Roter Zar

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2010, Titel: 'Eye of the Red Tsar', Originalausgabe

Couch-Wertung:

96
Wertung wird geladen
Carsten Jaehner
Hochspannung um den letzten Zaren

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Nov 2012

Kurzgefasst:

Russland 1929: Eigentlich müsste Pekkala tot sein. Seit neun Jahren arbeitet der Zwangsarbeiter für ein Holzfällerkommando in der sibirischen Taiga. Ein tiefer Fall, denn bis zur Revolution war Pekkala Sonderermittler des Zaren und für dessen Sicherheit persönlich verantwortlich. Doch nun soll Pekkala für Stalin, den "roten Zaren", herausfinden, wie Nikolaus II. und die Romanows umgebracht wurden und wo sie ihren legendären Schatz versteckt hielten. Pekkala macht sich auf die Suche und gerät schnell in verschwörerische Machenschaften. Er weiß, dass ihm nicht viel Zeit bleibt. Stalin kennt kein Erbarmen. Es geht um Leben und Tod ...

 

Russland 1929. Pekkala arbeitet als Zwangsarbeiter mitten in der tiefsten sibirischen Taiga, als er abgeholt wird, um für Stalin zu arbeiten. Pekkala war einst der persönliche legendäre Sonderermittler des Zaren höchstpersönlich, und nun will Stalin wissen, wie und wo die Romanows starben und vor allem, wo der vermutete Goldschatz der Romanows ist.

Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Anton und Kommissar Kirow macht er sich auf den Weg und kehrt an den Ort seiner Vergangenheit zurück. Pekkala und seinen beiden Begleitern stellen sich sture russische Beamte und auch unwillige Kollegen in den Weg, und je näher sie der Wahrheit kommen, desto mehr Gegenwehr erleben sie. Für Pekkala geht es um Leben und Tod.

Was geschah mit den Romanows?

Sam Eastlands erster Roman um Inspektor Pekkala spielt in einer ungewohnten Zeit in einem selten beschriebenen Sujet und ist an Spannung kaum zu überbieten. Pekkala war einst Sonderermittler für den letzten Zaren, Nikolaus II., ausgestattet mit allen Rechten, die man haben kann, einem Freifahrtschein durch alle Lande und mit unbegrenzten Möglichkeiten. Erkennbar war er an einer Brosche, dem sogenannten Smaragdauge, und jeder wusste Bescheid und jeder hatte Respekt vor ihm. Da wurde nicht diskutiert, denn Pekkala war nur dem Zaren verpflichtet und versah seinen Dienst korrekt und zweifelsfrei.

Parallel zu seinen Ermittlungen, wie Pekkala aus der Zwangsarbeit geholt und von Stalin verpflichtet wird, erzählt Eastland seinen Werdegang - wie er Ermittler der Polizei wurde, indem er für seinen Bruder Anton einsprang, als es hiess, er wäre relegiert, wie er seine Karriere startete und zum persönlichen Geheimagenten des Zaren wurde. So erfährt man Vorgeschichte und aktuelle Geschichte im Wechsel, und schon dadurch beweist Eastland seine grosse Erzählkunst, denn man kommt nie durcheinander (durch normale und kursive Schrift sowieso unmöglich), und die Spannung in beiden Erzählteilen bleibt erhalten.

Ruhig und doch spannend

Eastland erzählt ruhig, aber spannend, und wenn auch die Nachforschungen nicht sehr actionreich sind, so spürt man doch stets das bedrückende politische System im Nacken. Es ist spannend, wie Pekkala in den Schacht hinabsteigt, in den die Leichen der erschossenen Romanows geworfen wurden, zumal er Höhenangst hat und nur eine kleine Funzel als Taschenlampe. Es ist spannend, dass eines der Familienmitglieder fehlt, was für Pekkala, der bei der Erschiessung damals nicht dabei sondern auf der Flucht war, eine Überraschung ist und völlig neue Spekulationen ermöglicht. Es ist spannend, wie sie die Dorfbewohner und andere Menschen von damals befragen. Es ist ruhig, aber es ist aufregend und so nah, als wäre man tatsächlich mit dabei.

Eastlands bedient sich keiner wirren Klatschgeschichten oder fantastischen Spekulationen, die sich um den Tod der Romanow-Familie ranken, sondern er hält sich an die tatsächlichen Fakten, wenngleich diese zum Teil erst Jahre und Jahrzehnte später ans Licht kamen. Dadurch, dass man gleichzeitig Pekkalas Vorgeschichte erzählt bekommt, lernt man auch die Zarenfamilie kennen und freundet sich ein bisschen mit ihr an, wenn das überhaupt möglich ist. Da deren Schicksal ja durchaus bekannt ist, verfolgt man die Geschichte von vornherein mit anderen Augen, als wenn man den Ausgang nicht kennen würde. Man erfährt Details der Erschiessung, sowohl von den Tätern als auch von den Opfern, man erlebt den Vorgang und ist erschüttert ob der Grausamkeit, wenngleich es nicht effekthascherisch beschrieben ist. Aber es ist eine intensive Erfahrung, die über der Jetzt-Zeit lagert und die sich ungemein geschickt ergänzt.

Überzeugende Atmosphäre und Charaktere

Getragen wird die Geschichte auch durch das gespaltene Verhältnis von Pekkala und seinem Bruder Anton, die sich irgendwie nicht grün sind und doch zur Zusammenarbeit gezwungen sind. Pekkala ist ein gezeichneter, schwieriger Charakter, der dennoch intelligent ist und durch seine Vergangenheit der einzige ist, der Stalins Auftrag erledigen kann. Man sympathisiert mit ihm, wenngleich er etwas knorrig ist. Der dritte im Bunde ist Kommissar Kirow, der eher zufällig und zwangsweise mit den beiden Brüdern unterwegs ist, da er es war, der Pekkala aus Sibirien wiederholen sollte. Mitgehangen, mitgefangen, und er hätte sich bestimmt nicht träumen lassen, was er da erleben und erfahren wird.

Die starke Atmosphäre des Romans ist ein weiterer Hauptdarsteller, und niemand weiss genau, ob sein Gegenüber Freund oder Feind ist. Misstrauen herrscht über allem, Armut und die Frage, ob man zur Partei gehört oder nicht, bestimmen die Gefühlslage. Der Zar ist tot, es lebe der rote Zar.

 

 

In diesem Land hat man nur dann eine Zukunft, wenn man keine Vergangenheit hat. Dieser Luxus ist weder Ihnen noch mir vergönnt, und früher oder später werden wir den Preis dafür zahlen.

 

Sam Eastlands erster Roman um Inspektor Pekkala bietet spannende Unterhaltung, wie man sie lange nicht zu lesen bekommen hat. Der "rote Zar" des Titels ist nicht Nikolaus II., sondern Stalin selbst wurde so genannt. Eye of the Red Tsar, also "Das Auge des roten Zaren" ist der Originaltitel, und dieser Titel trifft die Situation um Pekkala noch etwas besser, denn Pekkala hat Stalin nie getroffen und arbeitet trotzdem in seinem Auftrag. Ein weiterer Fall für Pekkala ist bereits auf englisch erschienen, und man wird mit Freude und Spannung wieder zugreifen. Absolut lesenwert.

Roter Zar

Roter Zar

Deine Meinung zu »Roter Zar«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren