Die Hexe muss brennen

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • , 2012, Titel: 'Die Hexe muss brennen', Originalausgabe

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Annette Gloser
Brutal bis ins letzte Detail

Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2012

Kurzgefasst:

Walpurgisnacht 1606: Die Schatten der Inquisition reichen bis in das verschlafene Städtchen Amorbach. Auf dem Scheiterhaufen wird eine angesehene Bürgerin als Hexe verbrannt, drei weitere warten im Kerker auf ihre Hinrichtung. Luzia, eine geschickte Diebin auf der Durchreise, hat wenig übrig für das Schicksal dieser Frauen, deren öffentliche Bestrafung großen Aufruhr verursacht - bis sie auf der Flucht vor dem Gesetz in die Fänge des brutalen Inquisitors Balthasar Noß aus Fulda gerät, der schon fast dreihundert Hexen dem Feuertod überantwortet hat. Ihm kommen Luzias Fähigkeiten gerade recht. Aus zwielichtigen Gründen hat er es auf die unscheinbare Jungfer Magdalene Wegener abgesehen, die dank ihres einflussreichen Bruders Lukas schon einmal einer Verurteilung als Hexe entgehen konnte. Doch dem grausamsten Inquisitor des Reiches bietet man nicht ungestraft die Stirn. Um sich zu rächen, schreckt er vor keinem Mittel zurück ...

 

1606. Schon viel zu lange hält sich Luzia in Amorbach auf. Bisher hat sie ihr "Geschäft" unerkannt betreiben können, aber nun wird der Boden für sie zu heiß. Zwar ist sie eine begabte Taschendiebin, aber allmählich kennt man ihr Gesicht und die Leute könnten sich an sie erinnern, wenn ihnen zu Hause auffällt, daß die Silberknöpfe am Wams oder die Geldbörse fehlen. Bei ihrer Flucht allerdings unterläuft ihr ein schwerer Fehler und sie landet auf direktem Wege in den Fängen des Amtmannes Balthasar Noß. Dieser macht in Amorbach Jagd auf Hexen und die Frau des Schultheißen hat er bereits auf den Scheiterhaufen gebracht. Noch vier weitere Frauen lässt er im Rathauskeller foltern, damit sie endlich ihre Unzucht mit dem Teufel gestehen sollen. Luzia hat das alles zwar mit bekommen, aber für sich selbst sah sie bisher keine Gefahr. Als Noß sie jedoch in Ketten legen lässt und peinlich befragt, bekommt die kaltblütige Diebin doch einen panischen Schrecken. Voller Angst gesteht sie Noß ihre Schandtaten. Dieser verspricht ihr einen Handel und nimmt sie mit in das Haus eines reichen Amorbacher Bürgers.

Lukas von Wegener lebt hier, gemeinsam mit seiner Schwester Magdalene. Noß lässt Luzia den Taufschein Magdalenes stehlen. Hat die hübsche Vagabundin nun auf ihre Freilassung gehofft, so sieht sie sich jetzt bitter enttäuscht: Noß sperrt sie wieder ein und setzt die Folter fort. Allerdings hat er nicht mit Luzias Fingerfertigkeit und ihren akrobatischen Kunststücken gerechnet. Der jungen Frau gelingt die Flucht aus dem Kerker. Und sie weiß nur einen Ort, an den sie sich flüchten könnte: Das Bürgerhaus, in dem sie den Taufschein stehlen musste.

Luzia findet Zuflucht bei Lukas und seiner Schwester. Bald jedoch zeigt sich, daß Noß es ganz besonders auf Magdalene abgesehen hat. Schon einmal hatte er sie als Hexe in Gewahrsam genommen, ihr berühmter Bruder jedoch konnte Magdalene befreien. Noß jedoch wird nicht locker lassen, denn mit Magdalene verbindet ihn eine ganz besondere Geschichte.

Seelenleben eines Psychopathen

Tatjana Stöckler lässt aus dem Dunkel der Geschichte eine grauenerregende Gestalt auftauchen: Zentgraf Balthasar Noß (auch Nuß oder Nuss geschrieben), den fanatischen Malefizmeister des Fürstabtes von Fulda. Sie konfrontiert den Leser hautnah mit der sadistischen Gestalt des Hexenjägers, zeichnet ein mögliches Bild seiner Psyche so genau, dass einen beim Lesen die Gänsehaut überkommen kann. Dabei erspart sie dem Leser keines der grausamen Details eines solchen Hexenprozesses. Dies ist keine Lektüre für sensible Seelen und Kinder, kein literarisches Betthupferl, nach dem man entspannt einschlafen kann. Manch einem Leser mag die Detailfreude zu weit gehen, das muß jeder für sich selbst entscheiden.

Und die Autorin bleibt ihrem Konzept von Anfang bis zum Ende treu. So, wie sie dem Leser das Grauen einer Hexenverbrennung oder der Folterung vor Augen führt, so bleibt sie ebenso akribisch, wenn es um die Bestrafung eines Teufelsdieners geht. Da tröstet es auch nicht, wenn einer der Protagonisten, ein Advokat, den Sinn der Strafen erklärt. Als Leser ist man froh, in anderen Zeiten zu leben. Inwieweit die von Tatjana Stöckler geschilderte Vorgeschichte des Hexenjägers Noß dem Leser als Erklärung für seine psychopathische Persönlichkeit ausreicht, sei einmal dahin gestellt.

Neben dieser beeindruckend geschilderten Figur fallen die anderen Protagonisten deutlich ab. Einzig Luzia bietet etwas mehr Substanz. Zwar sind viele Nebenfiguren bildhaft und griffig gestaltet, Lukas und Magdalene bleiben leider eher eindimensional. Luzia allerdings ist inmitten der braven Bürger schon eine außergewöhnliche Gestalt mit ihrer Vergangenheit und ihrem kriminellen Lebensunterhalt. Sie ist auch diejenige, die sich tatsächlich verändert und in ihrem Denken eine wirkliche Wandlung erfährt.

Zwischen Realität und Klamotte

So realistisch, wie Tatjana Stöckler das Leben in Amorbach im Jahre 1606 schildert, glaubt man selbst in die Zeit und das Leben der Menschen eintauchen zu können. Hier ist der Autorin ein Kabinettstückchen gelungen.
Weniger glaubhaft ist leider die von ihr entworfene Intrige gegen Noß. Zwar ist es vorstellbar, daß empörte und couragierte Bürger Noß mit genau den im Buch geschilderten Vorwürfen und einer handfesten Kabale zu Fall brachten, das im Buch dargestellte Vorgehen jedoch erinnert ein wenig an Comic-Strips, möglicherweise kam hier auch die Fantasy-Seite der Autorin durch. Das ist sehr schade, denn ein ganz großer Pluspunkt dieses Buches ist sein Bezug zur Realität, der an dieser Stelle teilweise verloren geht. Dennoch wird im Buch wohltuend deutlich, daß umfangreiche Recherchearbeit in den Inhalt eingeflossen ist. Abgesehen von dem Geschehen um Balthasar Noß bietet Die Hexe muß brennen auch sehr vielfältige Einblicke in das Leben einer Kleinstadt, Anfang des 17. Jahrhunderts.

Spannend und lesenswert

Dieses Buch hat eine Menge zu bieten, leider jedoch kein Nachwort der Autorin. Nur eine kurze Notiz am Ende des Buches berichtet über sein Schicksal. Es hätte sicher viele Fakten über ihn und seine Opfer gegeben, die in einem Nachwort gut aufgehoben gewesen wären.

Ansonsten hat der Burgenwelt Verlag das eher schmale Büchlein mit einem sehr aussagekräftigen Cover versehen. Es stimmt mit seiner drastischen Darstellung auf den gelegentlich sehr brutalen Inhalt ein.

Die Hexe muß brennen bietet viel Spannung, ist aber keine leichte Lektüre zum Genießen. Ein lesenswerter Roman, für den jeder selbst den richtigen Zeitpunkt finden muß.

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