakteren bleibt Sarah Lark auf der sicheren Seite und verzichtet auf eine allzu kantige Ausgestaltung. Zwar stattet sie insbesondere die Protagonistin Deirdre mit einem ungestümen Lebenshunger aus, der sie manche Vorsicht über Bord werfen lässt, doch verliert sich die Spannung durch den unglaublichen Egoismus der jungen Frau, der sie zu einer wenig sympathischen Protagonistin macht. Eine Figur jedoch, der die Tiefgründigkeit fehlt, um sie zu einem interessanten Charakter zu machen. Farblos bleibt auch Viktor in seiner grenzenlosen Güte. Sowohl Bonnie als auch Caesar alias Jeffe geben etwas mehr Facetten her. Hier scheint die Autorin zu versuchen, den brodelnden Zorn des afrikanischen Blutes einzufangen und in die Charaktere einfließen zu lassen. Dabei gerät sie allerdings recht deutlich auch an eine Grenze zum schablonenartigen Einordnen ethnischer Herkunft.

Interessanter Hintergrund

Der wohl stärkste Teil ist der geschichtliche Hintergrund, den Sarah Lark beinahe nebenher einfließen lässt, der die Saga aber zu einem tragfähigen historischen Roman macht. Sie nimmt hier insbesondere die Sklaverei und den Kolonialismus unter die Lupe und beschreibt sehr eindringlich das Leben auf den Plantagen das sowohl in den Herrenhäusern als auch in den Sklavenquartieren. Sie schafft es, die Entwicklung der Sklavenaufstände aufzuzeigen und auch einen Blick in die Problematik der Maroons zu werfen. Interessant sind letztlich auch die Vergleiche der Entwicklung auf den verschiedenen Inseln, die durch die Heirat von Deirdre mit einem französischstämmigen eine sehr anschauliche Dimension bekommen.

Es ist naheliegend, dass die Saga mit dem Titel Die Insel der roten Mangroven noch nicht zu Ende erzählt ist. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass sich Sarah Lark auch für einen weiteren Teil noch manche Wirren des Schicksals einfallen lässt und die Saga auf diese Weise nichts an Lebendigkeit verlieren wird.

Die Insel der roten Mangroven

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