Roter Zar

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2010, Titel: 'Eye of the Red Tsar', Originalausgabe

Couch-Wertung:

96

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:94
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":1,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Carsten Jaehner
Hochspannung um den letzten Zaren

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Nov 2012

Kurzgefasst:

Russland 1929: Eigentlich müsste Pekkala tot sein. Seit neun Jahren arbeitet der Zwangsarbeiter für ein Holzfällerkommando in der sibirischen Taiga. Ein tiefer Fall, denn bis zur Revolution war Pekkala Sonderermittler des Zaren und für dessen Sicherheit persönlich verantwortlich. Doch nun soll Pekkala für Stalin, den "roten Zaren", herausfinden, wie Nikolaus II. und die Romanows umgebracht wurden und wo sie ihren legendären Schatz versteckt hielten. Pekkala macht sich auf die Suche und gerät schnell in verschwörerische Machenschaften. Er weiß, dass ihm nicht viel Zeit bleibt. Stalin kennt kein Erbarmen. Es geht um Leben und Tod ...

 

Russland 1929. Pekkala arbeitet als Zwangsarbeiter mitten in der tiefsten sibirischen Taiga, als er abgeholt wird, um für Stalin zu arbeiten. Pekkala war einst der persönliche legendäre Sonderermittler des Zaren höchstpersönlich, und nun will Stalin wissen, wie und wo die Romanows starben und vor allem, wo der vermutete Goldschatz der Romanows ist.

Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Anton und Kommissar Kirow macht er sich auf den Weg und kehrt an den Ort seiner Vergangenheit zurück. Pekkala und seinen beiden Begleitern stellen sich sture russische Beamte und auch unwillige Kollegen in den Weg, und je näher sie der Wahrheit kommen, desto mehr Gegenwehr erleben sie. Für Pekkala geht es um Leben und Tod.

Was geschah mit den Romanows?

Sam Eastlands erster Roman um Inspektor Pekkala spielt in einer ungewohnten Zeit in einem selten beschriebenen Sujet und ist an Spannung kaum zu überbieten. Pekkala war einst Sonderermittler für den letzten Zaren, Nikolaus II., ausgestattet mit allen Rechten, die man haben kann, einem Freifahrtschein durch alle Lande und mit unbegrenzten Möglichkeiten. Erkennbar war er an einer Brosche, dem sogenannten Smaragdauge, und jeder wusste Bescheid und jeder hatte Respekt vor ihm. Da wurde nicht diskutiert, denn Pekkala war nur dem Zaren verpflichtet und versah seinen Dienst korrekt und zweifelsfrei.

Parallel zu seinen Ermittlungen, wie Pekkala aus der Zwangsarbeit geholt und von Stalin verpflichtet wird, erzählt Eastland seinen Werdegang - wie er Ermittler der Polizei wurde, indem er für seinen Bruder Anton einsprang, als es hiess, er wäre relegiert, wie er seine Karriere startete und zum persönlichen Geheimagenten des Zaren wurde. So erfährt man Vorgeschichte und aktuelle Geschichte im Wechsel, und schon dadurch beweist Eastland seine grosse Erzählkunst, denn man kommt nie durcheinander (durch normale und kursive Schrift sowieso unmöglich), und die Spannung in beiden Erzählteilen bleibt erhalten.

Ruhig und doch spannend

Eastland erzählt ruhig, aber spannend, und wenn auch die Nachforschungen nicht sehr actionreich sind, so spürt man doch stets das bedrückende politische System im Nacken. Es ist spannend, wie Pekkala in den Schacht hinabsteigt, in den die Leichen der erschossenen Romanows geworfen wurden, zumal er Höhenangst hat und nur eine kleine Funzel als Taschenlampe. Es ist spannend, dass eines der Familienmitglieder fehlt, was für Pekkala, der bei der Erschiessung damals nicht dabei sondern auf der Flucht war, eine Überraschung ist und völlig neue Spekulationen ermöglicht. Es ist spannend, wie sie die Dorfbewohner und andere Menschen von damals befragen. Es ist ruhig, aber es ist aufregend und so nah, als wäre man tatsächlich mit dabei.

Eastlands bedient sich keiner wirren Klatschgeschichten oder fantastischen Spekulationen, die sich um den Tod der Romanow-Familie ranken, sondern er hält sich an die tatsächlichen Fakten, wenngleich diese zum Teil erst Jahre und Jahrzehnte später ans Licht kamen. Dadurch, dass man gleichzeitig Pekkalas Vorgeschichte erzählt bekommt, lernt man auch die Zarenfamilie kennen und freundet sich ein bisschen mit ihr an, wenn das überhaupt möglich ist. Da deren Schicksal ja durchaus bekannt ist, verfolgt man die Geschichte von vornherein mit anderen Augen, als wenn man den Ausgang nicht kennen würde. Man erfährt Details der Erschiessung, sowohl von den Tätern als auch von den Opfern, man erlebt den Vorgang und ist erschüttert ob der Grausamkeit, wenngleich es nicht effekthascherisch beschrieben ist. Aber es ist eine intensive Erfahrung, die über der Jetzt-Zeit lagert und die sich ungemein geschickt ergänzt.

Überzeugende Atmosphäre und Charaktere

Getragen wird die Geschichte auch durch das gespaltene Verhältnis von Pekkala und seinem Bruder Anton, die sich irgendwie nicht grün sind und doch zur Zusammenarbeit gezwungen sind. Pekkala ist ein gezeichneter, schwieriger Charakter, der dennoch intelligent ist und durch seine Vergangenheit der einzige ist, der Stalins Auftrag erledigen kann. Man sympathisiert mit ihm, wenngleich er etwas knorrig ist. Der dritte im Bunde ist Kommissar Kirow, der eher zufällig und zwangsweise mit den beiden Brüdern unterwegs ist, da er es war, der Pekkala aus Sibirien wiederholen sollte. Mitgehangen, mitgefangen, und er hätte sich bestimmt nicht träumen lassen, was er da erleben und erfahren wird.

Die starke Atmosphäre des Romans ist ein weiterer Hauptdarsteller, und niemand weiss genau, ob sein Gegenüber Freund oder Feind ist. Misstrauen herrscht über allem, Armut und die Frage, ob man zur Partei gehört oder nicht, bestimmen die Gefühlslage. Der Zar ist tot, es lebe der rote Zar.

 

 

In diesem Land hat man nur dann eine Zukunft, wenn man keine Vergangenheit hat. Dieser Luxus ist weder Ihnen noch mir vergönnt, und früher oder später werden wir den Preis dafür zahlen.

 

Sam Eastlands erster Roman um Inspektor Pekkala bietet spannende Unterhaltung, wie man sie lange nicht zu lesen bekommen hat. Der "rote Zar" des Titels ist nicht Nikolaus II., sondern Stalin selbst wurde so genannt. Eye of the Red Tsar, also "Das Auge des roten Zaren" ist der Originaltitel, und dieser Titel trifft die Situation um Pekkala noch etwas besser, denn Pekkala hat Stalin nie getroffen und arbeitet trotzdem in seinem Auftrag. Ein weiterer Fall für Pekkala ist bereits auf englisch erschienen, und man wird mit Freude und Spannung wieder zugreifen. Absolut lesenwert.

Roter Zar

Roter Zar

Deine Meinung zu »Roter Zar«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
23.01.2013 16:48:16
tassieteufel

Einst war Pekkala ein Vertrauter des Zaren, man nannte den Sonderermittler auch Smaragdauge, weil ihm kaum etwas entging. Nach dem politischen Umbruch und dem Sturz der Romanows kam Pekkala jedoch als Zwangsarbeiter nach Sibirien. 9 Jahre arbeitete er dort unter widrigsten Bedingungen in einem Holzfällerkommando. Nun soll Pekkala jedoch für Stalin herausfinden, was wirklich mit den Romanows geschah. Wer lies die Familie ermorden, sind wirklich alle Familienmitglieder tot und was geschah mit dem legendären Schatz des Zaren? Viel Zeit bleiben Pekkala nicht für seine Ermittlungen und Stalin, auch der „rote Zar“ genannt, ist kein sehr geduldiger Auftraggeber.

Wenn man mal davon absieht, dass Pekkala die 9 Jahre Zwangsarbeit, die sicherlich von großer Entbehrung, körperlicher Anstrengung und einer widrigen Umwelt geprägt waren, nahezu unbeschadet überstanden hat, was wohl doch ein wenig unglaubwürdig ist, so hat mir der Roman doch insgesamt ganz gut gefallen. Die Geschichte läuft in 2 Zeitebenen ab. Abwechselnd werden die Ermittlungen Pekkalas im Fall Romanow geschildert, dann folgt immer ein Kapitel über Pekkalas Vergangenheit und seinen Werdegang am Zarenhof. Da man als Leser ja bereits weiß, was mit der Zarenfamilie tatsächlich geschah, birgt dieser Erzählstrang keine wirklichen Überraschungen. Pekkala zur Seite stehen sein Bruder Anton, der unter Stalin zum Offizier für besondere Operationen aufgestiegen ist und der junge Kommissar Kirow. Unter den Brüdern gibt es Spannungen und die Ermittlungen des Smaragdauges kommen nur schleppend voran, weil die angeblichen Zeugen allesamt recht widersprüchliche Informationen abgeben, daher empfand ich diesen Handlungsstrang in der ersten Hälfte teilweise ein wenig zäh. Erst zum Ende hin, als auch die Frage zum Verbleib des Schatzes ins Spiel kommt, wird es hier spannender und für mich hat der Autor diese Frage sehr clever aufgelöst! Vor allem ist die Klärung der Schatzfrage stimmig mit dem Rest der Story verwoben, das hat mir sehr gut gefallen. Wirklich interessant und spannend sind allerdings die Kapitel zu Pekkalas eigener Geschichte, hier zieht sich die Spannung eindeutig daraus, das man als Leser viele Informationen erst nach und nach erhält und die dann auf gewisse Ereignisse und auch auf das Verhältnis der Brüder ein anderes Licht werfen. Am Ende verbinden sich beide Handlungsstränge geschickt miteinander, hier bleiben keine Fragen offen. Lediglich das Ende, als Pekkala in Stalins Dienste tritt, hat mich nicht wirklich überzeugt. Sicher ist Pekkala als Serienheld angelegt und muß irgendwie in Russland verbleiben, aber wie das geschieht war für mich nicht so ganz stimmig, aber das ist durchaus Ansichtssache!
Sehr gelungen ist aber das Setting im Buch, die Schilderungen der politischen Lage, der Willkür und der Angst der einfachen Menschen, keiner weiß, wem er wirklich trauen kann, all das hat der Autor gut in seine Story eingewoben und erzeugt damit eine glaubhafte und düstere Atmosphäre.
Im Anhang gibt es vom Autor historische Anmerkungen von denen ich mal annehme, dass sie historisch korrekt sind. Hier kann man dann sehen, wie gekonnt Fakten und Fiktion zu einer gelungenen Geschichte verwoben wurden.

FaziT: auch wenn das Thema Romanows durchaus schon oft in Romanen abgehandelt wurde, gelingt es dem Autor doch aus Fakten und Fiktion eine interessante Geschichte zu weben, die sich flott lesen läßt, für einen historischen Krimi ist das Setting recht ungewöhnlich und trotz kleiner Schwächen hat mir das Buch insgesamt recht gut gefallen, so das ich Teil 2 sicher auch lesen werde.

03.01.2013 23:36:06
M.Reinsch

Der früher als "Das Smaragdauge" ­bekannte Inspektor Pekkala, hat schon 9 Jahre in einem Gulag in Sibirien überlebt, als sich "Väterchen Russland" seiner erinnert. Nach gut 10 Jahren soll er die Ermordung der Zarenfamilie aufklären und wenn möglich natürlich den verschollenen Zarenschatz finden. Ihm zur Seite stehen der junge Kommissar Kirow und Pekkalas Bruder Anton, mit dem er seit seiner Jugend verfeindet ist.
Der Roman fängt sehr interessant Prolog an (wobei ich mich immer noch frage, wie man 9 Jahre solche Strapazen überleben kann) um sich dann in zwei Geschichten zu teilen. Die Erste besteht aus Rückblicken in Pekkalas Jugend und seinen Werdegang zum "Ersten Ermittler des Zaren", bis zur Machtergreifung durch die "Rote Armee".
Der zweite Handlungsstrang spielt 1929 und spiegelt die Suche der drei Protagonisten nach verwertbaren Informationen zur Ermordung der Zarenfamilie.
Während die Rückblenden immer wieder interessant und teilweise lehrreich sind, zieht sich die "Gegenwartsgeschichte" hin wie Sirup. Immer wieder tauchen etwas merkwürdige "Randfiguren" auf, die einem nur schlüssig werden, wenn man sich etwas mit der russischen Mentalität auseinandersetzt. Zum Ende der Geschichte ist dann leider schon fast alles vorauszusehen, bis auf (für mich) einige Ungereimtheiten. Pekkala bekommt zwar etwas Tiefe, aber eben nur so Viel, dass einiges an Geheimnissen für die Folgebände aufgehoben werden kann.
Ein Highlight ist die (reale) Zeittafel mit entsprechenden (realen) Handlungssträngen am Buchende, die die wahren Hintergründe zum Thema "Zarenfamilienermordung" aufschlüsselt.
Fazit: Unterhaltsamer Roman aus dem Beginn der Sowjetunion, mit einigen Längen. Der Vergleich zu Tom Rob Smith hinkt stark!