Die Hure Babylon

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2012, Titel: 'Die Hure Babylon', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:93.5
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":1,"98":0,"99":0,"100":0}
Daniela Loisl
Mittelalter unverklärt, authentisch und zum Greifen nahe

Buch-Rezension von Daniela Loisl Nov 2012

Kurzgefasst:

Südfrankreich im 12. Jahrhundert: Der junge Edelmann Arnaut ist verzweifelt, denn wieder hat seine heimliche Geliebte, die Vizegräfin Ermengarda von Narbonne, ihr Kind verloren - ein Fingerzeig des Himmels? Arnaut will Buße tun und sich dem Kreuzzug ins Heilige Land anschließen. Mit dem fränkischen Heer zieht er gen Osten und muss doch bald erkennen, dass es weniger um Erlösung als um Macht und Eitelkeit der Herrschenden geht, dass im Namen Gottes Verrat und unvorstellbare Greueltaten begangen werden. Gefährliche Abenteuer warten auf ihn, Kampf, Intrigen - und so manche Versuchung ...

 

Im letzten Buch des Autors Die Comtessa waren die beiden Protagonisten Arnaut und Ermengarda noch Jugendliche. Nun geht es weiter mit der Geschichte der beiden, die ebenso wieder in Südfrankreich im 12. Jahrhundert spielt. Aufgrund ihres unterschiedlichen Standes konnten die beiden zwar nie heiraten, sind aber schon lange ein Paar und fühlen sich tief verbunden. Ermengardas Ehemann ist fern und die Ehe, die aus rein politischen Gründen besteht, hat für Ermengarda wenig Bedeutung.

Überall rufen Vertreter der Kirche zum Kreuzzug auf, bei Ermengarda finden diese jedoch keine Unterstützung. Als sie von Arnaut wiederholt schwanger wird und das Kind abermals verliert, ist Arnaut sich sicher, dass Gott sie beide für ihre Sünden bestraft. Da er weiß, dass er es nicht schaffen wird, sich von Ermengarda zu trennen, wenn er sie stets in seiner Nähe weiß, beschließt er, am Kreuzzug teilzunehmen und ins Heilige Land zu reisen.

Protagonisten wurden erwachsen

Im Grunde ist dieser dritte Roman des Autors auch der dritte Band der Reihe, wenngleich jedes Buch ohne Probleme für sich selbst gelesen werden kann. Sollte einmal Wissen aus einem Vorgängerband nötig sein, so hat der Autor dieses noch einmal mit viel Geschick in die Geschichte mit eingewoben, ohne sich in lange Erklärungen zu verheddern.

Wer den zweiten Band gelesen hat, weiß, dass Schiewe Ermengarda und ihre Freunde für manchen Geschmack vielleicht etwas zu modern agieren ließ und man sich manchmal mehr in einem Jugendbuch, denn einen historischen Roman wähnte. Hier jedoch begegnet man erwachsenen Figuren, die genau wissen was sie wollen.
Ermengarda, die es gewohnt ist zu herrschen, kann nicht glauben, dass Arnaut sich doch entschieden hat, sie zu verlassen und am Kreuzzug teilzunehmen. In ihrem gekränkten Stolz und vermeintlich verschmähten Liebe, reagiert auch sie unbedarft und überzogen.

Um diese zwiespältigen Gefühle von Arnaut und Ermengarda nachvollziehbar darzustellen, hat Schiewe zu einem einfachen, aber doch genialen Trick gegriffen. Begleitet der Leser Arnaut als stiller Beobachter, werden ihm also seine Erlebnisse in auktorialer Erzählform präsentiert, so erzählt Ermengarda ihre Erlebnisse selbst und gewährt so einen gänzlich anderen Zugang zu ihrer Person.

Kreuzzüge sind Schiewes Stärke

Schon im ersten Band Der Bastard von Tolosa, zeigte Ulf Schiewe, dass er ein außerordentliches Talent besitzt, das oft falsche und verklärte Bild über die Kreuzzüge durch authentische und glaubwürdige Darstellungen zurechtzurücken. Auch in diesem Roman begibt er sich quasi wieder auf den für ihn sicher zu beherrschenden Boden. Er lässt nicht nur einfach Figuren an den grausamen Gemetzeln teilnehmen, sondern bietet gleichzeitig fundierte Einblicke in die Geschichte dieser Zeit. Dass dem Autor gute Recherche wichtig ist, wird man nicht nur durch eigene Nachforschungen feststellen können, sondern auch daran, wie penibel Orte und Umgebung des jeweiligen Landes beschrieben sind. Tatsächlich bereist der Autor viele Schauplätze der damaligen Zeit, um ein Gefühl für die Befindlichkeiten seiner Figuren zu bekommen.

Nichts für Zartbesaitete

Wenngleich man zweifelsfrei festhalten kann, dass dem Autor die realistische Darstellung der Schlachten und Kämpfe wohl am meisten liegen, so kommt man dennoch nicht umhin zu bemerken, dass er auch hinsichtlich Charakterzeichnung der Figuren einen positiven Schritt nach vorne gemacht hat. Ist das Kampfgetümmel auch grausam, brutal und blutig, so überschreitet Schiewe jedoch niemals die Grenze zum Reißerischen.

Werden historische Romane schon gerne mal in eine Schublade gesteckt, da diese scheinbar ohnehin nur seichte Liebesgeschichten sind, die in der Vergangenheit spielen, so zeigt Ulf Schiewe mit diesem Buch, wie interessante geschichtliche Tatsachen gekonnt mit Fiktivem in Szene gesetzt werden kann, ohne einerseits nur rein brutal oder anderseits nur schnulzig kitschig sein muss.

Dieser historische Roman verdient auch diese Bezeichnung. Ein paar kleine Schwächen hat zwar auch dieser Roman, doch die farbenprächtige und bildhafte Erzählung machen vieles wieder wett. Leicht und flüssig erzählt und dennoch spannend und beeindruckend, stellt der Autor mit dem dritten Band wunderbares Buch der "Montalban-Reihe" vor und man darf gespannt sein, ob der Autor in seinem nächsten Buch diesem Jahrhundert oder gar derselben Familien treu bleiben wird.

Die Hure Babylon

Die Hure Babylon

Deine Meinung zu »Die Hure Babylon«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
11.11.2015 12:33:37
Hannes

Wiederum ein wortgewaltiges Epos von Ulf Schiewe. Gnadenlos enttarnt er die katholische Kirche als Hure Babylön. Großartig dargestellt die Zweifel am 2. Kreuzzug der Teilnehmer der vorangegangenen Kriegszüge in Outremer und die Begeisterung zu Beginn des neuen Kreuzzuges. Das Unglück, das ein Redner wie der "heilige" Bernard von Clairvaux als Strafe für die Sünden der Christen hinstellt. Dabei ist nur die Machterweiterung der Kirche und der Herrschenden ausschlaggebend. Hochinteressant schon allein der Marsch durch Anatolien, sowie die Grausamkeiten der Gotteskrieger, die wiederum durch Grausamkeiten der Bevölkerung erwiedert wurden. Kein Wunder, dass die Kreuzzüge im Orient immer noch das Verhältnis zum Okzident prägen.

19.04.2015 15:05:35
Silky

Schon die ersten beide Bände waren grandios und der letzte Teil dieser Trilogie ist es auch. Mit sehr viel Gefühl, Sensibilität aber auch Brutalität bringt uns der Autor das Grauen des Kreuzzuges nahe. Man kann die Gefühle der Protagonisten förmlich spüren, egal ob Angst, Freude, Trauer oder Wut. Bei mir sind des öfteren Tränen geflossen, da der Schreibstil einen mitten ins Herz trifft. Ich habe schon mehrer Bücher über die Kreuzzüge gelesen, aber selten soviel Atmosphäre gespürt wie bei diesem. Ein tolles Buch das mich gefesselt und stark berührt hat.

29.12.2012 10:05:16
Zabou1964

Ich hatte das große Glück, diesen Roman in einer begleiteten Leserunde gemeinsam mit dem Autor lesen zu dürfen. Bereits die beiden Vorgänger „Der Bastard von Tolosa“ und „Die Comtessa“ hatten mich sehr begeistert. Deshalb war ich sehr gespannt, wie sich das Schicksal der Figuren aus diesen beiden Geschichten weiterentwickelt.

Arnaut de Montalban ist ein Ritter und Edelmann. Er ist der Geliebte von Ermengarda, der Vizegräfin von Narbona. Doch ihre Beziehung steht unter keinem guten Stern. Ermengarda ist zwar eine Scheinehe eingegangen, aber dennoch eine freie und selbstbewusste Herrscherin. Als sie durch eine Fehlgeburt ihr Kind verliert, fühlt Arnaut sich schuldig. Er glaubt, Gott verurteile die Liebe zwischen ihm und Ermengarda. Um seine Schuld zu tilgen, schließt er sich einem Kreuzzug ins Heilige Land an. Doch schon bald muss er erkennen, dass dieser „Heilige Krieg“ nichts mit Gott zu tun haben kann. Und er beginnt, am Glauben zu zweifeln.

Laut eigener Aussage hat Ulf Schiewe mit diesem Roman ein „Anti-Kriegsbuch“ geschrieben, „das nichts verklären soll“. Wer also romantische Beschreibungen von heroischen Kriegern sucht, der sollte die Finger von diesem Buch lassen. Die Schilderungen der Geschehnisse sind sehr realistisch und oft auch brutal. So brutal und grauenhaft, wie dieser sinnlose Krieg nun einmal war. Der Autor hat die historischen Ereignisse seiner Geschichte zugrunde gelegt und einige Figuren hinzuerfunden. Im Anhang gibt es ein Personenregister, das sehr genau erklärt, welche Charaktere real existiert haben. Die Darstellungen der Orte und Schlachten sind sehr detailliert und somit nichts für zartbesaitete Leser. Die Zeiten waren hart und genauso beschreibt Ulf Schiewe sie. Hier wird nichts beschönigt.

Dieser Roman wird mich noch lange beschäftigen. Ulf Schiewe regt mit seiner Geschichte zum Nachdenken an. Der zentrale Satz ist für mich „Religion ist Macht“. Die Parallelen zur Gegenwart sind nicht von der Hand zu weisen. Wann lernen die Menschen endlich, den Glauben der Anderen zu respektieren? Wie viele Kriege sollen noch im „Namen des Herrn“ geführt werden? Und wer ist überhaupt der „richtige“ Gott? Glauben nicht alle im Grunde an denselben Gott?

Fazit:
Ulf Schiewe ist erneut ein grandioses Meisterwerk gelungen. Fesselnd und spannend führt er den Leser durch die Zeit des Zweiten Kreuzzugs im Jahre 1147 bis 1149, wobei er die Ereignisse sehr realistisch schildert und die Motive dieses „Heiligen Krieges“ kritisch hinterfragt.

18.12.2012 14:00:32
badimeischter

"Die Hure Babylon" ist das dritte Buch von Ulf Schiewe und sogleich auch die Fortsetzung von "Die Comtessa". Wie seine beiden Vorgänger erscheint auch dieser Teil in einem wunderschönen Cover. Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, inkl. Karte und einem Personenverzeichnis.

In der Hoffnung, Vergebung für seine Sünden zu finden, entschliesst sich Arnaut zu Beginn des Buches das Kreuz zu nehmen. Zusammen mit seinen Gefährten schliesst er sich den Tolosaner an und macht sich auf die weite Reise ins Heilige Land. Während des Kreuzzuges muss Arnaut feststellen, dass es dem Adel und der Kirche in Rom nicht nur um Erlösung und christlichem Glauben sondern mehr um Macht, Gier und Einfluss geht.

Trotz Rückschlägen und zahlreichen Verlusten von Freunden und Gefährten, verleiht ihm die Liebe zu Ermengarda die benötigte Kraft und spendet ihm Trost um dieses lange und oft auch sinnlose Abendteuer zu überstehen.

Nebenbei beschreibt der Autor in gewohnter Manier den täglichen Kampf aller Beteiligten um Nahrung und Zugehörigkeit während der damalige Zeit.

Auch das dritte Buch von Ulf Schiewe ist absolut weiterzuempfehlen! Von mir gibts 92 Punkte.

15.12.2012 03:03:08
Minz

1147: Es geht weiter mit der Geschichte von Arnaut und Ermengarda aus der „Comtessa“: Nachdem Ermengarda eine Fehlgeburt des gemeinsamen Kindes erleidet, zieht Arnaut sich von ihr zurück und trifft – fast schon unfreiwillig – den Entschluss, sich den Kreuzfahrern unter Louis VII. von Frankreich anzuschließen. Eingebettet in die tatsächlichen historischen Ereignisse dieses Kreuzzuges wird Arnauts Schicksal erzählt...

Aufgeteilt ist die Erzählung in fünf Bücher, die jeweils von einem Kapitel, geschrieben aus der Sicht Ermengardas, eingeleitet werden, um sich in den daran anschließenden Kapiteln mit den Erlebnissen Arnauts und seiner Kampfgefährten auf dem Kreuzzug zu befassen. Sehr bildhaft werden dabei die Lebensumstände während des Kreuzzuges beschrieben, die verschiedenen Schwierigkeiten, innere wie äußere, denen der Kreuzzug ausgesetzt war, und die – überaus blutigen und grausamen - Schlachten, denen das Heer schon lange vor dem eigentlichen Zielort stellen musste, dargestellt. Eindringlich und glaubwürdig geschildert wird auch die sich wandelnde Stimmung unter den Kreuzfahrern, je länger die Unternehmung andauerte.
Zu bereits aus dem Vorgänger bekannten Figuren kommen während dieses Kreuzzuges eine Reihe interessanter und zum Teil sehr sympathischer Charaktere, teils historisch belegte Persönlichkeiten, hinzu, die dazu beitragen, ein lebendiges und facettenreiches Bild dieses Kreuzzuges zu zeichnen. Zudem sind die tatsächlichen historischen Ereignisse und das Schicksal der fiktiven Hauptpersonen so geschickt miteinander verwoben, dass es schwer fällt, Fiktion und Historie zu trennen, auch bei den fiktiven Personen ist das Gefühl da, so könne es gewesen sein.

Es ist kein leichtes Buch, das sich schnell nebenbei lesen lässt, dazu eignet sich die Thematik nicht, dazu ist es zu realistisch, zu grausam, dazu fließt zu viel Blut, aber nichts davon ist überflüssig, alle Schlachten historisch belegt, es ist realistisch, nah an der Geschichte, informativ und packend. Der Einstieg in dieses Buch ist mir persönlich schwer gefallen, die Einleitung der einzelnen Abschnitte durch die Erzählweise aus Ermengardas Sicht hat mir, insbesondere am Anfang, nicht zugesagt, sondern mich im Lesefluss unterbrochen, aber das Weiterlesen lohnt sich! Das Buch steigert sich von Teil I zu Teil II zu Teil III immer weiter, um bis zum Schluss eine spannende, mitreißende und glaubwürdige Schilderung des Kreuzzuges sowie des Schicksals von Arnaut, Severin, Elena, Constansa, Bertran und all den anderen liebgewonnenen oder verhassten Figuren dieses Buches zu bieten, die man, wenn man einmal mitten drin im Geschehen ist, nur sehr schwer aus der Hand legen kann.

06.12.2012 11:30:18
grossebine

Narbona im Jahre 1147. Der Abt von Clairvaux, ein begnadeter Redner, ruft die Bevölkerung zur Teilnahme am 2. Kreuzzug auf. Die Menschen jubeln ihm begeistert zu, sehr zum Missfallen der jungen Fürstin Ermengarda von Narbona. Auch wenn Sie selbst von der Aura des Abtes fasziniert ist, misstraut sie doch der Notwendigkeit dieses Kreuzzuges, zudem hat sie Angst um ihren Geliebten Arnaut.de Montalban.
Dieser schließt sich dann tatsächlich, nach einem Zerwürfnis mit seiner Geliebten, mit kleinem Gefolge den Kriegern Christie an.

Die anfängliche Begeisterung und Siegessicherheit der Kreuzzügler verfliegt rasch.
Ständige Überfälle, Kälte und Hunger und Krankheiten zermürben und dezimieren den Zug. Lange vor Erreichen des eigentlichen Zieles geht es nur noch darum, die eigene „Haut“ zu retten.


Es ist sicherlich zum Verständnis der „Hure von Babylon“ nicht notwendig die Vorgänger-Romane gelesen zu haben, ich halte es aber für empfehlenswert. In den ersten beiden Kapiteln wird häufig Bezug auf frühere Geschehnisse genommen und da ist es interessanter für den Leser die gesamte Familiengeschichte (und Geheimnisse) der Montalbans und ihrer Gefolgsleute zu kennen.
Das Buch ist ausgestattet mit einer Karte des Reisewegs und Eintragungen der jeweiligen Schlachten. Im Anhang enthalten sind neben den Anmerkungen des Autors noch ein Glossar und die Auflistung der historischen und fiktiven Personen.
Die Sprache ist bildhaft und prachtvoll, der Schreibstil fesselnd und vor allem in den letzten 2 Kapiteln wird der Leser förmlich in das Geschehen hineingezogen.

Der Ereignisse des Kreuzzuges werden detailliert, ungeschönt und mitreißend erzählt.
Das langsame Umschlagen der Stimmung, die wachsende Gewaltbereitschaft und beginnende Zweifel am Sinn dieses Kreuzzuges eindringlich und überzeugend dargestellt. Fiktion und Historie verschmelzen zu einem Ganzen, ohne je konstruiert zu wirken. Der Autor gewährt dem Leser aber auch Einblicke in die Gedankenwelt der Machthaber. So erfahren wir auch einiges über die eigentlichen Ziele und Wünsche der Könige, Fürsten und des Papstes, die Führungsqualitäten und Entscheidungen der Befehlshaber und die Gründe warum der Kreuzzug letztendlich gescheitert ist. .

Ein gelungener Roman über die historischen Ereignisse während des 2. Kreuzzuges, über die Sinnlosigkeit eines Krieges und das üble Spiel mit den Ur-Ängsten der Menschheit vor Krankheit, Tod und ewiger Verdammnis.

04.12.2012 19:57:57
Solitude

Arnaut ist verzweifelt, nachdem seine Geliebte, Ermengarda von Narbonne, ihr gemeinsames Kind verloren hat. In ihm entsteht die Überzeugung, dass dies die Strafe Gottes für ihr heimliches Verhältnis ist, denn Ermengarda ist mit einem anderen Mann verheiratet, wenn auch nur zum Schein. Er beschließt, sich dem Kreuzzug ins Heilige Land anzuschließen. Diese Entscheidung kann Ermengarda überhaupt nicht verstehen und akzeptieren, und so trennen sich beide, ohne Abschied voneinander zu nehmen. Zusammen mit seinen Freunden macht sich Arnaut auf den langen, beschwerlichen Weg, während Ermengarda allein und verletzt zurückbleibt.

Anfangs herrscht unter den Kreuzfahrern noch eine große Euphorie, sie sind überzeugt, dass sie für die Sache Gottes streiten und dass es ihnen deshalb ein Leichtes sein wird, die Feinde zu besiegen. Diese Begeisterung wird auch angefacht durch die Predigten des Bernard de Clairvaux - ein Mann, der sehr gut mit Worten umgehen kann und der es versteht, die Menschen für den Kreuzzug ins Heilige Land zu gewinnen. Nicht alle glauben seinen Worten, aber diese sind in der Minderheit und können sich nicht trauen, ihre Meinung offen zu äußern, da diese sehr leicht als ketzerisch ausgelegt werden könnte. Diesen Gegensatz der Meinungen zeigt der Autor sehr deutlich, indem er in seinem Buch auch eine Predigt von Henri de Lausanne beschreibt. Dieser ist ein Wanderprediger, der eine ganz gegensätzliche Meinung wie de Clairvaux vertritt. Er setzt sich für Armut und Bescheidenheit ein, und auch dafür, dass Menschen selber entscheiden sollen, woran sie glauben. Er verurteilt den Kreuzzug als das, was er eigentlich ist: Ein Beutezug der Kirche. Mir hat diese Gegenüberstellung der beiden Predigten sehr gut gefallen, zeigt dies doch, wie gespalten die Meinungen der Menschen damals waren.

Wie der Autor die Ereignisse rund um den Kreuzzug beschreibt, das fand ich sehr schön. Vor allem, wie er es geschafft hat, zu verdeutlichen, wie die anfängliche Euphorie und Begeisterung nach und nach der Erkenntnis weichen musste, dass es doch nicht so leicht sein wird, den Sieg davonzutragen. Nach und nach stellen sich bei den Kreuzfahrern Zweifel am eigentlichen Sinn dieses Kreuzzuges ein. Denn nicht nur der Feind, sondern auch die Streiter Gottes gehen unglaublich brutal und gewalttätig vor.

Die Figuren in dem Buch fand ich sehr schön gezeichnet. Allen voran sind Ermengarda und Arnaut zu nennen, die eine Liebe verbindet, die zur damaligen Zeit als unmöglich galt. Ermengarda erschien mir hierbei als die Stärkere von beiden, denn obwohl sie als verheiratete Frau und Fürstin viel mehr zu verlieren hat als Arnaut, scheint sie eher bereit zu sein, sich zu dieser Liebe zu bekennen. Arnaut dagegen beschleichen Zweifel, ob diese Liebe sein darf. Zweifel, die ihn schließlich dazu bringen, sich am Kreuzzug zu beteiligen. Die Entwicklung, die er dann im Verlauf der Geschichte durchlebt, hat mir sehr gut gefallen. Er beginnt, seinen Entschluss zu hinterfragen und wird sich auch mehr und mehr der Verantwortung gegenüber denen, die ihn begleiten, bewusst.
Auch alle anderen Figuren fand ich schön dargestellt, wobei mir im allgemeinen die Frauen als die starken Personen erschienen: Sei es nun Ermengarda, die zu ihrer Liebe steht oder Constansa, die Kämpferin, die sich immer wieder behaupten muss.

Da ich die beiden vorherigen Bücher von Ulf Schiewe bisher nicht gelesen hatte, kannte ich die Ereignisse aus der Vorgeschichte nicht, aber trotzdem hatte ich beim Lesen nie den Eindruck, dass ich deswegen der Handlung nicht folgen konnte.

Fazit:

"Die Hure Babylon" ist ein sehr spannendes Buch. Geschichtliche Fakten werden sehr gekonnt mit einer erdachten Geschichte verknüpft. Mir gefiel besonders gut, wie es dem Autor gelungen ist, die Stimmung unter den Kreuzfahrern zu beschreiben, wie sich ihre anfängliche Begeisterung nach und nach auflöst und sich Zweifel am Sinn und an den eigentlichen Motiven dieses Kreuzzuges breit machen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich bin nun sehr neugierig auf die anderen beiden Bücher und werde diese bald lesen. Von mir gibt es 95°.

03.12.2012 15:36:18
lesemoni

wieder richtig gelungen ist dieses Buch " Die Hure Babylons".Der Schreibstil ist wie bei den ersten beiden Büchern des Autors packend und einfach wunderbar.Der Kreuzzug war für mich in diesem Buch allerdings ein kleinwenig zu brutal aber so war es nunmal auf einem Kreuzzug. Der Autor hat nichts beschönigt sondern knallharte Fakten wiedergegeben. Liebe ,Freundschaft ,Krieg und Verrat,dazu die Geschichte um Ermengarda und Arnaut wird wunderbar mit in die Geschichte eingeflochten und hat mich das Buch am Ende sehr zufrieden zuklappen lassen.
Man trifft alte Bekannte aus den beiden Vorgängern wieder und lernt neue Protagonisten kennen die man fast alle sofort ins Herz schließt.Leider muß man sich auch von einigen wieder trennen :-( Wer das sein wird verrate ich hier natürlich nicht :-)Dazu müßt ihr das Buch schon selbst lesen :-)

Die Bücher von Ulf Schiewe kann man einzeln lesen ,ich aber empfehle diese in folgender Reihenfolge zu lesen:
1. Der Bastard von Tolosa
2. Die Comtessa
3. Die Hure Babylons

Ich danke dem Autor für die vielen Informationen und die Zeit die er sich während der Leserunde genommen hat und dem Verlag für das Freiexemplar für die Leserunde !!!!! Nochmal ganz ganz herzlichen Dank dafür !!!!!

Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch von Ulf Schiewe das ich mir natürlich nicht entgehen lassen werde :-)

30.11.2012 16:26:09
tassieteufel

Südfrankreich im 12. Jahrhundert, Ermengarda Vizegräfin von Narbona hat nun schon zum zweiten Mal ein Kind verloren. Während ihr Geliebter Arnaut das für einen Fingerzeig Gottes hält, sein sündiges Verhältnis zu beenden, zieht der charismatische Abt Clairvaux durch die Lande um im Namen Gottes für den Kreuzzug ins heilige Land aufzurufen. Als Arnaut sich dem Heer anschließen will, ist Ermengarda außer sich und die Beiden gehen im Streit auseinander und während Arnaut gefährliche Kämpfe und Intrigen bestehen muß, reift in ihm die Erkenntnis, das er hier keinesfalls Gottes Werk erfüllt.

Zunächst hatte ich ein wenig Bedenken, das Buch ohne Vorkenntnis der Vorgänger zu lesen, da ich aber das Glück hatte, an einer Autoren begleiteten Leserunde teilzunehmen, wo mir versichert wurde, das es nicht zwingend notwendig wäre, die anderen beiden Teile zu kennen, hab ich mich dann doch gleich direkt an „Die Hure Babylon“ gewagt. Der Autor stellt am Anfang seines Buches auch alle Protagonisten kurz vor, so dass ich hier wirklich nicht das Gefühl hatte, etwas verpaßt zu haben.

Das Buch ist in 5 Abschnitte unterteilt, wovon jeder mit einem Kapitel aus Ermengardas Sicht beginnt, der Rest handelt dann jeweils von den Ereignissen rund um den Kreuzzug. Das hat mir gut gefallen, da man so nie Ermengarda aus den Augen verliert. Von Anfang an ist es dem Autor gelungen, mich mit der Geschichte zu fesseln! Dabei fand ich es besonders interessant, wie reale historische Ereignisse hier mit fiktiven Schicksalen und Geschehnissen verknüpft wurden. Dass Der Autor gut recherchiert hat, merkt man dem Buch an und es ist Ulf Schiewe auch noch gelungen, die Welt des 12. Jahrhunderts so plastisch und bildhaft zu schildern, das ich in diese Welt eintauchen und alles quasi vor mir sehen konnte. Das gelingt nicht vielen Autoren! Besonders gelungen fand ich die Beschreibungen über den Kreuzzug, die entbehrungsreiche Reise ins Heilige Land, die Klüngelei unter den Fürsten, das Machtgezerrte zwischen Königen und Kirche und wie sich nach anfänglicher Euphorie, nach und nach bei den Kreuzfahrern die Erkenntnis breit machte, das es bei dem Kreuzzug eben wohl doch nicht um Gottes Werk, sondern allein um Macht und Gewinnstreben der Reichen und Mächtigen geht. Hier kann man sich als Leser hineinversetzen, mitleiden, hoffen, kämpfen und verzweifeln. Reale historische Ereignisse hat der Autor hier mit Leben gefüllt und sie mit teils existierenden, teils fiktiven Charakteren bevölkert, deren Figurenzeichnung bis hin zu den Nebenfiguren sehr lebendig und lebensnah gezeichnet ist. Als Leser kann man hier die Entwicklung der Figuren mitverfolgen und wird bei einigen Charakteren am Ende überrascht, welche Wendung ihr Schicksal genommen hat.
Das Ende war für mich eine runde Sache, es schließt die Geschichte gut ab und läßt dem Leser genug Raum für eigene Spekulationen!
Nun bin ich absolut neugierig auf die beiden Vorgänger, die schon zum Lesen bereit liegen!

Mit einer Karte anhand derer man den Reiseverlauf der Kreuzfahrer verfolgen kann, einem ausführlichen Glossar und einem umfangreichen Personenregister ist das Buch sehr schön ausgestattet und im Nachwort gibt’s noch ein paar Erläuterungen vom Autor zu den realen Ereignissen und historischen Personen.

FaziT: Dem Autor ist hier eine tolle Mischung gelungen!! Aus gut recherchierten Fakten, einer guten Portion Fiktion, viel Spannung und Schlachtengetümmel und einer Prise Romantik ist ein stimmiger, atmosphärisch dichter historischer Roman entstanden, der für mich das 12. Jahrhundert lebendig gemacht hat!

Danke nochmal an den Autor und den Verlag für das Buch und die vielen interessanten Hintergrundinfos bei der Leserunde!

25.11.2012 10:06:08
Margitta

Soeben Hure Babylon zu Ende gelesen.
Es war ein Feuerwerk an Gefüheln . Einmal leichtes Kopfschüttel ,dann wieder Mitleid und Trauer . Ich bin froh in einer anderen Zeit zu leben.
Es ist dem Autoren gelungen eine sehr reale Geschichte zu erzählen und ich hätte gerne noch eine Fortsetztung .
Von mir bekommt das Buch
90 %

24.11.2012 16:39:25
lesetina

Spannung, Liebe, Hoffnung, Kämpfe, Folter, Brutalität, Religions-Wahn, Verrat, Intrigen........

Sehr gut recherchierter und spannender Histo-Roman über den Kreuzzug im 12. Jahrhundert.

Historische und fiktive Geschichte und Personen wurden wunderbar miteinander verknüpft.

Gebundene Ausgabe mit Karte, Glossar, Personenverzeichnis, Lesebändchen.

Absolute Leseempfehlung!