Das Festmahl des John Saturnall

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Knaus, 2012, Titel: 'John Saturnall's Feast', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Zwei große Leidenschaften in einem Roman: Die Liebe und das Kochen

Buch-Rezension von Birgit Borloni Nov 2012

Kurzgefasst:

England, 1625. Als John seine Mutter verliert, hat er als Sohn einer angeblichen Hexe nur eine Chance, den Religionsfanatikern zu entkommen: Er muss seine vertraute Umgebung verlassen und das Herrenhaus von Buckland erreichen. Hier werden er und das von seiner Mutter überlieferte geheime Wissen um Pflanzen und Rezepte sicher sein. In Buckland steigt John vom Küchenjungen schnell zum Koch auf. Er versteht es, Lucretia, die verwöhnte Tochter von Sir William, mit seinen Kochkünsten zu betören. Aber Krieg und Standesunterschiede lassen kaum Platz für die Liebe zwischen dem berühmtesten Koch des Landes und der Lady von Buckland.

 

John wächst in einem kleinen Dorf in England auf, doch er ist ein Außenseiter. Seine Mutter wird immer wieder als Hexe verschrien, die Dorfgemeinschaft wird von einem religiösen Fanatiker aufgehetzt und Johns Vater ist auch nicht bekannt. Als die Dorfbewohner in aufgeheiztem Zustand "der Hexe" einen Besuch abstatten wollen, flüchtet Johns Mutter mit ihm in die Wälder hoch über dem Dorf, um die sich viele Legenden ranken. Dort oben erzählt sie ihm von "Dem Fest", das die Leute früher begingen und in dem es keine Herren und keine Untergebenen gab.

Nach dem Tod seiner Mutter gelangt John in das Herrenhaus von Sir William Fremantle und findet Anstellung in der Küche. Dank seines herausragenden Geruchs- und Geschmackssinns steigt er rasch auf und darf schließlich sogar für den König kochen. Zudem verliebt er sich in Lady Lucretia, die Tochter des Hausherrn, doch ihr Herz zu gewinnen ist gar nicht so einfach und auch die Standesgrenzen sprechen gegen die Liebenden...

Mehr als nur ein kulinarischer Roman

Lawrence Norfolks Roman "Das Festmahl des John Saturnall" ist eine sehr komplexe und vielschichtige Geschichte, die es dem Leser dadurch nicht immer einfach macht. Die Liebesgeschichte zwischen John und Lucretia spielt zwar eine wichtige Rolle, doch entwickelt sie sich langsam und erst im Laufe der Geschichte, so dass viel Raum für anderes bleibt: Da ist zunächst einmal das Kochen an sich. Neben den Geschichten von "Dem Fest", das in früherer Zeit gefeiert worden sein soll und bei dem es keine Unterschiede zwischen den Menschen gab, wird der Küchenalltag der damaligen Zeit beschrieben, welche Hierarchien es gab, welche Vorbereitungsschritte nötig waren und was damals so alles gekocht wurde.

Doch auch religiöse Schwierigkeiten und religiöser Fanatismus spielen eine wichtige Rolle und ihre Auswirkungen auf die Gemeinschaft. Ebenso kommt die Politik nicht zu kurz: Intrigen gegen den König, sein Sturz und die Herrschaft Oliver Cromwells sowie die vorausgehenden kriegerischen Auseinandersetzungen nehmen Raum in der Geschichte ein.

Gute Erzählkunst trotz ein paar Schwächen

Diese Vielschichtigkeit ist Vor- und Nachteil zugleich. Der Vorteil ist natürlich, dass man als Leser einen umfassenden Einblick in die damaligen Verhältnisse bekommt, in all die oben angesprochenen Bereiche. Der Nachteil ist, dass vieles nur kurz und knapp präsentiert wird, da 470 Seiten für die Fülle an Themen für großen Detailreichtum nicht ausreichend sind. So hätten gerade die politischen Gegebenheiten mehr Raum verdient, denn die Umstände, die zum Sturz König Charles I. geführt haben, sind allemal interessant und es werden nicht allzu viele Leser umfassende Vorkenntnisse zu dieser Zeit mitbringen, so dass ausführlichere Erläuterungen an einigen Stellen wünschenswert gewesen wären.

Doch obwohl so vieles auf engem Raum präsentiert wird, entstehen auch immer wieder Längen. Ab und an stockt die Geschichte, will nicht so richtig an Fahrt aufnehmen und es kommt zu Wiederholungen. Die Beschreibungen in der Küche ähneln sich des Öfteren, die Aufzählungen der Arbeitsschritte und der verschiedenen Gerichte ebenfalls. Immer wieder fragt man sich unwillkürlich, in welche Richtung denn nun das Ganze gehen soll und auch Johns Familiengeschichte wird teilweise nur sehr zögerlich enthüllt.

Doch trotzdem macht es über weite Strecken Spaß, dieses Buch zu lesen. Norfolk versteht es, zu erzählen, die unterschiedlichen Figuren glaubhaft und interessant zu charakterisieren, feinen Humor einzustreuen und fesselnde Wendungen einzubauen.

Das Festmahl des John Saturnall ist sicherlich nicht für jeden Liebhaber historischer Romane geeignet, doch wer gerne mal abseits vom derzeit herrschenden Mainstream liest, gerne isst, sich von seiner Fantasie gerne verführen lässt und dabei auch mal Längen in Kauf nehmen kann und nicht immer alles im Detail präsentiert bekommen muss, sondern auch mal selber recherchiert, für den wird sich dieses Buch lohnen.

Das Festmahl des John Saturnall

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